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Sicherheitsbeauftragter der Straßenmeisterei Bad Arolsen

Dirk Wagener (37) arbeitet seit seiner Ausbildung bei der Straßenmeisterei Bad Arolsen, die in Nordhessen für 300 Kilometer Bundes-, Land- und Kreisstraßen zuständig ist. Zunächst als Straßenwärter mitten im Geschehen eingesetzt, ist er inzwischen in den Innendienst gewechselt. Weshalb er einen Großteil seiner Arbeitszeit aber trotzdem draußen bei den Kolonnen verbringt, verrät er uns im Interview.

inform: Herr Wagener, wie sind Sie zu Ihrem Ehrenamt gekommen?

Dirk Wagener: Ich bin einer von zwei Sicherheitsbeauftragten in unserer Straßenmeisterei. Dass dieser Posten doppelt belegt ist, ist wohl eher die Ausnahme. Der Job des Sicherheitsbeauftragten – und so ist es beim Großteil der Straßenmeistereien – wird in der Regel vom Platzwart bekleidet. Das ist auch sinnvoll, denn der Platzwart ist immer auf dem Gehöft und außerdem für die Lagerung von Gefahrstoffen und Ähnlichem zuständig; er beschäftigt sich also mit sicherheitsrelevanten Themen.

Der Leiter dieser Straßenmeisterei, Bernward Stamm, hat 2002 bei einem Seminar der Unfallkasse Hessen gelernt, dass Arbeitsschutz wichtig und vor allem Führungsaufgabe ist, weshalb er sich einen zweiten Sicherheitsbeauftragten gewünscht hat, der ihn in seiner Pflicht zusätzlich unterstützen kann. Da 90 Prozent der Belegschaft im Außendienst arbeitet, sah er die Notwendigkeit, einen Sicherheitsbeauftragten zu etablieren, der zu den Kolonnen rausfährt und dort vor Ort Unterstützung geben kann. So fragte er mich 2006, ob ich diesen Posten übernehmen wolle. Damals war ich Kolonnenmitarbeiter und so konnte ich meine eigenen Erfahrungen und die Inhalte, die ich bei den Schulungen der UKH von unserer Aufsichtsperson Thomas Rhiel gelernt hatte, mit in diese neue Position einbringen.

inform: Wieso ist der SiBe ein Ehrenamt, das man gerne freiwillig übernimmt?

Dirk Wagener: Das Interesse für die Arbeitssicherheit war schon immer da. Unserem Sicherheitsbeauftragten auf dem Gehöft hatte ich vorher bereits gelegentlich zugearbeitet. Im privaten Bereich habe ich mich bei anderen Ehrenämtern, die ich ausübe, auch bereits mit sicherheitsrelevanten Themen befasst. Deshalb habe ich dieses Amt sehr gerne übernommen.

2008 habe ich mich für die Arbeit mit der Hubarbeitsbühne als Modul 5-Trainer bei Hessen Mobil ausbilden lassen, um die Arbeitssicherheit auch in diesem Bereich zu stützen. Zwei Jahre später konnte ich in einem Arbeitskreis in Wiesbaden bei der Neuausrichtung des Arbeitsschutzes mitarbeiten. Besonders gefreut hat mich auch, dass ich dieses Jahr bei der Initiierung des Risikoparcours von Hessen Mobil und der Unfallkasse Hessen mitwirken konnte.

inform: Wie ist die Untersttzung Ihrer Kollegen und Ihres Vorgesetzten und wie gehen Sie vor, wenn Sie mal etwas zu beanstanden haben?

Dirk Wagener: Unser Leiter legt sehr viel Wert auf die Arbeitssicherheit, unterstützt mich voll und nimmt meine Vorschläge gerne an. Auch die Kolonnen draußen empfinden Arbeitssicherheit nicht als etwas Lästiges, sondern wissen, dass alle Maßnahmen, die wir umsetzen, sinnvoll und im Ernstfall lebensrettend sind.

Da ich selbst Straßenwärter bin und die Kollegen noch aus der Zeit im Außendienst kenne, ist der Kontakt sehr freundschaftlich. Wir haben innerhalb des Teams ein ausgezeichnetes Betriebsklima. Wenn ich Kollegen eine Verbesserung in ihrem Arbeitsablauf vorschlage oder auf eine mögliche Optimierung hinweise, dann fühlen sie sich nicht getadelt, sondern nehmen den Hinweis gerne als neuen Input auf.

inform: Welche Punkte sind es, die Sie vor Ort aus der Sicht des Arbeitsschutzes ansprechen müssen?

Dirk Wagener: Ich muss nichts Schwerwiegendes ansprechen, meistens sind es eher Kleinigkeiten, die die persönliche Schutzausrüstung betreffen. Zum Beispiel ist der Gehörschutz beim Helm nicht runtergeklappt, weil es einfach vergessen wurde, oder ähnliche Kleinigkeiten.

inform: Konnten Sie eine gravierende Änderung durchsetzen, die zu einem Gewinn an Arbeitssicherheit führte?

