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Datum: Kategorie(n): Versicherungsschutz · Schule · Sicherheit · Leistungen UKH · Psychische Belastungen · Drucken

Krisenmanagement: Ist Ihre Schule gut gerüstet für den Ernstfall?

Jeder hofft, dass sich in Schulen keine tragischen Ereignisse und Gewaltakte ereignen. Trotz aller präventiven Maßnahmen sind solche schulischen Krisen aber niemals vollständig auszuschließen. Wichtig ist: Eine gute Vorbereitung auf den „Ernstfall“ ist die beste Garantie für schnelle und wirksame Hilfe. Wir möchten Schulen ermutigen, sich auf eventuelle Krisen gut vorzubereiten. Die Unfallkasse Hessen steht den hessischen Schulen dazu auch präventiv zur Seite.

Großschadensereignisse und Krisensituationen bestimmen zum Glück nicht den schulischen Alltag. Aber gerade weil sie nicht alltäglich, aber auch niemals vollständig auszuschließen sind, erfordern sie besondere Vorbereitungen und bewusste Präventionsmaßnahmen aller Beteiligten. Schulen werden nicht allein gelassen, wenn es darum geht, auf mögliche Krisensituationen angemessen und professionell zu reagieren. In den vergangenen Jahren wurden in Hessen geeignete Strukturen geschaffen, um Verantwortliche in den Einrichtungen professionell zu unterstützen: angefangen vom Bedrohungsmanagement über Krisenvorbereitung bis hin zu Bewältigungsstrategien nach einer schweren zielgerichteten Gewalttat an einer Schule. Dabei ist das Krisen- und Notfallmanagement in der Schule selbst wichtigster Baustein in der Krisenprävention.

Hilfe für verletzte Seelen

Die Unfallkasse Hessen (UKH) ist die gesetzliche Unfallversicherung für hessische Schülerinnen und Schüler. Und unsere Leistungen beschränken sich nicht nur auf Körperschäden nach „klassischen“ Schulunfällen. Auch die „Verletzung der Seele“ – der psychische Gesundheitsschaden nach einem traumatisierenden Ereignis – gilt als Versicherungsfall, den die UKH mit allen geeigneten Mitteln zu entschädigen hat. Dies gilt sowohl bei Einzelfällen (schwerer Unfall, Suizid eines Schülers oder einer Lehrkraft) als auch bei schulischen Krisen oder anderen Großschadensereignissen, wenn Versicherte der UKH betroffen sind. Aber anders als „normale“ Arbeits- bzw. Schulunfälle sind diese Vorfälle getrieben von großer Dynamik. Die Situation ist unübersichtlich, eine Vielzahl von beteiligten Helfer*innen muss koordiniert werden. Es geht um Krisenmanagement und dabei ist vor allem eines wichtig: informieren und netzwerken. Es geht um den Aufbau verlässlicher Strukturen, die die Information und Unterstützung schnell und zuverlässig an die richtigen Stellen weiterleiten. Nur eine intensive Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten sichert die erfolgreiche Bewältigung einer Krise. Schnelle und effektive Hilfe für die Betroffenen ist bei solchen Ereignissen zentral.

Krisenmanagement ist Netzwerkmanagement

In diesem Sinne hat die UKH schon seit längerem Instrumente eines professionellen Krisenmanagements in ihrer Organisation etabliert. Gerade im schulischen Bereich setzen wir darauf, uns mit den unterschiedlichen Akteuren zu vernetzen und diese zu stärken. Die Bildung von Netzwerken zur Bewältigung von Krisen in und an Schulen unter Einbeziehung von schulpsychologischen Diensten, Krisenteams, Erziehungsberatungsstellen, Jugendhilfe, sonstigen psychologischen Fachkräften sowie Polizei, Rettungswesen, Notfallseelsorge und Kriseninterventionsdiensten ist nach unserer Überzeugung Voraussetzung für ein effektives Krisenmanagement an Schulen. Es ist eine permanente Aufgabe, dieses Netzwerk mit beteiligten Institutionen und Personen fortlaufend zu überprüfen und zu erweitern.

Die Säulen des UKH Krisenmanagements

SKIT

Erste wichtige Säule im Krisen- bzw. Notfallmanagement der UKH ist die enge Zusammenarbeit mit dem schulpsychologischen Kriseninterventionsteam (SKIT). Diese basiert auf einer vertraglichen Vereinbarung zwischen dem Hessischen Kultusministerium (HKM), dem Hessischen Ministerium des Innern und für Sport (HMdI) und der UKH. Sie regelt unter anderem die Zusammenarbeit bei Krisensituationen in hessischen Schulen, um sicherzustellen, dass betroffenen Schülern und Beschäftigten zeitnah professionelle Unterstützung und größtmögliche Hilfe nach einem Krisenfall zuteil wird.

Durch die Zusammenarbeit soll gewährleistet werden, dass die UKH die Durchführung, Steuerung und Überwachung des Heilverfahrens als primäre Rehabilitationsaufgabe wahrnehmen kann. Zum Beispiel stellen die Vertragsparteien im Krisenfall wechselseitig eine möglichst frühzeitige Information über Art und Umfang der Krisenlage sicher. Es ist geregelt, dass und wie sich UKH und SKIT über Maßnahmen zur psychologischen Notfallversorgung und zur Entwicklung einer mittel- und langfristigen psychologischen Nachsorge untereinander abstimmen. Zusätzlich wird die Arbeit des SKIT durch die Kooperation immer weiter professionalisiert, indem sich die UKH regelmäßig an den Kosten für Fortbildung und Qualifizierung der Mitglieder von SKIT und deren professioneller Ausstattung für einen Einsatz im Krisenfall beteiligt.

