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Datum: Kategorie(n): Präventionskampagnen · Drucken

Führung, Kommunikation und Fehlerkultur verbessern

Die Kampagne kommmitmensch der Unfallkassen und Berufsgenossenschaften hat das Ziel, die Präventionskultur in den Betrieben zu fördern und dabei insbesondere die Verantwortlichen zu motivieren, sich verstärkt mit den Themen Führung, Kommunikation und Fehlerkultur zu beschäftigen.

In der Kampagne gibt es nun neue Schwerpunkte, die hier vorgestellt werden.

Botschaft und Ziel

Das Ziel der Kampagne kommmitmensch ist es, Sicherheit und Gesundheit als Werte für alle Menschen, für jede Organisation sowie für die Gesellschaft zu thematisieren und im Denken und Handeln zu integrieren. Da Verhaltensweisen, Werte und Haltungen bereits im Kindesund Jugendalter erworben werden, sind sie für den Umgang mit Risiken, Gefahren und Konflikten häufig ein Leben lang bestimmend. Daher richtet sich die Kampagne sowohl an Verantwortliche und Beschäftigte in Betrieben als auch an Kinder und Jugendliche in Kitas und Schulen mit der Kernbotschaft: „Sicherheit und Gesundheit sind Werte für alle Menschen, jede Organisation und die Gesellschaft. Sie sollen Gegenstand allen Handelns werden. Präventives Handeln ist lohnend und sinnstiftend“ und das Ziel, eine Kultur der Prävention in Betrieben und Ausbildungsstätten nachhaltig zu verankern.

Sechs Handlungsfelder

Präventionskultur ist zunächst ein abstrakter Begriff, der durch sechs Handlungsfelder untermauert wird, die die konkreten Ziele der Kampagne beschreiben:

ORGANISATION VON SICHERHEIT UND GESUNDHEIT: Erhöhung der Verbindlichkeit, mit der auf Sicherheit und Gesundheit in Betrieben geachtet wird.

FÜHRUNG: Intensivierung/Förderung einer sicherheits- und gesundheitsgerechten Führung.

KOMMUNIKATION: Verbesserung und Erweiterung der Kommunikation zwischen Führungskräften und Beschäftigten sowie Beschäftigten untereinander.

PARTIZIPATION: Aktive Einbeziehung der Beschäftigten in Prozesse der Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit im Betrieb.

FEHLERKULTUR: Intensivierung einer konstruktiven Fehlerkultur im Betrieb.

BETRIEBSKLIMA: Schaffung eines sicheren und gesunden sozialen Klimas/Betriebsklimas in Betrieben, das durch Kollegialität und gegenseitige Unterstützung geprägt ist.

Erste Evaluationsergebnisse

Die Kampagne wurde von Anfang an evaluiert. Dazu wurden sowohl die Aufsichtspersonen der UV-Träger als auch Unternehmer*innen, Führungskräfte und Beschäftigte über die Wahrnehmung der Kampagne, ihre Medien, die Wichtigkeit des Themas Präventionskultur und über den gewählten Kommunikationsweg in den sozialen Medien befragt.

Die Ergebnisse waren ernüchternd: Zwar wurde von allen Befragten das Thema Präventionskultur mehrheitlich als wichtig angesehen, es gab aber große Defizite in der Wahrnehmung der Kampagne, der Vorbereitung der Aufsichtspersonen und auch in den gewählten Kommunikationswegen. Offenbar war das Thema Präventionskultur sowohl den Aufsichtspersonen als auch den Betrieben in der aktuell gewählten Darstellungsform zu abstrakt.

Neu: Konkrete Schwerpunkte

Aufgrund der Evaluationsergebnisse wurden eine inhaltliche Schärfung der Kampagne und eine Konkretisierung ihrer Inhalte beschlossen. Im Mittelpunkt sollen daher 2019 im betrieblichen Bereich nun die Themen Absturzunfälle sowie Verkehrsunfälle mit Fahrzeugen insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) stehen. An einem konkreten Unfall ist es besser möglich, den Einfluss der Handlungsfelder zu erkennen: So kann man beispielsweise bei der Untersuchung eines Absturzunfalls gemeinsam mit den Verantwortlichen eines betroffenen Betriebes leicht erkennen, wo es mangelnde Kommunikation, schlechte Führung, ein Nicht-Lernen aus Fehlern oder aber eine zu geringe Organisation von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit gab. Für den Bildungsbereich wurden die Schwerpunkte Unfälle im Schulsport und Schwimmunfälle festgelegt. Aktuell werden konkrete Kampagnenpakete für die Dachkampagne und für die Maßnahmen der UV-Träger entwickelt.

