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Datum: Kategorie(n): Sicherheit · Versicherungsschutz · Kommunale Betriebe · Versicherungsschutz · Unternehmen · Gesundheit · Drucken

Arbeits- und Gesundheitsschutz bei der Stadtreinigung Wetzlar

Arbeits- und Gesundheitsschutz wird seit jeher großgeschrieben bei der Stadtreinigung Wetzlar. Durch den von der Unfallkasse Hessen angebotenen Erfahrungsaustausch bekam beispielsweise Einsatzleiter Volker Bernhardt neue Ideen und Anregungen, welche gerne im Betrieb aufgegriffen und umgesetzt wurden. Mit großem Erfolg, wie unser Beitrag zeigt. Volker Bernhardt muss nun seine Erfahrungen an seinen Nachfolger weitergeben – er geht Ende März in den Ruhestand.

Die Stadtreinigung Wetzlar kümmert sich um die Abfallentsorgung von rund 53.500 Einwohnerinnen und Einwohnern und verwaltet 41.200 Behälter für mehr als 13.000 an die Abfallentsorgung angeschlossene Grundstücke. Hierzu gehören Bio-, Altpapier- und Restmüllbehälter. Der zentrale Wertstoffhof bietet einen zusätzlichen Entsorgungsservice für private und gewerbliche Kunden aus Wetzlar.

Neben der Abfallentsorgung gehören auch die Straßenreinigung und der Winterdienst zu den Aufgaben des kommunalen Stadtreinigungsbetriebs. Der Winterdienst wird im wöchentlichen Wechsel mit insgesamt 78 Beschäftigten aus mehreren städtischen Ämtern ausgeführt. Auch führt der Betrieb bei größeren Festen und Veranstaltungen die komplette Abfallentsorgung und Straßenreinigung durch, wie 2012 zum Beispiel beim Hessentag. Außerdem betreibt die Stadtreinigung eine eigene Kfz-Werkstatt, die für die Betreuung des städtischen Fuhrparks zuständig ist.

In der Stadtreinigung arbeiten insgesamt 69 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, davon 26 in der Abfallentsorgung, 22 in der Straßenreinigung, fünf in der eigenen Werkstatt und 16 in der Verwaltung.

Bis zum Jahr 2002 war die Stadtreinigung Wetzlar ein städtisches Amt. Seitdem ist das Unternehmen ein Eigenbetrieb der Stadt Wetzlar. „Durch diese Rechtsform ist eine bessere Wirtschaftlichkeit möglich“, sagt Betriebsleiter Armin Schäffner.

Für unseren Artikel haben wir mit den Verantwortlichen für Arbeits- und Gesundheitsschutz der Stadtreinigung Wetzlar gesprochen.

Arbeits- und Gesundheitsschutz

Einsatzleiter Volker Bernhardt nimmt regelmäßig am Erfahrungsaustausch und an Arbeitsschutzseminaren der Unfallkasse Hessen teil. „Dieser Austausch hat mich erst richtig für den Arbeits- und Unfallschutz sensibilisiert“, sagt er. Als langjähriger Einsatzleiter im Meisterbüro mit operativer Steuerung des Betriebs ist Volker Bernhardt unter anderem verantwortlich für die regelmäßige Überprüfung der Einhaltung der Sicherheitsvorschriften.

Betriebsleiter Armin Schäffner betont, wie wichtig die Einhaltung von Sicherheitsvorschriften und die Nutzung der jeweiligen Sicherheitseinrichtungen bei den täglichen Leerungen seien. Vor allem die Abfallentsorgung sei eine körperlich fordernde Tätigkeit, die viele Mitarbeiter oft nur schwer ein ganzes Berufsleben lang ausüben könnten. „Allein schon jeder Ein- und Aussteigevorgang ist eine hohe Belastung für die Knie und Gelenke“, so Armin Schäffner weiter. Betriebsleiter Armin Schäffner: „Von schweren Arbeitsunfällen sind wir all die Jahre glücklicherweise verschont geblieben. Wir wissen aber auch, dass überall dort, wo Menschen arbeiten, trotz aller Vorsorge und Vorsicht immer Gefahren drohen können. Wir versuchen, unsere Mitarbeiter dafür zu sensibilisieren und sie intensiv zu schulen, damit ihnen Unfälle erspart bleiben.“

Auch Umweltdezernent Norbert Kortlüke sieht vor allem in der harten körperlichen Arbeit eine Gesundheitsgefahr für die Abfallwerker. Norbert Kortlüke ist Vorsitzender der Betriebskommission, Stadtrat für den Bereich Umwelt und der politische Entscheidungsträger für die Stadtreinigung im Magistrat.

