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Datum: Kategorie(n): Sicherheit · Gesundheit · Kita · Drucken

Was tun gegen sommerliche Überhitzung in Kitas

In der letzten inform-Ausgabe wurden bauliche Maßnahmen zum Schutz vor Überhitzung der Aufenthaltsbereiche beschrieben und bauliche Sonnenschutzsysteme vorgestellt. Im zweiten Teil unserer Serie nennen wir Ihnen weitere Maßnahmen, wie Sie einer sommerlichen Überhitzung beispielsweise durch dynamische, statische und permanente Systeme entgegenwirken können.

Die richtige Wahl eines Sonnenschutzsystems kann als effizient bezeichnet werden, wenn die folgenden Anforderungen möglichst alle erfüllt sind:

  • Schutz vor sommerlicher Überhitzung
  • Nutzung des Tageslichts
  • Blendschutz
  • Nutzung solarer Wärmegewinne in der Heizperiode
  • Sichtkontakt zur Außenwelt

In Kindertageseinrichtungen ist besonders darauf zu achten, dass sich die Räume nicht überhitzen.

Dynamisch oder statisch?

Wie gut Sonnenschutzsysteme auf die spezifischen Anforderungen in der Kindertageseinrichtung reagieren können, hängt davon ab, wie anpassungsfähig die Systeme sind und ob diese einfach zu bedienen sind.

Dynamische Systeme wie Jalousien, Rollläden oder Markisen können an die äußeren Lichtverhältnisse angepasst und bei Bedarf auch gänzlich weggefahren werden. Bei richtiger Anwendung erfüllen diese dann alle fünf vorgenannten Anforderungen. Für einen möglichst hohen Nutzungseffekt können beispielsweise mehrere dynamische Systeme miteinander kombiniert werden.

Statische Systeme sind feststehende horizontale bzw. vertikale Elemente, die sich zwar nicht wegfahren lassen, aber häufig, z. B. durch schwenkbare Lamellen, an die äußeren Lichtverhältnisse angepasst werden. Sie ermöglichen grundsätzlich eine gute Sicht nach außen, haben jedoch Defizite beim Blendschutz, bei der Tageslichtversorgung und bei der Sonnenenergienutzung im Winter. Um dieses Manko auszugleichen, werden statische Sonnenschutzsysteme häufig mit einem innenliegenden, dynamischen Blendschutz kombiniert, was verdeutlicht, dass eine ausschließliche Festlegung auf ein System nicht zielführend ist.

Permanente Systeme wie Sonnenschutzverglasungen bzw. Sonnenschutzfolien lassen sich nicht an die äußeren Bedingungen anpassen. Dadurch haben sie nicht nur eine eingeschränkte Sonnenschutzwirkung, sondern meistens auch Defizite bei allen anderen Anforderungen. Die Tageslichtversorgung wird meist dauerhaft beeinträchtigt. Eine Kombination mit einem dynamischen Blendschutz ist daher bei fast allen permanenten Systemen zwingend notwendig.

Eine gute Sonnenschutzwirkung und eine verhältnismäßig gute Anpassungsfähigkeit kann erreicht werden, wenn ein außenliegendes, dynamisches Sonnenschutzsystem zum Einsatz kommt. Statische Systeme sollten zumindest mit einem zusätzlichen innenliegenden Blendschutz kombiniert werden. Die Verwendung von permanentem Sonnenschutz ist grundsätzlich nicht zu empfehlen. Falls aus baurechtlichen Gründen, z. B. Denkmalschutz, derartige Systeme genutzt werden müssen, ist die Kombination mit einem dynamischen, innenliegenden Blendschutz zwingend anzuraten.

Mein Freund, der Baum ...

Die Verschattung mit Bäumen ist eine schöne und natürliche Lösung. Wenn geeignete Gehölze vorhanden sind, sollten diese unbedingt in das Sonnenschutzkonzept aufgenommen werden. In Kindertageseinrichtungen mit unmittelbar ans Gebäude angrenzendem Außenbereich erfüllen hohe Bäume mit entsprechender Baumkrone die Verschattung der Kinderaufenthaltsbereiche im Freien und des Gebäudes in doppelter Weise.

