Twitter Facebook Instagram Youtube Xing RSS Snapchat LinkedIn
inform ukh
Datum: Kategorie(n): Sicherheit · Gesundheit · Kita · Drucken

Mit Kita-Kindern ins Schwimmbad

Schwimmbadbesuche gehören in vielen Tageseinrichtungen zum Kita-Alltag. Für Kinder in diesem Alter stehen in erster Linie der spielerische Umgang mit dem nassen Element und die Gewöhnung ans Wasser im Vordergrund, während der eigentliche Schwimmunterricht eher im Schulkindalter stattfindet. Allerdings ist Ertrinken bei jüngeren Kindern die häufigste unfallbedingte Todesursache nach Straßenverkehrsunfällen. Daher sind beim Schwimmbadbesuch eine Reihe von Sicherheitsmaßnahmen zu berücksichtigen.

Aufsicht

Grundsätzlich obliegt die Aufsicht über die Kinder den für die Gruppe verantwortlichen Erzieherinnen und Erziehern. Bei besonderen Veranstaltungen ist es jedoch ratsam und in der Praxis auch durchaus üblich, zusätzliche Personen in die Aufsichtsführung einzubeziehen. In erster Linie kommen Eltern in Betracht, die für diese Aufgabe hinsichtlich ihrer Zuverlässigkeit und körperlichen Leistungsfähigkeit geeignet sein müssen. Beim Schwimmbadbesuch sind dazu klare Absprachen über die jeweiligen Aufgaben notwendig.

Das Maß der gebotenen Aufsicht richtet sich zudem nach dem Alter, der Eigenart und dem Charakter der Kinder. Regelungen für Badeveranstaltungen müssen die Einrichtungen daher situationsbezogen im Einzelfall treffen. Die Anzahl der gleichzeitig badenden Kinder sollte aus Gründen der Übersichtlichkeit begrenzt werden. Es ist unbedingt anzuraten, den Betreuungsschlüssel höher zu wählen als bei anderen Veranstaltungen der Kita. Dabei sind auch die örtlichen Gegebenheiten im Bad und der Weg zur Schwimmhalle zu berücksichtigen.

Wie ist die konkrete Situation?

Die Anzahl der benötigten Aufsichtspersonen richtet sich nach der Einschätzung der konkreten Gefahrenlage, d. h., die äußeren Rahmenbedingungen und die Kindergruppe sind zu beurteilen. Je nach Zusammensetzung der Gruppe (Altersspanne, Entwicklungsstand, Sprachverständnis), aber auch der Räumlichkeiten im Bad und der Zusammenarbeit mit der Badaufsicht kann der Betreuungsschlüssel unterschiedlich gewählt werden. Ein Betreuungsschlüssel von 1:5 hat sich dabei jedoch als sehr günstig erwiesen und sollte nicht überschritten werden.

Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass die Schwimmaufsicht des Bades keine besondere Aufsicht über die Gruppe der Kindertageseinrichtung gewährleistet und damit nicht in die Aufsicht mit einbezogen werden kann. Dennoch ist eine Anmeldung der Gruppe beim Schwimmbadpersonal notwendig, denn in Notsituationen besteht auch für das Personal eine Eingreif- und Rettungspflicht.

Art, Umfang und jeweiliger Standort der Aufsichtsführung sind zwischen Leitung und weiteren Aufsichtspersonen konkret abzusprechen.

Praktische Hinweise

Mindestens eine Aufsichtsperson muss als Beobachter*in außerhalb des Beckens stehen und ausschließlich die Übersichtsfunktion über die Kinder wahrnehmen. Sie darf auch nicht mit anderen Aufgaben betraut werden, die ihre Aufmerksamkeit ablenken könnten. Eine weitere Person sollte für Sonderaufgaben (z. B. Begleitung von Kindern zur Toilette) zur Verfügung stehen. Die übrigen Begleitpersonen können sich mit den Kindern gemeinsam im Wasser aufhalten und diese spielerisch an das Element Wasser gewöhnen.

Die Anzahl von Spiel- und Wassersportgeräten sollte so gewählt werden, dass die ständige Sicht auf die Kinder im Wasser gewährleistet ist. Zudem ist die Wassertiefe entscheidend: Zu berücksichtigen ist hierbei, dass Nichtschwimmerbecken üblicherweise eine Wassertiefe von bis zu 1,35 m haben, was die Körpergröße der Kita-Kinder bereits deutlich übersteigt. Der Aufenthalt im Nichtschwimmerbecken birgt für diese Kinder, anders als im Planschbecken, bereits die Gefahr des Ertrinkens. In für die Körpergröße zu tiefem Wasser können sich Nichtschwimmerkinder nur 10 bis 20 Sekunden über Wasser halten, daher besteht in Gefahrensituationen nur eine extrem kurze Eingriffszeit für die Hilfeleistenden.

