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Datum: Kategorie(n): Sicherheit · Gesundheit · Drucken

Was Farbe und Licht im Büro bewirken können

Fehlendes oder ungenügendes Licht ist in Arbeitsbereichen und auf Verkehrswegen eine Ursache für Unfälle. Stolper- und Sturzunfälle geschehen, weil Treppenstufen oder Stolperstellen in Verkehrswegen nicht erkannt werden. Licht hat Einfluss auf unsere Gefühle und Stimmungen. Wer fühlt sich nicht niedergedrückt, wenn der Himmel grau und wolkenverhangen ist oder die Sonne im Winter kaum scheint! Wer freut sich nicht, wenn ein klarer, blauer Himmel einen schönen Sommertag verspricht! Wer fühlt nicht eine gewisse Beklommenheit und Unsicherheit, wenn er in der Dunkelheit auf einem schlecht beleuchteten Weg unterwegs ist oder auf einem schlecht beleuchteten Parkplatz sein Auto sucht.

Licht beeinflusst darüber hinaus auch unsere biologischen Funktionen, es steuert unsere innere Uhr. Eine falsche Lichtsteuerung oder ungenügende Beleuchtung kann den Wechsel zwischen Aktivität und Ruhe- bzw. Schlafbedürfnis aus dem Takt bringen und sich so negativ auf unsere Gesundheit auswirken.Ohne Licht fehlen uns wichtige Informationen. Wir Menschen nehmen bis zu 80 Prozent der Informationen aus unserer Umwelt über die Augen auf. 

Einige Begriffe der Lichttechnik

  • Der Tageslichtquotient bezeichnet das Verhältnis der Beleuchtungsstärke an einem Punkt im Innenraum zur Beleuchtungsstärke im Freien ohne Verbauung bei bedecktem Himmel.
  • Die Beleuchtungsstärke beschreibt, wie viel Licht auf eine Fläche fällt, und wird in Lux (lx) gemessen.
  • Die Leuchtdichte kann vom Auge wahrgenommen werden und bestimmt den Helligkeitseindruck einer Fläche, der wiederum von Farbe und Material abhängt. Die Einheit der Leuchtdichte ist cd/m².
  • Der Reflexionsgrad gibt den Anteil des auf eine Fläche auftreffenden Lichtstroms an, der reflektiert wird. Empfohlene mittlere Reflexionsgrade für: Decken: 0,7–0,9 Wände: 0,5–0,8 Böden: 0,2–0,4 Arbeitsflächen, Möbel und Geräte: 0,2–0,7

Tageslicht

In der Entwicklungsgeschichte des Menschen stand lange Zeit nur Tageslicht zur Verfügung. Die biologischen Abläufe in unserem Körper haben sich an die zeitlichen Veränderungen des Tageslichts angepasst. Auch am Arbeitsplatz werden wir am besten durch Tageslicht bei der Bewältigung unserer Sehaufgaben unterstützt. Daher müssen Büroräume möglichst ausreichend damit versorgt werden. Nach den Technischen Regeln zur Arbeitsstättenverordnung ist dies der Fall, wenn der Tageslichtquotient größer als zwei Prozent ist. Tageslicht kann durch Fenster, Dachoberlichter und lichtdurchlässige Bauteile ins Gebäude gelangen.

Bei der Planung von Arbeitsräumen sollte insbesondere die freie Sichtverbindung nach außen mit Fenstern ermöglicht werden, damit die Beschäftigten die Umgebung wahrnehmen können. Die Sichtverbindung nach außen verhindert das Gefühl des Eingeschlossenseins und steigert so das Wohlbefinden. Ein Tageslichtquotient von zwei Prozent wird erreicht, wenn die Fensterfläche ca. zehn Prozent der Raumgrundfläche beträgt. Eine ausreichende Beleuchtung kann aber nur an Arbeitsplätzen in Fensternähe gewährleistet werden. Eine große Fensterfläche sorgt allerdings nicht nur für eine gute Beleuchtung von Arbeitsplätzen, sie trägt auch zur Aufheizung der Räume bei. Daher müssen bei der Planung auch Sonnenschutzvorrichtungen berücksichtigt werden, damit keine unzuträglichen Raumtemperaturen entstehen.

Künstliche Beleuchtung

In großen Räumen, in denen auch Arbeitsplätze fern von Fenstern eingerichtet werden, ist die Beleuchtung der Arbeitsplätze nicht mehr allein mit Tageslicht möglich. Zudem steht Tageslicht nicht immer örtlich und zeitlich in ausreichendem Maße zur Verfügung. Daher müssen Arbeitsstätten zusätzlich mit Einrichtungen ausgestattet sein, die eine angemessene künstliche Beleuchtung ermöglichen, damit die Beschäftigten sicher und gesund arbeiten können.

