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Datum: Kategorie(n): Kommunale Betriebe · Sicherheit · Drucken

Arbeitsschutz bei der Stadtverwaltung Taunusstein

"Für einen Zehner laufen wir überall hin." Der letztjährige Spruch auf den JP-Morgan-Trikots der Läuferinnen und Läufer der Stadtverwaltung Taunusstein war für Bürgermeister Sandro Zehner Ansporn und Bestätigung zugleich. Die Beschäftigten zollten ihm damit Anerkennung für seinen Einsatz als Stadtoberhaupt und motivierten ihn gleichzeitig zur Teilnahme am JP-Morgan-Lauf 2017. Und: Er wird teilnehmen! Im Interview mit inform erläutert er gemeinsam mit den Verantwortlichen für den Arbeits- und Gesundheitsschutz sein Konzept für sichere und gesunde Arbeitsplätze – und für motivierte Beschäftigte. 

Die Stadt Taunusstein

Taunusstein hat rund 30.000 Einwohner und ist damit die größte Stadt im Rheingau-Taunus-Kreis. Sie ist nicht historisch gewachsen, sondern entstand vielmehr am 1. Oktober 1971 durch Zusammenschluss der ehemals selbstständigen Gemeinden Bleidenstadt, Hahn, Neuhof, Seitzenhahn, Watzhahn und Wehen. Am 1. Juli 1972 wurden die Gemeinden Hambach, Niederlibbach, Orlen und Wingsbach ebenfalls in die Stadt Taunusstein eingegliedert.

Vieles ist in den vergangenen 46 Jahren zusammengewachsen, aber dennoch hat sich jeder der zehn Stadtteile seinen eigenen Charme und seine Besonderheiten bewahrt.

Der Bürgermeister

Sandro Zehner, 37, ist verheiratet und Vater von zwei Töchtern im Alter von drei und fünf Jahren. Er ist in Taunusstein aufgewachsen und bekleidet das Amt des Bürgermeisters seit dem 1. Februar 2014. Vorher war er u. a. bei der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main als Leiter des Stabsbereichs Politische Interessenvertretung beschäftigt. In dieser Funktion war er zudem Büroleiter des Kammerpräsidenten und des Hauptgeschäftsführers. Seit 2006 engagiert sich Sandro Zehner bereits ehrenamtlich in der Politik seiner Heimatstadt, u. a. als Parlamentsmitglied und Fraktionsvorsitzender der CDU.

Vision und Ziele

Sandro Zehner arbeitet konsequent daran, die Stadtverwaltung als wettbewerbsfähige Arbeitgebermarke zu positionieren, da dem öffentlichen Dienst eine starke bis erdrückende Konkurrenz aus der Wirtschaft droht. Der Bürgermeister braucht gute Leute für seine Verwaltung, und er will sie an die Stadt binden. Bei der zunehmenden Konkurrenzsituation auf dem Arbeitsmarkt müssen darum beste Rahmenbedingungen für individuelle Arbeitnehmerbedürfnisse geschaffen werden. Auf dem Weg zur flexiblen, gesundheitsorientierten Verwaltung gilt es nun, noch einige Hürden aus dem Weg zu räumen und neue Wege zu eröffnen.

Neben strategischen Grundsatzentscheidungen, wie dem Umbau des Bürgerbüros oder der Ausstattung der Arbeitsplätze mit ergonomischen Möbeln, legt Sandro Zehner besonderes Augenmerk auf, wie es es nennt: „Kleinigkeiten“. Der Bürgermeister weiß: „Viele verschiedene Kleinigkeiten runden das Bild eines attraktiven Arbeitsplatzes ab.“

Zu seinem Personalbindungs-Konzept gehört die jährliche Teilnahme am JP-Morgan-Lauf als Firmenevent genauso wie die Versorgung aller Beschäftigten mit kostenfreiem Trinkwasser oder mit Filzgleitern für die Stühle zur Lärmminderung in den Kitas.

Die Stadtverwaltung

Insgesamt 320 Mitarbeiter*innen in drei Fachbereichen kümmern sich um die Belange der rund 30.000 Bürgerinnen und Bürger. Ein aktuelles Projekt konnte inform im einladend freundlichen und hellen Rathaus vor Ort direkt besichtigen: den Umbau des ehemals dunklen und unpersönlich wirkenden Bürgerbüros hin zu großzügigen, offen gestalteten Thekenbereichen. Man verfolgt damit einerseits das Ziel, den Bürgerservice zu verbessern und transparenter zu machen, und andererseits werden durch die Trennung der Arbeitsbereiche auch belastende und stressende Tätigkeiten der Beschäftigten besser kanalisiert; betroffene Mitarbeiter*innen werden zukünftig besser abgeschirmt und damit geschützt.

Gelebter Arbeits- und Gesundheitsschutz

Andrea Frankenbach, Abteilungsleiterin Personal- und Orga-Entwicklung, arbeitet seit 1974 bei der Stadtverwaltung. Sie ist für das gesamte Personalmanagement, die IT und den Arbeits- und Gesundheitsschutz zuständig. Auf ihre Initiative hin wurde das Thema Arbeitsschutz fester Bestandteil eines Personalentwicklungskonzepts, das im Jahr 2007 begonnen und aktuell bis in Jahr 2023 fortgeschrieben wurde. An ihrer Seite kümmert sich Tatjana Horaczek in enger Abstimmung mit dem Betriebsarzt und der Fachkraft für Arbeitssicherheit um die Sicherheit und Gesundheitsvorsorge der Kolleg*innen. Als Arbeitsschutzkoordinatorin ist sie nicht nur „die rechte Hand“ des Bürgermeisters in Sachen Arbeitsschutz, sondern berät und unterstützt auch die Fachbereiche, deren Leitungen, die Sicherheitsbeauftragten, Ersthelfer und Brandschutzhelfer in allen Fragen zum Thema. Sie freut sich sowohl über die enorme Wertschätzung, die das Thema in ihrer Verwaltung genießt, als auch über das hohe Engagement derjenigen, die sich unmittelbar und mittelbar mit diesem Thema beschäftigen.

