Twitter Facebook Instagram Youtube Xing RSS
inform ukh
Datum: Kategorie(n): Versicherungsschutz · Leistungen UKH · Drucken

Betriebliche Gesundheitsförderung

Auch öffentliche Arbeitgeber erkennen mehr und mehr die Wichtigkeit und den Nutzen der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF). So vielfältig die Angebote sind, so umfangreich sind auch die Fragen rund um den Versicherungsschutz für die Teilnehmer. Klare Regelungen und Vorgaben des Arbeitgebers sorgen für Sicherheit.

Ein Teufelskreis

Die häufigste Ursache gesundheitlicher Probleme in der heutigen Zeit der Entwicklung in Richtung Dienstleistungsgewerbe ist eine körperliche Unterforderung. Getreu dem Motto: „Was nicht genutzt wird, das verkümmert“, können fehlende körperliche Anstrengungen massive negative Erscheinungen wie Rückenschmerzen, Gelenkprobleme oder Stoffwechselstörungen begünstigen. Neben der physischen Unterforderung entsteht häufig eine Überforderung auf der psychischen Ebene durch Zeitdruck, Arbeitstempo und Kommunikationsgeschwindigkeit, die u. a. verantwortlich für eine steigende Zahl an psychischen Erkrankungen im Arbeitsalltag sind. Der Ausgleich fehlt, da Privat- und Arbeitsleben oftmals nicht mehr klar voneinander getrennt werden können.

Es gibt einen einfachen Weg aus diesem Teufelskreis – Bewegung und körperliche Aktivität als Mittel einer Regulation, mit Reizen für alle Organsysteme, der Möglichkeit des mentalen Ausgleichs und des sozialen Austauschs. Bewegungsprogramme sowie die Verbesserung der Verhältnisse im Unternehmen stellen die wesentlichen Faktoren einer erfolgreichen Gesundheitsförderung dar.

BGF als Unternehmensstrategie

Bei Betrieblicher Gesundheitsförderung geht es um viel mehr als um Obstkörbe und Business Runs. Eine moderne Unternehmensstrategie geht von der Annahme aus, dass unsere persönliche Gesundheit maßgeblich durch das Unternehmen, in dem wir arbeiten, mitgeprägt wird. Umgekehrt ist jedes Unternehmen auf die Leistungsfähigkeit und damit auch auf die Gesundheit seiner Mitarbeiter*innen angewiesen. Damit rücken Aspekte wie sozialer Zusammenhalt am Arbeitsplatz, Mitgestaltungsmöglichkeiten oder auch Freude an der beruflichen Tätigkeit selbst in den Mittelpunkt des gesundheitsförderlichen Interesses.

Die BGF umfasst die Bereiche des Gesundheits- und Arbeitsschutzes, des betrieblichen Eingliederungsmanagements sowie der Personal- und Organisationspolitik. Sie schließt alle im Betrieb durchgeführten Maßnahmen zur Stärkung der gesundheitlichen Ressourcen ein.

Aus dieser Erkenntnis heraus stößt die BGF auf zunehmend größeres Interesse, da sie ein geeignetes Mittel ist, auf die gesundheitlichen Beanspruchungen der Beschäftigten und auf veränderte psychische Belastungen angemessen zu reagieren.

Versicherungsschutz

Veranstaltungen der betrieblichen Gesundheitsförderung sind versichert, wenn sie dem Beschäftigungsverhältnis zuzurechnen sind und im Interesse des Unternehmers liegen. Kein gesetzlicher Unfallschutz besteht dagegen, wenn der Arbeitgeber die Teilnahme an einer Maßnahme ausdrücklich ablehnt. So weit die Theorie. In der Praxis sind die Verhältnisse oft nicht so eindeutig. Der Arbeitgeber fördert hier beispielsweise Maßnahmen durch finanzielle Hilfen oder er duldet lediglich die Durchführung im Betrieb.

Förderung oder Duldung?

Als Grundsatz gilt: Versicherungsschutz bei der Teilnahme an Maßnahmen des BGF besteht immer dann, wenn dem Betriebsinteresse im Verhältnis zum privaten Interesse des Versicherten an der Gesundheit eine wesentliche Bedeutung zukommt. Deshalb muss die Teilnahme an der Maßnahme angerechnet werden

  • entweder auf die Arbeitszeit oder
  • auf das Weiterbildungskonto des Beschäftigten

Klarheit sorgt für Rechtssicherheit!

Je klarer die Regelung, desto eindeutiger ist die Beurteilung des Versicherungsschutzes. Sorgen Sie also im Vorfeld für klare Regelungen. Bringen Sie zum Ausdruck, welche Maßnahmen Sie als Bestandteil des Beschäftigungsverhältnisses sehen und welche Sie ausdrücklich ablehnen.

Versicherte BGF-Maßnahmen – Fallbeispiele aus der Praxis

Gesundheitstag

Der Arbeitgeber veranstaltet einen Gesundheitstag während der Arbeitszeit, an dem alle Beschäftigten teilnehmen können. Versichert ist die Teilnahme an allen Angeboten.

Gesundheitsseminar

Der Arbeitgeber hat ein zweitägiges auswärtiges Seminarangebot „Work-Life-Balance“ im Weiterbildungsprogramm aufgeführt. Er übernimmt die Kosten und stellt Arbeitszeit zur Verfügung.

