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Datum: Kategorie(n): Ehrenamt · Sicherheit · Versicherungsschutz · Gesundheit · Feuerwehr · Drucken

Arbeitschutz bei der Feuerwehr Mainhausen

Ob ein umgestürzter Baum auf der Straße liegt, ein Auto brennt, ein Keller unter Wasser steht oder sich ein Ölfilm auf dem Main ausgebreitet hat: Zu jeder Tages- und Nachtzeit kann der Beeper losgehen, um die Feuerwehrmänner und -frauen der Freiwilligen Feuerwehr Mainhausen zu alarmieren. Diese Einsätze sind nicht immer ungefährlich. Doch durch regelmäßige Arbeitsschutzunterweisungen sind die Ehrenamtlichen bestens auf ihre Einsätze vorbereitet.

Als eine der 13 Feuerwehren im Kreis Offenbach trägt die Feuerwehr Mainhausen maßgeblich zur Sicherheit der Bevölkerung in Mainhausen und im Kreis bei. Nicht nur bei Brandschutz oder Sie sind gesetzlich unfallversichert, wenn Sie bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not Hilfe leisten oder einen anderen aus erheblicher gegenwärtiger Gefahr für seine Gesundheit retten bzw. zu retten versuchen, z.B. bei einem Verkehrsunfall.
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Hilfeleistung
, auch bei besonderen Anlässen, wie beispielsweise Unwetter- und Großschadenslagen, wird die Feuerwehr alarmiert.

Die Feuerwehr Mainhausen

Mainhausen liegt am östlichen Rand des Kreises Offenbach. Die Gemeinde besteht aus den Ortsteilen Mainflingen und Zellhausen und verfügt aus geografischen Gründen über zwei Feuerwehren. Die Feuerwehr Mainhausen wird vom Gemeindebrandinspektor (GBI) Joachim Unkelbach und seinem Stellvertreter koordiniert. Beide Ortsteilwehren verfügen zusammen über insgesamt 88 Aktive, davon zehn Frauen. Die Jugendfeuerwehr bereitet derzeit 30 Jugendliche auf den aktiven Feuerwehrdienst vor. Die Kinderfeuerwehr zählt 25 Löschzwerge und in der Ehrenund Altersabteilung engagieren sich 30 Ehrenamtliche.

Zum Einsatzgebiet der beiden Ortsteilfeuerwehren gehören 1.800 ha, davon sind ca. 1.300 ha Wald, Acker und weitere Grünflächen. Mit ca. 9.500 Einwohnern ist Mainhausen die kleinste Kommune im Kreis. Insgesamt verfügt sie über elf Einsatzfahrzeuge, von denen fünf in Mainflingen und sechs in Zellhausen stehen.

Aufgaben

Im Schnitt fährt die Feuerwehr Mainhausen 100 bis 150 Einsätze pro Jahr. „Wir haben nicht jeden Tag einen Großbrand, bei dem wir Menschenleben retten,“ sagt GBI Joachim Unkelbach. „In der Regel sind es alltägliche Einsätze – hier ist ein Waschmaschinenschlauch geplatzt und es steht Wasser im Keller, da brennt irgendwo ein Stückchen Wiese.“

Zu den Einsätzen gehören neben der Menschenrettung bei Verkehrs- oder Arbeitsunfällen auch Naturkatastrophen. „Bei einer Unwetterlage sind wir schon mal den ganzen Sonntag unterwegs und fahren von einem umgestürzten Baum zum nächsten, oder bei Starkregen von einem vollgelaufenen Keller zum anderen,“ sagt Unkelbach.

Hinzu kommen Umweltschutzeinsätze, wie die Beseitigung von Öl auf Verkehrswegen und Gewässern. Die Feuerwehr Mainhausen ist auch überörtlich tätig und zusammen mit den Feuerwehren Seligenstadt und Hainburg für den Main zuständig. Der Main ist eine internationale Wasserstraße, vergleichbar mit einer regulären Straße, z. B. einer Autobahn. Joachim Unkelbach und seine Mannschaft werden gerufen, wenn sich zum Beispiel ein Ölfilm auf dem Main ausgebreitet hat oder ein Badeunfall gemeldet wird. Für solche Einsätze verfügt die Feuerwehr Mainhausen über ein sogenanntes Mehrzweckboot.

Hilfeleistungen

Die Feuerwehr unterscheidet zwischen Hilfeleistungseinsätzen und Brandeinsätzen. Insgesamt verzeichnete die Feuerwehr Mainhausen im vergangenen Jahr 27 Brandeinsätze und 104 Hilfeleistungen. „Mindestens zwei Drittel unserer Einsätze sind Hilfeleistungen,“ erklärt Unkelbach. „Da ist alles dabei, von der Ölspur über Tierrettung, Verkehrsunfälle und Unterstützung des Rettungsdienstes. Die Hilfeleistungen nehmen zu und wir werden immer häufiger auch als Ersthelfer gerufen.“ In Hessen beträgt die Hilfsfrist zehn Minuten.

