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Datum: Kategorie(n): Kita · Sicherheit · Gesundheit · Drucken

Elternarbeit in der Kindertageseinrichtung

Als ich gefragt wurde, ob ich einen Artikel zum Thema Elternarbeit schreiben könne, habe ich spontan zugesagt, gehört dies doch zu meiner täglichen Arbeit als Kita-Leiterin. Beim Schreiben sind mir dann erst einmal die vielen Facetten und die teilweise auch sehr unterschiedlichen Standpunkte der Beteiligten bewusst geworden. Zuerst einmal geht es hier um die Zusammenarbeit zwischen Eltern und dem pädagogischen Fachpersonal. Allerdings spielt eine weitere Gruppe eine wichtige, wenn nicht sogar die entscheidende Rolle: nämlich die Kinder.

Im Zusammenhang mit dem Thema Elternarbeit fällt heute oft das Wort Erziehungspartnerschaft. Mit dem Begriff Partnerschaft assoziiert man Begriffe wie Gemeinsamkeit, Gemeinschaft und Zusammenarbeit. Und im besten Fall ist dies auch in der sogenannten Erziehungspartnerschaft so. Ich unterstelle mal, dass allen Beteiligten die Sorge für das Wohl und die optimale Entwicklung des ihnen anvertrauten Kindes gemeinsam ist. Wie dies aussehen soll und was für ein Kind gut und wichtig ist, darüber gibt es zum Teil eklatant auseinandergehende Meinungen (Abb. unten).

Das kindliche Spiel ist besonders wertvoll

Sehr deutlich wird mir dies immer in Elterngesprächen, wenn der Vorwurf an mich und meine Kolleg*innen herangetragen wird, dass in der Kindertagesstätte ja nur oder zumindest viel zu viel gespielt und nicht genug gelernt wird. In solchen Gesprächen erläuterten wir geduldig immer wieder die Bedeutung des Spiels als die dem Vorschulalter angemessene „Lernform“, weil Spielen alle Lernfelder, die für ein Kind in diesem Alter wichtig sind, abdeckt. Kinder erwerben dabei u. a. kognitive, sprachliche, aber vor allem soziale Kompetenzen. Wichtig in diesen Gesprächen ist für uns die elterliche Erkenntnis, dass die Wertigkeit des Spiels wissenschaftlich belegt ist und es sich keinesfalls um „pädagogische Spinnerei“ handelt.

Wenn Eltern dennoch Lernformen fordern, die leistungsbezogen sind, entstehen Konflikte. Wünschen die Eltern trotz Information über die Wertigkeit des kindlichen Spielens leistungsbezogenere Lernformen, können sie auf Vereinsangebote, Kurse oder Ähnliches verwiesen werden. Sofern die Kinder es selbst wünschen und nicht dazu gezwungen werden, können Eltern ihrem Nachwuchs somit weitere Lernformen ermöglichen. Warum soll beispielsweise ein Kind, das gerne schwimmen möchte, dies nicht in einem Schwimmkurs lernen dürfen?

Für Pädagogen und Eltern ist die Tatsache wichtig, dass es nicht um unsere eigenen Wünsche und Vorstellungen für bzw. vom Kind geht, sondern um dessen ureigenste Vorstellungen und Wünsche, aber auch Träume. Im besten Falle begleiten und unterstützen wir Erwachsene die Kinder. Von diesem praktischen Exempel ausgehend, möchte ich nun zu den allgemeinen Anforderungen der Elternarbeit kommen.

Offenheit und Transparenz als Grundvoraussetzung

Für eine gelingende Elternarbeit ist es wichtig, dass wir als pädagogisches Personal offen für die Wünsche und Vorstellungen der Eltern sind und diese wahr- und wichtig nehmen. Doch genauso wichtig ist es, unsere Arbeit transparent zu machen. Warum tun wir was? Wo lernen Kinder und was lernen sie in der Kita? Was ist unser pädagogisches Konzept? Was ist das Leitbild unserer Arbeit (Abb. rechts)?

In unserer Einrichtung beginnt diese Transparenz bereits beim Anmeldegespräch mit der Kitaleitung. Hier gibt es Infos über das pädagogische Konzept, dessen Schwerpunkte und über unsere Haltung dem Kind gegenüber. Wir nehmen uns Zeit für Fragen, die häufig neben inhaltlichen auch organisatorische Themen, wie die Gestaltung der Eingewöhnungsphase, Bring- und Abholzeiten und vieles mehr umfassen können. Für uns Pädagog*innen ist Offenheit für alle Fragen – erscheinen sie uns auch eher unbedeutend – für eine gelingende Elternarbeit von grundlegender Bedeutung. Im anschließenden Aufnahmegespräch mit der Gruppenerzieherin wird diese Haltung nochmals verstärkt. Hierbei werden auch die Abläufe in der Gruppe näher erläutert und die Eltern können weitere Fragen stellen.

