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Datum: Kategorie(n): Präventionskampagnen · Versicherungsschutz · Drucken

Digitalisierung als Herausforderung und Chance für Führungskräfte

Die Digitalisierung der Arbeitswelt – bekannt unter dem Stichwort Arbeit 4.0 – beherrscht seit geraumer Zeit die Personal- und Führungsforschung. Durch die rasante Entwicklung von Kommunikations- und Informationstechnologien verändern sich Prozesse und Geschäftsmodelle, aber auch Führung in Unternehmen rasant.

Die neuen Formen der Arbeitsorganisation und Zusammenarbeit bieten nicht nur Risiken, sondern auch Chancen: Sie können selbst dabei helfen, die Herausforderungen der Digitalisierung zu bewältigen und damit Arbeitsplätze gesünder zu machen.

Wie verändert die Digitalisierung die Arbeitswelt?

Ein Forschungsprojekt der TU München zeigt auf Basis bestehender Forschung und einer Umfrage unter Digitalisierungsfachleuten auf, wie sich die Unternehmenswelt durch die Digitalisierung zukünftig verändern wird. Insgesamt steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Umweltbedingungen in der sogenannten VUCA-Welt unbeständig, unsicher, komplex und unklar werden.

Daraus ergeben sich neue Herausforderungen an organisatorische Flexibilität und an die Kompetenzen von Führungskräften und Beschäftigten. Unter anderem fördert und fordert die Arbeitswelt 4.0 Teams, die flexibel und eigenverantwortlich arbeiten, und damit einhergehend eine stärkere Demokratisierung in der Unternehmenshierarchie. Daraus ergibt sich, dass Beziehungsgestaltung und Netzwerkbildung am Arbeitsplatz noch wichtiger werden. Diese Herausforderungen tragen auch dazu bei, dass Unternehmen stärker als bisher den Fokus auf Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten legen müssen, da Komplexität, Flexibilisierung und Kompetenzanforderungen sonst zu Überforderung, Stress und Selbstausbeutung beitragen können.

Die Auswirkungen der Digitalisierung zeigen sich nicht nur in den ohnehin technologieaffinen Großunternehmen der Kommunikations- und Informationsbranche, sondern über Branchen und Unternehmensgrößen hinweg: Während sich ein Großteil bestehender Forschung mit großen Wirtschaftsunternehmen befasst, gibt es beispielsweise auch Projekte, die speziell die Auswirkungen der Arbeitswelt 4.0 auf Führung in Verwaltungsbetrieben untersuchen.

Was muss sich auf der Führungsebene ändern?

Die Studie der TU München fasst den Trend in der Arbeitswelt so zusammen: „Was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert werden. Was nicht digitalisiert werden kann, gewinnt an Bedeutung.“

Das gilt insbesondere auch für Führungsaufgaben. Einerseits können Routinetätigkeiten und standardisierbare Prozesse (z. B. in der Leistungsmessung und Personalauswahl) von Automatisierung und Digitalisierung profitieren. Andererseits werden soziale Aspekte von Führung, wie die Motivation von Beschäftigten, in naher Zukunft wohl nicht durch digitale Lösungen zu ersetzen sein. Bei der Zusammenarbeit in flachen Hierarchien und Teamstrukturen sind Führungskräfte mehr denn je gefordert, ihre Mitarbeiter*innen durch Beziehungsgestaltung bei ihrer Arbeit zu unterstützen.

Die Kampagne kommmitmensch bietet Ansatzpunkte für Führungskräfte

Neue Schwerpunkte für den Führungsalltag setzen vor allem der verstärkte Gesundheitsfokus und die Betonung der Beziehung zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden. Die Kampagne kommmitmensch der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) bietet für sechs Handlungsfelder zahlreiche Materialien, die Führungskräfte (und Mitarbeitende) in der Arbeit mit diesen neuen Herausforderungen nutzen können.

Die Handlungsfelder im konkreten Fokus der Führung

FEHLERKULTUR: Im Umgang mit der VUCA-Welt ist die Flexibilisierung von Organisationsprozessen zentral. Dies erfordert auch die Bereitschaft, aus Fehlern zu lernen. Der Mut zu Experimenten, schnellem Ausprobieren, aber eben auch das Zulassen von Scheitern sind Voraussetzungen für eine zukunftsgerichtete Fehlerkultur im Unternehmen. Eine solche Fehlerkultur trägt auch den steigenden Anforderungen an Beschäftigte Rechnung, da sie sich über das Lernen aus Fehlern kontinuierlich neue Kompetenzen erarbeiten.

