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Datum: Kategorie(n): Sicherheit · Gesundheit · Hochschule · Gefahrstoffe · Drucken

Schwere Hautverletzung durch Modellgips

Eine Studierende einer hessischen Hochschule verwendete zur Abformung ihrer Hand einen Alabaster-Modellgips. Die einem Volumen von etwa fünf Litern entsprechende Gipsmasse setzte die Studentin entsprechend den Herstellerangaben an und tauchte anschließend ihre Hand fast vollständig in die Gipsmasse ein. Mit fatalen Folgen, wie die weitere Schilderung des Unfallhergangs zeigt.

Während des Abbindens des Gipses (auch Hydratation genannt), stieg die Temperatur der Masse auf ca. 48 – 50 °C an. Als die Studierende die Wärmeentwicklung bemerkte, war der Gips bereits so weit ausgehärtet, dass sie ihre Hand nicht mehr aus eigener Kraft herausziehen konnte. Dies gelang erst dem Rettungsdienst. Die Studierende zog sich so schwere Verbrennungen der Hand zu, dass zwei Finger amputiert werden mussten.

Ermittlungen zum Unfallhergang

Der eingesetzte Gips ist für den Baubereich sowie für den Modell und Formenbau bestimmt. Im Sinne der europäischen CLP-Verordnung (Classification, Labelling and Packaging) ist das verwendete Produkt nicht als Gefahrstoff eingestuft. Sowohl im – vom Hersteller freiwillig – erstellten Sicherheitsdatenblatt als auch im technischen Merkblatt zur Verwendung erteilte der Hersteller des Produkts keine Information zur Abbindetemperatur, so dass weder von der Hochschule noch von der Verletzten eine Gefährdung vermutet wurde. Auch wurde nirgends erwähnt, dass der Gips nicht zur Abformung von Körperteilen verwendet werden soll.

Um den Hergang zu rekonstruieren, hat das Institut für Arbeitsschutz (IFA) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) die Unfallsituation nachgestellt. Zu diesem Zweck wurden Temperaturkurven von mehreren Vergleichsprodukten während des Abbindens aufgezeichnet. Im Labor wurde festgestellt, dass alle Gipsmassen eine ähnlich hohe Temperatur von bis zu 50 °C entwickeln. Diese Temperatur reicht aus, damit es nach wenigen Minuten zu irreversiblen Schädigungen der Haut kommt.

Hinweise für die Verwendung von Gipsen

Chemisch gesehen ist Gips ein Calciumsulfat-Dihydrat. Durch das Brennen entstehen bei der Herstellung von Gipsprodukten unterschiedliche Modifikationen des Materials wie Halbhydrat oder Anhydrit. Gipsprodukte werden für unterschiedliche Einsatzzwecke produziert und erhalten durch das jeweils gewählte Herstellungsverfahren unterschiedliche physikalisch-chemische Eigenschaften. Da der Begriff „Gips“ ein weites Spektrum von Stoffen und Gemischen für unterschiedliche Einsatzzwecke umfasst (z. B. Baugipse oder Gipse für die Zahnmedizin), müssen vor Beginn der Tätigkeiten immer die technischen Merkblätter oder Sicherheitsdatenblätter beachtet werden. Die Produkte dürfen nur entsprechend den Herstellerangaben und für den vorgesehenen Verwendungszweck eingesetzt werden, um eine Gefährdung der Nutzer zu verhindern.

Zur Abformung von Körperteilen sind ausschließlich Alginat, Silikon oder Gipse für medizinische Anwendungszwecke geeignet.

 

inform Ausgabe 3/2018

Der Begriff „Gips“ umfasst ein weites Spektrum von Stoffen und Gemischen für unterschiedliche Einsatzzwecke (z. B. Baugipse oder Gipse für die Zahnmedizin). Zur Abformung von Körperteilen sind ausschließlich Alginat, Silikon oder Gipse für medizinische Anwendungszwecke geeignet. Bild: ©Adobe Stock

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Autor/Interviewer: Christina Walther, E-Mail: c.walther@ukh.de