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Datum: Kategorie(n): Schule · Bewegung & Sport · Gesundheit · Sicherheit · Drucken

Mit Parkour-Sport Bewegungsrisiken besser einschätzen

Schnell und effizient von A nach B kommen – das ist das Ziel der Trendsportart Le Parkour. Hindernisse überwinden mit der Kraft und Beweglichkeit des eigenen Körpers. Aber nicht nur in der Freizeit wird die Fortbewegungsart immer beliebter, sie wird inzwischen auch an Schulen unterrichtet und die Sportlehrkräfte müssen entsprechend geschult sein. So waren die Parkour-Workshops, die die UKH auf dem hessischen Sportlehrertag veranstaltete, gut besucht. Im Rahmen des Schulsports, in der sicheren Umgebung einer Turnhalle, mit Trainer*in, Matten und Hilfestellung, sollen Schüler*innen lernen, Bewegungsrisiken durch Springen oder Klettern realistisch einzuschätzen und so Unfälle zu vermeiden.

Tief einatmen, volle Konzentration auf den Anlauf und los geht’s: ein gehockter Sprung über einen hohen Kasten. Jeder Schritt, jeder Griff ist wohl platziert. Gekonnt leichtfüßig zeigt Trainer Christoph Walther den Teilnehmer*innen der Workshops „Le Parkour und Freerunning“, worauf sie beim Überwinden von Hindernissen achten müssen, welche unterschiedlichen Sprünge es gibt und wie Verletzungen vermieden werden können.

Dr. Christoph Walther ist Lehrer für Mathematik und Sportunterricht an der Rudolf-Koch-Schule in Offenbach. Gemeinsam mit anderen Sportlehrern und Sportlehrerinnen hat er das Projekt „wimasu“ (wir machen Sportunterricht) ins Leben gerufen, um immer wieder neue Unterrichtsideen für den Schulsport zu entwickeln.

Workshop 1: Le Parkour und Freerunning für Anfänger

Zunächst erklärt Christoph Walther den Sportlehrer*innen die wichtigsten Regeln, um Parkour im Schulsport unterrichten zu können: Hindernisse und Situationen richtig einschätzen, Hindernisse vor jeder Stunde überprüfen und die Grundtechniken zuerst vermitteln. „Bevor man keine Rolle kann, kann man auch keinen Salto springen,“ erklärt Christoph Walther.

Parkour ist eigentlich eine Outdoor-Sportart, aber in Turnhallen eignen sich Kästen, Sprungbretter, Sprossenwände, Bänke, Barren usw. gut, um die Abläufe in einer sicheren Umgebung zu erlernen.

Parkour für Jung und Alt?

Schon in der Grundschule kann Parkour unterrichtet werden. Die Hindernisse werden je nach Alters- und Trainingsstufe angepasst. Kästen werden beispielsweise niedriger gemacht, Matten anders verteilt und die Hilfestellung entsprechend organisiert. Nach und nach steigen die Anforderungen. So macht es auch der Trainer im heutigen Workshop, denn von den Teilnehmer*innen hatte bisher niemand Berührung mit Parkour.

Kästen, Barren, Sprossenwände

Nach einem kurzen Aufwärmtraining geht’s los. Zuerst wird der Sprung über unterschiedlich hohe Kästen geübt. Dann ist der Stufenbarren dran. Weiter geht’s mit Reck, Bänken und Sprossenwand. Auch das Sprungbrett kommt zum Einsatz. Dabei ist den Sportlehrer*innen durchaus etwas Respekt vor den Hindernissen anzumerken. „Die Übungen sind erst mal eine Herausforderung und es braucht etwas Mut, nicht nur auf die Hindernisse zuzurennen, sondern sie auch zu überwinden,“ erklärt Sabine Gericke, Sportlehrerin an der Friedrich-Ebert-Schule in Frankfurt am Main. „Aber ich glaube, dass man mit Parkour viel Spaß haben kann.“

Nachdem die Teilnehmer*innen die verschiedenen Grundtechniken an unterschiedlichen Stationen geübt haben, werden diese zu einem kleinen fließenden „Run“ verbunden. Abschließend werden drei mögliche Unterrichtsreihen für die Sekundarstufe I und II vorgestellt.

