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Datum: Kategorie(n): Sicherheit · Gefahrstoffe · Gesundheit · Drucken

Wichtige Regeln bei der Auswahl von Kinderspielzeug

Für jedes Kind, für jede Umgebung und bei jedem Spielzeug oder Spielgerät bedeutet Sicherheit etwas anderes: Zum einen die Sicherheit, die das Spielzeug selbst betrifft und für die der Hersteller die Verantwortung trägt. Zum anderen die Sicherheit der Spielumgebung, für die die Eltern oder Erzieher*innen verantwortlich sind, und letztlich die Sicherheit, die vom Kind selbst ausgeht, z. B. durch sein Verhalten, seine Bewegungssicherheit und seine Körperbeherrschung.

Verantwortung der Hersteller

In Deutschland muss entsprechend der Spielzeugrichtlinie jedes in Verkehr gebrachte Spielzeug mit CE gekennzeichnet sein. Das CE-Kennzeichen dokumentiert die Übereinstimmung des Spielzeugs mit den gesetzlichen Anforderungen und legt allgemeine Sicherheitsanforderungen fest (physikalische, mechanische, chemische und elektrische), welche ein in der Europäischen Union (EU) vertriebenes Spielzeug erfüllen muss. Dementsprechend darf von Spielzeug keine Gesundheits- oder Verletzungsgefahr ausgehen. Eine große Rolle spielen dabei schriftliche Warnhinweise auf dem Produkt, der Verpackung und in der Gebrauchsanweisung.

Die Gefahr steckt im Detail

Zu Spielzeug zählt alles (mit Ausnahmen), was dafür vorgesehen ist, von Kindern bis 14 Jahren zum Spielen verwendet zu werden.

Eine Vorgabe der Richtlinie ist zum Beispiel, dass Spielzeug, das so klein ist, dass es in einen bestimmten Prüfzylinder passt, den Warnhinweis: „Nicht für Kinder unter 36 Monaten geeignet wegen verschluckbarer Kleinteile“ tragen muss. Dennoch kommt es immer wieder vor, dass Spielzeug mit einer Altersangabe ab drei Jahren versehen ist, obwohl es eigentlich für unter Dreijährige konzipiert wurde; ein Beispiel: Quietscheenten. Der Hersteller macht hier eine Altersangabe „ab drei Jahren“, weil sich der Pfeifmechanismus im warmen Wasser lösen kann und die Gefahr besteht, dass ein sich ablösendes Teil von Kleinkindern verschluckt wird. Es fehlt der konkrete Hinweis, dass das Spielzeug für Kinder unter drei Jahren nicht geeignet ist. So schleicht sich der Hersteller aus der Verantwortung, was nicht zulässig ist.

Verbraucher sollten also immer wachsam sein und zudem das Spielmaterial permanent überprüfen. Durch Materialermüdung oder das Eintrocknen von Klebstoffen usw. können sich kleine Teile lösen, Schnüre oder Seile reißen, sich Schrauben lockern, Reifen und Räder abgehen. Besonders bei gebraucht gekauften Spielsachen ist diese Sorgfalt nötig.

Gefahren an unvermuteter Stelle

Verschluckbare Teile kann man aber auch bei anderen Produkten finden. So kann sich z. B. ein Saugnapf einer Autosonnenblende lösen und von einem Kind verschluckt werden. Da ein Saugnapf aufgrund seiner Größe nicht als verschluckbar gilt und es sich bei der Sonnenblende um kein Spielzeug handelt, muss er nicht die geforderte Festigkeit besitzen und lässt sich leicht von der Sonnenblende lösen. Derartige Unfälle, bei denen Kinder Teile von Produkten bzw. bei entsprechender Größe den Artikel selbst verschlucken, sind nicht gänzlich auszuschließen, lassen sich aber bei entsprechender Sorgfalt beim Kauf der Produkte und entsprechendem Umgang damit weitestgehend vermeiden.

Griffe und Magnete

Eine Sicherheitsvorschrift beispielsweise besagt, dass Griffe an Kinderfahrzeugen verdickte Enden haben müssen. Wenn die verdickten Enden der Griffe porös werden und abzufallen drohen, müssen sie sofort erneuert werden, da Verletzungsgefahr droht.

Eine eher wenig bekannte Gefahr kann auch von Magneten ausgehen. Werden diese verschluckt, kann das unter ungünstigen Bedingungen dazu führen, dass sich die Magnete im Darmbereich über Darmwände hinweg anziehen. Dabei können Perforierungen des Gewebes verursacht werden, was massive Entzündungssymptome zur Folge haben kann. Magnete gibt es in den unterschiedlichsten Ausführungen in Spielzeug, beispielsweise in Magnet-Konstruktions-Baukästen. Nach den gesetzlichen Vorschriften müssen Magnete einer bestimmten Stärke so groß sein, dass sie nicht verschluckt werden können!