Organisation und Arbeitsweise von SKIT beschreibt dessen Leiterin, Marion Müller-Staske, im Interview mit inform ab Seite 9 in diesem Heft.

ZTK

Die zweite wichtige Säule beim UKH Krisenmanagement bildet die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem „Zentrum für Trauma und Konfliktmanagement (ZTK) GmbH“ in Köln. Die Mitarbeiter*innen dort gelten als anerkannte Experten*innen auf dem Gebiet der Traumabewältigung und des Krisenmanagements. Das ZTK wird regelmäßig weltweit nach Großschadenslagen oder Naturkatastrophen in Krisengebieten mit der Betreuung und Schulung von Hilfs- und anderen Organisationen im Bereich Stressmanagement und Krisennachsorge beauftragt.

Die Unfallkasse Hessen hat sich, wie viele andere Unfallkassen im Bundesgebiet, die Unterstützung des ZTK nach einem eventuellen Großschadensereignis in ihrem Zuständigkeitsgebiet gesichert. So wird gewährleistet, dass z. B. nach einem „School-Shooting“ oder einer anderen schulischen Krise durch eine enge Zusammenarbeit zwischen ZTK, SKIT und UKH die psychologische Notfallversorgung der Betroffenen, aber auch die mittel- und langfristige Nachsorge in unserem Auftrag sichergestellt wird.

AK PSNV

Die Mitarbeit im „Arbeitskreis psychosoziale Notfallversorgung der Stadt Frankfurt am Main (AK PSNV)“ ist ein weiterer wichtiger Bestandteil unseres UKH Krisennetzwerks. Auch die dort vertretenen Hilfeleistungsorganisationen, die Notfallseelsorger bis hin zum „Einsatzabschnitt Beratung der Polizeiakademie Hessen“ sind wichtige Partner und Akteure in der psychologischen Notfallversorgung und im Krisenmanagement.

Schulische Krisen- und Notfallteams

Neben den beschriebenen Vorkehrungen, Initiativen und Netzwerken bleiben jedoch die Schulen selbst wichtigste Akteure in einem funktionierenden Notfall- und Krisenmanagement. Von jetzt auf gleich können Schulen von schweren Unfällen, Suiziden oder Amoktaten betroffen und emotional erschüttert werden. Bei solch belastenden Ereignissen ist gutes Krisenmanagement gefragt. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass Pläne und Handlungsabläufe vorbereitet sind und jedes Kollegium für den Ernstfall gerüstet ist.

Leitfaden in Hessen: Handeln in Krisensituationen

Auch hierfür wurde in Hessen schon vor vielen Jahren beispielgebend Vorsorge getroffen. So hat das HKM in Zusammenarbeit mit dem HMdI und Experten aus der Schulpsychologie einen Leitfaden für Schulen „Handeln in Krisensituationen“ erarbeitet, der den Verantwortlichen wichtige Handreichungen und Hilfen zur Gewaltprävention, zur Einschätzung von Gefahrenpotenzial und zum effizienten und zielgerichteten Krisenmanagement gibt. Der Leitfaden enthält wichtige Hinweise und Anregungen, wie sich eine Schule auf die Bewältigung möglicher Gefahren- und Krisensituationen im schulischen Umfeld vorbereiten kann. Von allgemeinen Präventionsbemühungen über Krisenmanagement, Umgang mit Bedrohungen zu psychosozialer Nachsorge wird die gesamte Thematik umfassend dargestellt.

Der Leitfaden enthält u. a. die Verpflichtung, schulische Krisenteams zu bilden und sich aktiv mit der Prävention und Intervention in Krisenfällen auseinanderzusetzen. Insbesondere in der Akutphase einer Krise kommen auf die Schulleitung der betroffenen Schule eine enorme Fülle an Aufgaben, ein erheblicher Zeit- und Entscheidungsdruck, vor allem aber auch eine große Verantwortung zu. In einer solchen Ausnahmesituation kann ein funktionierendes, schulinternes Krisenteam eine nicht zu unterschätzende Entlastung und Hilfe für die Schulleitung darstellen. Aus diesem Grund ist es überaus wichtig, dass das schulinterne Krisenteam gut aufgestellt ist. Ein lebendiges schulisches Krisenteam – intern wie extern gut vernetzt – zählt zu den wichtigsten Bausteinen in der Krisenprävention.

Hessen ist gut vorbereitet

Damit die Verantwortlichen zur Bewältigung möglicher Gefahren- und Krisensituationen im schulischen Umfeld optimal vorbereitet sind, unterstützt die UKH schon viele Jahre aktiv das Notfallmanagement der hessischen Schulen. Denn ein professionelles Krisenmanagement, wie es in Hessen mit der Verpflichtung zum Aufbau von Krisenteams in Schulen, der Erstellung von Krisenplänen und der Unterstützung durch die schulpsychologischen Kriseninterventionsteams praktiziert wird, hilft uns, unseren Auftrag zur Rehabilitation traumatisierter Kinder und Erwachsener zielgerichtet erfüllen zu können.

 

inform Ausgabe 2/2018

Die Notfallordner mit dem Leitfaden „Handeln in Krisensituationen“ sind über die Schulpsychologie der staatlichen Schulämter zu beziehen.

Bild: ©Adobe Stock

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Autor/Interviewer: Alex Pistauer , E-Mail: a.pistauer@ukh.de