Dirk Wagener: Viele kleine Schritte sorgen dafür, dass am Ende ein gutes Ergebnis steht. Ich könnte jetzt keine Einzeltat herausstellen, die eine gravierende Veränderung gebracht hätte. Das größte und einschneidendste Novum war die Einführung eines zweiten Sicherheitsbeauftragten, der die Kolonnen unterstützt.

inform: Wieviel Zeit investieren Sie in Ihr Ehrenamt als Sicherheitsbeauftragter?

Dirk Wagener: Momentan ist es sicherlich mehr Zeit als im Sommer, da zurzeit die Gehölzarbeiten – also das Rückschneiden der Bäume – durchgeführt werden. Im jährlichen Turnus stehen verschiedene Prüfungen an, wie das Sichten der Explosionsschutzdokumente oder das Prüfen von Betriebsanweisungen auf ihre Aktualität.

Auch werden saisonal bedingt vor Wintereinbruch alle Maschinen und Geräte von unseren unterschiedlichen Dienstleistern wie der DEKRA geprüft, daran nehme ich auch teil.

inform: Welche spezifischen Gefährdungen für Straßenwärter gibt es und unterscheiden sie sich saisonal?

Dirk Wagener: Natürlich gibt es jahreszeitenabhängige Gefährdungen. Beispielsweise steigt die Zahl der Stolper-, Rutschund Sturzunfälle im Winter, wenn der Boden matschig ist und die Kollegen wegen Gehölzarbeiten in der Böschung arbeiten. Ich habe 1994 mit der Lehre bei der Straßenmeisterei Bad Arolsen angefangen und seitdem hat es keinen schwerwiegenden Unfall gegeben; das häufigste sind eben Sturz- und auch mal Schnittverletzungen.

In zwei benachbarten Straßenmeistereien hat es allerdings in den letzten Jahren jeweils einen schwereren Unfall gegeben und ich habe von den Kollegen gehört, dass sie froh darüber sind, dass es die Unfallkasse gibt, denn die Rehabilitationsmaßnahmen wurden vollumfänglich geleistet und die Kollegen sind bereits wieder in ihre Arbeit eingegliedert.

Die größte Gefahr droht allerdings durch andere Verkehrsteilnehmer. Es gibt bei der Arbeit im Straßenverkehr immer Risiken, die nicht kalkulierbar sind, beispielsweise Autofahrer/-innen, die sich nicht an rote Baustellenampeln halten oder mit überhöhter Geschwindigkeit durch eine Baustelle fahren.

Viele Verkehrsteilnehmer sehen uns eher als Störenfriede, die den normalen Fahrtablauf behindern und nicht als Dienstleister, die dafür sorgen, dass die Straßen befahrbar bleiben. Deshalb werden wir den Risikoparcours für Straßenmeistereien, der genau diese Themen anspricht und im kommenden Jahr durch Hessen touren wird, auch für uns in Bad Arolsen anfordern. Wir haben zwar bereits an der Umsetzung mitgearbeitet und auch die dazugehörigen Filme wurden hier gedreht, aber wir sind von dem Konzept sehr überzeugt und möchten vertieft mit dem Parcours arbeiten, um alle Kollegen für diese Gefahren zu sensibilisieren.

inform: Eigentlich müsste auch jedem Verkehrsteilnehmer bewusst sein, dass er mit risikoreichem Verhalten die Gesundheit anderer gefährdet ...

Dirk Wagener: Die Öffentlichkeit, also die Verkehrsteilnehmer, müssten sicher noch mehr für die Gefährdungen der Straßenwärter sensibilisiert werden. Wirkungsvolle PR-Kampagnen hat beispielsweise das Land Nordrhein-Westfalen für Kehrmaschinenfahrer/-innen entwickelt.

inform: Wie schätzen Sie die Zusammenarbeit mit uns, der Unfallkasse Hessen, ein? Gibt es etwas, das wir verbessern könnten?

Dirk Wagener: Wir sehen die UKH weniger als amtliche Institution, die Restriktionen verordnet. Unsere Assoziationen sind durchweg positiv, denn den Input, den wir auf den Seminaren erlangen oder das, was an Präventionsmaßnahmen und -beispielen zur Verfügung steht, finden wir gut. Das liegt natürlich auch an dem angenehmen Verhältnis, das wir zu den Aufsichtspersonen der Unfallkasse haben. Unser Leiter Bernward Stamm würde sich gelegentlich Variationen für die Sicherheitsbelehrung wünschen, damit man bei der jährlichen Unterweisung immer wieder aufs Neue die volle Aufmerksamkeit der Kollegen erlangt. Oder so etwas wie Bad-Practice-Beispiele, damit auch die albernsten Unfallrisiken verdeutlicht und so vermieden werden können.

inform: Herr Wagener, vielen Dank für das Gespräch.



inform Ausgabe 4/2015

Dirk Wagener, Straßenmeisterei Bad Arolsen

"Gefährliches Pflaster" für die Straßenwärter: Baumfällarbeiten auf der Landstraße

Autor/Interviewer: Cordula Kraft (069 29972-606), E-Mail: c.kraft@ukh.de