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Datum: Kategorie(n): Versicherungsschutz · Versicherungsschutz · Sicherheit · Leistungen UKH · Unternehmen · Drucken

Arbeit auf Probe – Grauzone im Arbeitsleben …

Um den künftigen Betrieb kennenzulernen, arbeiten Bewerber dort immer häufiger erst mal ein paar Tage "auf Probe". Ist das Probearbeit oder sind das "Schnuppertage", wie ein sogenanntes Einfühlungsverhältnis oft genannt wird? Tritt Versicherungspflicht ein und fallen hierfür Beiträge an? Wir bringen Licht ins Dunkel dieser Grauzone im Arbeitsleben.

Manche Arbeitgeber gehen mit einem erfolgversprechenden Kandidaten für eine Stelle nicht gleich ein normales Beschäftigungsverhältnis inklusive Probezeit ein, sondern wollen ihn zunächst einen oder auch mehrere Tage lang kostenlos "austesten". Wenn sich Bewerber darauf einlassen, setzen sie unter Umständen ihren gesetzlichen Unfallversicherungsschutz aufs Spiel. Andererseits bewegt sich der Arbeitgeber in einer Grauzone, da es sich in Wirklichkeit um ein Arbeitsverhältnis handelt, für das auch eine Vergütung und Beiträge zur Sozialversicherung gezahlt werden müssten. Wie immer gilt auch hier: Klare Regelungen schaffen Sicherheit!

Probearbeit oder Einfühlungsverhältnis?

Probearbeit oder Einfühlungsverhältnis – beides gibt es, aber rechtlich sind das zwei Paar Schuhe mit gravierenden Unterschieden: Probearbeit ist meldepflichtig in der Sozialversicherung und gesetzlich unfallversichert. Ein Einfühlungsverhältnis ist weder meldepflichtig noch versichert. Ob es sich bei den Kennenlern-Tagen um Schnuppertage handelt oder um Probearbeit, hängt davon ab, wie diese konkret ablaufen.

Probearbeit ist versichert

Die Probearbeitsverhältnisse sind von Anfang an auf echte Arbeitsverhältnisse ausgerichtet. Der Bewerber übernimmt auf Anweisung des Firmenchefs betriebliche Arbeiten. Der Arbeitleistende ist in den Betrieb eingegliedert und untersteht dessen Weisungsrecht. Die Arbeit wird bezahlt. Die Beschäftigung unterscheidet sich inhaltlich also nicht von den Beschäftigungen der übrigen Arbeitnehmer. Deshalb tritt für diese Zeit der Probebeschäftigung eine Sozialversicherungspflicht nach den allgemein gültigen Regelungen ein und es besteht Versicherungsschutz in der gesetzlichen Unfallversicherung.

Keine Versicherungspflicht bei Schnuppertagen

Schnuppertage in einem Betrieb sind wie folgt gekennzeichnet: Der Arbeitgeber weist dem Schnupperkandidaten keine betrieblichen Arbeiten zu, die dieser alleine und selbstständig erledigt. Die Arbeitsleistung erfolgt rein freiwillig. Bestimmte Arbeitszeiten müssen nicht eingehalten werden. Darüber hinaus besteht kein Anspruch auf Bezahlung. Ein Arbeitsverhältnis liegt unter diesen Umständen nicht vor. So tritt auch keine Sozialversicherungspflicht ein. Es besteht kein gesetzlicher Unfallversicherungsschutz.

Mehr als geschnuppert?

Immer wieder wird vor Gericht gestritten, ob die vereinbarten Schnuppertage auch tatsächlich welche waren. Eine schriftliche Vereinbarung im Vorfeld kann hier hilfreich sein. Darin sollte der Zeitraum des Einfühlungsverhältnisses eindeutig festgelegt sein. Außerdem sollte sie den Passus enthalten, dass keine Verpflichtung zur Arbeitsleistung besteht und auch kein Lohnanspruch.

Im Streitfall entscheidend ist aber, dass sich alle an das in der Vereinbarung Festgeschriebene halten, also was tatsächlich getan wird und was nicht. Das gilt auch, wenn der Schnupperkandidat im Betrieb einen Unfall hat. Stellt sich heraus, dass er nicht nur geschnuppert, sondern auch auf Anweisung des Arbeitgebers gearbeitet hat, ist er gesetzlich unfallversichert.

Immer versichert: Maßnahmen der BA

Tätigkeiten und Wege der selbstständigen Arbeitssuche gehören zum privaten Lebensbereich und sind somit nicht durch die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert. Handelt es sich jedoch um eine von der Arbeitsagentur vorgeschlagene Probearbeit zur Feststellung, ob der Arbeitssuchende für den Arbeitsplatz geeignet ist, so besteht Unfallversicherungsschutz. Arbeitssuchende sind immer dann abgesichert, wenn die Arbeitsagentur sie zum Aufsuchen einer bestimmten Stelle aufgefordert hat. Die Aufforderung der Bundesagentur ist jedoch unerlässliche Voraussetzung für den Versicherungsschutz.



inform Ausgabe 3/2015

Das ist zu tun:

Wenn Arbeit zur Probe im Sinne eines Schnuppertags angeboten wird, sollte ein schriftlicher Vertrag abgeschlossen werden, in dem ganz klar die Abgrenzung zu einem normalen Arbeitsvertrag vorgenommen wird. Darin sollte klipp und klar stehen, dass kein Arbeitsvertrag abgeschlossen ist, es nur um ein gegenseitiges unverbindliches Kennenlernen geht und der "Schnuppernde" keine Verpflichtung zu einer Arbeitsleistung hat. Darüber hinaus sollte er auch darauf hingewiesen werden, dass kein gesetzlicher Unfallschutz besteht.

Ratsamer ist in der Regel der Abschluss eines Arbeitsvertrages mit Vereinbarung einer Probezeit. In diesem Zeitraum kann der Arbeitgeber ohne Angabe von Gründen kündigen und der Arbeitnehmer behält seinen Schutz in der gesetzlichen Unfallversicherung inklusive des direkten Weges zur Arbeitsstelle und wieder nach Hause.

Ein Arbeitsvertrag muss es nicht unbedingt sein, eine schriftliche Vereinbarung ist jedoch in jedem Fall ratsam.

Mit einer schriftlichen Vereinbarung ist man im Ernstfall "auf der sicheren Seite" …

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Autor/Interviewer: Alex Pistauer (069 29972-300), E-Mail: a.pistauer@ukh.de