Twitter Facebook Instagram Youtube Xing RSS Snapchat LinkedIn
inform ukh
Datum: Kategorie(n): Sicherheit · Gesundheit · Drucken

Arbeitsschutzorganisation in hessischen Kommunen

Die Organisation des betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutzes ist eine zentrale Grundlage sicherer und gesunder Betriebe. Unternehmer haben die Pflicht, für Sicherheit und Gesundheit ihrer Beschäftigten zu sorgen und alle dafür notwendigen Maßnahmen zu organisieren. Als wirksames Instrument zur Überprüfung der Organisation von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit etablierte die UKH die so genannte zentrale Erfassung der Arbeitsschutzorganisation in den Betrieben. Die neuesten Ergebnisse haben wir für Sie zusammengefasst.

Zentrale Erfassung

Die UKH ist gesetzlich verpflichtet, ihre Mitglieder bei der Umsetzung der gesetzlich geforderten Organisationspflichten zu unterstützen und diese zu überwachen. Die zentrale Erfassung stellt – ergänzend zu der Betreuung durch die Aufsichtspersonen und andere Präventionsmitarbeiter*innen – ein Instrument zur Beratung und Unterstützung der Mitgliedsbetriebe dar, um Arbeitsunfälle und arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren zu vermeiden. Es handelt sich um eine verpflichtende Selbst-Evaluation der Mitgliedsbetriebe, mit der diese über den Stand ihrer Organisation von Sicherheit und Gesundheit im Betrieb reflektieren und so bereits gut und vorschriftsmäßig organisierte Bereiche, aber auch solche mit Verbesserungspotenzial identifizieren können.

Für die Prävention der Unfallkasse Hessen stellt die zentrale Erfassung und die Verpflichtung der Mitgliedsbetriebe zur Auskunft ein wichtiges Instrument dar, um ein Gesamtbild der Situation in Sachen Sicherheit und Gesundheit vor Ort zu erhalten und um Betriebe mit besonderem Unterstützungsbedarf zu identifizieren.

Wie funktioniert die Erfassung?

Die zentrale Erfassung setzt sich als verpflichtende Erhebung zur Arbeitsschutzorganisation aus einer Befragung und, nach der Auswertung, der individuellen Rückmeldung zusammen. Die insgesamt 43 Fragen orientieren sich am „Nationalen Leitfaden für Arbeitsschutz-Managementsysteme“. Der Fragebogen enthält zu jeder Frage eine Erläuterung des sachlichen und rechtlichen Hintergrunds.

Schwerpunktthemen:

  • Verantwortungsregelungen/ Pflichtenübertragung
  • Umsetzung der DGUV Vorschrift 2,
  • Durchführung der Gefährdungsbeurteilung Durchführung von Unterweisungen,
  • Aktivitäten in Gesundheitsschutz und -förderung

 

Auswertung und individuelle Rückmeldung an die Mitgliedsbetriebe

Jeder Betrieb erhält nach Abschluss der Befragung eine individuelle Rückmeldung mit einer Auswertung für jede Antwort im Erhebungsbogen. So werden sowohl Verbesserungsmöglichkeiten veranschaulicht als auch Bereiche erwähnt, in denen bereits eine gute Arbeitsschutzorganisation erreicht wurde.

Ein wichtiges visuelles und transparentes Element ist die Ampelbewertung. So erhält der Betrieb zu Beginn der Auswertung eine individuelle Einstufung der Arbeitsschutzorganisation, welche auf den ersten Blick und in kompakter Form erkennen lässt, auf welchem Stand sich der Betrieb auf Basis seiner Selbstauskunft befindet. Bei einer grünen Ampel ist die Arbeitsschutzorganisation der Kommune als gut einzustufen; sie stellt eine gute Ausgangsbasis für erfolgreichen Arbeitsschutz dar. Eine gelbe Ampel wird im Fall eines noch verbesserungsbedürftigen Stands vergeben bzw. wenn der Arbeitsschutz in die betriebliche Organisation bisher nur teilweise integriert ist.

