Twitter Facebook Instagram Youtube Xing RSS
inform ukh
Datum: Kategorie(n): Ehrenamt · Landesbetriebe · Sicherheit · Drucken

Sicherheitsbeauftragter bei Hessen Forst

Jens Lau (45) arbeitet in seinem dreißigsten Jahr als Forstwirt für den Landesbetrieb Hessen Forst. Vor neun Jahren hat er sich im Forstamt Jesberg zum Meister weiterqualifiziert und ist seitdem vor allem im Sommer in Sachen Jungbestandspflege unterwegs. Entdeckt man im Wald des Schwalm-Eder-Kreises Bäume mit einer Punktmarkierung, stehen deshalb die Chancen ganz gut, dass Jens Lau dafür verantwortlich ist.

inform: Wieso trifft man Sie im Wald ab und an mit der Spraydose in der Hand?

Jens Lau: Im Sommer kümmere ich mich hauptsächlich um die Förderung und Pflege der Jungbestände. Mit einem farbig aufgesprühten Punkt markiere ich die Stämme sogenannter Zukunftsbäume, die noch nicht geerntet werden dürfen, weil sie beispielsweise ihre Oberhöhe bereits erreicht haben und deshalb von uns gesondert behandelt werden. In den Revieren Schwalmstadt, Traisbach und Gilserberg bin ich als Forstwirtschaftsmeister tätig. Dort werden hauptsächlich Buchen geerntet, die circa 120 Jahre alt sind, das Endprodukt meiner Arbeit sehe ich dabei also nie.

inform: Sie sind bereits ihr halbes Leben lang Sicherheitsbeauftragter für Hessen Forst und haben diesen Posten als „Jungspund“ übernommen. Welchen Tipp haben Sie für andere junge Kolleg*innen, die sich für das Amt des/der SiBe interessieren?

Jens Lau: Gerade weil diese zusätzliche Aufgabe ein gewisses Verantwortungsbewusstsein und Disziplin erfordert, finde ich sie sehr interessant. Als ich frisch aus der Ausbildung kam, war ich hoch motiviert und habe kurz darauf bei einem Unfall erlebt, wie wichtig zum Beispiel die persönliche Schutzausrüstung ist. Damals fiel mir ein Buchenast auf den Kopf und auch wenn ich kurz mein Bewusstsein verlor, weiß ich, dass mich mein Helm vor schwerwiegenden Verletzungen und Folgeschäden gerettet hat. Das war die Initialzündung für mich.

Zunächst war es als junger Mann unter den erfahrenen Kollegen nicht nur einfach für mich, aber ich bin beharrlich drangeblieben. Wenn man seine Linie beibehält und gleichzeitig offen für die Erfahrung der älteren Kolleg*innen ist, wird man in seiner Rolle auch schnell ernst genommen. Die Kollegen haben mich damals sehr partnerschaftlich aufgenommen und meinen Rat akzeptiert.

Geholfen hat hierbei auch, dass ich mich immer weiterqualifiziert und Neuerungen in den Betrieb getragen habe. Generell sollte man als SiBe nicht zu sehr auf Paragraphen herumreiten, sondern immer lebensnahe Einschätzungen parat haben. Wenn man auf diese Art einen Zugang zur Truppe bekommt, dann ist die Offenheit der Kollegen für nachhaltig sicheres Arbeiten einfach zu erlangen, denn sie sehen den persönlichen Vorteil und Sicherheit wird dann auch gelebt.

inform: Wenn man eine Tätigkeit so lange ausübt, tauchen dann überhaupt noch Fragen auf?

Jens Lau: Es gibt immer wieder Neuerungen und Routine schützt nicht vor Verletzungen. Auch wenn es sich nur um Empfehlungen und keine verpflichtenden Regeln handelt, kann man als SiBe mit gutem Beispiel vorangehen, was auch wiederum die Akzeptanz für neue Verfahren bei den Kollegen steigert.

Das Team des Forstamtes Jesberg ist sehr offen für neue Verfahren und Hilfsmittel. Viel Input dazu kommt aus dem Kollegenkreis. Ich persönlich setze mich sehr für Innovationen ein, die ein ergonomisches Arbeiten fördern.

Steht die Anschaffung eines neuen Produkts an, können alle ihre Erfahrungen und Meinungen dazu einbringen, gerade auch Kollegen, die bereits im Vorfeld Bedenken geäußert hatten. Beiderseitige Argumente werden gehört. Das hilft beim Abwägen der Vor- und Nachteile. Unser Forstamtsleiter unterstützt uns zudem sehr engagiert bei der Umsetzung neuer Prozesse oder der Anschaffung neuer Geräte, die die Sicherheit bei der Arbeit erhöhen.

inform: Wird Ihr Ehrenamt belohnt?

