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Sicherheitsbeauftragter der Zentrallabore an der Uni Kassel

Unser heutiger Sicherheitsbeauftragter (SiBe) ist Dr. Thomas Hahn, Leiter der Zentrallabore der Universität Kassel. Der Fachbereich nennt sich zwar "konstruktive Bauwissenschaft", letztendlich geht es in den Werkstätten aber, kurz gesagt, ums "Kaputtmachen". Hauptsächlich handelt es sich nämlich um Werkstoff- oder Bauteilprüfungen – diese werden auf Herz und Nieren geprüft, bis sie der Belastung nicht mehr standhalten.

inform: Erzählen Sie uns doch zunächst ein wenig Privates!

Dr. Thomas Hahn (TH): Ich bin seit 1994 an der Universität. Vorher habe ich hier allerdings auch studiert und promoviert. Nach dem Studium habe ich drei Jahre im Forschungszentrum Jülich gearbeitet. Dort habe ich meine Promotion vorbereitet. Ein Jahr nach Abschluss der Promotion bin ich zunächst zu einem technisch-wissenschaftlichen Industrieverband nach Wiesbaden gewechselt, dann nach drei Jahren aber wieder zur Hochschule zurückgekehrt. Laut Stellenbeschreibung bin ich "Leiter des Zentrallabors", das dem Institut für konstruktiven Ingenieurbau angegliedert ist.

inform: Worum geht es hauptsächlich bei den Versuchen, die in Ihren Laboren durchgeführt werden?

TH: Wenn man beispielsweise wissen möchte, wie hoch die Traglast einer Stütze ist, muss man sie bis zum Bruch belasten. In unserem Labor können wir mit den Prüfmaschinen und entsprechenden Lasten alles zerstören – entweder durch einen Kurzzeitversuch mit Belastung bis zum Bruch oder durch Dauerschwingbelastungen mit bis zu 2.000.000 Lastwechseln. Wenn ein Probekörper diese Anzahl Lastwechsel ohne Bruch aushält, dann gehen wir davon aus, dass er bei dieser Belastung "dauerfest" ist.

inform: Warum sind Sie als Führungskraft zusätzlich Sicherheitsbeauftragter geworden?

TH: Als Leiter habe ich den Überblick und kümmere mich ohne hinum alle Versuche, die hier geplant werden. Für das Thema Sicherheit habe ich mich darüber hinaus interessiert. Mir sind die sicherheitsrelevanten Aspekte der Laborarbeit einfach wichtig. Es ist eine zusätzliche Aufgabe, die man übernimmt und die nicht unbedingt immer dankbar ist, da nicht allen sofort die Dringlichkeit einiger Vorgaben einleuchtet. Ich selbst habe dieses Ehrenamt nun seit 15 Jahren inne.

inform: Sehen Sie sich nicht in einem Rollenkonflikt zwischen diesen beiden Positionen?

TH: Eigentlich sollte der Sicherheitsbeauftragte unterstützen Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Vorgesetzte bei der Unfallverhütung und beim Gesundheitsschutz.
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Sicherheitsbeauftragte
die Führungskraft unterstützen, das geht in meinem Fall natürlich nicht. Und als SiBe bin ich auch nicht weisungsbefugt. Deshalb kann ich in dieser Eigenschaft nur Empfehlungen und keine Anordnungen geben. Als Vorgesetzter nutze ich meine Erkenntnisse als SiBe aber sehr wohl dazu, entsprechende Anweisungen zu erteilen, die die Arbeitssicherheit erhöhen. Bei gravierenden Verstößen gegen die Arbeitssicherheit scheue ich mich auch nicht, notfalls Laborverweise auszusprechen. Hier ergänzen sich die Funktionen des Vorgesetzten und des Sicherheitsbeauftragten. Das Schöne an der Aufgabe als SiBe ist, dass sich einige Abläufe schon optimiert haben und die Einsicht langsam bei allen eintritt, dass der sichere Weg der bessere ist. Das liegt vermutlich daran, dass die Universität kein Industriebetrieb ist, in dem es klare Sicherheitsvorschriften, früher Unfallverhütungsvorschriften, gibt. In erster Linie ist die Hochschule ein Landesbetrieb, der sich erst seit der Rechtsprechung der letzten Jahre verstärkt mit dem Thema Sicherheits- und Gesundheitsschutz beschäftigt.

inform: Was ist Ihre konkrete Aufgabe als SiBe?

TH: Generell gehen alle Versuchskonzeptionen über meinen Tisch; manche davon bedürfen der Rücksprache, so dass gemeinsam im Labor geschaut wird, wie der Versuch genau durchgeführt werden kann.

