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Datum: Kategorie(n): Ehrenamt · Gesundheitsdienst · Schule · Erste Hilfe/Schulsanitätsdienst · Sicherheit · Gesundheit · Drucken

Online-Spezial: Die Arbeitsgemeinschaft mit Herz – der Schulsanitätsdienst am Marianum Fulda

„Achtung, eine Durchsage! In der großen Pause treffen sich die Interessenten für einen Schulsanitätsdienst am Marianum im Kapellenvorraum.“ So begann die Geschichte der Arbeitsgemeinschaft (AG) Schulsanitätsdienst (SSD) am Marianum Fulda auf Initiative von Mathe und Physik Lehrer Reinhold Gutberlet im Jahre 2012. 

Das Marianum in Fulda

Die Marianisten (katholische Ordensgemeinschaft) gründeten 1951 das Marianum in Fulda als katholische Realschule in privater Trägerschaft, die 1978 mit der gymnasialen Oberstufe erweitert wurde. Träger ist die gemeinnützige Schul- und Wohnheimgesellschaft mbH, Schulleiter Steffen Flicker. Im Moment werden ca. 1.200 Schüler*innen von etwa 90 Lehrkräften durch das Schulleben geführt. Sie haben die Möglichkeit an der Schule sowohl den Realschulabschluss als auch die allgemeine Hochschulreife zu bekommen.

Die rasante Entwicklung des Schulsanitätsdienstes

Als 2012 die oben erwähnte Durchsage durch die Schule schallte, waren der Andrang und das Interesse der Schüler an der neuen AG hoch. Es meldeten sich über 20 Schülerinnen und Schüler, die von Herrn Gutberlet und dem Deutschen Roten Kreuz zum Schulsani ausgebildet werden wollten. In der Anfangszeit wurden sie hauptsächlich zur sanitätsdienstlichen Absicherung von schulischen Veranstaltungen eingesetzt.

Im Jahr 2013 kam Tobias Fraatz als Lehrkraft für Mathe und Physik ans Marianum. Er ist ausgebildeter Rettungsassistent und engagiert sich in seiner Freizeit aktiv im Rettungsdienst. Die SSD-AG übernahm er 2014 und entwickelte sie weiter. Mit einer weiteren Durchsage regte er die Schüler an ihr soziales Engagement auszubauen, was auf hohen Zuspruch stieß. Es wurden weitere 13 Schulsanitäter ausgebildet. Die AG entwickelte sich weiter und etablierte sich fest in der Schulgemeinschaft.

Für den Ernstfall gut gerüstet

Durch Elternspenden konnten Übungsmaterialien, eine Reanimationspuppe, ein automatischer externer Defibrillator (AED) und ein zugehöriger Übungs-AED angeschafft werden. Zwei Sponsoren übernahmen die Kosten für einheitliche Shirts und Fleece-Jacken. Der Ausbildungsstand und das Engagement der Schüler*innen wuchsen stetig.

Praktikanten, Ersthelfer und Schulsanitäter

Aktuell sind 30 Schüler*innen der Klassen 7 bis 13 in der AG. Diese trifft sich jede Woche für zwei Schulstunden, um über Anregungen, Probleme oder Schulunfälle zu sprechen und sich weiter zu bilden. Die AG teilt sich hinsichtlich des Ausbildungsgrads in die Gruppen Praktikanten, Ersthelfer und Schulsanitäter auf. Derzeit gibt es neun Praktikanten, die noch keinen Erste-Hilfe-Kurs absolviert haben und bei Einsätzen daher nur als Betreuer eingesetzt werden dürfen. Acht Ersthelfer verfügen über einen erweiterten Erste-Hilfe-Kurs und werden bei Einsätzen als Unterstützung des diensthabenden Sanitäters eingesetzt.

Beim letzten Ausbildungsgrad handelt es sich um den Schulsanitäter. Dieser verfügt über eine mindestens einjährige Erfahrung als Ersthelfer und eine bestandene praktische und theoretische Prüfung. In der praktischen Prüfung müssen die angehenden Sanis eine simulierte Notfallsituation und eine Herz-Lungen-Wiederbelebung bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes „abarbeiten“. Die theoretische Prüfung umfasst die Themen Anatomie, Physiologie, Hygiene und verschiedene Notfallbilder, die im Schulalltag auftauchen können. Am Marianum sind aktuell 13 Schulsanitäter*innen aktiv.