Jens Lau: Von den Kollegen gibt es Lob und bei meinen Sicherheitsunterweisungen als Führungskraft zeigt die Art des Applauses, ob ich meine Arbeit gut mache. Es gibt immer wiederkehrende Unterweisungen, aber auch diese kann man abwechslungsreich und interessant darstellen. In all den Jahren habe ich nie zwei Mal das genau gleiche Thema für eine Unterweisung gewählt, sondern achte auf möglichst viel Abwechslung, dann ist mir die Aufmerksamkeit sicher.

inform: Die Maßnahmen für sicheres Arbeiten im Forst können sehr umfangreich und zeitaufwendig sein. Woraus ziehen Sie Ihre Motivation, immer sicher unterwegs zu sein?

Jens Lau: Forstwirt bzw. Forstwirtschaftsmeister ist ein anstrengender Beruf, der viele Gefahren mit sich bringt. Die größte Motivation ist es, jeden Tag wieder gesund aus dem Wald zu kommen und die Sicherheitsstandards allein deshalb auch einzuhalten. Gefahrenquellen können immer wieder auftauchen, auch solche, die man nicht vorhersehen kann. Deshalb ist es umso wichtiger, alle nötigen Maßnahmen einzuhalten, um das Risiko so gering wie möglich zu halten.

inform: Welche Tätigkeit ist für Forstwirte besonders gefährlich?

Jens Lau: Die Holzernte stellt meiner Meinung nach immer noch das größte Risiko für die Gesundheit dar, denn der Wald hat sich verändert. Heute wird der Wald „naturgemäß“ bewirtschaftet, das bedeutet, dass bei Baumfällarbeiten beispielsweise die Sicht in die Krone des Baumes, der geerntet werden soll, durch Laub von jüngerem Baumbestand verdeckt sein kann. Gefährlich sind trockene Äste in der Baumkrone, die sich beim Fällen lösen und herabstürzen.

Zudem hat der Tourismus im Wald zugenommen. Gerade jetzt in der Pilzzeit laufen Besucher*innen abseits der Wege. Deren Sicherheit müssen wir auch gewährleisten.

Auch sind wir durch die zunehmende Automatisierung insgesamt weniger Menschen auf der Fläche, was gegenüber früher größere Anforderungen an die Arbeitsorganisation stellt. Andererseits helfen die technischen Entwicklungen und geänderte Arbeitsverfahren – z. B., dass wir die Bäume zu 95 Prozent mit der Sicherheitsfälltechnik fällen –, die Arbeit sicher zu machen.

inform: Was tun Sie persönlich für nachhaltige Gesundheit bei der Arbeit?

Jens Lau: Die körperliche Fitness spielt eine tragende Rolle. Gerade bei Stolper- oder Sturzunfällen ist es so, dass mit einer guten körperlichen Konstitution Unfallfolgen abgemildert werden können.

Dazu hat Hessen Forst eine Zeit lang Slacklining in den Forstämtern gefördert, das hat unsere Koordination erheblich geschult. Dieses Projekt wurde von einem Kollegen hier im Forstamt initiiert. Auch nach Ende des Projekts wird die Slackline hier und da mal wieder zum Trainieren hervorgeholt. Man braucht aber nicht zwingend eine Slackline, um sich fit zu halten. Es hilft bereits, öfter mal über einen Baumstamm zu balancieren, um die Koordinationsfähigkeit zu behalten. Bei mir funktioniert das besonders gut in Schuhen mit einer Mittelkralle.

inform: Wenn Sie sich abschließend von der UKH etwas wünschen könnten …

Jens Lau: Zunächst einmal möchte ich ein Lob aussprechen: Ganz gleich, welche Frage man auf den Lehrgängen stellt, man geht immer mit einer fachkompetenten Antwort nach Hause. Die Seminare sind immer hilfreich, deshalb besuche ich sie regelmäßig. Ich würde mir wünschen, dass es solche Aufbaulehrgänge häufiger gäbe, damit man immer auf dem neuesten Stand ist. Schön wären natürlich Lehrgänge für alle Mitarbeiter im Forst oder dass man zumindest bei der Einführung von Neuerungen mit der Unfallkasse zusammenarbeiten könnte.

 

inform Ausgabe 3/2017

Oft müssen kleine Bäume zugunsten von anderen gefällt werden.

Wenn Jens Lau im Forst arbeitet, ist seine persönliche Schutzausrüstung immer vollständig. Bilder: Cordula Kraft, Unfallkasse Hessen

Autor/Interviewer: Cordula Kraft , E-Mail: c.kraft@ukh.de