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Datum: Kategorie(n): Kommunale Betriebe · Sicherheit · Mitgliedschaft UKH · Drucken

Kläranlage Mörfelden-Walldorf: Abwasserreinigung und Arbeitsschutz auf höchstem Niveau

Jedes Jahr erzeugen private Haushalte, Industrie und Gewerbe in Deutschland im Durchschnitt über fünf Milliarden Kubikmeter Schmutzwasser, die in Kläranlagen geleitet werden. Jeder Deutsche spült ca. 123 Liter Abwasser pro Tag in die Kanalisation. Um unsere Existenz durch sauberes Wasser zu sichern und einen intakten Wasserkreislauf zu gewährleisten, ist die vollständige Aufbereitung des Abwassers wichtig. In der Kläranlage Mörfelden-Walldorf, bei der wir für unsere Serie „Mitgliedsbetriebe der UKH“ zu Gast waren, wird das Abwasser für die Städte Mörfelden und Walldorf gereinigt.

Sauberes Abwasser

Seit 1994 sorgt die Kläranlage Mörfelden-Walldorf für sauberes Abwasser in der Doppelstadt. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten sowohl Mörfelden als auch Walldorf jeweils eine eigene mechanische Kläranlage: Walldorf seit 1955 und Mörfelden seit 1956. Doch mit der stetig wachsenden Bevölkerung nahmen auch die Abwassermengen zu und so wurde die Kläranlage im Stadtteil Mörfelden so ausgebaut, dass die Abwässer beider Stadtteile zentral nach dem technisch neuesten Stand gereinigt werden können. Die ehemalige Kläranlage Walldorf wurde daraufhin zu einer Regenwasserbehandlungsanlage umgebaut, die 1999 in Betrieb genommen wurde.

Zuständigkeiten

Die Kläranlage Mörfelden gehört zu den Stadtwerken Mörfelden-Walldorf. Die Stadtwerke, ein Eigenbetrieb mit 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – zehn in deer Wasserversorgung, zehn in der Abwasserentsorgung und zehn in der Verwaltung – sind zuständig für die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung. Seit 1990 ist Kläranlagenleiter Georg Lautenschläger in der Mörfelder Kläranlage tätig – seit 1996 als stellvertretender Kläranlagenleiter, im Jahr 2000 übernahm er die Leitung.

Mit seinen neun Mitarbeiter*innen kümmert sich Georg Lautenschläger um die Abwasserentsorgung von knapp 35.000 Bürgerinnen und Bürgern der Doppelstadt im Kreis Groß-Gerau. „Wir sind für die Zentralkläranlage Mörfelden-Walldorf zuständig, für 13 Pumpwerke, vier Regenüberlaufbecken, drei Regenklärbecken und fünf Regenüberläufe“, erläutert der Kläranlagenleiter. „Wir unterhalten insgesamt ca. 131 km Kanalnetz im Stadtgebiet, das wir mit Wartungsarbeiten und kleineren Reinigungsarbeiten betreuen.“

Ablauf

Über das Kanalnetz gelangen pro Jahr ca. drei Millionen Kubikmeter Schmutzwasser in die Kläranlage. Maximal 442 Liter können pro Sekunde aufgenommen werden – das entspricht mehr als einer Bade- wannenfüllung.

Bevor das gereinigte Wasser in den nahegelegenen Geräthsbach fließen kann, muss das Abwasser verschiedene Stationen durchlaufen. Von mechanischen Rechen, die Grobstoffe wie z. B. Toilettenpapier oder Lebensmittelreste aus dem Wasser entfernen, über das Vorklärbecken, die chemische Reinigungsstufe und die biologische Reinigung durch Bakterien bis hin zum Nachklärbecken.

