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Datum: Kategorie(n): Versicherungsschutz · Leistungen UKH · Feuerwehr · Drucken

Das Deutsche Feuerwehr-Museum in Fulda

Rolf Schamberger, Kunsthistoriker und seit 22 Jahren Leiter des Deutschen Feuerwehr-Museums in Fulda, nahm uns mit auf eine spannende und unterhaltsame Reise in die Geschichte des Brandschutzes, der bis heute nach dem Motto „Alle für einen, einer für alle“ funktioniert. Er stellte uns den aktiven wie passiven Brandschutz nicht nur als Teil der Technikgeschichte, sondern auch als Zeit-, Kultur-, und Sozialgeschichte dar. Die Zeit im Feuerwehrmuseum verging wie im Flug – wir raten unbedingt zu einem Besuch!

Das Museum

Die Bestrebungen, ein Feuerwehrmuseum zu errichten, reichen bis in die wilhelminische Zeit zurück. Aber erst 1963 wurde auf Initiative des Deutschen Feuerwehrverbandes ein „Verein Deutsches Feuerwehrmuseum“ in Fulda ins Leben gerufen. Bereits 1967 konnte dort eine erste provisorische Ausstellung in der alten Stadtschule eröffnet werden. Es dauerte aber nochmals 25 Jahre, bis 1988 in einem Neubau mit zwei großzügigen Hallen auf 1.600 qm in einer Art Erlebnislandschaft anschauliche historische Objekte vom einfachen Ledereimer bis zu den Feuerwehrfahrzeugen des 20. Jahrhunderts ausgestellt werden konnten.

Von den Anfängen …

In Halle 1 befinden sich Exponate, die die Entwicklung des organisierten Feuerlöschwesens unter besonderer Berücksichtigung der Brandbekämpfung und des Brandschutzes, hauptsächlich aus der Zeit des 16. bis 19. Jahrhunderts, darstellen. Die Großgeräte aus dieser Zeit werden dabei in einem abgesenkten Bodenbereich dargestellt, was dem Besucher bei seinem Rundgang einen besonders interessanten Blick auch in das Innenleben der Objekte erlaubt. Man kann sich bildhaft vorstellen, mit welch einfachen Mitteln, aus heutiger Sicht betrachtet, in den vorangegangenen Jahrhunderten dem Feuerteufel Paroli geboten wurde.

… bis ins 20. Jahrhundert

Halle 2 beherbergt Gerätschaften und Interieur ab dem 20. Jahrhundert. In einigen Schauräumen stellen Museumsleitung und Mitarbeiter, darunter viele Ehrenamtliche, Situationen und Erlebnisse rund um den aktiven Feuerwehrdienst liebevoll nach, teils sogar aus eigenen alten Einrichtungsgegenständen. Die Ausschnitte zweier Jugendzimmer schlagen den Bogen von den Wirtschaftswunderjahren in Westdeutschland bis in die Gegenwart. So manch älterer Besucher glaubt sich zurückversetzt in die Elvis-Zeiten der 50er- und 60er-Jahre des letzten Jahrhunderts.

Von der Brandbekämpfung zur Freiwilligen Feuerwehr

Wir lernen, dass über hunderte Jahre hinweg das wirksamste Mittel der Brandbekämpfung darin bestand, benachbarte Häuser oder gleich ganze Straßenzüge niederzureißen, um ein Ausbreiten der Flammen zu verhindern. So z. B. in großen Städten wie Frankfurt, als es am 26. Juni 1719 zu dem „Großer Christenbrand“ getauften Feuersturm kam, bei dem im Handwerkerviertel in 15 Straßen 430 Häuser niedergebrannt oder abgerissen wurden. In halb Europa wurde damals für die Opfer gesammelt und 140.000 Gulden wurden auf 469 Familien verteilt. Einer erhielt nichts – Bierbrauer Keeß; in seinem Haus war der Brand entstanden.