Aus ökologischer Sicht ist grundsätzlich jeder Baumbestand bzw. dessen Erhaltung zu begrüßen. Bei Neuanpflanzungen vergehen allerdings viele Jahre, bis ein entsprechender Verschattungsgrad durch die Baumkrone sichergestellt ist. Außerdem müssen Bäume gepflegt werden. Dies fängt bei der Laubbeseitigung an und setzt sich mit dem Baumschnitt fort, was bei großen Bäumen aufwendig ist. Unter dem Aspekt der Verkehrssicherheit sind Bäume zudem zu überprüfen, ob nach besonderen Windereignissen keine Gefahr durch Astbruch für die sich in unmittelbarer Nähe aufhaltenden Kinder und pädagogischen Fachkräfte besteht.

Wer vor dem Hintergrund eines geringeren Pflegeaufwands meint, Nadelbäume seien die richtige Wahl, sollte bedenken, dass immergrüne Gewächse die Räumlichkeiten im Sommer zuverlässig verschatten. Mit der gleichen Zuverlässigkeit geschieht dies auch im Winter. Wegen des niedrigen Sonnenstandes sind dann die Räumlichkeiten besonders dunkel und eine künstliche Beleuchtung ist dann häufig erforderlich, während Laubbäume in Herbst und Winter das Sonnenlicht ungehinderter durchlassen.

Die Ursachen bekämpfen, nicht die Symptome

Gemäß Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) ist es Aufgabe des Arbeitgebers, in Arbeitsräumen für gesundheitlich zuträgliche Raumtemperaturen und für den Schutz gegen übermäßige Sonneneinstrahlung zu sorgen. Nach § 4 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) ist der Arbeitgeber darüber hinaus verpflichtet, die Arbeit so zu gestalten, dass eine Gefährdung für Leben und Gesundheit möglichst vermieden wird und verbleibende Gefährdungen geringgehalten werden.

Ein moderner Arbeits- und Gesundheitsschutz verfolgt die Notwendigkeit, nicht dem Symptom (hohe Raumtemperatur), sondern vielmehr der Ursache (ungehinderte Sonneneinstrahlung) zu Leibe zu rücken.

Wenn die Wärme bzw. Hitze erst gar nicht vorhanden ist, muss ihr auch nicht technisch oder organisatorisch oder durch persönliche Verhaltensmaßnahmen aufwendig begegnet werden.

Behaglichkeit per Knopfdruck

Steht die Temperierung der Räumlichkeiten im Vordergrund, liegt der Gedanke nahe, dem Problem mit einem „mobilen Klimagerät“ zu begegnen. Ähnlich wie bei der Klimaanlage im Fahrzeug scheint hier eine probate Technik zur Verfügung zu stehen, die relativ problemlos für eine entsprechend zuträgliche Temperierung sorgt. Doch was im PKW funktioniert, muss nicht gleichermaßen im Gebäude zum Erfolg führen!

Vor dem Kauf eines mobilen Klimageräts bzw. Kühlgeräts sollten alle anderen möglichen Maßnahmen zur Temperaturabsenkung ausgeschöpft werden. Neben dem Anbringen eines außenliegenden Sonnenschutzes gehört das Abschalten aller nicht benötigten elektrischen Geräte und Beleuchtungen dazu. Auch die Nachtauskühlung kann durch Fensterlüftung genutzt werden, wenn nachts die Fenster nicht vollkommen geschlossen bleiben müssen.

