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Sonneneinstrahlung: So schützen Sie Ihre Beschäftigten

Seit am 1. Januar 2015 die neue Berufskrankheit 5103 „Plattenepithelkarzinome oder multiple aktinische Keratosen der Haut durch natürliche UV-Strahlung“ in die Liste der Berufskrankheiten sind Krankheiten, die sich ein Arbeitnehmer durch seine berufliche Tätigkeit zuzieht und die entweder in der Berufskrankheiten-Verordnung verzeichnet oder die nach neuen medizinischen Erkenntnissen durch den Beruf verursacht sind.
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Berufskrankheiten
aufgenommen wurde, erreichen die UKH verstärkt Anfragen, wie sich Beschäftigte vor Sonnenstrahlung schützen können und welche Schutzmaßnahmen der Arbeitgeber stellen muss. 

Sonneneinstrahlung ist eine natürliche Umweltbedingung aller Lebewesen und macht Leben auf der Erde überhaupt erst möglich. Sonneneinstrahlung begleitet alle Lebewesen von der Geburt bis zum Tod und ist allgegenwärtig, daher wurden ihre negativen Auswirkungen lange Zeit unterschätzt. Sonnenbräune war und ist Synonym für Gesundheit – und nicht für das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken. Daher wurden die Auswirkungen solarer Exposition auf diejenigen, die ihr bei der Arbeit ausgesetzt sind, kaum thematisiert.

Dies änderte sich, als es immer mehr Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen solarer Exposition und bestimmten Formen von Hautkrebs gab. Nachdem dieser Zusammenhang wissenschaftlich belegt war, wurden Plattenepithelkarzi-nome oder multiple aktinische Keratosen als Folge solarer Exposition in die Liste der Berufskrankheiten sind Krankheiten, die sich ein Arbeitnehmer durch seine berufliche Tätigkeit zuzieht und die entweder in der Berufskrankheiten-Verordnung verzeichnet oder die nach neuen medizinischen Erkenntnissen durch den Beruf verursacht sind.
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aufgenommen. Spätestens dadurch ist nun die Pflicht des Arbeitgebers belegt, seine Beschäftigten gegen die Folgen solarer Exposition zu schützen.

Pflichten des Arbeitgebers

In § 3 des Arbeitsschutzgesetzes ist die wichtigste Pflicht des Arbeitgebers benannt: Er muss „die erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes unter Berücksichtigung der Umstände treffen, die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit beeinflussen. Er hat die Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen und erforderlichenfalls sich ändernden Gegebenheiten anzupassen.“

Erster Baustein in diesem Zusammenhang ist die Gefährdungsbeurteilung: Der Arbeitgeber muss für jeden Arbeitsplatz ermitteln, ob dort Gefährdungen für die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten drohen.

Solare Strahlung ist eindeutig eine Gefährdung. Sie ist daher bei der Gefährdungsbeurteilung und im Präventionshandeln des Arbeitgebers zu berücksichtigen. Konkret muss er – mit Hilfe von Fachkräften für Arbeitssicherheit und Betriebsärzt*innen – ermitteln, in welchem Umfang seine Beschäftigten bei ihrer Arbeit der Sonne ausgesetzt sind. Bei Arbeiten in Gebäuden ist ein Ausschluss dieser Gefährdung einfach. Es gibt aber eine Reihe von Arbeitsplätzen, die vollständig oder teilweise im Freien liegen. Hier ist zunächst zu prüfen, in welchem Umfang eine solare Exposition besteht.

GENESIS-UV-Studie

Das Institut für Arbeitsschutz (IFA) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung stellte kürzlich das Ergebnis des groß angelegten Messprogramms GENESIS-UV aus über 100 exponierten Berufen vor. Dabei erhielten mehr als 600 Beschäftigte einen Dosimeter, der während ihrer Arbeit an zusammen über 65.000 Tagen alle Sonneneinstrahlung maß, die die Beschäftigten erreichte. Es zeigte sich, dass vor allem Beschäftigte auf Baustellen sowie im Garten- und Gemüsebau hoch exponiert waren. Eine mittlere Exposition wiesen beispielsweise Fachangestellte im Bäderbetrieb, Flugzeugabfertiger und Straßenwärter auf, während Waldarbeiter und Erzieherinnen vergleichsweise gering exponiert waren. Die gemessenen Unterschiede gehen offenbar auf die berufsbedingt unterschiedlichen Möglichkeiten zurück, einen Teil der Tätigkeit im Schatten zu erledigen.

Wie schützt man sich wirkungsvoll?

Bisher kann keine ungefährliche Dosis für solare Exposition festgelegt werden. Bereits wenige Minuten Exposition einer ungeschützten Haut kann bei bestimmten Hauttypen einen Sonnenbrand hervor- rufen. Beschäftigte, die langjährig starker Sonnenstrahlung ausgesetzt sind, haben zudem das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken.