Ein großer Schock und Wendepunkt in der Brandbekämpfung ist der als „Großer Hamburger Brand“ in die Geschichte eingegangene Feuersturm: In der Nacht vom 4. auf den 5. Mai 1842 brach in Hamburg ein folgenschwerer Brand aus. Es gab dort sogar besoldete Löschkräfte, die Wittkittel, doch diese verfügten über keine effektive Einsatztaktik, so dass der Brand auch infolge der leichten Bauart der Gebäude und des Mangels an Löschwasser (!) so gewaltige Dimensionen annahm, dass dadurch in der Zeit von drei Tagen über 4.000 Gebäude eingeäschert und über 100 Menschleben vernichtet wurden. 20.000 Menschen wurden obdachlos.* Er führte letztlich zu der Erkenntnis, dass die Maßnahmen und Einrichtungen nicht ausreichten, die man damals für fortschrittlich und mustergültig hielt. Auf einmal entstehen in nur wenigen Jahren überregional und in großer Zahl Corps zur Brandbekämpfung. Für diese neue Form der organisierten Brandbekämpfung taucht am 19. November 1847 in der Karlsruher Zeitung Nr. 318 erstmals eine noch nie zuvor verwendete Definition auf: „Feuerwehr“.

Nur neun Jahre nach dem Hamburger Brand wird in Berlin die erste Berufsfeuerwehr gegründet. Die neuen Feuerwehren treffen sich bald zum gegenseitigen Austausch, gründen Verbände, halten Feuerwehrtage ab und nehmen politisch Einfluss. In diesen Jahren organisieren sich – ausgehend von Südwestdeutschland – die jungen Feuerwehren. Militärisch organisierte Löschmannschaften werden auch von privat in Form von Anstalts-, Hütten-, Fabrik- und anderweitigen Feuerwehren geschaffen. Aber als wirklich bahnbrechend und zukunftsweisend ist die großartige Einrichtung zu bezeichnen, die unter dem Namen „Freiwillige Feuerwehr“ in Erscheinung trat.

Carl Metz und die Turner

Völlig unbekannt war uns die Tatsache, dass das Feuerwehrwesen auch deshalb schnell Fuß fassen konnte, weil es sich vielerorts eines bereits etablierten Turnvereinswesens bedienen konnte. Dort erkannte man im Feuerlöschdienst schnell die richtige Aufgabe für die gewandten und trainierten Turner.

Carl Metz, Fabrikant von feuerwehrtechnischen Geräten aus Heidelberg, selbst Turner, besuchte ständig Turnertage oder Turnhalleneinweihungen, um seine Geräte vorzustellen. Dabei begeisterte er viele Turner für die Brandbekämpfung.

Das Museum zeigt viele Geräte von Carl Metz, aber auch Geräte anderer Hersteller, wie tragbare und fahrbare Pumpen und Feuerspritzen, die von vielen ehrenamtlichen Museumshelfern aufwändig restauriert und einem breiten Publikum originalgetreu präsentiert werden.

Von der Industrialisierung zur Neuzeit

Stellvertretend für vieles hat mich ein von der Berufsfeuerwehr der Stadt Offenbach im Jahr 1903 in Dienst gestelltes Fahrzeug der Nürnberger Feuerlöschgeräte Maschinenfabrik AG beeindruckt. Es handelt sich um ein Elektro-Drehleiter-Automobil. Zwei Elektromotoren mit je 6 PS, federnd an der Vorderachse aufgehängt, verliehen dem Koloss eine Geschwindigkeit von 25 km/h bei einer Reichweite von 25 km, und das bei einer Besatzung von zehn Mann, einer 23,5 m-Holzleiter und einem Batteriegewicht von 1,5 t (96 Amp.-Stunden). Elektrotechnik made in Germany 1903!

Mit dem Ersten Weltkrieg setzte sich das Benzinautomobil endgültig gegenüber anderen Antriebsarten durch. Die schlechte Wirtschaftslage verhinderte aber vorerst eine zügige Motorisierung. Selbst einzelne Berufsfeuerwehren rückten bis in die Mitte der 1920er Jahre noch mit Pferden aus. Die Technik und Ausrüstung wurde fortlaufend verbessert. Geschlossene Aufbauten waren ein Erfordernis des strengen Winters 1928/1929. Bereits einige Jahre zuvor war die Geburtsstunde des Löschmittels „Schaum“, der noch heute bei den Feuerwehren Verwendung findet.