Die Qualität der Beleuchtung wird durch eine Reihe sich gegenseitig beeinflussender Merkmale bestimmt. Die lichttechnischen Gütemerkmale Beleuchtungsniveau, Leuchtdichteverteilung, Begrenzung der Direktblendung, Begrenzung der Reflexblendung auf dem Bildschirm und auf anderen Arbeitsmitteln, Körperwiedergabe (Schattigkeit) und Vermeidung störender Schatten, Lichtfarbe und Farbwiedergabe sowie Flimmerfreiheit tragen entscheidend zu angemessenen Lichtverhältnissen in Büroräumen bei. Bei der Planung einer guten Beleuchtungsanlage sollten weitere Merkmale wie Anpassung an individuelle Bedürfnisse, Steuerbarkeit, einfache Bedienung, Flexibilität, Ästhetik, Bezug zur Architektur oder Energieeffizienz berücksichtigt werden.

Beleuchtungsniveau

Die Beleuchtungsanlage muss ein Beleuchtungsniveau schaffen, bei dem die Sehaufgaben, wie das Lesen und Erkennen von Informationen auf dem Bildschirm, auf Papiervorlagen und auf anderen Arbeitsmitteln, erledigt werden können. Fehlbeanspruchungen der Beschäftigten sollen vermieden und die visuelle Kommunikation unterstützt werden. Informationen aus der Umgebung müssen aufgenommen werden können. Darüber hinaus sollen die Beschäftigten sich wohl fühlen und angemessen aktiviert werden.

Das Beleuchtungsniveau wird maßgeblich von den Beleuchtungsstärken sowie von deren Gleichmäßigkeit und ihrer Verteilung auf der jeweiligen Bewertungsfläche bestimmt. Die Bewertungsfläche ist der Bereich, in dem die Sehaufgabe erfüllt werden muss. An Büroarbeitsplätzen zum Beispiel ist die Bewertungsfläche die Arbeitsfläche des Schreibtisches und die Bewegungsfläche vor dem Schreibtisch, die die Beschäftigten zur Erfüllung ihrer Arbeitsaufgaben benötigen. Für diese Arbeitsfläche muss eine horizontale Beleuchtungsstärke von mindestens 500 Lux erreicht werden. An den Arbeitsbereich schließt der Umgebungsbereich an. Für den Umgebungsbereich ist eine horizontale Beleuchtungsstärke von 300 Lux notwendig. Durch eine weitgehend gleichmäßige Beleuchtung werden störende Helligkeitsunterschiede und Bereiche mit zu hoher Leuchtdichte vermieden. Dies soll auch verhindern, dass die visuelle Aufmerksamkeit von der Sehaufgabe abgelenkt wird. Als Bewertungsgröße für die Verteilung der horizontalen Beleuchtungsstärken wird die Gleichmäßigkeit der Beleuchtungsstärke verwendet. Die Gleichmäßigkeit ist das Verhältnis von minimaler Beleuchtungsstärke zur mittleren Beleuchtungsstärke auf der jeweiligen Bewertungsfläche. An keiner Stelle im Bereich des Arbeitsplatzes darf das 0,6-Fache der mittleren Beleuchtungsstärke unterschritten werden.

An Schrank- und Regalflächen müssen insbesondere vertikale Flächen gut beleuchtet sein. Hier wird eine vertikale Beleuchtungsstärke von einem Drittel der notwendigen horizontalen Beleuchtungsstärke der Arbeitsbereiche gefordert. Von den Beleuchtungsstärken auf den vertikalen Flächen, den Wänden und den Möbeln wird zudem der Helligkeitseindruck eines Raumes wesentlich bestimmt. Auch für eine gute visuelle Kommunikation, das heißt für die leichte Erkennbarkeit und das natürliche Aussehen der Gesichter, ist eine ausreichende vertikale Beleuchtungsstärke in Kopfhöhe wichtig.

Verteilung der Leuchtdichte

Angenehme Sehbedingungen werden erreicht, wenn die Leuchtdichte-Verhältnisse im Gesichtsfeld ausgewogen und harmonisch sind. Zu große Helligkeitsunterschiede erfordern ständige Anpassung der Augen an die Umfeldbedingungen und führen zu hohen Belastungen der Beschäftigten. Zu geringe Leuchtdichteunterschiede können einen monotonen Raumeindruck bewirken und dadurch nur wenig zur Aktivierung der Beschäftigten beitragen. Die Beleuchtung im Zusammenspiel mit den lichttechnischen Eigenschaften der Oberflächen von Arbeitsmitteln, Einrichtungsgegenständen und Raumbegrenzungsflächen beeinflusst die Leuchtdichteverteilung. Daher sollten Reflexionsgrade, Glanzeigenschaften und die Farben der Flächen im Raum so gewählt werden, dass zu hohe Leuchtdichte- unterschiede vermieden werden.