Soll dennoch ein mobiles Teilkühlgerät zum Einsatz kommen, dann sollten – unabhängig vom Gerätetyp – auch die negativen Begleiterscheinungen beachtet werden:

  • Neben der Aufbringung der Anschaffungs- und Betriebskosten müssen die Wartungsintervalle eingehalten werden. Der technisch und hygienisch einwandfreie Zustand muss jederzeit sichergestellt sein. Nur bei richtiger Wartung des Geräts kann eine eventuelle gesundheitlich beeinträchtigende Keim-Emission des bauartbedingten Kondensats ausgeschlossen werden.
  • Je nach Gerät entstehen Geräuschbelästigungen. Manche am Markt erhältlichen Klimageräte haben einen Schalldruckpegel von 65 db(A) und mehr. Angesichts der Sprachverständlichkeit müssen Betroffene in unmittelbarer Nähe dann lauter sprechen.
  • An den Luftauslässen besteht die Gefahr von Zugluft. Eine Erkältung oder ein „steifer Hals“ sind dann nicht ausgeschlossen.
  • Die Geräte entfalten ihre Wirkung jeweils für den Raum, in dem sie aufgestellt bzw. zugeordnet sind.

Es bleibt schwierig

Neben einem mehr oder weniger überschaubaren Nutzen birgt eine nachträgliche Kühlung durch Klimageräte gleichzeitig negative Effekte in sich, welche im Bürobetrieb begrenzt hinnehmbar, in einer Kita jedoch alles andere als tolerabel sind: Die Kühlung wird durch eine zusätzliche Lärmquelle erkauft, wo gerade in Kindertageseinrichtungen Lärm mit extra-auraler Wirkung (z. B. Stressreaktionen) zu den besonderen Arbeitsbelastungen gehört.

Wir konnten in beiden Teilen unserer Artikelserie lediglich die grundsätzlichen Funktionsweisen von Maßnahmen beschreiben, um hohe Innenraumtemperaturen zu senken.

Der Komplexität dieser Thematik kann dadurch Rechnung getragen werden, dass es nicht nur ein „Entweder-oder“ bei den Maßnahmen geben darf, sondern vielmehr auch ein „Sowohl-als-auch“, womit die Kombination von verschieden Ansätzen gemeint ist. Beachten Sie auch unsere Tipps und Tricks zum Hitzeschutz und zur Abkühlung auf Seite 11.

 

Lesen Sie auch Teil 1 unserer Artikelserie "Heißer Sommer in der Kita: Baulicher Sonnenschutz hilft gegen Hitze."

inform-Ausgabe 2/2019

Beispiel:

Werden Glasflächen mit einem außenliegenden Sonnenschutz und zusätzlich mit einem innenliegenden Blendschutz versehen, so kann im Winter die Wärme der auftreffenden Sonneneinstrahlung zur Heizungsunterstützung genutzt und gleichzeitig ein durchgehender Blendschutz wegen des im Winter tieferen Sonnenstands erreicht werden.

Weitere Informationen:

  • DGUV Information 215-444 „Sonnenschutz im Büro“
  • DGUV Information 215-510 „Beurteilung des Raumklimas“
  • Technische Regeln für Arbeitsstätten ASR A3.5 „Raumtemperatur“, s. a. Anhang Nr. 3.6
  • Technische Regeln für Arbeitsstätten ASR A3.6 „Lüftung“
  • baua: „Sommerhitze im Büro – Tipps für Arbeit und Wohlbefinden“
  • baua: „Wirksamkeit von mobilen Klimageräten, Forschung Projekt F 2073“

Außenliegender Sonnenschutz. Bild: ©Adobe Stock, the_builder

Innenliegender Blendschutz. Bild: ©Adobe Stock, navintar

Effektive Beschattung durch Baumkronen von Laubbäumen. Bild: ©Adobe Stock, Yoshinori Okad

Mobiles Teilklimagerät oder Umluftkühlgerät, manchmal auch Luftkonditionierer genannt. Bild: ©Adobe Stock, FrameAngel

Bäume als Bestandteil des Außenbereichs bieten natürlichen Blendschutz. Bild: ©Adobe Stock, contrastwerkstatt

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Autor/Interviewer: Michael Protsch, E-Mail: m.protsch@ukh.de