Norbert Kortlüke: „Als Arbeitgeber haben wir eine Fürsorgepflicht und müssen darauf achten, dass wir unsere Beschäftigten nicht überlasten. Es kommt vor, dass ein Arbeitnehmer aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr im Bereich Abfall arbeiten kann. In diesem Fall kommt zum Beispiel der Einsatz bei der Stadtreinigung infrage.“

Armin Schäffner: „Die Gesundheit unserer Mitarbeiter ist uns extrem wichtig. Und Investitionen in den Arbeits- und Gesundheitsschutz zahlen sich auch betriebswirtschaftlich langfristig immer aus. Für Menschen, die den ganzen Tag im Führerhaus sitzen und sich durch die engen Altstadtstraßen quälen müssen, muss man entsprechende Arbeitsbedingungen schaffen, damit sie täglich eine ganze Schicht durchhalten können. Die Ausgestaltung der Führerhäuser und die optimalen Sitze, die für diese Fahrzeuge möglich sind, sind daher wichtige Punkte für uns.“ So hat die Stadtreinigung Wetzlar auch schon früh in Automatikgetriebe bei Müllfahrzeugen investiert. „Unsere Mitarbeiter waren dafür wirklich dankbar“, sagt Armin Schäffner. „Wenn Sie mal in einem Müllfahrzeug mit Schaltgetriebe durch die Innenstadt gefahren sind, Stop-and go, dann wissen Sie, wie viele Schalt- und Kupplungsvorgänge dabei anfallen und wie belastend das sein kann.“

Arbeitsschutzkleidung

Alle Mitarbeiter*innen im operativen Bereich tragen einheitliche Warn- und Schutzbekleidung. Da die Arbeiten der Stadtreinigung bei Wind und Wetter stattfinden, ist eine entsprechende Ausstattung mit Dienstschutzkleidung unumgänglich. „Gerade jetzt im Winter ist es meist dunkel und ohne Schutzkleidung, ohne Warnweste wird man einfach nicht (richtig) gesehen“, betont Volker Bernhardt. „Man muss die Mitarbeiter allerdings regelmäßig darauf hinweisen, dass sie die Schutzkleidung zu ihrer eigenen Sicherheit tragen und nicht im schwarzen Pulli dem Müllfahrzeug hinterherlaufen dürfen. Ich kontrolliere das Tragen der Schutzkleidung regelmäßig.“

Armin Schäffner ergänzt: „Wir suchen immer nach einem guten Weg zwischen Sicherheitsausstattung und vernünftigem, bequemem Tragekomfort. Denn wenn Kleidung zwar sicherheitstechnisch einwandfrei ist, jedoch ungern angezogen wird, dann wird sie auch nicht getragen.“

Nachfolgeregelung

Auch auf eine frühzeitige Nachfolgeregelung bei Schlüsselpositionen wird bei der Stadtreinigung großer Wert gelegt. „Wenn ein Personalwechsel ansteht, so wie jetzt mit Herrn Bernhardt, müssen wir dafür sorgen, dass seine Erfahrungen im Arbeitsund Gesundheitsschutz weitergegeben werden“, betont Armin Schäffner. „Herr Bernhardt verfügt über jahrzehntelange unbezahlbare Erfahrungen. Da er altersbedingt zum 31. März 2019 in den Ruhestand gehen wird, war uns eine rechtzeitige Nachbesetzungsregelung sehr wichtig, damit das Wissen weitergegeben und konserviert werden kann.“

Projekte

Fahrsicherheitstraining

Der Betrieb führt regelmäßige Fahrsicherheitstrainings durch, zuletzt mit Winterdienstfahrzeugen im Dezember 2018.