Es ist gesetzlich geregelt, dass nach dem Absetzen eines Notrufs die Feuerwehr mit dem ersten Fahrzeug innerhalb von zehn Minuten an der Einsatzstelle angekommen sein muss. „Vom Zeitpunkt des Alarms an haben wir zehn Minuten, um eine erste wirksame Hilfe einzuleiten,“ erläutert Unkelbach. „Wir kommen mit einem Löschfahrzeug mit entsprechend qualifiziertem Personal innerhalb von zehn Minuten an die Einsatzstelle und müssen in dieser Frist bereits wirksame Hilfe eingeleitet haben. Die Zeit, die die Einsatzkräfte brauchen, um von zu Hause oder vom Arbeitgeber zum Feuerwehrhaus zu gelangen, ist bereits eingerechnet.“

Brandschutzerziehung

Auch die Unterweisung in Kindergärten gehört zum Tätigkeitsfeld der Feuerwehr. In der Regel finden die Schulungen auf dem Gelände der Feuerwehr Mainhausen statt.

Joachim Unkelbach: „Wir schulen Erzieherinnen und Erzieher zum Thema Brandschutz und bringen ihnen bei, was bei einem Brand zu tun ist, wie man einen Kindergarten räumt, welche Informationen die Feuerwehr braucht etc. Auch für örtliche Schulen und Firmen geben wir Brandschutzschulungen. Das ist eine Serviceleistung der Kommune. Wir vermitteln Grundsätze, erklären, was ein Flucht- und Rettungswegplan ist, wofür dieser benötigt wird und wie ein Feuerlöscher funktioniert und in Betrieb genommen wird. Dann gehen wir raus auf den Hof und üben, ein Feuer mit einem Feuerlöscher zu löschen. So wird auch die Hemmschwelle, einen Feuerlöscher überhaupt in die Hand zu nehmen, überwunden.“

Verantwortung leben

Bis auf Joachim Unkelbach, der bei der Gemeinde für den Bereich Brandschutz angestellt ist, sind alle Einsatzkräfte ehrenamtlich bei der Feuerwehr engagiert. Seit 1995 ist er als Hauptamtlicher bei der Gemeinde beschäftigt, seit 2008 leitet er die Feuerwehr Mainhausen. „Ich bin nun schon seit 42 Jahren bei der Feuerwehr,“ sagt er. „Durch die Jugendfeuerwehr bin ich mit zwölf Jahren zu den Brandschützern gekommen. Mein Bruder war auch bei der Feuerwehr und so wurde mein Interesse geweckt. Und welcher kleine Bub will nicht mal mit Blaulicht fahren ...“

In verschiedenen Funktionen trägt Joachim Unkelbach seit 31 Jahren Verantwortung bei der Feuerwehr. So war er u. a. als stellvertretender Wehrführer und Wehrführer tätig sowie als einer der Vereinsvorsitzenden des Feuerwehrvereins.

Aufgaben des Gemeindebrandinspektors

Als ehrenamtlicher Leiter der Feuerwehr überwacht Joachim Unkelbach unter anderem die Tätigkeiten der Jugendwarte, vor allem auch im Hinblick auf die Sicherheit der jungen Feuerwehrleute. Er ist für die Beschaffung von Gerätschaften und Bekleidung sowie für die Ausbildung – auch die der Jugendfeuerwehr – zuständig. Zeitaufwendige Verwaltungsaufgaben, wie Einsatzberichte und Gebührenberichte schreiben, gehören auch zu seinem Tätigkeitsfeld. „Ich entlaste unsere Ehrenamtlichen, indem ich ihnen die Verwaltungsarbeit abnehme,“ sagt Unkelbach. „Als gelernter Nachrichtengerätemechaniker und Informationselektroniker habe ich mit Verwaltung zwar ursächlich nichts zu tun, doch diese Aufgaben habe ich mir mit der Zeit angeeignet.“ Außerdem erstellt er Entwicklungspläne und kümmert sich um die Gefahrenanalyse des gesamten Gemeindegebiets.

Ausbildung

Der Bereich Aus- und Fortbildung wird bei der Feuerwehr Mainhausen sehr groß geschrieben. Joachim Unkelbach ist seit ca. 30 Jahren Kreisausbilder für Grund- und Truppführerlehrgänge und schult Feuerwehrleute aus dem gesamten Kreis. Seit vier Jahren wird unter seiner Regie die Grundausbildung bei der technischen Sie sind gesetzlich unfallversichert, wenn Sie bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not Hilfe leisten oder einen anderen aus erheblicher gegenwärtiger Gefahr für seine Gesundheit retten bzw. zu retten versuchen, z.B. bei einem Verkehrsunfall.
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für den Kreis Offenbach im Auftrag des Landes Hessen in Mainhausen durchgeführt. Atemschutzgeräteträger-, Sprechfunk- und Maschinistenlehrgänge sowie Lehrgänge zum Umgang mit Motorsägen werden vom Kreis in anderen Kommunen organisiert. Weiterführende Lehrgänge werden an der hessischen Landesfeuerwehrschule in Kassel angeboten.

