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Datum: Kategorie(n): Sicherheit · Gesundheit · Drucken

„Ein erfolgreicher Arbeitsschutz braucht Ausdauer.“

Gert Battenfeld ist als Arbeitsschutzkoordinator beim Landkreis Gießen beschäftigt. Durch frühere Tätigkeiten war bereits seit langer Zeit sein Interesse für Sicherheit und Gesundheit, auch und gerade am Arbeitsplatz, geweckt. Seit 2011 richtet sich seine Aufmerksamkeit so auf die arbeitsschutzrechtlichen Belange für die rund 1.000 Beschäftigten der Kreisverwaltung.

inform: Was interessierte Sie am Aufgabenbereich des Arbeitsschutzkoordinators, als Sie diese Tätigkeit übernahmen?

Gert Battenfeld: Als die DGUV Vorschrift 2 verabschiedet wurde, wusste ich, dass die Umsetzung einige Änderungen für die Kreisverwaltung mit sich bringen würde. Besonders für die Neuerungen habe ich mich sehr interessiert, weil es hier einige Herausforderungen zu meistern gab und gibt.

inform: Wie sind Sie organisatorisch im Bereich Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit aufgestellt?

Gert Battenfeld: Der Arbeitsschutz obliegt nicht mir allein, sondern wir arbeiten sehr erfolgreich in einem Team von vier Akteuren zusammen: der Betriebsarzt, die Fachkraft für Arbeitssicherheit, die Personalvertretungen und ich. Das Kernteam ist neben dem Arbeitsschutzausschuss ein wesentlicher Bestandteil unserer erfolgreichen Arbeit. Wir arbeiten sehr vertrauensvoll miteinander und gute Kommunikation ist unser Schlüssel zum Erfolg. Große Unterstützung erfahren wir hier auch von unserer Landrätin.

inform: Wie gehen Sie bei Ihrer Arbeit strategisch vor?

Gert Battenfeld: Wir setzen uns Jahresziele: sei es die Schulung aller Führungskräfte oder die vollständige Begehung bestimmter Arbeitsplätze oder auch das Führen von einer gewissen Anzahl an Nachsorgegesprächen nach Arbeitsunfällen.

inform: Was hat Ihre Arbeit so erfolgreich gemacht?

Gert Battenfeld: Um alle verantwortlichen Akteure im Arbeitsschutz mit ins Boot zu holen, haben wir 2012 einen Führungskräftetag mit Unterstützung der UKH veranstaltet, bei dem alle informiert und sensibilisiert wurden. Er diente gleichzeitig dazu, sie auf die Veränderungen durch die DGUV Vorschrift 2 vorzubereiten. Im Nachgang ist eine Dienstanweisung „Arbeits- und Gesundheitsschutz“ erlassen worden.

Um beispielsweise den Einstieg in die Gefährdungsbeurteilung so barrierefrei wie möglich zu gestalten, haben wir 2014 zu diesem Thema ein Seminar für Führungskräfte veranstaltet, das auch sehr gut angenommen wurde. Danach haben wir eine Muster-Gefährdungsbeurteilung erstellt, die als Datei in unserem Intranet abgelegt ist, so dass jeder Zugriff darauf hat. Generell haben wir im Intranet einen eigenen Bereich für den Arbeitsschutz sehr prominent platziert, in dem wir transparent alle Informationen zur Verfügung stellen. Diese Hilfestellungen leben wir auch nach außen, beispielsweise hängt mittlerweile in fast jedem Raum ein Notfallplan, so dass man im Falle eines Alarms alle notwendigen Hinweise auf einen Blick findet.

inform: Was können Sie über den gesetzlichen Rahmen hinaus noch dafür tun, um die Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz bei der Kreisverwaltung zu verbessern?

Gert Battenfeld: Wir haben zum Beispiel kürzlich den quasi-ehrenamtlichen Teil des Arbeitsschutzes auf ganz neue Füße gestellt. Alle Sicherheitsbeauftragten, Ersthelfer*innen und Brandschutzhelfer*innen wurden 2016 neu ausgeschrieben und bestellt. So konnten wir 145 motivierte Kolleg*innen für diese Aufgaben gewinnen. Mit den Sicherheitsbeauftragten trifft sich das „Kernteam“ nun jährlich zum Erfahrungsaustausch und zum Sammeln und Weiterentwickeln von Verbesserungsvorschlägen.

inform: Was war Ihr größter Erfolg?

Gert Battenfeld: Mein persönliches Ziel ist, allen Mitarbeiter*innen die bestmögliche Prävention anzubieten. Und dass das Thema Arbeitsschutz Eingang in den Alltag gefunden hat, ist auch bereits als Erfolg zu sehen. Die Seminare der Unfallkasse Hessen und der Austausch mit den Fachleuten dort haben mir dabei sehr geholfen.

Wer Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit erfolgreich bearbeiten will, muss hartnäckig bleiben: Manchmal müssen eben dicke Bretter gebohrt werden. Bevor ich in den Ruhestand gehe, möchte ich noch ein Arbeitsschutzhandbuch schreiben, das für alle Kolleg*innen in der Kreisverwaltung Grundlage ihrer Arbeit sein kann.  

 

inform Ausgabe 4/2017

Gert Battenfeld, ASK beim Landkreis Gießen, arbeitet mit Jahreszielen.

Autor/Interviewer: Cordula Kraft, E-Mail: c.kraft@ukh.de