Eine gute Elternarbeit wirkt

Offenheit und Transparenz zu pflegen ist für uns die Grundlage für ein gelingendes Miteinander. Eine besondere Herausforderung stellt dabei die Transparenz dar. Wir haben einige Möglichkeiten entwickelt, um unsere Arbeit transparent zu machen. Gute Erfahrungen haben wir mit „Wandzeitungen“ gemacht. Anhand von Bildern und kurzen Texten dokumentieren wir Projekte, Angebote oder auch unseren Kita-Alltag. So können Eltern sehen, was ihre Kinder im Laufe des Tages, der Woche so alles machen. Auch digitale Bilderrahmen eignen sich für diese Form der Informationsweitergabe sehr gut. Die einzelnen Gruppen nutzen Infotafeln, um über Termine oder Ähnliches zu informieren. Zusätzlich gibt es Tafeln für gruppenübergreifende Informationen. Schließlich sichern Postfächer für jedes einzelne Kind, in denen Elternbriefe, aber auch andere Infos hinterlegt werden können, die Kommunikation mit den Eltern.

Eine gut strukturierte und fachlich fundiert gestaltete Website kann darüber hinaus hilfreich sein. Informationen über soziale Netzwerke weiterzugeben, sollte wohl überlegt werden. Ob soziale Netzwerke in der Elternarbeit überhaupt eine Rolle spielen sollten, wird heute kontrovers diskutiert. Ein gutes Forum bieten Elternbriefe. Nicht nur, um Termine und organisatorische Abläufe bekannt zu geben, sondern auch um pädagogische Inhalte zu vermitteln. So sind wir dem bereits genannten Vorwurf („Es wird ja bei euch nur gespielt“) mit einem Elternbrief erfolgreich entgegengetreten. Dieser Brief ist mittlerweile Bestandteil der Mappe, die alle Eltern bei Aufnahme ihres Kindes erhalten.

Auch Elternabende zu verschiedenen Themen können eine gute Methode der Elternarbeit sein. Nicht zu unterschätzen sind Feste und ähnliche Veranstaltungen, die einen Einblick in die Arbeit der Einrichtung geben, aber auch dem zwanglosen Austausch und gegenseitigen Kennenlernen dienen.

Ein ganz wichtiger Bestandteil gelingender Elternarbeit ist jedoch das Elterngespräch, auch wenn dieses oft nur als Tür- und Angelgespräch zum Austausch von Organisatorischem oder für einen kurzen Bericht über Tagesereignisse dient. Dagegen kann im regelmäßig stattfindenden Entwicklungsgespräch in einem ruhigen Rahmen über Themen, die das Kind bewegen, über Entwicklungsfortschritte und evtl. Probleme gesprochen werden. Dem elterlichen Wunsch nach einem Gespräch sollte auf alle Fälle zeitnah entsprochen werden, weil somit dem Aufbauschen von Unstimmigkeiten entgegengesteuert wird. Eine angemessene Gesprächsführung (zuhören, andere Standpunkte akzeptieren, eigene einbringen und wenn nötig Kompromisse finden) muss dabei selbstverständlich sein.

Nicht alle Eltern trauen sich, ihre Unzufriedenheit oder Wünsche offen zu formulieren. Daher sollte es ihnen ermöglicht werden, diese anonym mitzuteilen. Elternbefragungen, Ideenbörsen, Briefkästen für Mitteilungen an Team und/oder Leitung und ähnliche Methoden bieten hierzu vielfältige Möglichkeiten. Mir persönlich ist es lieber, in direkten Austausch gehen zu können.

Doch ist es ebenso wichtig, diese stillen Anliegen wahr- und ernst zu nehmen. Ansonsten kommt es unterschwellig eventuell doch zu Unzufriedenheiten, die nur schwer beseitigt werden können. Bei aller Methodik liegt der Schlüssel für eine gute Zusammenarbeit zum Wohle des Kindes schlussendlich in der konsequenten und dauerhaften Aufrechterhaltung der genannten Werte: Offenheit und Transparenz!

 

inform Ausgabe 3/2018

Beteiligte in der Erziehungspartnerschaft

Die verschiedenen Aspekte von Offenheit und Transparenz

Tania Klein, Kita-Leiterin: "Kinder erwerben beim Spiel kognitive, sprachliche und vor allem soziale Kompetenzen." Bild: © W. Eberhardt

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Autor/Interviewer: Tania Klein, Leiterin der Kita St. Valentin, Kiedrich. Kontakt UKH: Herbert Hartmann, E-Mail: h.hartmann@ukh.de