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Datum: Kategorie(n): Gesundheit · Versicherungsschutz · Leistungen UKH · Drucken

Häusliche Pflege oder doch lieber Pflegeheim?

Die geeignete Unterbringung für einen pflegebedürftigen Angehörigen zu finden, ist oft schwieriger als gedacht. Das Thema erfordert eine außerordentliche Sensibilität und stellt viele Menschen vor große emotionale Herausforderungen. Was ist im individuellen Fall besser für Pflegebedürftige: ein Pflegeheim oder doch lieber die häusliche Pflege durch Angehörige? Wir erläutern die Vor- und Nachteile beider Optionen.

Nach einer Statistik der gesetzlichen Pflegeversicherung aus dem Jahr 2015 werden knapp drei Viertel der Pflegebedürftigen zu Hause versorgt und nur ein gutes Viertel vollstationär in Pflegeheimen. Wie die Zahlen zeigen, wird also die häusliche Pflege von Angehörigen der Pflege in einem Heim häufig vorgezogen. Auch eine Versichertenbefragung der gesetzlichen Unfallversicherung ergab, dass Pflege möglichst lange im eigenen Zuhause stattfinden sollte: ein Grund, warum die Unfallkasse Hessen die häusliche Pflege durch Angehörige ausdrücklich fördert.

Vor- und Nachteile der Pflege zu Hause

Das wohl größte Plus der häuslichen Pflege ist, dass Pflegebedürftige nicht aus ihrem vertrauten Umfeld, das ihnen Sicherheit gibt, herausgenommen werden müssen. Zu Hause fühlen sich die Menschen in der Regel sicher und geborgen. Sie sind umgeben von Erinnerungen, haben das Haus vielleicht selbst gebaut und ein stützendes Umfeld durch Nachbarn, Vereine usw. Hinzu kommt die Flexibilität der häuslichen Pflege durch Angehörige, die direkt auf die Wünsche und Bedürfnisse der Betroffenen eingehen können. Der Tagesablauf kann so viel individueller gestaltet werden als bei einer stationären Unterbringung. Das ist selbst dann der Fall, wenn man mit einem ambulanten Pflegedienst zusammenarbeitet oder Hilfe durch einen Essenslieferdienst bekommt. Schließlich bestimmt man immer noch allein, wann man isst und zu Bett geht oder laut die Lieblingssendung im Fernsehen schaut …

Die Belastung der eigenen Familie ist bei diesem Modell allerdings nicht zu unterschätzen. Nicht jedem ist es möglich, dieses zeitliche Opfer zu erbringen. Hinzu kommen die physischen und psychischen Belastungen, die mit einer intensiven Pflege einhergehen. Auf der einen Seite müssen die Pflegenden ausreichend Körperkraft aufbringen können, um ihrem Familienmitglied aus dem Bett zu helfen oder es beim Gehen so zu sichern, dass er/sie nicht fallen kann. Außerdem kommt gerade nach Schädel-Hirn-Verletzungen eine starke psychische Belastung hinzu.

Manchen fällt es nicht leicht, die mit den Verletzungsfolgen einhergehenden Wesens- und Leistungsveränderungen der geliebten Person, der sie so nahestehen, hautnah als pflegende Hilfe rund um die Uhr auszuhalten.

Kann Heimpflege die bessere Wahl sein?

Pflegeheime bieten gegenüber der häuslichen Pflege einige Vorteile. In der Regel ist die medizinische Versorgung besser als zu Hause. Fachpersonal ist direkt vor Ort. In einem Wohn- oder Pflegeheim (je nach persönlicher Situation) ist immer jemand da, der sich medizinisch und pflegerisch auskennt. Das Personal wird nach einem bestimmten Schlüssel je nach Pflegegrad der Bewohner*innen für den Dienst eingeteilt. So kann man auch in Notfällen zeitnah handeln.

Die Familie wird auf diese Weise entlastet – körperlich und auch seelisch. Manchmal ist es Angehörigen einfach nicht möglich, ihr Familienmitglied in der häuslichen Umgebung zu pflegen, vielleicht, weil man zu weit auseinander wohnt oder weil man beruflich stark eingebunden ist. Es kann aber auch passieren, dass der Pflegebedarf so hoch ist, dass die Pflege zu Hause einfach nicht mehr zu schaffen ist. Dann geht es nicht ohne professionelle Unterstützung.

Vorteilhaft sind auch die sozialen Kontakte in einem Pflegeheim. Hier treffen Menschen in der gleichen Lebenssituation aufeinander, hier werden Sorgen und Nöte geteilt. Auch wenn die Familie zu Hause ihr Bestes gibt – neben der Pflege muss auch der Alltag für alle anderen weiterlaufen, unter anderem im Job. Deshalb gibt es nicht wenige zu pflegende Menschen, die gern ein bisschen mehr Gesellschaft um sich hätten. In der stationären Pflege bemüht man sich um die Integration aller Bewohner*innen.

Wohnheim versus Pflegeheim

Auch wenn in behinderungsgerechten, betreuten Wohnheimen oftmals Menschen leben, die der Pflege bedürfen, muss man sie doch abgrenzen von reinen Pflegeheimen. Die Bewohner*innen von Pflegeheimen sind in hohem Maße von Dritten abhängig und brauchen fast immer intensive Pflege.

Der Begriff Wohnheim muss inzwischen auch erweitert werden: Im Trend liegen Pflege-Wohngemeinschaften. Dabei leben mehrere Menschen mit vergleichbaren Einschränkungen familienähnlich zusammen und werden rund um die Uhr von Pflegepersonal betreut. Möglich ist auch eine eigenständige Wohnung im Rahmen eines Wohnkomplexes mit pflegerischem Anschluss. Oder eben das klassische Zimmer inklusive Bad im Heim, mit Gemeinschaftsräumen zum Essen und für die Freizeit.

