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Sicherheitsbeauftragter kann ein 24-Stunden-Job sein

Seit 32 Jahren arbeitet Klaus-Dieter Luther als technischer Angestellter am physikalischen Institut der Frankfurter Goethe-Universität. Auch wenn er nicht wie geplant Lehrer für Mathematik und Physik wurde, wenden sich in seiner heutigen Profession dennoch viele Schüler*innen an ihn.

inform: Herr Luther, wie kam es, dass Sie nicht Lehrer an einer Schule wurden, sondern zurück an die Universität gegangen sind, an der Sie auch studiert haben?

Klaus-Dieter Luther: Anfang der 1980er-Jahre habe ich mein Studium mit dem zweiten Staatsexamen abgeschlossen, allerdings wurden zu dieser Zeit keine Lehrer eingestellt. Als ich mein Referendariat an der Schule beendete, ging mit meiner Person auch die letzte Lehrkraft, die dort Physik unterrichtete. Ich ging also zurück an die Universität und bekam dort eine Stelle als physikalisch- technischer Assistent, und mittlerweile bekleide ich hier die Stelle des Laboringenieurs.

inform: Und welche Aufgabenbereiche umfasst die Arbeit als Laboringenieur?

Klaus-Dieter Luther: Die sogenannte Einkristallzüchtung ist ein großer Arbeitsbereich. Dabei wird ein Festkörper mit amorphen oder geordneten Atomstrukturen so verändert, dass lediglich geordnete Kristallstrukturen entstehen. Kristallzüchtungen von Salzen beispielsweise führe ich versuchsweise mit Schülerinnen und Schülern durch, die unser Institut besuchen oder hier ihre Praktika durchführen. Das physikalische Institut nimmt pro Jahr 20 - 30 Schülerpraktikant*innen, um die Physik als attraktives Studienfach darzustellen. Diese Arbeit macht mir sehr viel Spaß, denn viele entscheiden sich nach dem Praktikum tatsächlich für ein Physikstudium. Sozusagen geerbt habe ich die Skull-Anlage zum Züchten hochschmelzender Oxide, deren Schmelzpunkt über 2000 Grad Celsius liegt. Ansonsten ist es meine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Anlagen auch wirklich alle funktionieren. Bestimmte Reparaturen oder Instandsetzungen führe ich selbst durch. Aktuell arbeite ich an einem Versuchsaufbau einer Hochtemperaturkammer für das Röntgenpulverdiffraktometer (Anm. d. Red.: Röntgenmethode zur Untersuchung von Zusammensetzung und Struktur von kristallinen Stoffen).

inform: Mit welchen Gefährdungen sind Sie hier am Institut besonders konfrontiert?

Klaus-Dieter Luther: Viele Gefährdungen wurden durch den Neubau am Campus Riedberg gegenüber den Gefährdungen am Campus Bockenheim eliminiert. Gerade die potenziell gefährdenden Zustände durch die Gebäudearchitektur fallen hier weitestgehend weg. Beispielsweise gab es am alten Standort einen Aufzug, der sich nur mit einem Schlüssel bedienen ließ. Fuhr man runter in den Keller und hatte den Schlüssel vergessen, saß man in der Mausefalle, weil man weder den Aufzug rufen noch eine der Türen ohne Schlüssel verlassen konnte.

Ein anderes Beispiel: In einem der Räume, den wir von einer Glasbläserei übernommen hatten, sollte der Boden ausgetauscht werden. Dabei fanden wir unter dem Parkett kiloweise Quecksilber, das nach und nach durch die Fugen im Parkett getropft war. Es hatten sich richtige Seen gebildet. Alle diese Altlasten finden sich hier am neuen Standort natürlich nicht, hier geht es um die klassischen Themen zu Sicherheit und Gesundheit. Unkomfortabel hier ist lediglich der Schieferboden im Erdgeschoss. Die Platten haben sich teilweise etwas gelöst, der Boden ist dadurch uneben. Wenn man nun einen Versuchsaufbau auf einem Rollwagen über den Flur fahren möchte, kommt er nicht immer heil an, weshalb wir lieber einen Umweg über andere Stockwerke nehmen. Vom Architekten war es gut gemeint ...

inform: Weshalb sind Sie Sicherheitsbeauftragter geworden?

Klaus-Dieter Luther: Diese Funktion übe ich seit 28 Jahren aus. Ich habe mich freiwillig gemeldet, weil mich der Sicherheitsaspekt an der Arbeit immer schon interessierte. Viele Professor*innen üben diesen Posten als Führungskräfte in Personalunion aus, diesen Umstand sehe ich eher kritisch, denn die beratende Instanz des Sicherheitsbeauftragten fällt somit weg.

