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Datum: Kategorie(n): Sicherheit · Gefahrstoffe · Gesundheit · Drucken

Arbeitsschutz: So werden Unterweisungen wirksam

Unterweisungen als probates Instrument zur Verbesserung der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes klären die Beschäftigten über die betrieblichen Gefahren und die Verhaltensweisen zu deren Abwendung auf. Die Vorgesetzten sollen diese Inhalte erwachsenengerecht und interessant vermitteln, die Form und Methode der Unterweisung bleibt ihnen überlassen. Eine gelungene Unterweisung bedarf einer guten Vorbereitung, passender Rahmenbedingungen, überzeugender Vorgesetzter als Unterweisende und einer anschließenden Reflexion.

Zu den grundlegenden Pflichten des Unternehmers im Arbeitsschutz gehören die auf den Gefährdungsbeurteilungen basierenden regelmäßigen Unterweisungen. Die Anlässe für Unterweisungen sind

  • Neueinstellungen vor Aufnahme der Beschäftigung,
  • Veränderungen der Aufgaben oder bei den Arbeitsmitteln,
  • Einführung neuer Technologien
  • sowie regelmäßige Wiederholungen.

Während die Anlässe verbindlich festgelegt sind und die Inhalte sich aus der Gefährdungsbeurteilung ergeben, lässt der Gesetzgeber offen, in welcher Form und mit welcher Methode die Unterweisungen ausgeführt werden können. So wird die Entscheidung über den Ablauf insbesondere den betrieblichen Vorgesetzten überlassen. Zahlreiche Faktoren nehmen Einfluss auf die Qualität von Unterweisungen, beginnend bei den organisatorischen Rahmenbedingungen über die gute Vorbereitung der Unterweisenden bis hin zu einer Erfolgskontrolle.

In hohem Maße bestimmen die Unterweisenden über die Qualität der Unterweisung. Meist hat der Unternehmer die Pflicht auf die direkten Vorgesetzten übertragen, doch auch erfahrene Beschäftigte oder die Fachkraft für Arbeitssicherheit beteiligen sich an Unterweisungen. Bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen kann auch der Betriebsarzt oder die Betriebsärztin gefordert sein, im Rahmen einer Unterweisung toxikologisch-arbeitsmedizinisch zu beraten (§ 14 Gefahrstoffverordnung). Die direkten Vorgesetzten sind mit den Beschäftigten und deren Arbeitsbedingungen vertraut und dadurch am besten in der Lage, eine zielgruppengenaue Unterweisung durchzuführen. Diese Aufgabe kann für Vorgesetzte zu einer Doppelbelastung werden, wenn sie neben anderen Verpflichtungen steht. Die Unternehmen sind daher gefordert, den Unterweisenden genügend Zeit für die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung zu geben. Gesunde und sicher arbeitende Beschäftigte sollten diesen Aufwand wert sein!

Idealerweise vermitteln Unterweisungen Fachwissen in einer für Erwachsene geeigneten Art. Sie sind keine Belehrungen, sondern regen zu Gesprächen und Diskussionen an und geben damit den Vorgesetzten eine Rückmeldung über schlechte Arbeitsbedingungen. Überdies dienen sie auch der Sensibilisierung und Motivation der Beschäftigten. Und zu einer gelungenen Unterweisung gehört nicht nur die Erfüllung der gesetzlichen Anforderungen, sondern auch eine gute Vorbereitung. Inhalt und Methode sind zu planen – je nach Gruppe der Unterwiesenen und betrieblicher Situation kann ein Vortrag, ein Lehrgespräch, eine Gruppenarbeit oder eine Übung zielführend sein. Die Inhalte sind spezifisch für die Arbeitsplätze und direkt mit den Tätigkeiten verbunden. Die Unterweisenden sollten die Fähigkeiten und das Verhalten der Beschäftigten berücksichtigen und deren Vorwissen aktivieren. Der Erfolg einer Unterweisung kann sich je nach Lernziel in Erkenntnisgewinn, Veränderungen in den Einstellungen und im Verhalten zeigen.

Der IAG-Report 1/2017 „Erfolgsfaktoren von Arbeitsschutzunterweisungen – Identifikation und Messung“ erläutert diese und andere Voraussetzungen ausführlich. Dort ist auch ein Fragebogen hinterlegt, der als Checkliste zur Verbesserung der Arbeit der Unterweisenden dienen soll.

Elektronische Unterweisungen

Zur Vermittlung von Grundwissen über Gefahren und Maßnahmen im Arbeitsschutz können elektronische Unterweisungen geeignet sein. Software für multimediale Selbstunterweisungen wird von vielen Firmen angeboten. Die Vorteile dieser meist in modularer Weise aufgebaut und einfach zu bedienenden Programme liegen darin, dass einzelne Module bestimmten Beschäftigten je nach deren Tätigkeitsprofil gezielt zugeordnet werden und die Beschäftigten die Unterweisung zeitlich unabhängig bearbeiten können.

Sind Verständnisfragen eingebaut, wird ein Teilnahmezertifikat angeboten, sind Rückfragen bei Vorgesetzten möglich und ist die Dokumentation gewährleistet? Dann wird der rechtlich vorgegebene Rahmen eingehalten (§ 12 Arbeitsschutzgesetz, § 4 DGUV-Vorschrift 1). Doch zur nachhaltig gelungenen Unterweisung und zum Transfer des Gelernten in den Arbeitsalltag gehören auch praktische Übungen und die Motivation zu sicherheitsgerechtem Verhalten – idealerweise durch die Vorgesetzten. Hat eine Führungskraft beispielsweise bemerkt, dass die Beschäftigten sich sicherheitswidrig verhalten oder die persönliche Schutzausrüstung nicht regelmäßig tragen, sollte die Motivationsfähigkeit der Vorgesetzten zur Verhaltensänderung beitragen.

Angebote der UKH

Die Unfallkasse Hessen unterstützt Unterweisende durch die jährlich stattfindenden Seminare „Unterweisung, Grundseminar“ und „Erfahrungsaustausch Unterweisung“. Im dreitägigen Seminar werden die rechtlichen Grundlagen dargelegt und Lehrmethoden sowie Materialien vorgestellt. Alles Gelernte kann in Übungen trainiert werden, so dass zum Ende des Seminars die Teilnehmenden fertige kurze Unterweisungen darbieten können.

Im zweitägigen Erfahrungsaustausch haben die Teilnehmenden die Chance, selbst erarbeitete Unterweisungen im geschützten Raum zu erproben. Anhand von Videoaufnahmen erhalten sie wertvolle Hinweise zur Optimierung der eigenen Arbeit. Voraussetzung für die Beteiligung an diesem Erfahrungsaustausch ist die Teilnahme am Grundseminar.

Praxisnahe Hinweise gibt auch Band 15 der Schriftenreihe der UKH „Unterweisen in der betrieblichen Praxis“.

Für einige Betriebsarten stellen wir spezifische Unterweisungshilfen zur Verfügung, z. B. die DGUV Information „Sicherheit und Gesundheitsschutz im Abwasserbereich“ (DGUV 203-051) inklusive Unterstützung durch kurze Filme und durch Vorlagen für Präsentationen. 

 

inform Ausgabe 4/2017

Unterweisungen sind keine Belehrungen, sondern regen zu Gesprächen und Diskussionen an. Bild: ©Adobe Stock

Foto 1: Der aktuelle IGA-Report zum Download unter www.dguv.de, webcode: d13378; Foto 2: Hilfreiche Information für die Praxis

Autor/Interviewer: Dr. Gerlinde Brunke, E-Mail: g.brunke@ukh.de