Der Praxiseinsatz

Die Aufgabe der Schüler*innen ist es in erster Linie die Tagdienste zu besetzen, um Erkrankte oder Mitschüler zu versorgen, die einen Unfall erlitten haben. Ein Tagdienst umfasst den Einsatz von der ersten bis zur sechsten Schulstunde und wird mindestens durch einen Schulsani und einen Ersthelfer besetzt. Die Schüler tragen sich bereits am Wochenende für die Dienste der kommenden Woche in eine App ein, die von Tobias Fraatz entwickelt wurde. Aus diesen Daten entsteht der Dienstplan, der von jedem Schüler in der App gelesen werden kann. Bei einem Einsatz werden die diensthabenden Sanitäter über ihr Handy vom Sekretariat aus oder von Herrn Fraatz alarmiert. Der Schulsani darf selbstverständlich im Einsatzfall den Unterricht verlassen.

Den Sanitäter*innen sind insbesondere die Qualität ihrer Arbeit und der richtige Umgang mit Patienten wichtig. Weitere Aufgaben sind die Verbandskästen der Schule zu kontrollieren und auf größeren schulischen Veranstaltungen einen Sanitätsdienst zu stellen. Ein besonderes Highlight war der Wintersporttag, an dem 800 Realschüler*innen in den Disziplinen Schlittschuhlaufen, Schlitten- und Skifahren teilnahmen und sanitätsdienstlich betreut wurden. Da ein Schulsanitäter aktiv bei der Bergwacht und eine Sanitäterin als Skilehrerin tätig sind, konnte der Sanidienst sogar auf den Pisten der Wasserkuppe sichergestellt werden.

Auf die Sanis ist immer Verlass!

Die AG ist ein bereicherndes Projekt für die Schülerinnen und Schüler, da sie zum einen Fähigkeiten der Erstversorgung von Patienten erlernen. Zum anderen haben sie die Möglichkeit Kenntnisse, die sie aus Tätigkeiten bei Hilfsorganisationen (wie bei den Maltesern oder beim DRK) in ihrer Freizeit erworben haben, zu festigen. Außerdem können die Schüler*innen hierdurch lernen Verantwortung zu übernehmen sowie im Team auch unvorhergesehene Situationen zu bestreiten. Im Zuge dieser Tätigkeit sind mittlerweile gute Freundschaften entstanden. Die Schüler am Marianum wissen, dass sie professionelle Hilfe bekommen, wenn sie in Not sind oder sich nicht gut fühlen. Sie können sich im Notfall immer auf die Schulsanitäter*innen verlassen.

Die AG sorgt für die tägliche Betreuung der Schülerschaft und im Notfall für eine schnelle Hilfe, die lebensrettend sein kann. Dies trägt zu einer Wohlfühlatmosphäre an der Schule bei, aus der sowohl die Schulsanis als auch ihr Leiter Bestätigung und Motivation für ihr Handeln schöpfen und sich stets weiter entwickeln wollen.

Schulsanitäter Paul Drexler über seine Tätigkeit:

„Eine tolle Gemeinschaft in der man mit und voneinander lernen kann sowie eine abwechslungsreiche und spannende Ergänzung zum Schulalltag.“

Die Schulsanitäter*innen beim Wintersporttag: v. l. Paul Drexler, Fabiola Kaminski, Tobias Heil, Tobias Fraatz, Kolonat Ruppert, Elias Rödel

Fabiola Kaminski bei der Rettung eines verunfallten Skifahrers.

Einsatz im Lehrerzimmer: v. l. Tobias Heil, Katrin Kalb, Justus Jehn

Monatlicher Check der Verbandkästen

Reanimationstraining mit Claudia Heurich, Franziska Weber, Justus Jehn, Elias Rödel, Tobias Heil

Claudia Heurich und Justus Jehn üben sich in der Reanimation.

Warten auf den Rettungsdienst und Betreuung eines verunfallten Schülers

Fotos: SSD Marianum Fulda

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Autor/Interviewer: Tobias Fraatz und das Schulsani-Team,