Rettungsfähigkeit

Rettungsfähigkeit wird als die Fähigkeit definiert, einen Menschen aus einer gesundheits- oder lebensgefährdenden Situation im Wasser zu befreien. In der Praxis hängen Art und Umfang der Rettungsfähigkeit von den jeweiligen örtlichen Verhältnissen und Rahmenbedingungen ab. Die Rettungsfähigkeit erfordert ein bestimmtes Maß an körperlicher Leistungsfähigkeit und an spezifischen Kenntnissen. Diese sind erfüllt, wenn eine Person situativ angemessen und unter Stressbedingungen Folgendes leisten kann:

  • ein verunfalltes Kind an jeder Stelle und aus jeder Tiefe des von den Kindern genutzten Beckens an die Wasseroberfläche bringen,
  • das Kind mit dem Gesicht über Wasser an den Beckenrand transportieren/schleppen,
  • das Kind über den Beckenrand bergen,
  • lebensrettende Sofortmaßnahmen durchführen,
  • einen Notruf absetzen.

Alle beim Schwimmbadbesuch aufsichtsführenden pädagogischen Fachkräfte müssen diese Rettungsfähigkeit besitzen, die zur Rettung eines Kindes aus einem Nichtschwimmerbecken notwendig ist. Es ist unerlässlich, die Kenntnisse und Fähigkeiten des Rettens und Wiederbelebens regelmäßig aufzufrischen. Aufgrund mangelnder Übung kann früher oder später vor allem die notwendige Selbstsicherheit fehlen, um im Notfall zielstrebig ein Kind zu retten. Aufsichtsführende pädagogische Fachkräfte sollten aber auch vor jedem Badbesuch selbstkritisch einschätzen, ob sie aktuell die Rettungsfähigkeit besitzen.

Darüber hinaus muss gewährleistet sein, dass auch aus dem tiefsten Becken des Bades (Schwimmerbecken oder Sprungbecken mit Wassertiefen von 3,40 m und mehr) ein Kind gerettet werden kann. Dies kann durch die pädagogischen Fachkräfte selbst, aber auch durch sonstige Begleitpersonen oder das Personal des Schwimmbades in enger Absprache und bei ständiger Anwesenheit sichergestellt werden.

Schwimmhilfen

Schwimmhilfen, wie am Arm getragene Ringe, erhöhen den Auftrieb und geben damit dem Kind die Möglichkeit, auch ohne Schwimmbewegungen über Wasser zu bleiben. Wie der Name es bereits nahelegt, unterstützen sie das Schwimmenlernen, bieten aber keine Sicherheit gegen Ertrinken, besonders wenn sie verrutschen oder von Kindern unbemerkt abgenommen werden. Um den Kindern kein falsches Sicherheitsgefühl durch den erhöhten Auftrieb zu vermitteln, sollte ihr Einsatz kritisch überdacht werden.

Weiterhin muss darauf geachtet werden, dass die Schwimmhilfen für die Altersgruppe geeignet sind und der europäischen Norm EN 13138-1 „Auftriebshilfen für das Schwimmenlernen“ entsprechen.

Kleinkinder unter drei Jahre

Bei Kleinkindern besteht ein besonders hohes Ertrinkungsrisiko, da sie einen stark ausgeprägten sogenannten Stimmritzenkrampf (reflektorischer Laryngospasmus) bekommen können. Beim plötzlichen Eintauchen des Kopfes ins Wasser oder beim Aspirieren geringer Wassermengen kann bei Kleinkindern ein schockartiger Atemreflex einsetzen, der Kehlkopf und Lunge schließt. Dadurch wird die Atmung blockiert, nicht selten erstickt das Kind, ohne dass nur ein einziger Tropfen Wasser in seine Lungen gelangt (sogenanntes „trockenes Ertrinken“). Die Wassertiefe spielt in dieser Situation keine entscheidende Rolle. Bereits wenige Zentimeter Wasser reichen aus, um ein Kind in Lebensgefahr zu bringen, wie der Unfall eines 16 Monate alten Jungen zeigt. Das Unglück geschah in einer nordrhein-westfälischen Tagespflegeeinrichtung für Kleinkinder: Der Junge ertrank in einem mit nur wenigen Zentimetern Wasser gefüllten Maurerkübel.

Für die Kita-Leitung bedeutet dies, dass Schwimmbadbesuche mit Kindern unter drei Jahren sehr kritisch geprüft werden müssen. Wegen des höheren Gefährdungspotenzials und der damit einhergehenden zusätzlichen Anforderungen an die Aufsichtsführung und Rettungsfähigkeit wird von Schwimmbadbesuchen in dieser Altersgruppe abgeraten.

 

inform Ausgabe 2/2017

Weitere Informationen

… finden Sie in der neuen DGUV-Broschüre „Wassergewöhnung in Kindertageseinrichtungen“. In ihr werden die Aspekte Aufsichtsführung und Rettungsfähigkeit, organisatorische Rahmenbedingungen und Versicherungsschutz erläutert. In einem zweiten Teil schließen sich Übungen zur Wassergewöhnung an, die der Kita nützliche Anregungen zur Gestaltung des Schwimmbadbesuchs liefern.

(Bild: ©Adobe Stock)

Datum: Kategorie(n): Sicherheit · Gesundheit · Kita · Drucken
Autor/Interviewer: Matthias Lange, E-Mail: m.lange@ukh.de