Trotz der neuen Schwerpunkte bleiben die sechs Handlungsfelder weiterhin die Grundlage der inhaltlichen Struktur der Kampagne. Somit können die bis jetzt entwickelten Medien und Tools weiter eingesetzt werden; sie sind aber primär für mittlere bis größere Betrieb geeignet. Für kleine Betriebe werden neue Medien entwickelt, die noch einfacher, kürzer und übersichtlicher gestaltet werden. Zudem sind Kooperationen mit Unternehmen und Institutionen bei der Verbesserung der internen Kultur der Prävention geplant.

Kultur der Prävention etablieren – die Unfallkasse hilft konkret dabei

Für die Mitglieder der Unfallkasse Hessen entstehen durch den Kurswechsel Vorteile: Alle Handlungshilfen und Medien sind weiterhin erhältlich. Auch die Qualifizierungen, die ganz oder teilweise auf die Handlungsfelder eingehen, bleiben unverändert.

Sie waren bereits wichtige Bestandteile der regionalen Schulfachtagung Gemeinsam gesunde Schule gestalten. Die UKH wird sich zudem an dem bundesweiten Projekt MindMatters beteiligen und ein Interkulturelles Konfliktmanagement an Schulen in ihr Lehrgangsprogramm aufnehmen.

Für Forstamtsleiter bieten wir ein Seminar u. a. mit dem Schwerpunkt Gesunde Führung an und für alle Führungskräfte ein Führungskräftezertifikat zur Reflexion und Entwicklung des eigenen Führungsverhaltens. Im kommenden Jahr wird das Seminarprogramm um die Seminare Beschäftigte beteiligen und Sicher und gesund durch gute Führung erweitert.

Im Projekt Wir Azubis stellen Auszubildende der Fraport AG ihre Erfahrungen mit Sicherheit und Gesundheit in der Ausbildung und mit den Führungskräften in kleinen Spots über die sozialen Medien dar (siehe auch unseren Beitrag dazu "Das war die beste Entscheidung meines Lebens!").

Es werden zudem aktuell Aktivitäten erarbeitet, um die neuen Schwerpunktthemen in den Mitgliedseinrichtungen noch stärker zu unterstützen – etwa durch eine Fachtagung Sportunterricht in der Grundschule oder einen Sportlehrertag. Für Betriebe wären die Projekte zur Absturzsicherung beim Hochsitzbau, der Risiko-Parcours Hessen Mobil und verschiedene Projekte der Wegeunfallprävention zu nennen.

MindMatters – mit psychischer Gesundheit gute Schule fördern

Das Projekt wurde an der Universität Lüneburg entwickelt und von mehreren Unfallkassen, der Barmer Ersatzkasse und dem Schweizer Bundesamt für Gesundheit gefördert. Es hat die Ziele:

  • Entwicklung einer Schulkultur, mit der sich alle Schulmitglieder sicher, wertgeschätzt und eingebunden fühlen
  • Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Gesundheit von Lehrkräften
  • Verbesserung der Lernbedingungen und Gesundheit von Schülerinnen und Schülern

MindMatters besteht aus drei Schulentwicklungsmodulen und sieben Unterrichtsmodulen, jeweils mit unterschiedlichenThemenschwerpunkten (zum Beispiel zum Umgang mit Stress, zur Verhinderung von Mobbing oder zur Stärkung der Schulgemeinschaft), die sich an Schülerinnen und Schüler von der 1. bis zur 13. Jahrgangsstufe aller Schulformen richten.

Durch die Neuausrichtung der Kampagne steigt die Vielfalt ihrer Themen. Materialien, Medien und Handlungshilfen für Verantwortliche, Beschäftigte und Auszubildende werden laufend erarbeitet. Sie nehmen auf konkrete betriebliche Situationen Bezug. Unabhängig davon bleibt das Ziel unverändert: Die Etablierung einer guten Kultur der Prävention in den Mitgliedsbetrieben der UKH.

 

inform Ausgabe 3/2019

Die sechs Handlungsfelder der Präventionskampagne kommmitmensch beschreiben die konkreten Ziele der Kampagne.

Bilder: © Kampagne kommmitmensch

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Autor/Interviewer: Dr. Torsten Kunz, E-Mail: t.kunz@ukh.de