Es gibt allerdings auch Versuche, die extern geplant werden und die ich erst aufgebaut im Labor sehe. Wenn etwas aus sicherheitstechnischen Gründen nicht so durchgeführt werden kann, wie es vorgesehen war, dann scheue ich mich auch nicht, den Versuch zu stoppen. Die beiden Positionen sind für mich auch nicht trennbar. Ich bin eigentlich immer irgendwie als Sicherheitsbeauftragter unterwegs. Schwierig ist es mit temporär beschäftigtem Personal wie studentischen Hilfskräften. Die Mitarbeiterfluktuation ist an der Universität größer als in anderen Betrieben, so dass es manchmal effizienter ist, dass ich die Maschinen bei Versuchen anderer selbst bediene, als eine Einweisung am Gerät zu machen.

Am Institut angegliedert ist eine Materialprüfanstalt, in der wir externe Aufträge bearbeiten können. Manchmal werden die Räume und Maschinen auch durch Externe angemietet, da ist es für mich als SiBe ebenso wichtig, die Versuchsapparatur vorher zu prüfen.

Wenn ich Zeit habe, gehe ich auch mal in die anderen Fachgebiete, in denen keine experimentellen Tätigkeiten durchgeführt werden, und schaue mir an, wie es dort mit der Sicherheit aussieht. Die Kolleginnen und Kollegen sprechen mich auch gerne an und lassen sich Tipps geben.

inform: Was sind denn die häufigsten Gefahren, denen man hier im Labor ausgesetzt ist?

TH: Hier wird mit sehr großen Maschinen gearbeitet, die sehr hohe Lasten aufbringen können – teilweise mehr als 500 Tonnen. Da quetscht man sich im schlimmsten Fall nicht bloß einen Finger, sondern es kann passieren, dass gleich die ganze Hand ab ist. Aber keine Angst, das ist hier noch nie passiert. Quetsch-und Schnittverletzungen sind im Labor die häufigsten Unfallursachen.

inform: Haben Sie auch Änderungen angestoßen, die die Sicherheit beider Laborarbeit verbessert haben?

TH: Ja, jeder braucht zum Beispiel eine Einweisung in die Laborarbeit, sonst darf er hier nicht arbeiten. Deshalb führe ich auch die Unterweisungen durch. Gerade bei Personen, die Labortätigkeiten schon jahrelang machen, kommt es infolge von Routine und Unaufmerksamkeit immer wieder mal zu kleinen Fehlern, die gravierende Folgen haben können. Ich versuche regelmäßig, bei allen Mitarbeitern die Sensibilität für dieses Problem zu erhöhen.

inform: Wie funktioniert Ihrer Meinung nach die Zusammenarbeit mit der Unfallkasse?

TH: Ich bin auch Mitglied im Arbeitsschutzausschuss der Universität und deshalb eigentlich über wichtige neue Änderungen immer gut informiert, aber von Zeit zu Zeit besuche ich auch die Seminare der Unfallkasse. Mit unserer Aufsichtsperson Christina Walther funktioniert die Zusammenarbeit sehr gut. Einmal wurde in unserem Labor von Kollegen ein Versuchsstand in Betrieb genommen, der meiner Ansicht nach erhebliche sicherheitsrelevante Mängel aufwies. Frau Walther kam dann sofort mit einem sachkundigen Kollegen vorbei, um die Lage zu beurteilen. Da meine sicherheitstechnischen Bedenken geteilt wurden, musste der Versuchsstand sofort stillgelegt werden, um Nachbesserungen durchzuführen.

inform: Was wünschen Sie sich als SiBe für die Zukunft?

TH: Erstrebenswert ist natürlich immer ein Senken der Arbeitsunfälle auf Null. Das ist sehr visionär, denn es schneidet sich immer mal jemand oder knickt um. Das passiert einfach. Trotzdem möchte ich mit meiner Arbeit weiterhin dazu beitragen, dass die Zahl der Arbeitsunfälle weiter auf einem so signifikant niedrigen Niveau bleibt wie bisher. Darüber hinaus würde ich mir wünschen, dass sich noch mehr Kolleginnen und Kollegen für das Ehrenamt des Sicherheitsbeauftragten engagieren würden.



inform Ausgabe 1/2015

Dr. Thomas Hahn muss aus sicherheitstechnischen Gründen auch manchmal Versuche stoppen.

Autor/Interviewer: Cordula Kraft (069 29972-606), E-Mail: c.kraft@ukh.de