Früher kam turnusmäßig jemand vom Regierungspräsidium vorbei, um eventuelle Sicherheitsmängel festzustellen. Kündigte er sich an, wurde geputzt und gewischt und bestimmte Stoffe wurden versteckt. Früher war man nicht so sensibilisiert für Gesundheitsschutz wie heute. Beispielsweise habe ich mal in einem der Labore ein Pfund Kaliumcyanid offen gefunden; heute lagert es gut verschlossen im Giftsschrank des Instituts, zu dem niemand außer mit Zutritt hat. Heute muss man über jedes Gramm oder Milligramm Rechenschaft ablegen, das man für Versuche braucht. Seit den 1980ern hat eine enorme Entwicklung und Sensibilisierung stattgefunden.

Außer den Sicherheitsbeauftragten gab es lange Zeit keine Instanz an den Instituten, die so etwas kontrolliert hätte, denn die Abteilung für Arbeitsschutz wurde erst sehr viel später gegründet. Mittlerweile ist die Situation am Institut sogar so komfortabel, dass es mehr Sicherheitsbeauftrage gibt, als offiziell bestellt sind.

inform: Wie sehen Ihre Aufgaben als Sicherheitsbeauftragter hier am Institut aus?

Klaus-Dieter Luther: Geschätzt nimmt diese Aufgabe circa 5 Prozent meiner Arbeitszeit in Anspruch. Dazu zählt auch die Teilnahme im Arbeitsschutzausschuss der Universität. Es ist nicht ganz einfach, so klar zu trennen, was Sicherheit für uns oder Dritte bedeutet.

Beispielsweise haben wir kürzlich einen Notfallplan ausgehängt, der für die Sicherheit der Feuerwehrleute gedacht ist, wenn es hier am Institut zu einem Einsatz kommt. Darin sind die Ansprechpartner für die laufenden Versuche benannt. Der Plan kam auch wenig später direkt zum Einsatz, da nachts der Alarm in einem der Labore durch eine abgerauchte Pumpe ausgelöst wurde. Der Krisenfall sieht bei solch einem Vorfall vor, dass ich kontaktiert werde, um Auskunft über den lau- fenden Versuch zu geben – in diesem konkreten Fall um 4:50 Uhr nachts. Sicherheitsbeauftragter ist also ein 24-Stunden-Job.

Viele Versuche mit Gefahrstoffen und den Versuchsanlagen dürfen nur am Tag durchgeführt werden. Gleichzeitig gilt im Labor das Vier-Augen-Prinzip – alleine oder ohne Anrufkontrolle arbeiten ist aus Sicherheitsgründen untersagt.

Wir arbeiten mit Induktion, also elektromagnetischen Feldern, deshalb werden regelmäßig Strahlungsmessungen durchgeführt. Steht beispielsweise die Erstellung von Gefährdungsbeurteilungen für neue Maschinen an, dann bin ich in meiner Funktion natürlich stärker eingespannt. Unterstützt werden wir dabei von der Abteilung für Arbeitsschutz.

Darüber hinaus führen wir jährlich und immer bei Neueinstellungen die vorgeschriebenen Sicherheitsbelehrungen durch. Ansonsten gehe ich dann und wann durch die Labore und schaue, ob ich potenzielle Stolperfallen entdecke oder Steckdosenleisten am Boden liegen – diese können sich bei einem Wasserschaden schnell entzünden und ein Loch in den Boden brennen, was tatsächlich mal passiert ist.

inform: Mit solchen Kontrollen machen Sie sich vermutlich bei den Kolleg*innen nicht nur beliebt?

Klaus-Dieter Luther: Zu überzeugen, auch bei einem vermuteten Fehlalarm das Gebäude zu räumen, ist manchmal schwierig. Oder wenn ich insistiere, sich nach einer Verletzung im Darin werden in Betrieben, Behörden und Schulen die geleisteten Erste Hilfe Maßnahmen schriftlich aufgezeichnet.
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einzutragen. Aber eigentlich sind die Kolleg*innen sehr gewissenhaft; wir arbeiten gut zusammen. Auch ein gravierendes Fehlverhalten, das zu einer Stilllegung der Versuche führen würde, ist hier noch nicht vorgekommen.

Allen ist bewusst, dass wir auch mit potenziell lebensgefährlichen Stoffen arbeiten, und eine schludrige Arbeitsweise kann uns die Gesundheit oder das Leben kosten. Demzufolge werde ich häufiger bei gefährlichen Versuchsanordnungen um Rat gefragt. Anlassbezogen arbeite ich auch mit den Sicherheitsbeauftragten der anderen Institute zusammen, und gerade bei Best-Practice-Abläufen tauschen wir uns aus.

Insgesamt sehe ich die Entwicklung und Sensibilisierung der Universität gegenüber den Themen Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit als sehr positiv an. 

 

inform Ausgabe 4/2016

Klaus-Diether Luther, technischer Angestellter am physikalischen Institut an der Goethe-Universität in Frankfurt.

Auch das technisch hochgerüstete Labor behält seinen Charme.

Autor/Interviewer: Cordula Kraft (069 29972-606), E-Mail: c.kraft@ukh.de