„Im Winterdienst ist es wichtig, dass die Fahrer wissen, wie ein Fahrzeug reagiert, wenn es bei Glätte unkontrollierbar wird. Beim Fahrsicherheitstraining bekommen die Fahrer ein Gespür dafür, was alles passieren kann und wie sie reagieren müssen“, erklärt Nadja Brauner, Projektleiterin.

Außerdem fand im September 2018 eine Schulung zur sicheren Bedienung und Einstellung von Hydraulik-Komponenten am Müllfahrzeug für Fahrer und Lader statt und ein Training zum sicheren Bergabfahren mit Müllgroßfahrzeugen bis zu 26 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht (zGG) im März letzten Jahres.

Rückfahrassistent und Mikro-Laster

Entsprechend der neuen DGUV Branchenregel „Abfallsammlung“ sollen Müllfahrzeuge unfallträchtige Rückwärtsfahrten nach Möglichkeit vermeiden. Im Mai 2017 hat die Stadtreinigung Wetzlar daher begonnen, alle Rückfahrstellen in der Abfallentsorgung zu dokumentieren und zu bewerten.

Aufgrund der Erkenntnisse wurde ein Kleinfahrzeug angeschafft, ein zweiachsiges Müllfahrzeug. Das sogenannte Mikrofahrzeug ist deutlich kleiner als Müllgroßfahrzeuge mit 26 Tonnen zGG. „Das Mikrofahrzeug ist deutlich wendiger und übersichtlicher“, erläutert Nadja Brauner. „Gerade in unserem engen Altstadtbereich ist es viel sicherer und besser anzuwenden als ein Großfahrzeug.“ Außerdem werden derzeit alle Großfahrzeuge mit Rückfahrassistentsystemen ausgestattet. Diese warnen zum Beispiel, wenn von der Seite ein Fußgänger in den Schüttungsbereich hineinläuft. Hierbei kann sogar ein Bremsvorgang ausgelöst werden.

„Trotz dieser technischen Unterstützung muss der Fahrer selbstverständlich immer noch selbst aufpassen, und das richtige Einweisen eines Fahrzeugs ist weiterhin unabdingbar“, betont Nadja Brauner. „Und auch beim Abbiegen gibt es Unterstützung durch ein optisches und ein akustisches Signal, wenn sich etwas oder jemand im toten Winkel befindet.“

Im Rahmen der jährlichen Unfallverhütungsschulung wird außerdem wiederkehrend das richtige Einweisen beim Rückwärtsfahren erklärt.

Thomas Rhiel, Aufsichtsperson der UKH, zum Abschied von Volker Bernhardt:

„Rund 20 Jahre lang war Volker Bernhardt für das Präventionsteam der UKH der erste Ansprechpartner in Sachen Arbeits- und Gesundheitsschutz bei der Wetzlarer Stadtreinigung. Er hat sich in der Zeit mit seiner ruhigen und überlegten Art viele Sympathien und eine große Wertschätzung erworben. Seine Beiträge waren hochgeschätzt, gerade auch beim alljährlichen ‚Erfahrungsaustausch für Sicherheitsfachkräfte und Führungskräfte aus Entsorgungsbetrieben‘. Wir wünschen dir, lieber Volker, alles Gute im wohlverdienten Ruhestand!“

 

inform-Ausgabe 1/2019

Umweltdezernent Norbert Kortlücke (links) und Betriebsleiter Armin Schäffner

Nadja Brauner, Projektleiterin, und Volker Bernhardt erläutern die Projekte der Stadtreinigung wie das Fahrsicherheitstraining und den Rückfahrassistenten.

Volker Bernhardt (links) geht von Bord: Wir wünschen alles Gute.

linkes Bild: Der Wertstoffhof bietet einen zusätzlichen Entsorgungsservice. Bild rechts oben: Rückfahrassistentsysteme können Leben retten. Bild rechts unten: Das sogenannte Mikrofahrzeug ist deutlich kleiner, wendiger und übersichtlicher als Müllgroßfahrzeuge. So kann ein sicherer Einsatz in engen Straßen und Gassen gewährleistet werden.

Der Wertstoffhof als zusätzlicher Entsorgungsservice.

Auf dem Betriebshof der Stadtreinigung Wetzlar wird auch der städtische Fuhrpark betreut. Fotos: Jürgen Kornaker

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Autor/Interviewer: Yvonne Klöpping, E-Mail: y.kloepping@ukh.de