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Datum: Kategorie(n): Sicherheit · Gesundheit · Drucken

Sicheres Arbeiten bei Eis und Schnee

Mit Frostglätte, Schneetreiben und Eiseskälte zeigt sich der Winter von seiner typischen Seite. Für die Verantwortlichen von öffentlichen Gebäuden stellen sich dabei folgende Fragen: Wer muss eigentlich bei Schnee und Eis ran? Was muss getan werden, damit Mitarbeiter*innen oder Besucher*innen nicht auf spiegelglatten Gehwegen stürzen? Wir klären über die Gefahren für die Beschäftigten und die Pflichten des Arbeitgebers auf.

Die Streu- und Räumpflicht legen die Städte und Gemeinden fest. In der kommunalen Praxis ist es üblich, dass der Winterdienst durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Hausverwaltungen geregelt ist, und zu Schaufel und Streugut greifen dann die Hausmeisterinnen und Hausmeister. Die Räum- und Streupflicht nimmt aus haftungsrechtlichen Gründen (Stichwort Verkehrssicherungspflicht) einen hohen Stellenwert ein. Dabei kann sie auf die jeweiligen Verkehrsflächen des Gebäudes begrenzt sein oder auf den gesamten Winterdienst im Umfeld des Gebäudes ausgeweitet werden (z. B. größere Parkflächen und Sportanlagen). Die Schneeräumung der Zugänge von Park- und Betriebsflächen, Schulhöfen, Gehwegen oder Einfahrten ist grundsätzlich Aufgabe des Hausmeisters oder der Hausmeisterin.

Zentrale Aufgaben des Winterdienstes von Hausmeister*in ist daher, die Verkehrswege zu den Gebäuden von Eis und Schnee zu befreien, so dass man diese Zugänge sicher nutzen kann. Auch hier legen Satzungen der Gemeinden fest, was unter „sicherer Benutzung“ zu verstehen ist. Sie definieren hierbei die notwendige, von Eis und Schnee zu befreiende Verkehrswegbreite.

Zahlreiche Unfall- und Gesundheitsgefahren

Bei ihrem Engagement, Kolleg*innen, Schülerinnen und Schüler, Lehrkräften und anderen Personen den sicheren Zugang zu ermöglichen, sind die mit Winterdienst betrauten Hausmeister*innen zahlreichen Unfall- und Gesundheitsgefahren ausgesetzt. Immerhin sind sie oft die Ersten vor Ort und Stelle und bewegen sich auf noch ungeräumten Wegen. Sturzunfälle durch Ausrutschen auf Schnee stehen dabei an der Spitze. Nicht selten sind schwere Verletzungen, wie Knochenbrüche, für einen langen Heilungsprozess und die damit verbundenen Ausfallzeiten der Beschäftigten verantwortlich.

Doch die winterlichen Wetterverhältnisse stellen für das im Winterdienst eingesetzte Personal weitere physische und psychische Belastungen bereit:

  • abweichende Arbeitszeiten,
  • Zeitdruck durch nicht immer planbaren Mehraufwand,
  • körperliche Beanspruchung,
  • Arbeiten im öffentlichen Verkehrsbereich,
  • teilweise ungewohnter Einsatz von Maschinen.

Handeln, bevor der erste Schnee fällt!

Um den Winterdienst sicher zu gestalten, müssen entsprechende Maßnahmen getroffen werden, und zwar bevor das Thermometer zum ersten Mal Minusgrade anzeigt oder gar der erste Schnee gefallen ist. Die für die Arbeitssicherheit verantwortlichen Vorgesetzten müssen die technischen und organisatorischen Voraussetzungen für einen sicheren Winterdienst schaffen. Im Rahmen einer tätigkeits- und arbeitsbereichsbezogenen Gefährdungsbeurteilung sind daher alle betreffenden Gefährdungen zu ermitteln und Maßnahmen festzulegen. Daraus folgt die Auswahl

  • befähigter Mitarbeiter,
  • geeigneter Maschinen und Geräte und
  • das Bereitstellen geeigneter (Wetter-)Schutzkleidung.

Durch Unterweisen der mit dem Winterdienst betrauten Hausmeister*innen und Überprüfen der getroffenen Maßnahmen wird so der sichere Ablauf des Winterdienstes gewährleistet.

Arbeitsmittel

Für die Beseitigung von Schnee und Eis, insbesondere auf kleineren Flächen, werden Schneeschieber und Besen eingesetzt. Deren Einsatz ist zum Teil sehr kraft-intensiv. Die ausgewählten Arbeitsmittel sollten so beschaffen sein, dass eine ergonomisch günstige Körperhaltung ermöglicht wird. So sollten die Stiele nicht zu lang oder zu kurz sein. Übrigens: Stiele mit T-Griff können die Handflächen wirkungsvoll entlasten!

Um den Hautkontakt mit Streugut zu reduzieren, sollten handgeführte Streuwagen verwendet werden. Zudem verhindern diese die Belastung der Wirbelsäule. Beim Tragen von Streuguteimern und -säcken müssen Lasten von 25 kg oder mehr bewältigt werden. Lassen sich keine Hilfsmittel für den Transport oder den Streuvorgang einsetzen, so ist eine ergonomische Körperhaltung einzunehmen, indem Lasten beidseitig getragen werden.

