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Datum: Kategorie(n): Präventionskampagnen · Gesundheit · Sicherheit · Drucken

Berufsgenossenschaften und Unfallkassen: Kick-off der Kampagne „kommmitmensch“

„kommmitmensch“ – dazu laden Berufsgenossenschaften und Unfallkassen mit ihrer neuen Kampagne ein. Am 18. Oktober fand der Kick-off im Rahmen der Fachmesse A+A in Düsseldorf statt. Wer der Einladung „kommmitmensch“ folgt, lernt die Stellschrauben für ein sicheres und gesundes Arbeiten und Leben kennen. Das große Ziel: die Kultur der Prävention in den Unternehmen und Bildungseinrichtungen zu verändern.

Jahr für Jahr melden Berufsgenossenschaften und Unfallkassen neue Tiefstände für das Unfallrisiko bei der Arbeit. Zuletzt lag die Quote je 1.000 Vollarbeiter noch bei 21,89 meldepflichtigen Arbeitsunfällen – kein Vergleich zu den über hundert meldepflichtigen Unfällen, die noch bis Anfang der 1970er Jahre das Geschehen prägten. Auch die Zahl der neuen Unfallrenten ist stark gesunken. Sie liegt bei 0,4 je 1.000 Vollarbeiter, ein Sechstel des Wertes von 1970. Dennoch starten Berufsgenossenschaften und Unfallkassen in diesem Jahr eine neue Kampagne.

„Dafür gibt es im Wesentlichen zwei Gründe“, erklärt Dr. Walter Eichendorf, stv. Hauptgeschäftsführer des Spitzenverbandes Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV). „Der eine ist: Wir haben schon viel erreicht, aber es fällt uns immer schwerer, weitere Verbesserungen bei den Unfallzahlen zu erreichen. Wir brauchen daher einen neuen Ansatz, wenn wir unserem Ziel, einer Welt ohne Arbeitsunfälle und arbeitsbedingter Erkrankungen, näherkommen wollen.“

Der zweite Grund habe etwas mit dem Wandel der Arbeitswelt zu tun: „Wir erleben bereits tiefgreifende Veränderungen, wie Menschen arbeiten und leben. Es ist keineswegs garantiert, dass dies nicht auch wieder zu steigenden Unfallzahlen führen könnte. Wir brauchen daher eine Herangehensweise, die mögliche Risiken in den Blick nimmt, bevor sie massenhaft in die betriebliche Praxis Eingang finden. Um auch die Arbeitswelt von morgen sicher und gesund zu gestalten und das prioritäre Ziel der ‚Vision Zero‘ zu erreichen, d. h., tödliche und schwere Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten sind Krankheiten, die sich ein Arbeitnehmer durch seine berufliche Tätigkeit zuzieht und die entweder in der Berufskrankheiten-Verordnung verzeichnet oder die nach neuen medizinischen Erkenntnissen durch den Beruf verursacht sind.
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Berufskrankheiten
zu vermeiden, mobilisieren wir daher mit der Kampagne ‚kommmitmensch‘ weitere Kräfte.“

Messbare Werte danke guter Führung

Mit ihrer Kampagne spannen die in der DGUV organisierten Unfallkassen und Berufsgenossenschaften den Bogen weiter. Unter dem Schlagwort „Präventionskultur“ lenken sie den Blick darauf, welchen Stellenwert Sicherheit und Gesundheit in einem Betrieb oder einer öffentlichen Einrichtung genießen. Tatsächlich lässt sich dieser Wert ablesen: Wenn sich kaum Unfälle ereignen und Beschäftigte selten krankheitsbedingt ausfallen, steckt etwas dahinter: eine Führung, die dafür sorgt, dass die Beschäftigten keinen körper- lichen und psychischen Gefahren ausgesetzt sind. Wie das gelingen kann, zeigt die Kampagne „kommmitmensch“ – SICHER. GESUND. MITEINANDER.

Gute Beispiele und Handlungshilfen für ein sicheres und gesundes Miteinander

Die Kampagne stellt gute Beispiele vor, die eines gemeinsam haben: Alle Beteiligten denken und handeln „selbstverständlich sicher und gesund“. Zugleich zeigt sie, wo die Stellschrauben liegen – in den Handlungsfeldern Führung, Kommunikation, Beteiligung, Fehlerkultur, Betriebsklima, Sicherheit und Gesundheit. Dabei macht die Kampagne keine Vorschriften – die gibt es für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz bereits –, sondern wirbt ohne erhobenen Zeigefinger für ein gesundes Miteinander. „Wer aus Überzeugung gesund und sicher handelt, tut es in allen Lebensbereichen“, erklärt der Pressesprecher der DGUV, Gregor Doepke. „Denken Sie zum Beispiel an das Thema Kopfschutz: Der Bauingenieur trägt Helm auf der Baustelle, beim Arbeitsweg mit dem Fahrrad und ebenso seine ganze Familie bei der Fahrradtour am Wochenende.“

Mehrwert für Unternehmen – es zahlt sich aus!