Damit die Sonnenstrahlung, die den Beschäftigten trifft, so gering wie möglich bleibt, ist der Arbeitgeber verpflichtet, Schutzmaßnahmen zu stellen und zu bezahlen. Er hat auch darauf zu achten, dass die Schutzmaßnahmen genutzt werden. Dabei muss er nach dem bewährten TOP-Modell vorgehen, in dem technische und organisatorische Maßnahmen (Verhältnisprävention) gegenüber persönlichen Maßnahmen (Verhaltensprävention) zu priorisieren sind.

Starke Sonneneinstrahlung auch privat vermeiden

Für die Haut spielt es keine Rolle, ob die Gefährdung beruflich oder privat bedingt ist. Daher sollten die gleichen Überlegungen zum Schutz der Haut gegen solare Exposition, die beruflich gelten, auch im Privatbereich beachtet werden. So sollte man unbedingt vermeiden, ungeschützte Haut lange Zeit einer starken Sonneneinstrahlung auszusetzen. So können im Sommer Gartenarbeiten und sportliche Aktivitäten auch in den Morgen- und Abendstunden durchgeführt werden und vielfach ist ein Schutz durch luftige, aber beschattende Bekleidung und durch eine Kopfbedeckung möglich. Auch hier ist Sonnencreme dann eine gute Wahl, wenn keine der anderen Maßnahmen sinnvoll oder möglich ist.

Die aktuelle Diskussion sollte allerdings nicht dazu führen, keinerlei Aktivitäten im Freien mehr zu planen. Sonnenlicht ist nicht nur an der Bildung von Vitamin D beteiligt, es verbessert auch die Immunabwehr und die Stimmung der Menschen. Zudem lassen sich viele sportliche Aktivitäten nur im Freien durchführen – und diese fördern beispielsweise die Ausdauer und schützen so gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Es gilt somit, eine solare Exposition im Beruf zu verhindern. Berücksichtigt man darüber hinaus noch die obigen Empfehlungen für die Freizeit, ist Sonnenstrahlung ein kalkulierbares Risiko, das in Maßen genossen werden kann und dann viele Vorteile bietet.

 

inform Ausgabe 3/2016

Top-Modell

Zu den technischen Maßnahmen zum direkten Schutz vor solarer Strahlung oder Reflexionen zählt alles, was den Arbeitsplatz beschattet. Dazu gehören zum Beispiel Fahrzeugdächer und -kabinen, Sonnensegel und Überdachungen. Letztere lassen sich insbesondere an festen Arbeitsplätzen installieren.

Als organisatorische Maßnahme ist es vielfach möglich, Arbeitsaufgaben und -abläufe in Zeiten geringerer solarer Exposition zu verschieben. So können im Sommer exponierte Arbeiten in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden durchgeführt werden. In der Mittagszeit sollten dann Arbeiten erledigt werden, bei denen sich die Beschäftigten im Schatten aufhalten können.

Sind organisatorische oder technische Maßnahmen nicht möglich, hat der Arbeitgeber persönliche Sonnenschutzmaßnahmen zu ergreifen. So kann er z. B. eine geeignete (körperbedeckende) Arbeitsbekleidung sowie eine beschattende Kopfbedeckungen (ggf. mit Nackenschutz) zur Verfügung stellen. Zu den persönlichen Schutzmaßnahmen zählt auch eine geeignete Sonnenschutzbrille zum Schutz vor Blendung und solarer Strahlung.

Müssen arbeitsbedingt Teile des Körpers unbedeckt bleiben und ist auch ein sonstiger Schutz gegen Sonnenstrahlung nicht möglich, müssen Sonnenschutzmittel eingesetzt werden, um den Körper zumindest vor Sonnenbrand und den Formen von Hautkrebs zu schützen, gegen die diese Mittel Schutz bieten. Als persönliche Schutzausrüstung (PSA) ist die Sonnencreme dabei durch den Arbeitgeber zu stellen – die Beschäftigten müssen sie im Gegenzug aber auch nutzen.

Sonnencreme ist gegenüber allen anderen Maßnahmen immer das letzte Mittel, da sie einige Nachteile hat: Sie muss dick und flächendeckend aufgetragen werden. Weiterhin muss man bei starkem Schwitzen immer wieder nachcremen. Dies ist insbesondere mit verschmutzten Händen oft nur schwer möglich. 

Die Mitarbeiter von Bauhöfen und Straßenmeistereien sind stark von Sonneneinstrahlung betroffen.

"Sonnencreme ist gegenüber allen anderen Maßnahmen immer das letzte Mittel, da sie einige Nachteile hat."

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Autor/Interviewer: Dr. Torsten Kunz (069 29972-200), E-Mail: t.kunz@ukh.de