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Datum: Kategorie(n): Sicherheit · Gesundheit · Psychische Belastungen · Schule · Drucken

Psychische Krisen: Präventionsprogramm unterstützt Jugendliche

Psychische Probleme im Erwachsenenalter haben bei rund der Hälfte der Personen ihren Ursprung in der Jugend oder Kindheit. Da eine labile psychische Gesundheit in der Jugend oft einhergeht mit Arbeitslosigkeit, Rauchen, Verbrechen, Adipositas, Drogenmissbrauch und späteren psychischen Erkrankungen, nimmt laut Weltgesundheitsorganisation (WHO, 2017) die Stärkung der Widerstandskraft bei jungen Menschen einen hohen Stellenwert ein.

„Verrückt? Na und!“

Das gleichnamige Präventionsprogramm wurde von Irrsinnig Menschlich e. V. für Jugendliche ab der achten Klasse und deren Lehrkräfte entwickelt. Mit seiner Hilfe sollen psychische Krisen besprochen und offen behandelt werden. Im Kern besteht das Programm aus einem dreiteiligen Schultag zum Thema „seelische Gesundheit“. Es hilft Jugendlichen, ihre Not früher zu erkennen, sich nicht zu verstecken und Unterstützung anzunehmen. Dadurch erhöht sich ihre Chance auf eine sichere und gesunde Schulzeit und einen erfolgreichen Abschluss.

Die Schultage werden von Teams gestaltet, die Erfahrungen mit psychischen Gesundheitsproblemen haben: von Berufs wegen und auch in eigener Sache. Besonders durch die Begegnung mit Menschen, die psychische Krisen gemeistert haben, entsteht eine starke Wirkung.

Schultag zur seelischen Gesundheit

Die Schülerinnen und Schüler lernen, psychische Krisen zu verstehen oder Ängste und Vorurteile abzubauen. Die Teams vermitteln Zuversicht und zeigen Lösungswege auf. Durch den offenen Umgang miteinander und gemeinsam mit der Lehrkraft wird das Wohlbefinden gefördert und das Klassenklima verbessert.

Das Kennenlernen von Warnsignalen psychischer Krisen ist ein weiterer Lerninhalt. Jugendtypische Bewältigungsstrategien werden diskutiert, Ängste und Vorurteile hinterfragt und die Schülerinnen und Schüler erfahren sowohl, wer und was helfen kann, als auch, was ihre Seele stärkt. Darüber hinaus begegnen sie Menschen, die psychische Krisen gemeistert haben.

Ansprechen statt ignorieren

An die Lebenserfahrungen von Schülerinnen und Schülern anknüpfend, werden diese dazu ermuntert, sich mit ihren Erfahrungen, Fragen und Vorstellungen einzubringen. Häufig werden Themen wie Prüfungsstress, Schulleistungen, Krankheit, Mobbing, Süchte oder Suizid hierbei genannt.

Glück und Krisen

Im zweiten Teil beschäftigen sich die Jugendlichen in Gruppenarbeiten unter anderem mit folgenden Themen: „Wie Körper und Seele zusammenhängen“, „Sich zu helfen wissen“ oder: „Neue Medien: Nützlich für die Seele?“. Das durchführende Team unterstützt und begleitet die Gruppen.

Mut machen und Erfahrungen austauschen

Im dritten Teil des Schultags „outet“ sich der persönliche Experte. Für die Jugendlichen und die Lehrkraft ist dies meist eine sehr unerwartete Situation mit starker Wirkung, da der persönliche Experte schon den ganzen Tag begleitend dabei ist und man erst spät erkennt, dass er oder sie ebenfalls eine psychische Krise durchlebt hat. Der persönliche Experte erzählt kurz von sich und lädt die Klasse dazu ein, Fragen zu stellen. Diese unerwartete Begegnung ist der Schlüssel zur Veränderung von Einstellungen und bestenfalls des Verhaltens.

Der Schultag wird mit der Ausgabe eines Krisen-Ausweg-Weisers für die jeweilige Region beendet. Darin enthalten sind u. a. regionale Anlaufstellen, Telefonnummern und schulische Hilfsorganisationen zu verschiedenen Themen psychischer Gesundheit (z. B. Mobbing, Sucht, Depression).

Nutzen des Programms

Das Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP) der Universität Leipzig belegt die Wirksamkeit des Angebots. Die Wahrnehmung eigener Stärken und Ressourcen, Ängste, Vorurteile und Vorbehalte wird verbessert und die Jugendlichen lernen, diese zu verstehen. Sie erfahren, wo sie Hilfe finden und wie sie Mitschülerinnen und Mitschüler unterstützen können. Teilnehmende Lehrkräfte schärfen dadurch ihre Sinne für die Befindlichkeiten ihrer Schülerinnen und Schüler und können so für ein besseres Schul- und Klassenklima sorgen.

Die Unfallkasse Hessen unterstützt das Engagement von Irrsinnig Menschlich e. V. zur Förderung seelischer Gesundheit an hessischen Schulen und begrüßt die Durchführung des Programms „Verrückt? Na und!“. Bei Interesse wenden Sie sich bitte direkt an Irrsinnig Menschlich e. V.

 

inform-Ausgabe 1/2019

Der Verein wurde im Jahr 2000 von Manuela Richter-Werling in Leipzig gegründet und verfolgt das Ziel, Stigma, Angst und Vorurteile gegenüber seelischen Krankheiten abzubauen.

Schülerinnen und Schüler lernen, mit psychischen Krisen umzugehen. Quelle: © Irrsinnig Menschlich

Erfolgreich durch die Schulzeit mit dem Programm „Verrückt? Na und!“ Quelle: © Irrsinnig Menschlich

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Autor/Interviewer: Olga Weber, E-Mail: o.weber@ukh.de