Sicherheit der Spielumgebung

Ein Spielzeug ist aber nur so sicher wie die Umgebung, in der es benutzt wird. Zu einer sicheren Spielumgebung gehört, dass ein Spielzeug dem Kind erst im passenden Alter bzw. bei entsprechenden Fähigkeiten überlassen wird.

Ein Schaukelpferd ist z. B. nicht sicherer, nur weil es einen Sitzbügel hat. Kinder versuchen oft darüberzusteigen, wenn sie keine Lust mehr zum Schaukeln haben. Besser ist es, dem Kind ein Schaukelpferd ohne Sitzbügel zur Verfügung zu stellen, und zwar erst dann, wenn es selbstständig auf- und absteigen kann. Ebenso ist ein Laufrad mit Bremsen nicht sicherer als eines ohne, weil ein kleines Kind noch nicht mit einer Handbremse umgehen kann. Das Kind soll erst dann an abschüssigen Stellen fahren dürfen, wenn es mit dem Laufrad vertraut ist und Gleichgewicht, Geschwindigkeit und Bremsen mit den Füßen beherrscht.

Gemäß den Sicherheitsvorschriften soll bei einem Klettergerüst der Einstieg erst für Kinder einer bestimmten Körpergröße und damit entsprechenden Fähigkeiten möglich sein. In der Praxis bedeutet das, dass die erste Sprosse von einem Kind nur erklommen werden kann, das diesen Schwierigkeitsgrad auch beherrscht. Ein Kind einfach hochzuheben, damit es oben weiterklettern kann, stellt also eine Gefahr dar, zumal Erwachsene üblicherweise nicht nachklettern und sichern können. Älteren Kindern muss unbedingt eingeschärft werden, dass sie ihren Fahrradhelm beim Klettern absetzen. Sie könnten bei einem Sturz damit im Kletternetz hängen bleiben und sich strangulieren.

So gibt es viele Gefahren, die ein Kind nicht erkennen und einschätzen kann. Darum sind die Erwachsenen gefragt, Spielzeug und Spielumgebung entsprechend zu sichern.

Bewegungssicherheit und Körperbeherrschung fördern

Es ist jedoch unmöglich und auch nicht wünschenswert, Kinder vor jeder unangenehmen oder schmerzhaften Erfahrung zu bewahren. Das gehört dazu, wenn Kinder allmählich lernen sollen, den alltäglichen Gefahren angemessen zu begegnen.

Die Aufgabe von Erwachsenen ist es, den uns anvertrauten Kindern das richtige Maß an Risiko und Sicherheit zu verschaffen und ernsthafte Schäden zu verhindern. Es gibt Kinder, die sehr bewegungssicher sind und die eine gute Selbsteinschätzung haben. Das bedeutet, sie haben ein gutes Gefühl dafür, was sie sich zutrauen können und was nicht. Diese Selbsteinschätzung kann sich nur entwickeln, wenn das Kind von klein auf viel Bewegungsfreiheit hat und nicht ständig durch Erwachsene reguliert wird. Wenn beispielsweise ein Kind auf einen Stuhl steigt, sollten Erwachsene in Bereitschaft daneben stehen und nicht sagen: „Bleib unten, das kannst du noch nicht.“ Erfahrungen müssen Schritt für Schritt erworben werden. Eine gute Körperbeherrschung und Koordination der Bewegungen und eine realistische Selbsteinschätzung der eigenen Kraft sind ein guter Schutz vor Verletzungen und Unfällen.

 

inform Ausgabe 4/2018

Hintergrund

spiel gut e. V. ist eine auf Spielzeug und Spiele spezialisierte gemeinnützige Vertraucherberatung, deren Arbeitsausschuss „Kinderspiel + Spielzeug e. V.“ diese Produkte nach bestimmten Kriterien begutachtet und nach erfolgreicher Erprobung in der Praxis von Kindern mit dem spiel-gut-Siegel auszeichnet.

Interessante Lektüre für Eltern und Erzieher*innen. Quelle: spiel gut

In Deutschland muss entsprechend der Spielzeugrichtlinie jedes in Verkehr gebrachte Spielzeug mit CE gekennzeichnet sein. Bild: ©Adobe Stock, Joanna Zielinska

Eine Sicherheitsvorschrift beispielsweise besagt, dass Griffe an Kinderfahrzeugen verdickte Enden haben müssen. Bild: ©Adobe Stock, ramonag

Eine gute Körperbeherrschung und Koordination der Bewegungen und eine realistische Selbsteinschätzung der eigenen Kraft sind ein guter Schutz vor Verletzungen und Unfällen. Bild: ©Adobe Stock, Matthew

Es kommt immer wieder vor, dass Spielzeug mit einer Altersangabe ab drei Jahren versehen ist, obwohl es eigentlich für unter Dreijährige konzipiert wurde; ein Beispiel: Quietschenten. Bild: ©Adobe Stock, eyetronic

Datum: Kategorie(n): Sicherheit · Gefahrstoffe · Gesundheit · Drucken
Autor/Interviewer: Ingetraud Palm-Walter, Herbert Hartmann, E-Mail: kontakt@spielgut.de, h.hartmann@ukh.de