„Mir hat der Workshop sehr viel Spaß gemacht,“ freut sich Sabine Gericke. „Toll finde ich, dass die Übungen nicht strikt vorgegeben sind und dass man sich selbst neue Hindernisse ausdenken kann. Und ich muss nur das machen, was ich wirklich kann und was ich mir zutraue. So kann ich zum Beispiel meine Hände zu Hilfe nehmen oder das Hindernis verändern.“

Workshop 2: Fortgeschrittene

Der zweite Workshop nach der Mittagspause ist für all diejenigen gedacht, die schon einmal Begriffe wie Katzensprung, Lazy oder Rolle gehört haben. Die meisten Teilnehmer*innen haben bereits Erfahrung mit dem Unterrichten von Basic Parkour im Sportunterricht und möchten nun ihr Wissen erweitern.

Im Vergleich zu dem Anfänger-Workshop am Vormittag fällt auf, dass die Teilnehmer*innen keinerlei Angst vor den Hindernissen zeigen. Ganz im Gegenteil: Es wird eifrig gesprungen, geklettert und gerollt. Der Schwierigkeitsgrad ist eindeutig höher und die Ausführung der Übungen schon fast akrobatisch. Hier werden Parkour-Techniken wie Katzensprung, Step Vault, Reverse, Lazy, Speed oder Crane geübt und verbessert.

Auch erarbeiten die Teilnehmer*innen eigenständig „Runs“ und kleine Spiele in der Hindernislandschaft, die sie später in fortgeschrittenen Gruppen oder Parkour-AGs anwenden können.

Hessischer Sportlehrertag

Knapp 400 Sportlehrer*innen aus ganz Hessen nahmen in der letzten Sommer-Ferienwoche am hessischen Sportlehrertag 2017 in Grünberg teil. In mehr als 40 Workshops wie Akrobatik, Schwimmen, Orientierungslauf, Mauntainbiken, Basketball, Baseball oder Parkour konnten sich Sportlehrkräfte, Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst sowie Lehramt-Studenten im Fach Sport informieren und auf ihre Unterrichtsstunden vorbereiten.

Die UKH unterstützt den hessischen Sportlehrertag, um ihre Themen Sicherheit und Gesundheit einzubringen und die Multiplikatoren-Zielgruppe Sportlehrkräfte im Rahmen einer Veranstaltung zu erreichen.

Veranstaltet wird der hessische Sportlehrertag vom Deutschen Sportlehrerverband (DSLV), Landesverband Hessen, in Kooperation mit der Sportagentur CITY SKATE und der Zentralen Fortbildungseinrichtung für Sportlehrkräfte des Landes Hessen (ZFS).

Kontakt: Oliver Mai 069 29972-239, o.mai@ukh.de

 

inform Ausgabe 3/2017

Parkour – aber sicher!

Beim Turnen und Toben in der Pause passieren immer wieder Unfälle, denn Schülerinnen und Schüler können oft die Risiken, die mit Sprüngen und Klettern einhergehen, nicht richtig einschätzen. Das Schulsportprojekt Parkour – aber sicher! soll helfen:

  • konditionelle und koordinative Fähigkeiten auszuprägen
  • individuelle Risikokompetenzen zu entwickeln
  • Kompetenzen für gegenseitige Unterstützung und Kooperation bei notwendigen Hilfe- und Sicherheitsstellungen an Geräten zu entwickeln

Detaillierte Informationen, Übungen und Termine finden Sie auf unserem Portal Sportkolleg.

Was ist Le Parkour?

Le Parkour ist eine Mischung aus Sport und Bewegungskunst mit dem Ziel, in urbaner Umgebung möglichst schnell und effizient von A nach B zu gelangen. Hindernisse wie Mauern, Geländer und Treppen müssen überwunden werden. Eine gute Selbsteinschätzung, Körperbeherrschung und Koordination sowie Präzision sind essenziell, um Parkour auszuüben. Außerdem ist es wichtig, nach einem Sprung sicher zu landen, z. B. mit einer Rolle oder mit der Frosch-Landung auf allen Vieren. Die Trendsportart beinhaltet viele Elemente des klassischen Turnens wie Springen, Klettern, Hängen, Balancieren und Rollen.

Linkes Bild: Die „Parkour – aber sicher!“-App bietet hilfreiche Tipps für den Sportunterricht. Rechtes Bild: Beim sog. „Crane“ springen die Teilnehmer*innen mit einem Bein ab und landen mit dem anderen oben auf dem Kasten. Hier ist gute Balance gefragt!

UKH Präventionsexperte Oliver Mai informiert die interessierten Lehrerinnen und Lehrer über die Parkour-Workshops der UKH, die „Parkour – aber sicher!“-App und verteilt Parkourboxen zur Unterstützung von Unterrichtsstunden.

Autor/Interviewer: Yvonne Klöpping, E-Mail: y.kloepping@ukh.de