Die rote Ampel deutet auf eine mangelhafte Arbeitsschutzorganisation hin. In diesem Fall wurden Sicherheit und Gesundheitsschutz in der betrieblichen Organisation nur punktuell umgesetzt. Die Ampelfarbe Rot signalisiert dringenden Verbesserungsbedarf (z. B. bei fehlender Gefährdungsbeurteilung und/oder sicherheitstechnischer/betriebsärztlicher Betreuung). Alle „rot“ eingestuften Unternehmen sowie Betriebe, die auch nach mehreren Erinnerungen nicht antworteten, werden von den Aufsichtspersonen persönlich aufgesucht und über notwendige Verbesserungen beraten.

Unsere Ziele

Konkret verfolgt die zentrale Erfassung folgende Ziele:

  • Individuelle Rückmeldungen und die nachgehende Betreuung helfen den Betrieben, das Niveau des Arbeitsschutzes anzuheben.
  • Wiederholungsbefragungen (i. d. R. im Fünf-Jahres-Rhythmus) geben regelmäßig ein Feedback zum Niveau der Arbeitsschutzorganisation und dienen als Motivator, erforderliche Maßnahmen umzusetzen.
  • Die Unternehmer und ihre Führungskräfte erkennen ihre Verantwortung und erhalten aktuelle Informationen über die notwendige Organisation von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit.
  • Auf Basis des ermittelten Unterstützungsbedarfs entwickelt die UKH Schulungs- und Beratungsangebote und andere Maßnahmen.

 

Die neuesten Ergebnisse

Ampelbewertung

Das Niveau der Arbeitsschutzorganisation liegt bei einem Großteil (76 Prozent) der befragten 426 hessischen Kommunen im mittleren Bereich (gelbe Ampelbewertung). Dort sind kleinere bis mittlere Defizite in der Arbeitsschutzorganisation feststellbar, einige Bereiche lassen sich noch optimieren. Nur sieben Prozent der Kommunen setzen alle gesetzlichen Vorgaben zur Arbeitsschutzorganisation um und erhalten eine grüne Ampelbewertung. Deutliche Defizite in der Arbeitsschutzorganisation sind bei 17 Prozent der Kommunen feststellbar (rote Ampelbewertung). In diesen Fällen liegt aufgrund mangelhafter Organisation von Sicherheit und Gesundheit ein hoher Verbesserungsbedarf vor.

Kleine Kommunen

Die Auswertung der zentralen Erfassung ergab auch, dass der Anteil der „roten“ Betriebe bei den kleinen Gemeinden (weniger als 10.000 Einwohner*innen) höher liegt als bei größeren Kommunen. Kleine Gemeinden verfügen über weniger Personal und müssen dennoch die Vielzahl von Aufgaben, die eine Kommune zu bewerkstelligen hat, erledigen. Einzelne Mitarbeiter*innen müssen häufig eine vergleichsweise große Aufgabenvielfalt bewältigen. Folglich bleibt wenig freie Kapazität für die Pflichtaufgaben im Sinne von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Darüber hinaus verfügen kleinere Kommunen oft nur über geringe Einsatzzeiten für die Fachkraft für Arbeitssicherheit und den Betriebsarzt. Die UKH hat das Problem erkannt und möchte der Gruppe der kleinen Kommunen zukünftig verstärkte Aufmerksamkeit widmen und entsprechende speziell auf die Zielgruppe zugeschnittene Angebote erarbeiten.

Gefährdungsbeurteilung

Der Arbeitgeber ist dafür verantwortlich, eine Beurteilung der Arbeitsbedingungen (Gefährdungsbeurteilung) durchzuführen. Sie ist die entscheidende Grundlage allen betrieblichen Handelns in Bezug auf Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten.

Unter den befragten hessischen Kommunen haben 35 Prozent die Gefährdungen für alle Arbeitsbereiche und Tätigkeiten in ihrer Kommunalverwaltung beurteilt, 55 Prozent haben nur für Teilbereiche oder ausgewählte Tätigkeiten eine Beurteilung der Arbeitsbedingungen durchgeführt. Rund zehn Prozent haben noch keine Beurteilung vorgenommen bzw. haben keine Informationen darüber, ob für alle Bereiche Gefährdungsbeurteilungen vorliegen.

Mehr als 21 Jahre nach Inkrafttreten des Arbeitsschutzgesetzes sind bei der Durchführung der Gefährdungsbeurteilung also noch Defizite feststellbar. Tatsache ist, dass die Gefährdungsbeurteilung insbesondere für kleine Kommunen mit erheblichem Arbeitsaufwand verbunden ist. Aufgrund der geschilderten Defizite ist diese darum nach wie vor ein Schwerpunktthema in den Schulungen der UKH und in der persönlichen Beratung der Betriebe.