Beim Umgang mit Streumitteln kann unter Umständen eine Staubbildung nicht vermieden werden. Als Gesundheitsschutzmaßnahme kann daher das zeitweilige Tragen einer geeigneten Staubmaske erforderlich sein. Beim Umfüllen, Mischen und Ausstreuen von Salzen, aber auch bei der Zubereitung von Salzlösungen aus Granulat, sind Korbschutzbrillen und geeignete Schutzhandschuhe mit langer Stulpe – idealerweise aus Nitril- oder Butylkautschuk – zu tragen. Das Ausstreuen von Hand ist möglichst in Windrichtung vorzunehmen.

Körperschutz

Bei Winterdienstarbeiten sind die Beschäftigten extremen Bedingungen (Kälte, Nässe, Dunkelheit, Glätte) ausgesetzt. Dies muss auch bei der Auswahl und Bereitstellung der geeigneten (Wetter-)Schutzkleidung berücksichtigt werden. Dazu gehören:

  • Sicherheitsschuhe, die die Gefahr von Fußverletzungen verringern und für die erforderliche Trittsicherheit auch bei winterlichen Bedingungen sorgen. Gefütterte Schuhe steigern nicht nur das Wohlbefinden, sondern können auch verhindern, dass Beschäftigte krankheitsbedingt ausfallen. Bei extremer Eisglätte kann das Tragen von Eiskrallen unter dem Schuhwerk für besseren Halt sorgen.
  • entsprechende Handschuhe als persönliche Schutzausrüstung, die gegen Kälte, Nässe und mechanische Beanspruchungen (z. B. Splitt, Granulat) schützen. Diese müssen aber auch vor chemischen Einflüssen schützen (z. B. Streusalz).
  • Warn- und Wetterschutzkleidung, die die Erkennbarkeit der Mitarbeiter*innen im Straßenbereich verbessert. Personen, die sich zur Unterhaltung und Reinigung (dazu zählt auch der Winterdienst) im Verkehrsraum aufhalten, müssen laut Straßenverkehrsordnung bei ihrer Arbeit außerhalb von Gehwegen und Absperrungen auffällige Warnkleidung tragen (§ 35 StVO), die der Norm DIN EN ISO 20471 entsprechen muss. Alternativ zur Warnkleidung kann auch eine Warnweste als passend angesehen werden, wenn zum Beispiel die Sichtverhältnisse ausreichend sind oder eine geringe Verkehrsbelastung vorherrscht.

Alleinarbeit

Während Maßnahmen zum Körperschutz und die Bereitstellung von Arbeitsmitteln sich noch vergleichsmäßig einfach sicherstellen lassen, sind Aspekte der Arbeitsorganisation unter Umständen aufwendiger abzuwägen. Häufig sind Hausmeister*innen die ersten und einzigen an Ort und Stelle, um zu verhindern, dass Schnee und Eis für Jedermann erhebliche Gefahren verursachen. Solange nur eine Person die Tätigkeit ausführt und keine andere Person in der Nähe ist oder regelmäßig vorbeikommt, ist hier von Alleinarbeit auszugehen. Alleinarbeit liegt also vor, wenn einer allein arbeitenden Person in einem Notfall nicht unverzüglich Hilfe geleistet werden kann.

Eine Gefahr geht durch die eingangs beschriebenen Gefährdungen durch Ausrutschen aus. Ein Notfall oder eine kritische Situation kann beispielsweise durch einen Unfall oder die Einwirkung von Gefahrstoffen entstehen. Die Verantwortlichen müssen sich hier die Frage stellen, wie „im Fall des Falles“ geholfen werden kann. Grundsätzlich ist Alleinarbeit erlaubt, sofern nicht spezielle Regelungen dagegen sprechen. Daher löst Alleinarbeit nicht automatisch Überwachungsmaßnahmen aus. Dennoch müssen verantwortliche Arbeitgeber dies im Rahmen der Fürsorgepflicht im Arbeitsschutzkonzept bedenken. Betriebsfremde Dritte, wie Besucher*innen oder Gäste, sind in diesem Konzept zum Schutz eigener Beschäftigter bei Alleinarbeit definitiv nicht als Helfer einplanbar.

Definition Alleinarbeit:

„Alleinarbeit liegt vor, wenn eine Person allein, außerhalb von Ruf- und Sichtweite zu anderen Personen, Arbeiten ausführt“ (siehe DGUV Regel 100-001 „Grundsätze der Prävention“, Abs. 2.7)

Lassen Sie sich nicht vom Winter aufs Glatteis führen!

Auch ohne Einsatz von Maschinen und schwerem Gerät, zum Beispiel im Straßen- und Verkehrsräumdienst, sind beim „normalen“ Räum- und Streudienst die technischen, organisatorischen und personellen Grundlagen zur Prävention von Unfällen sicherzustellen. Bei dieser Aufgabe sollte sich niemand vom Winter aufs Glatteis führen lassen!  

 

inform Ausgabe 4/2017

Stiele mit T-Griff entlasten die Handgelenke! Bilder: ©Adobe Stock

Autor/Interviewer: Michael Protsch, E-Mail: m.protsch@ukh.de