Und nicht zuletzt ist es der Bürgermeister selbst, der über alle Abläufe und Entscheidungen genauestens informiert sein will und der gerade auch auf diesem Gebiet seine Wünsche und Ideen einbringt.

Das Pflichtprogramm

Die Damen bestätigen, dass es Gefährdungsbeurteilungen und deren Dokumentationen und auch Sicherheitsbeauftragte unterstützen Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Vorgesetzte bei der Unfallverhütung und beim Gesundheitsschutz.
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Sicherheitsbeauftragte
für alle Arbeitsbereiche gibt. Dazu kommen Ersthelfer und Brandschutzhelfer, die regelmäßig geschult werden. Regelmäßige Unterweisungen – natürlich mit genauer Dokumentation – und Persönliche Schutzausrüstung sind in der Stadtverwaltung selbstverständlich.

Sandro Zehner betont: „Für mich sind sehr strenge Abläufe und deren genaue Dokumentation äußerst wichtig, um Handlungssicherheit zu gewährleisten!“

Andrea Frankenbach erläutert, dass der Gesundheitsschutz ein fester Bestandteil der Personalentwicklung sei. Neue Bürotische und -stühle werden nur noch in ergonomischer, höhenverstellbarer Variante bestellt. Die acht Kitas in kommunaler Trägerschaft wurden mit Schallschutzdecken ausgestattet, die Erzieher*innen erhielten ergonomische Stühle. Der Umbau des Bürgerbüros in ein Front- und ein Back-Office zur Stressminderung wurde bereits erwähnt.

Gesundheitsvorsorge

Tatjana Horaczek kann sich selbst über flexibel gestaltete Arbeitszeiten freuen, die es ihr ermöglichen, Familie und Beruf gut unter einen Hut zu bringen. Sie berichtet begeistert von der jährlichen „Blauen Stunde“ in der Stadtverwaltung, die allen Mitarbeiter*innen offensteht und in der aktuelle Themen behandelt werden (aktuell Stress- und Prioritätenmanagement) und die immer gut besucht ist. Das Konzept der Gesundheitsvorsorge für 2017 soll sich auf Gesundheit durch Bewegung und Entspannung konzentrieren.

Psychische Belastungen

Sandro Zehner treibt aktuell ein weiteres wichtiges Thema um: der Einstieg in den Umgang mit psychischen Belastungen der Beschäftigten. Der Bürgermeister ist besorgt: „Die psychischen Krankheitsbilder nehmen zu. Ein Grund dafür ist die stetig steigende Arbeitsverdichtung. Der Anspruch der Bürger an unseren Service und die Qualität unserer Dienstleistungen steigt zusehends. Wir müssen achtgeben, dass wir die Gesundheit und auch die Motivation unserer Beschäftigten auf hohem Niveau erhalten und nicht irgendwann auf der Strecke bleiben.“

Sandro Zehner hat dabei ganz besonders die Führungskräfte im Fokus, deren Verpflichtung es sei, neue Herausforderungen erkennen und darauf zu reagieren. Ein Führungskräfte-Workshop sorgte für ein erstes Bewusstsein in Sachen „psychische Belastungen.“ Sandro Zehner: „Die Relevanz des Gefährdungspotenzials von psychischen Belastungen war uns vorher nicht bewusst. Nach dem Workshop war uns klar, dass akuter Handlungsbedarf besteht und dass jede Führungskraft dabei gefragt ist. Ein Handlungsleitfaden hilft nun bei der Analyse und der Umsetzung hilfreicher und sinnvoller Maßnahmen.“

Pflichtenübertragung und Reporting

Zusammen mit der Unfallkasse Hessen hat die Stadtverwaltung ein Konzept für die Pflichtenübertragung auf die Fachbereichsleitungen erstellt und umgesetzt. Bürgermeister Zehner zeigt sich erleichtert: „Ich lege großen Wert auf ein funktionierendes Arbeitsschutzsystem und darauf, alle Maßnahmen rechts- und handlungssicher zu gestalten. Gerade das Reportingsystem verhilft mir dabei zu hoher Sicherheit und dient meinem Selbstschutz. Ich kann nachts ruhig schlafen dadurch. Die Mitarbeit*innen sind meine wertvollste Ressource und ich verlange viel von ihnen – zum Ausgleich müssen sie hier so gesund und sicher wie nur möglich arbeiten können. Und wenn sie dann in Trikots mit der Aufschrift laufen: ‚Für einen Zehner laufen wir überallhin‘, dann bin ich doch auf dem richtigen Weg.“

inform Ausgabe 1/2017

Das Konzept für Sicherheit, Gesundheit und Motivation

  • Qualifikation
  • Arbeitszeitflexibilisierung
  • Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie Personalbedarfsplanung
  • Führungskräfteentwicklung
  • Gesundheitsvorsorge
  • Leistungsanreize

Sandro Zehner, Bürgermeister von Taunusstein

Der kunden- und mitarbeiterfreundliche Umbau des Bürgerbüros liegt der Verwaltungsspitze am Herzen.

Für die Vollstreckungsbeamtin Monika Wüst ist der höhenverstellbare Schreibtisch ideal.

Für Andrea Frankenbach (links) und Tatjana Horaczek ist Arbeits- und Gesundheitsschutz fest integrierter Bestandteil jeder Tätigkeit.

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Autor/Interviewer: Sabine Longerich (069 29972-619), E-Mail: s.longerich@ukh.de