Interkommunale Zusammenarbeit

Mit den umliegenden Feuerwehren besteht eine sehr gute Zusammenarbeit, seit Jahren gibt es eine Kooperation mit Seligenstadt und Hainburg bei der Wartung, Pflege und Beschaffung der Geräte und Ausrüstung. So gehören gemeinsame Wartungstermine durch externe Anbieter fest zum Jahresprogramm, auch über die Kreis- und Landesgrenze hinaus.

„Gewisse Funktionen bei der Feuerwehr sind an die Ausbildung gekoppelt, wie das Thema Atemschutz,“ erklärt Unkelbach. „Sonst darf man solche Tätigkeiten nicht ausüben. Zum Atemschutzgeräteträger etwa muss man ausgebildet sein, regelmäßig theoretische und praktische Schulungen wahrnehmen und mindestens alle drei Jahre eine ärztliche Grundsatzuntersuchung machen lassen.“ Die Lehrgänge und Übungen reichen von A wie Atemschutz bis Z wie Zugübung. So gehören Lehrgänge für Atemschutzgeräteträger, Lehrgänge zum Umgang mit Motorsägen und Zugführer- oder Truppführerlehrgänge zur Aus- und Weiterbildung dazu. Auch seinen 25-jährigen Sohn hat Joachim Unkelbach einmal ausgebildet: „Er ist auch mit dem Feuerwehr-Virus infiziert, er kennt es nicht anders.“

Arbeits- und Gesundheitsschutz

Nach über 40 aktiven Jahren bei der Feuerwehr kommt für Joachim Unkelbach zusätzlich zu Sicherheit und Unfallschutz auch das Thema Arbeitssicherheit bei der Gemeinde hinzu. Denn dort ist er als Fachkraft für Arbeitssicherheit zuständig für die Koordination des Arbeitsschutzes. Hierzu gehört die Beratung der Dienststellenleitung und der Fachabteilungen zum Thema Arbeitssicherheit, außerdem die Koordination der Sicherheitsbeauftragten sowie Gespräche mit dem Arbeitsmediziner, Begehungen der Arbeitsplätze und die Unterstützung der Fachvorgesetzten beim Erstellen von Gefährdungsbeurteilungen. „Als Leiter der Feuerwehr und als Gemeindebrandinspektor habe ich alle Hände voll zu tun. Mindestens zwei Abende in der Woche bin ich bei der Feuerwehr, zusätzlich zu meinem Dienst und den vielen Einsätzen. Ehrenamtliches Engagement geht nur mit familiärer Unterstützung. Ohne die Unterstützung meiner Frau wäre das nicht möglich.“

Zusammenarbeit mit der UKH

Joachim Unkelbach: „Die Unfallkasse hilft uns u. a. bei Themen wie Ladungssicherung. So haben wir z. B. ein Seminar für Bauhofmitarbeiter zusammen mit der UKH bei uns vor Ort gemacht. Außerdem hilft sie uns bei der Ausbildung von Sicherheitsbeauftragten und bietet Seminare an, die uns beim Prüfen von Feuerwehrgerätschaften hilft. Auch der technische Prüfdienst leistet uns viel Unterstützung.

Wir haben unsere Ansprechpartnerin bei der UKH und ich bekomme immer schnell die Informationen, die ich brauche. Wir sind sehr gut miteinander vernetzt und tauschen uns aus. Die Unfallkasse weiß wo die Probleme vor Ort liegen."

 

inform-Ausgabe 2/2019

Geräteprüfung

Alle Geräte müssen nach jedem Gebrauch und einmal jährlich geprüft werden. Eine Atemschutzmaske wird z. B. nach jedem Gebrauch gereinigt, desinfiziert, geprüft und in einen Kunststoffbeutel eingeschweißt. Einsatzkleidung wird nach jedem Brandeinsatz gereinigt und ggf. imprägniert. Schläuche werden nach der Nutzung gewaschen, getrocknet und geprüft. Elektrogeräte müssen regelmäßig geprüft werden.

Gemeindebrandinspektor Joachim Unkelbach: "Vom Zeitpunkt des Alarms an haben wir zehn Minuten, um eine erste wirksame Hilfe einzuleiten."

Das Mehrzweckboot kommt auf dem Main zum Einsatz.

Als Kreisausbilder für Grund- und Truppführerlehrgänge schult Joachim Unkelbach Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen aus dem gesamten Kreis.

Joachim Unkelbach während einer Schulung (links). Rechts oben: Einsatzkleidung muss nach jedem Brandeinsatz gereinigt werden. Rechts unten: Druckluftflasche für den Atemschutzeinsatz

Eine Atemschutzmaske muss nach jedem Gebrauch gereinigt, desinfiziert und geprüft werden. Bilder: Jürgen Kornaker für Unfallkasse Hessen

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Autor/Interviewer: Yvonne Klöpping, E-Mail: y.kloepping@ukh.de