Wie finde ich ein gutes Pflegeheim?

Einige Pflegeheime in Deutschland genießen einen zweifelhaften Ruf. Erschrecken- Häusliche Pflege oder doch lieber Pflegeheim? Entscheidungshilfen für pflegende Angehörige Die geeignete Unterbringung für einen pflegebedürftigen Angehörigen zu finden, ist oft schwieriger als gedacht. Das Thema erfordert eine außerordentliche Sensibilität und stellt viele Menschen vor große emotionale Herausforderungen. Was ist im individuellen Fall besser für Pflegebedürftige: ein Pflegeheim oder doch lieber die häusliche Pflege durch Angehörige? Wir erläutern die Vor- und Nachteile beider Optionen. de Geschichten von vernachlässigten Patienten, fehlerhafter Pflege und akuter Personalknappheit geistern nicht nur durch Boulevardmedien. Aus diesem Grund sehen viele Angehörige von der Unterbringung eines Familienmitglieds in einem Pflegeheim ab. Vorweg sei gesagt: Diese Zustände herrschen, wie das Beispiel unserer Versicherten Lea Klee zeigt (Seite 12 in dieser Ausgabe), bei Weitem nicht in allen Pflegeheimen und einiges wird sicher auch überspitzt dargestellt. Nichtsdestotrotz zeigen diese Berichte Schwächen bei der stationären Versorgung von pflegebedürftigen Menschen auf, weshalb man bei der Wahl des geeigneten Pflegeheims sehr sorgfältig vorgehen sollte.

Aufgrund der viel größeren Fallzahlen bieten die Träger der sozialen Pflegeversicherung für die Pflegeheimsuche Unterstützung an, z. B. den Pflege-Navigator. Dort kann man sich selbst auf die Suche machen.

UKH und Pflegeheime

Wegen des homogeneren Patientenguts (nur Betroffene nach Arbeits- und Schulunfällen) und geringerer Fallzahlen kann sich die UKH auf spezialisierte Pflegeeinrichtungen konzentrieren. Die Auswahl der Pflegeheime erfolgt dann in der Regel auf der Grundlage von Erfahrungswissen unseres Reha-Mangements im Rahmen einer individuellen Beratung. Hier werden die Wünsche der Versicherten, z. B. in Bezug auf Wohnortnähe der Angehörigen, berücksichtigt. Sollten Sie sich grundsätzlich für ein Pflegeheim entscheiden, gilt es vorher, die Einrichtung genau zu prüfen. Kommen Sie am besten unangekündigt und sprechen Sie, wenn möglich, auch mit dortigen Bewohner*innen und deren Angehörigen. Machen Sie sich ein Bild von den Zuständen vor Ort.

Erst wenn Sie vollends von der Qualität des Heim überzeugt sind, sollten Sie die Entscheidung treffen.

Fazit

Auch wenn die meisten Menschen die Pflege zu Hause einem Pflegeheim vorziehen würden: Für beide Möglichkeiten bestehen Vor- und Nachteile. Die emotionale Entscheidung, einen nahestehenden Pflegebedürftigen in fremde Hände zu geben, muss jeder Angehörige, vielleicht mithilfe von Familie und Freunden, letztendlich allein treffen. Im Fall von Unfallopfern, die über die UKH versichert sind, helfen Ihnen erfahrene Reha-Manager*innen, Vor- und Nachteile beider Optionen auszuloten.

In der Mehrzahl wird die häusliche Pflege von Familienangehörigen ggf.in Kombination mit einem ambulanten Pflegedienst übernommen. Und wer sich für die häusliche Pflege eines Angehörigen entscheidet, sollte in jedem Fall unterstützende Leistungen in Anspruch nehmen. Dies gilt besonders, wenn Pflege und Berufsleben vereint werden müssen.

Und auch für Angehörige, die zu Hause pflegen, kann es sinnvoll sein, sich mit dem Thema Pflegeheim zu beschäftigen. Denn ganz gleich, ob Kurzzeitpflege – wenn der zu Pflegende intensivere Betreuung braucht, beispielsweise nach einem Krankenhausaufenthalt – oder Verhinderungspflege (wenn die Pflegeperson aufgrund von Krankheit/Urlaub ausfällt): Es gibt Situationen, in denen man auf professionelle Einrichtungen zurückgreifen muss. Wichtig ist, dass Sie sich bei der Entscheidung, ob „häusliche Pflege oder Unterbringung im Pflegeheim“ Zeit nehmen und alle Eventualitäten abwägen.

 

inform Ausgabe 1/2020

Checkliste Auswahl Pflegeheim

  • Besorgen Sie sich aussagekräftiges Infomaterial über das Heim.
  • Werden bei einem Besuch im Heim alle Ihre Fragen ausführlich beantwortet und nimmt man sich Zeit für Sie?
  • Können Sie bei einem Besuch vor Ort mit den Bewohner*innen selbst sprechen?
  • Testen Sie die Sauberkeit mit Augen und Nase. Probieren Sie das Essen.
  • Informieren Sie sich über Freizeitmöglichkeiten und nehmen Sie entsprechende Einrichtungen in Augenschein.
  • Beobachten Sie den Umgang des Personals sowohl mit den Bewohnern als auch untereinander.

Thiemo Gartz, UKH: Wichtig ist, dass Sie bei der Entscheidung, ob häusliche Pflege von Angehörigen oder Unterbringung im Pflegeheim, alle Eventualitäten abwägen. Bild: ©Adobe Stock, vegefox.com

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Autor/Interviewer: Thiemo Gartz, E-Mail: t.gartz@ukh.de