FÜHRUNG: Damit Beschäftigte die neuen Anforderungen selbstbewusst in Angriff nehmen können, müssen sie in die Lage versetzt werden, ausreichend Einfluss auf ihre Arbeit zu nehmen. Im Kontext neuer Teamstrukturen und einer Demokratisierung von Hierarchien verändert sich daher auch die Führungsrolle. Die Führungskraft hat die anspruchsvolle Aufgabe, Mitarbeitenden eigenverantwortliche und selbstgesteuerte Arbeit zu ermöglichen – ohne dass diese sich überfordern oder selbst ausbeuten.

KOMMUNIKATION UND BETEILIGUNG: Veränderungen im Unternehmen, wie die Einführung neuer Teamstrukturen und der Abbau von Hierarchien, benötigen mitunter Überzeugungsarbeit. Auch hier kommt der Führungskraft eine wichtige Rolle zu: Zum einen ist sie Vorbild für die Umsetzung der Veränderungen. Zum anderen ist sie dafür zuständig, den Sinn der Veränderungen an die Beschäftigten zu kommunizieren. Klare und frühzeitige Kommunikation sowie die Beteiligung der Beschäftigten in allen Schritten der Umsetzung steigern deren Akzeptanz und die Wahrscheinlichkeit, dass Neuerungen erfolgreich umgesetzt werden.

BETRIEBSKLIMA: Eine erfolgreiche Beziehungsgestaltung durch die Führung kann außerdem zu einem insgesamt positiven Betriebsklima beitragen. Sie fördert eine Kultur des Vertrauens, in der die Einführung neuer Technologien und Arbeitsformen aktiv vorangetrieben, Herausforderungen aber ebenfalls angesprochen werden können.

SICHERHEIT UND GESUNDHEIT: Um den Fokus auf Gesundheit für alle Beschäftigten dauerhaft aufrecht zu erhalten, müssen Führungskräfte diesen aktiv vorantreiben. Unternehmen profitieren dann mit der höchsten Wahrscheinlichkeit von der New Work Transformation, wenn die Kulturvoraussetzungen für sicheres und gesundes Arbeiten von der Führung unterstützt und vorgelebt werden.

Insgesamt stellt die Digitalisierung Unternehmen auf allen sechs Handlungsfeldern vor zahlreiche Herausforderungen. Führungskräfte, die diese Herausforderungen annehmen, haben jedoch gleichzeitig die Chance, zusammen mit ihren Beschäftigten ein innovatives, gesundheitsförderliches und motivierendes Arbeitsumfeld zu schaffen.

 

inform Ausgabe 3/2019

VUCA

Diese Abkürzung steht für die englischen Begriffe volatility, uncertainty, complexity, ambiguity. Sie beschreibt herausfordernde Umweltbedingungen für Unternehmen, die – z. B. durch die Digitalisierung – zunehmend unbeständig, unsicher, komplex und unklar werden. 

Quellenangaben

Welpe, I.M., Brosi, P., & Schwarzmüller, T. (2018). Digital Work Design. Die Big Five für Arbeit, Führung und Organisation im digitalen Zeitalter. Frankfurt / New York: Campus. Schwarzmüller, T., Brosi, P., Duman, D., & Welpe, I.M. (2018). How does the digital transformation affect organizations? Key themes of change in work design and leadership. management revue, 29(2), 113 – 137. DOI: 10.5771/0935-9915-2018-2-113

Die Präventionskampagne kommmitmensch der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) bietet für sechs Handlungsfelder zahlreiche Materialien, die Führungskräfte (und Mitarbeitende) in der Arbeit mit diesen neuen Herausforderungen nutzen können.

Alle Broschüren finden Sie unter www.dguv.de, Kampagne kommmitmensch.

Bilder: © Kampagne kommmitmensch

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Autor/Interviewer: Dr. Lisa Ritzenhöfer, E-Mail: l.ritzenhoefer@ukh.de