Ausbau und Sanierung

Da die Mörfelder Kläranlage jedoch so langsam an ihre Kapazitätsgrenze stößt, ist ab dem Frühjahr 2018 eine umfassende Erweiterung und Sanierung der Anlage geplant. „Der Ausbau ist in vier Bauabschnitte unterteilt. Die umfangreichen Bauarbeiten werden bei laufendem Betrieb stattfinden und etwa sechs bis acht Jahre dauern“, erklärt Georg Lautenschläger. „Das Wasser muss noch sauberer werden, da die gesetzlichen Anforderungen verschärft wurden. Und wir brauchen mehr Becken, um die zunehmenden Abwassermengen und Frachten auffangen zu können.“

Arbeitsschutz

Als Leiter der Kläranlage ist der gebürtige Darmstädter außerdem der oberste Arbeitsschützer im Betrieb. „Mit der Bestellung zum Kläranlagenleiter kam auch die Verantwortung für den Arbeitsschutz“, sagt Georg Lautenschläger. So müssen etwa für die Sicherheit des Betriebspersonals, die Sicherheit des Fremdpersonals und auch für Besuchergruppen von Schulen und Kindergärten Sicherheitsmaßnahmen befolgt werden – auf dem Betriebsgelände der Kläranlage sowie auch auf den dazugehörigen Außenstationen im Stadtgebiet. „Wir haben regelmäßig Schul- oder Kindergartengruppen zu Besuch bei uns“, sagt der Kläranlagenleiter. „Damit niemand abstürzt oder in einen Gefahrenbereich gerät, haben wir zum Beispiel die Geländer an den Klärbecken erneuert.“

Projekte

Die Liste der Projekte zum Arbeits- und Unfallschutz der Kläranlage Mörfelden-Walldorf ist lang. Unter Georg Lautenschläger wird ganz genau darauf geachtet, dass die Sicherheit und die entsprechenden Maßnahmen beachtet und umgesetzt werden. „Bei uns gibt es so gut wie keine Arbeitsunfälle, höchstens mal kleine Schnitt- oder Quetschverletzungen“, so der Chef der Anlage.

Ob rutschfeste Bodenfliesen, sichere Einstiegs- und Ausstiegsleitern oder Geländer: auf der Kläranlage Mörfelden-Walldorf ist die Sicherheit von Mitarbeitern und Besucher*innen Chefsache. Nicht umsonst ist Georg Lautenschläger der oberste Arbeitsschützer auf dem Gelände am Alten Gerauer Weg im Stadtteil Mörfelden.

Georg Lautenschläger: „Seit Bestehen der Betriebssicherheitsverordnung 2007 haben wir unter anderem die Bodenfliesen in allen Arbeits- und Maschinenräumen entsprechend der Rutschhemmungsklasse R12 erneuert. Außerdem wurden die Geländer sowie die Einstiegs- und Ausstiegsleitern auf der Kläranlage und den Außenstationen erneuert. Wir haben eine elektronische Kanalkamera zur Kanalnetzkontrolle installiert, sodass kein Einstieg mehr notwendig ist. Ganz neu ist unsere Personennotsignalanlage für Alleinarbeiten während des Bereitschaftsdienstes.

Wenn ein Mitarbeiter alleine auf der Kläranlage ist und etwas passieren sollte, dann weiß die Feuerwehr genau, wo sich der Mitarbeiter zuletzt aufgehalten hat. Sensoren an den verschiedenen Gebäuden machen das möglich. So muss nicht mehr das ganze Gelände abgesucht werden und dem Mitarbeiter kann schneller geholfen werden. Wenn die Anlage bei uns endgültig montiert ist, wird mit der Feuerwehr Mörfelden-Walldorf eine Feuerwehrübung durchgeführt werden, um die neue Anlage zu testen.“

Und die Liste geht noch weiter. Bereits umgesetzt bzw. in Planung sind u. a. die Erneuerung der Gefahrstofflager nach dem neuesten Stand der Technik, die Erneuerung der Schaltanlagen im gesamten Stadtgebiet, die Anpassung der Beleuchtungslagen in allen Räumen gemäß ArbVo, die Erneuerung der Zwischen- podeste in allen Pumpwerken bis zu Tiefen von über fünf Metern und ein automatischer Kondenswasserabfluss, damit zum Entwässern der Gasleitungen nicht mehr eingestiegen werden muss.