Emotionale Gedenkausstellung

Mit einer eindrucksvollen Gedenkausstellung, eröffnet am 9. November 2013, gedenkt das Museum der vielen ab 1933 durch das NS-Regime ausgegrenzten Feuerwehrkameraden, die pflichtbewusst und oft über Jahrzehnte voller Stolz ihr Ehrenamt im Dienst an den Nächsten ausgeübt hatten und in Lagern ihr Leben lassen mussten. Die Feuerwehren wurden in der NS-Zeit umgewandelt zu Polizei- und Hilfspolizeiorganen; vermehrt mussten nunmehr Jungen im Alter von 15 bis 17 Jahren in Löschgruppen Dienst leisten.

Mit dem Ende des Krieges wurde das Feuerwehrwesen wieder Ländersache. Die Bundesländer schufen ihre eigenen Feuerschutzgesetze, Uniformen und Dienstgrade. Auf den Dörfern verschwanden die Handdruckspritzen endgültig aus dem Einsatzgeschehen. Sie wurden entweder verschrottet oder die Edelmetalle gegen „eine Kiste Bier“ für den Kameradschaftsabend eingetauscht oder in die hinterste Ecke der Spritzenhäuser geschoben, um dann als Schaustücke, z. B. im Deutschen Feuerwehrmuseum, wiederentdeckt zu werden.

Die UKH und die Freiwillige Feuerwehr

Es war ein langer und beschwerlicher Weg, bis auf politischer Ebene im damaligen Kaiserreich und in der Weimarer Republik die Einsicht reifte, allen Feuerwehrmännern bzw. deren Hinterbliebenen im Falle eines Unfalls Entschädigungsleistungen zu gewähren. Aus heutiger Sicht ist es nicht nachvollziehbar, warum es für den Personenkreis der Feuerwehren erst durch das 3. Gesetz über Änderungen in der Unfallversicherung (20.12.1928) zu einem umfassenden gesetzlichen Unfallversicherungsschutz kommen konnte. Zuständig für die Entschädigung waren nun die Kommunen in Form ihrer Gemeinde-Unfallversicherungsverbände bzw. als Rechtsnachfolgerin in Hessen seit 1. Januar 1998 die Unfallkasse Hessen.

Die UKH fühlt sich mit ihrer fast 90-jährigen Erfahrung im Bereich der Feuerwehrbetreuung allen Freiwilligen Feuerwehren in Hessen als kompetente und zuverlässige Partnerin besonders verpflichtet.

Unbedingt hinfahren!

Unser Bericht endet hier. Er lässt viele Themen und Objekte im Innen- und Außenbereich des Museums, z. B. den feuerbotanischen Garten, unerwähnt. Schließlich und abschließend soll der Bericht unsere Leserinnen und Leser dazu animieren, sich durch einen Besuch des Museums selbst einmal von dieser einzigartigen Geschichte einfangen zu lassen. 

 

inform Ausgabe 2/2017

Herz und Seele des Museums

Unser Museumsführer, Rolf Schamberger, überzeugt uns beim Rundgang nicht nur mit fundiertem historischen Wissen. Spürbar ist auch seine Liebe zum technischen und optischen Detail jedes Gerätes sowie sein Verständnis für die Menschen, die diese Geräte bedienen. Dank seiner vielen kleinen Geschichten und Episoden erhalten wir einen tiefen Einblick in das Wesen des Feuerwehrdienstes im Laufe der Jahrhunderte bis in die heutige Zeit.

Halle 1 beherbergt Exponate vom 16. bis 19. Jahrhundert, die mit viel Liebe zum Detail von meist ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern aufbereitet wurden.

Ein Feuerwehrmann wird von seinen Gefühlen überwältigt. Das Bild malte Marcus Vallböhmer, der selbst aktiver Feuerwehrangehöriger ist.

Eine Besuchergruppe von der Jugendfeuerwehr probiert mit viel Vergnügen die Funktion der Pumpe aus. (Bilder: Jürgen Kornaker für Unfallkasse Hessen)

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Autor/Interviewer: Gerhard Fiedler, E-Mail: g.fiedler@ukh.de