Bildungsprogramm

Den Beschäftigten wird u. a. das Seminar „Endlich für immer Nichtraucher!“ angeboten. Die Teilnahme gilt als Arbeitszeit.

Aktive Pause

Der Arbeitgeber organisiert in der Mittagspause sportliche Aktivitäten und erkennt hierfür 30 Minuten als Arbeitszeit an. Die Aktivitäten werden von Mitarbeitern im Auftrag des Arbeitgebers betreut,die über entsprechende Qualifizierungsmaßnahmen verfügen.

Regelmäßige Gruppenkurse

Ein Entspannungskurs findet zweimal wöchentlich während der Arbeitszeit im Betrieb statt. Teilnehmer und Arbeitgeber übernehmen jeweils anteilig die Kosten für den Trainer.

Vorgeschriebene Immunisierungsmaßnahmen

Der Arbeitgeber veranlasst eine für die Tätigkeit des Beschäftigten notwendige Impfung (z. B. Hepatitis-Impfung), die vom Betriebsarzt durchgeführt wird.

Übungen am Arbeitsplatz

Im Auftrag des Arbeitgebers zeigt eine qualifizierte Physiotherapeutin den Beschäftigten Übungen zur Lockerung, Kräftigung, Dehnung und Entspannung der Rückenmuskulatur am Arbeitsplatz.

BGF-Maßnahmen ohne Unfallschutz – Fallbeispiele:

Empfehlung des Arbeitgebers

Der Arbeitgeber empfiehlt die Teilnahme am auswärtigen Seminar „Work-Life-Balance – persönliches Gesundheitsmanagement in der Praxis“. Er übernimmt die Kosten der Hotelunterbringung und der Anfahrt, aber nur unter der Bedingung, dass die Beschäftigten an dem Seminar in ihrer Freizeit teilnehmen.

Kurse außerhalb der Arbeitszeit

Entspannungskurse finden im Anschluss an die Arbeitszeit statt – ohne Zeitgutschrift oder Anrechnung auf ein Weiterbildungskonto.

Kostenbeteiligung Fitnesscenter

Der Arbeitgeber beteiligt sich mit 50 Prozent am Beitrag für den Besuch im Fitnesscenter. Eine Anrechnung auf die Arbeitszeit oder ein Weiterbildungskonto gibt es nicht.

Fitnessraum im Betrieb

Die Unternehmensleitung stellt den Beschäftigten einen Fitnessraum zur Verfügung, der jedoch nur außerhalb der Arbeitszeiten genutzt werden darf.

 

Abgrenzung zu anderen versicherten betrieblichen Tätigkeiten

Die Maßnahmen der BGF sind von anderen betrieblichen Aktivitäten oder Veranstaltungen abzugrenzen. Zweck des BGF ist es, die Gesundheit der Beschäftigten zu erhalten oder zu stärken. Deshalb zählen Betriebsfeiern, Gemeinschaftsveranstaltungen, teambildende Maßnahmen oder Angebote mit Belohnungs- oder reinem Erholungscharakter grundsätzlich nicht zur Gesundheitsförderung. Versicherungsschutz für solche Maßnahmen ist ggf. nach anderen Kriterien zu prüfen.

BGF-Maßnahmen als versicherter Betriebssport gilt als versicherte Tätigkeit und unterliegt dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung, wenn er darauf abzielt, den beruflich bedingten körperlichen oder geistigen Belastungen entgegenzuwirken.
[mehr +]
Betriebssport
:

  • Das Unternehmen organisiert im Rahmen des wöchentlich stattfindenden Betriebssports unterschiedliche Bewegungskurse.
  • Das Unternehmen bietet in einem öffentlichen Schwimmbad wöchentlich Wassergymnastik an. Die Organisation (Führen der Teilnehmerlisten, Zu- und Absagen, Vertragsverhandlungen mit dem Schwimmbad, Übernahme der Kosten für die Hallenmiete etc.) werden vom Arbeitgeber durchgeführt. Die Durchführung der Kurse übernimmt eine qualifizierte Übungsleiterin, die vom Arbeitgeber bezahlt wird.

Betriebliche Gemeinschaftsveranstaltungen

Auch im Rahmen betrieblicher Gemeinschaftsveranstaltungen können BGF-Maßnahmen durchgeführt werden. So sind zum Beispiel Wandertage, Fahrrad- oder Kanutouren als betriebliche Gemeinschaftsveranstaltungen versichert, ebenso wie Stadtbesichtigungen mit Wanderungen, Bootsfahrten oder Museumsbesuche.

 

inform 3/2017

BGF lohnt sich für Unternehmen:

  • erhöhte Arbeitszufriedenheit und -produktivität
  • gesteigerte Produkt- und Dienstleistungsqualität
  • verbesserte betriebliche Kommunikation und Kooperation
  • langfristige Senkung von Krankheitskosten
  • Imageaufwertung für das Unternehmen
  • besseres Betriebsklima
  • gesünderes Verhalten in Betrieb und Freizeit

Bild: ©Adobe Stock

Autor/Interviewer: a.pistauer@ukh.de, E-Mail: Alex Pistauer