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Datum: Kategorie(n): Kommunale Betriebe · Unternehmen · Landesbetriebe · Drucken

Kunst im Büro als Teil der Unternehmenskultur

Viele Banken, aber auch Einzelunternehmen investieren in internationale zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler und erwerben systematisch regelrechte Kunstsammlungen. Dabei wollen sie die Kunstwerke nicht als bloße Kapitalanlage oder Dekorationsobjekte verstanden wissen. Sie sehen ihr kulturelles Engagement vielmehr als Bestandteil ihrer Unternehmenskultur und als gesellschaftlichen Auftrag an, weshalb sie die Kunstwerke – zumindest temporär – sowohl Beschäftigten als auch Kunden oder Besuchern zugänglich machen.

Kunst in hessischen Unternehmen

Bereits seit 2005 besteht die Aktion "Kunst privat! Hessische Unternehmen zeigen ihre Kunst", bei der etliche hessische Firmen und wirtschaftsnahe Institutionen ihre Kunstsammlungen der Öffentlichkeit zugänglich machen. An ein bzw. zwei Tagen im Jahr haben interessierte Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, diese Kunstwerke zu besichtigen und sich für die angebotenen Experten-Führungen anzumelden. Gerade letztere bieten laut Konzept die einmalige Gelegenheit, die Besucherinnen und Besucher direkt anzusprechen und die teilweise anwesenden Künstler kennenzulernen.

Der diesjährige vom Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung herausgegebene "Kunst privat!"-Katalog weist allein 17 Frankfurter Unternehmen aus, die ihre Kunst vom 20. bis 21. Juni 2015 kostenfrei der breiten Öffentlichkeit präsentierten. Verborgene Kostbarkeiten finden sich beispielsweise in diversen Banken und Industrieunternehmen oder auch bei Rechtsanwälten, Fabrikanten und Unternehmensberatern. Zu sehen sind Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen, Fotografien, Video, Licht- und Raum-Installationen und vieles mehr.

Motivation der Unternehmen

In den einzelnen Exposés der teilnehmenden Unternehmen heben diese häufig den Aspekt der Investition in die Zukunft hervor. Doch auch die Schaffung von finanziellen Werten im Sinne der Kapitalanlage gehört sicherlich zur Grundmotivation der sammelnden Unternehmen. Neben dem Fördern der Kultur wollen einige auch die "Kunst in die Arbeitswelt intergieren" (Deutsche Bundesbank), indem sie im alltäglichen Umgang mit Kunst zur Auseinandersetzung mit den Werken anregen. Doch auch die Förderung junger, teils noch unbekannter Künstler, die mitunter als Stipendiaten unterstützt werden, steht im Fokus der Unternehmenskuratoren. Aufträge an Künstler zu vergeben, die spezielle Werke passend für die eigenen Büroräume anfertigen, ist gängige Praxis (DZ Bank, Bundesbank) und fördert den künstlerischen Nachwuchs. Manche Häuser setzen ausschließlich auf internationale Künstlerinnen und Künstler und wollen mit deren Werken "wertvolle Einblicke" in die Lebenswelten der unterschiedlichen Regionen der Welt vermitteln (Deutsche Bank). Andere wiederum sammeln lokal, regional und international (CEROS GmbH). Teilweise unterstützen die teilnehmenden Firmen mit ihren Exponaten leihweise auch Museen und Ausstellungen auf der ganzen Welt.

Bürowände als Ausstellungsorte

Durch die Veredlung der Räumlichkeiten mit Kunst und dem "anfänglichen Versuch, die kahlen und kargen Bürowände ansehnlicher und freundlicher zu gestalten" (Gemeinnützige Haftpflicht-Versicherungsanstalt, Darmstadt) professionalisierte so manche Verwaltung ihre Ausstellungstätigkeit und wurde zur Sammlerin. Für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH bedeutet die Präsentation von Kunst in ihrem Unternehmen "auch eine Bereicherung der Unternehmenskultur, indem der Dialog zwischen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern angeregt wird. Denn: Kunst begeistert Menschen. Sie öffnet den Blick für die vielfältigen Facetten des Lebens und schafft neue Perspektiven."

Das Seniorenstift Dr. Drexler in Wiesbaden hebt darüber hinaus die entspannende Wirkung von Kunstbetrachtungen hervor: "Der Gang durch das Haus bietet den Bewohnern immer neue Impulse für angeregte Diskussionen oder Momente des Verweilens." Ein Aspekt, von dem auch gestresste Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter profitieren können, wenn ihnen die dafür notwendige Zeit und Muße zugestanden wird. Auch die SCHUFA Holding AG in Wiesbaden möchte zentrale Aspekte der Unternehmenskultur in ihrem Kunstkonzept gespiegelt wissen und setzt deshalb auf Transparenz und Offenheit.

Öffentlich zugängliche Privatsammlungen

Neben dem Projekt "Kunst privat!" sind in etlichen hessischen Unternehmen die eigenen Ausstellungsräume das ganze Jahr über geöffnet. Mit der Schaffung eines öffentlich zugänglichen Ausstellungsraums verwirklichte beispielsweise die DZ BANK die Idee, eine breitere Öffentlichkeit an ihren Kunstwerken teilhaben zu lassen. In ihrem ART FOYER werden thematische, aber auch monografische Ausstellungen gezeigt. Doch die DZ Bank stellt auch Teile ihrer Exponate in den Büros, Fluren, Besprechungsräumen und im Empfangsbereich des Unternehmens aus. Einmal im Monat finden die öffentlichen und kostenlosen Führungen durch die sogenannten Etagenausstellungen statt.

Für die Offenbacher Rechtsanwälte und Notare KNOLLE SOCIETÄT ist ihre Kunstsammlung nicht nur Dekoration. "Vielmehr sollte eine Sammlung zeitgenössischer Werke entstehen, die Mitarbeitern, Mandanten und Freunden zugänglich ist und gleichermaßen zur einfachen Betrachtung der ausgestellten Kunst wie auch zum Nachdenken anregt."

Auch die Sparkassenversicherung betreibt in Wiesbaden ein eigenes Ausstellungsforum, in dem ausgewählte Künstlerinnen und Künstler ihre aktuellen Arbeiten ausstellen können (SV Atrium- Galerie). Dies sind nur wenige Beispiele von Ausstellungen außerhalb der Museen. "Kunst privat!" findet jährlich statt. Eine weitere Möglichkeit, die kommerziellen Kunstsammlungen aufzusuchen, bieten die Stadtevents Frankfurt in Zusammenarbeit mit dem Journal Frankfurt.



inform Ausgabe 3/2015

Weitere Informationen

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Autor/Interviewer: Pia Ungerer (069 29972-225), E-Mail: p.ungerer@ukh.de