Trägt die Kampagne Früchte, schaffen Unfallkassen und Berufsgenossenschaften damit einen Mehrwert für die bei ihnen versicherten Betriebe und Einrichtungen. Unternehmen und Verwaltungen profitieren von einer guten Präventionskultur unter anderem durch geringere Ausfallzeiten und Unfallzahlen und den Zugewinn an Qualität und Attraktivität. So liegt das Kosten-Nutzen-Verhältnis von Investitionen in den betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz nach Forschungsergebnissen der Justus-Liebig-Universität Gießen bei 1,6. Das bedeutet: Für 100 Euro, die ein Unternehmen in Gesundheit und Sicherheit investiert, stehen langfristig 160 Euro Ertrag zu Buche.

Multimedia-Kampagne und regionale Starts von Aktionen und Maßnahmen

Die Kampagne startete auf der Fachmesse A+A am 18. Oktober in Düsseldorf. Weitere Veranstaltungen bei und mit Berufsgenossenschaften und Unfallkassen schließen sich an.

Parallel wecken Plakate im öffentlichen Raum Neugier. Sie setzen den Slogan „kommmitmensch“ typografisch in Szene und spielen mit seiner Deutungsvielfalt. Auf Facebook, Instagram und Twitter wird die Kampagne intensiv begleitet werden, unter anderem mit kurzen Filmen der Regisseurin Isa Prahl, die das Thema mit einem Augenzwinkern aufgreifen. Ab 2018 werden redaktionelle Anzeigen in Fach- und Publikumsmedien die mediale Präsenz erhöhen und weitere Aktivitäten vorbereiten, zu denen die Unfallversicherungsträger ab März 2018 nach und nach ihre Mitgliedsbetriebe und Einrichtungen einladen werden. Zugleich fokussiert sich die Kampagne auf das erste Handlungsfeld „Führung“ und stellt dazu Handlungshilfen bereit. Im Sinne von „kommmitmensch“ sind alle eingeladen, selbst aktiv zu werden.

Sechs Handlungsfelder für sichere und gesunde Unternehmen:

  1. Führung
    Die Unternehmensleitung ist ein entscheidender Impulsgeber für die Botschaft, dass Sicherheit und Gesundheit zentrale Themen im Betrieb sind. Führungskräfte sind Vorbilder für die Beschäftigten, ihr Verhalten wird übernommen.
  2. Kommunikation
    Probleme und Ideen zum Thema Sicherheit und Gesundheit sollten Unternehmen regelmäßig und auf Augenhöhe mit allen Beschäftigten besprechen, wichtige Informationen sollten vollständig und gut verständlich bei all denen ankommen, die sie betreffen. Denn bereits die Kommunikation über Risiken und Verbesserungspotenziale erhöht das Sicherheits- und Gesundheitsniveau für alle.
  3. Beteiligung
    Die Beschäftigten kennen ihre eigenen Arbeitsplätze am besten und schätzen es, wenn ihre Meinung und ihre Erfahrungen gefragt sind. Wer ihr Wissen nutzt, indem er sie an wichtigen Entscheidungen zu Sicherheit und Gesundheit beteiligt, kann effektiver und effizienter handeln.
  4. Fehlerkultur
    Unternehmen, die Abweichungen und Beinahe-Unfälle systematisch erfassen und zusammen Lösungen erarbeiten, reduzieren Unfallrisiken erheblich. Ereignen sich doch Unfälle und Erkrankungen, sollten diese offen und ohne Schuldzuweisung diskutiert werden, so dass alle für die Zukunft daraus lernen.
  5. Betriebsklima
    Ein gutes Betriebsklima entsteht durch gegenseitige Wertschätzung, Vertrauen und Fairness und sorgt dafür, dass sich alle Beschäftigten wohl fühlen.
  6. Sicherheit und Gesundheit
    Ganz gleich, ob es um die Anschaffung einer neuen Maschine geht, um Umstrukturierungen in der Firma oder darum, den Pausenraum umzugestalten – die Sicherheit und die Gesundheit der Beschäftigten sollte bei allen wichtigen betrieblichen Entscheidungen im Blick sein.  

 

inform Ausgabe 4/2017

Werkzeuge der Kampagne

  • www.kommmitmensch.de
  • Facebook, Twitter, Instagram, Xing
  • Social-Media-Spots
  • Erklärfilme, u. a. mit NAPO
  • Plakate und Anzeigen
  • Beiträge in Printmedien
  • Broschüren
  • Handlungshilfen und Toolboxen
  • Aktionen in den Betrieben
  • Seminare, Workshops, E-Learning-Angebote für Fach -und Führungskräfte in den Betrieben

"Wer aus Überzeugung gesund und sicher handelt, tut es in allen Lebensbereichen."  Gregor Doepke, Pressesprecher DGUV

Die Plakate begegnen Ihnen jetzt überall im Alltag. Sie sollen neugierig machen auf die Kampagne.

Fotos: DGUV

Autor/Interviewer: Quelle: DGUV,