Arbeitsmedizinische und sicherheitstechnische Betreuung und DGUV Vorschrift 2

Seit dem 1.1.2011 sind die Vorgaben aus der DGUV Vorschrift 2 anzuwenden. Diese präzisiert die Anforderungen an die betriebsärztliche und sicherheitstechnische Betreuung der Betriebe nach dem Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG) und unterscheidet zwischen der Grundbetreuung, die anhand der Personalgröße zu errechnen ist, und der betriebsspezifischen Betreuung, die den Aufwand für besondere Gefährdungen und Aktivitäten sowie für die arbeitsmedizinische Vorsorge nach ArbMedVV (Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge) beinhaltet.

Knapp 75 Prozent der befragten Kommunen haben die DGUV Vorschrift 2 bereits umgesetzt, weitere 17 Prozent erfüllen die Anforderungen an die betriebsärztliche und sicherheitstechnische Betreuung nur teilweise. Ein sehr geringer Anteil der hessischen Kommunen hat die DGUV Vorschrift 2 bisher gar nicht umgesetzt bzw. kennt diese noch nicht (insgesamt acht Prozent der Mitgliedsbetriebe).

Die Befragung ergab zudem, dass die Betriebsärzte zu wenige Leistungen, die die DGUV Vorschrift 2 für die Grundbetreuung vorsieht, erbringen. Im Bereich der Mitwirkung an der Gefährdungsbeurteilung sowie bei der Begehung von Arbeitsplätzen – unabhängig von Eingliederungsmaßnahmen – zeigen die Ergebnisse der Befragung, dass noch deutliche Defizite bei der Nutzung betriebsmedizinischer Beratungskompetenz bestehen. Nur 56 bzw. 59 Prozent der Kommunen nutzen diese in den beiden genannten Bereichen. Beratungen zur ergonomischen Gestaltung von Arbeitsplätzen und zur Umsetzung von Arbeitsschutzvorschriften werden hingegen von einem großen Teil der Kommunen in Anspruch genommen (69 bzw. 70 Prozent der Kommunen).

Tendenz: Verbesserung klar erkennbar

Die zentrale Erfassung trägt durch die Kombination von Befragung, Rückmeldung und nachgehender Beratung dazu bei, eine nachhaltige Verbesserung der Organisation von Sicherheit und Gesundheit in den Mitgliedsbetrieben zu realisieren. Im Vergleich zur ersten zentralen Erfassung der Kommunen ist eine Tendenz zur Verbesserung der Arbeitsschutzorganisation erkennbar. Die laufende Betreuung durch die Aufsichtspersonen trägt hierbei maßgeblich zu entsprechenden Fortschritten bei. Die steigende Zahl von Arbeitsschutzkoordinatoren in den Kommunen zeigt zudem, dass die Organisation von Sicherheit und Gesundheit in den Kommunen schrittweise einen höheren Stellenwert erhält.

Für die 2018 geplante zentrale Erfassung der hessischen Landesbetriebe planen wir erstmals eine Online-Befragung. Ein Online-Fragebogen mit automatisch erstellter Auswertung und Rückmeldung wird zum Einsatz kommen. Das Auswertungsergebnis steht den Mitgliedsbetrieben dann unmittelbar nach dem elektronischen Versand des Fragebogens zur Verfügung. Das zeitnahe Ergebnis ermöglicht die direkte Umsetzung von Maßnahmen und interne Diskussionen der Ergebnisse.

 

inform Ausgabe 4/2017

Kurzer Überblick

Das Niveau der Arbeitsschutzorganisation liegt bei einem Großteil (76 Prozent) der befragten 426 hessischen Kommunen im mittleren Bereich (gelbe Ampelbewertung). Nur sieben Prozent der Kommunen setzen alle gesetzlichen Vorgaben zur Arbeitsschutz- organisation um und erhalten eine grüne Ampelbewertung. Deutliche Defizite in der Arbeitsschutzorganisation sind bei 17 Prozent der Kommunen feststellbar: Rote Ampelbewertung!

Prozess der Gefährungsbeurteilung (nach GDA-Leitlinie)

Ampelbewertung in hessischen Kommunen

Autor/Interviewer: Sandro L’Assainato, E-Mail: s.lassainato@ukh.de