Begrenzung der Blendung

Die Blendung an Bildschirm- und Büroarbeitsplätzen wird durch das Betrachten von Flächen mit zu hoher Leuchtdichte verursacht. Eine Direktblendung kann entstehen, wenn sich in unserem Blickfeld helles Tageslicht oder das Licht von Beleuchtungskörpern mit hoher Leuchtdichte befinden. Reflexblendung entsteht durch die Spiegelung von Licht auf glänzenden Flächen. Direktblendung oder Reflexblendung müssen durch technische Maßnahmen an den Leuchten und der Beleuchtungsanlage oder durch Sonnenschutzvorrichtungen an Fenstern und Oberlichtern begrenzt werden.

Körperwiedergabe (Schattigkeit) und Vermeidung störender Schatten

In Räumen mit Bildschirm- und Büroarbeitsplätzen ist darauf zu achten, dass die räumliche Wahrnehmung und die Erkennbarkeit von Oberflächenstrukturen durch eine ausgewogene Schattigkeit unterstützt werden. Dieses Ziel wird mit der Anordnung der Leuchten und einer Beleuchtungseinrichtung mit gerichteten und diffusen Lichtanteilen erreicht.

Lichtfarbe und Farbwiedergabe

Die Lichtfarbe und die Farbwiedergabeeigenschaft des Lichts prägen die im Raum vorherrschende Lichtatmosphäre, welche die Stimmung und das Wohlbefinden der Beschäftigten beeinflusst.

Lampen werden entsprechend ihrer Lichtfarbe in drei Gruppen eingeteilt. Warmweißes Licht hat einen relativ hohen Rotanteil (wie auch Kerzen- oder Glühlampenlicht) und bewirkt eine etwas wohnlichere Stimmung. Neutralweißes Licht weist ein ausgeglichenes Spektrum auf und wirkt eher sachlich. Tageslichtweißes Licht hat einen relativ hohen Blauanteil und wird bei Beleuchtungsstärken von 500 Lux vor allem abends eher als kühl empfunden. Welche Lichtfarbe für die Lampen zur Beleuchtung von Räumen mit Büro- und Bildschirmarbeitsplätzen verwendet werden sollten, hängt von der gewünschten Raumwirkung ab. Seit einigen Jahren stehen Beleuchtungssysteme zur Verfügung, bei denen sich unter anderem auch die Lichtfarben und die Beleuchtungsstärken im zeitlichen Verlauf verändern. Dieses dem Tageslichtverlauf angepasste dynamische Licht kann die Leistungsbereitschaft und das Wohlbefinden der Beschäftigten beeinflussen.

Die Beleuchtung am Arbeitsplatz soll Farben so wiedergeben, wie wir es bei Tageslichtbeleuchtung gewohnt sind. Der Farbwiedergabeindex beschreibt die Fähigkeit von Lampen, Farben von Gegenständen und Menschen wiederzugeben. Je niedriger der Wert des Farbwiedergabeindex ist, desto unnatürlicher erscheinen uns die Körperfarben der beleuchteten Gegenstände. Um eine gute Farbwiedergabe zu erreichen, sollen in Räumen mit Bildschirm- und Büroarbeitsplätzen die eingesetzten Lampen mindestens den Farbwiedergabeindex Ra = 80 aufweisen.

 

inform Ausgabe 4/2017

Weitere Informationen:

  • Technische Regeln für Arbeitsstätten ASR A3.4: Beleuchtung
  • DGUV Information 215-210: Natürliche und künstliche Beleuchtung von Arbeitsstätten
  • DGUV Information 215-211: Tageslicht am Arbeitsplatz
  • DGUV Information 215-442: Beleuchtung im Büro
  • DGUV Information 215-444: Sonnenschutz im Büro
  • licht.wissen 01: Die Beleuchtung mit künstlichem Licht
  • licht.wissen 04: Licht im Büro, motivierend und effizient
  • licht.wissen 19: Wirkung des Lichts auf den Menschen

Auch am Notebook ist eine gute Ausleuchtung wichtig für Augen und Wohlbefinden.

Jalousien können zu optimaler Beleuchtung des Arbeitsplatzes beitragen.

Bilder: ©Adobe Stock

Autor/Interviewer: Wolfgang Baumann, E-Mail: w.baumann@ukh.de