Qualifizierungen

Georg Lautenschläger: „Alle Mitarbeiter sind elektrotechnisch unterwiesene Personen, haben eine Erste-Hilfe-Ausbildung und gehen alle zwei Jahre zum Erste-Hilfe-Training. Außerdem sind alle meine Mitarbeiter als Brandschutzhelfer gemäß DGUV Vorschrift 1 und ASR 2.2 unterwiesen.“

Selbstverständlich hat auch jeder Mitarbeiter eine eigene persönliche Schutzausrüstung für den Kläranlagenbetrieb und eine eigene Schutzausrüstung gemäß ADR.

UKH Seminare

„Schulungen werden von mir und meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern regelmäßig besucht, wie etwa Seminare der Unfallkasse Hessen zu Tätigkeiten auf der Kläranlage und zum Arbeitsschutz,“ so Georg Lautenschläger. „Auch unsere Sicherheitsbeauftragte unterstützen Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Vorgesetzte bei der Unfallverhütung und beim Gesundheitsschutz.
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Sicherheitsbeauftragte
, Frau Reinsdorf, nimmt regelmäßig an Schulungen teil.“

Zu den von der UKH durchgeführten Angeboten gehören außerdem fachspezifische Seminare wie „Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz auf abwassertech-nischen Anlagen“ sowie betriebsüber- greifende Themen, wie „Einführung in die Gefährdungsbeurteilung für Führungs-kräfte“ oder „Aufgaben zu Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit“.

Georg Lautenschlägers Einsatz in Sachen Arbeits- und Unfallschutz sei vorbildlich, meint auch Michael Lange, Fachkraft für Arbeitssicherheit für die Stadt Mörfelden-Walldorf der ‚medical airport service GmbH‘. „Solch einen optimal umgesetzten Arbeitsschutz sieht man selten“, freut er sich. „Ich betreue viele Betriebe, aber hier wird wirklich streng auf die Vorschriften geachtet. Außerdem ist die gesamte Anlage extrem sauber. Ich habe ihm (Herrn Lautenschläger) schon einige Male vorgeschlagen, er solle sich doch mal für den deutschen Arbeitsschutzpreis bewerben!“ 

 

inform Ausgabe 1/2018

Kontinuierlich besuchte Fortbildungsveranstaltungen

  • Ladungssicherung auf Kommunalfahrzeugen gemäß ADR 2017
  • Beförderung und Umgang mit Gefahrstoffen gemäß ADR 2017
  • Baustellensicherung an Straßen im Stadtgebiet und Landstraßen gemäß RSA und ZTV-SA
  • Unterweisung Gaswarngeräte gemäß T021/ T023

v.l.: Kläranlagenleiter Georg Lautenschläger und Michael Lange, Fachkraft für Arbeitssicherheit

Im Vorklärbecken findet die mechanische Reinigung statt.

1. Schneckenpumpen heben das Abwasser an. 2. Mechanische Rechen entfernen Grobstoffe. 3. Sand und Kies gelangen in einen Sandfang. 4. Biologische Reinigungsstufe

5. Kammerfilterpresse zur Faulschlammentwässerung

Im Labor der Kläranlage werden Abwasserproben von Peter Seibel entnommen und ausgewertet. Im Schalt- und Überwachungsraum der Kläranlage erklärt Georg Lautenschläger den Verfahrensweg des Abwassers.

Elektrofachkraft Oliver Lukas beim Einstieg mit Hilfe der Hebe- und Sicherheitsvorrichtung. Als Teil seiner persönlichen Schutzausrüstung trägt er u. a. ein Gasmessgerät bei sich.

v.l. Dr. med Annette Heller, Betriebsärztlicher Dienst; Jürgen Stromberg überprüft die Schlammeindickung. Robert Gärtner überprüft die Betriebs- und Störungsmeldungen. Fotos: Jürgen Kornaker

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Autor/Interviewer: Yvonne Klöpping, E-Mail: y.kloepping@ukh.de