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Datum: Kategorie(n): Versicherungsschutz · Versicherungsschutz · Leistungen UKH · Gesundheitsdienst · Drucken

Verbesserter Unfallschutz für Blut- und Organspender

Wer bei einer Blutspende oder Spende von körpereigenem Gewebe einen Unfall erleidet, ist über die gesetzliche Unfallversicherung umfassend abgesichert. Abseits der aktuellen Diskussion rund um die Organvergabe ist vor nicht allzu langer Zeit im Transplantationsrecht ein Gesetz erlassen worden, das den Versicherungsschutz für Personen erweitert, die sich als Blutspender oder Spender körpereigener Organe und Gewebe zur Verfügung stellen.

Blut ist ein knappes Gut. Noch knapper wird es in vielen Krankenhäusern zu Ferien- und Urlaubszeiten. Den vermehrten Aufrufen zur Blutspende sollten deshalb viele Menschen folgen: Jeder kann schließlich selbst plötzlich auf gespendetes Blut angewiesen sein, etwa nach einem schweren Verkehrsunfall. Es ist zudem gut zu wissen, dass man als Spender gesetzlich unfallversichert ist.

Wer ist versichert?

Die gesetzliche Unfallversicherung schützt auch Personen, die sich im Interesse der Allgemeinheit besonders einsetzen, z. B. Blutspender sowie Spender körpereigener Organe und Gewebe (z. B. Knochenmark, Niere, Haut). Dieser Versicherungsschutz besteht nach dem SGB VII und ist für Blutspender und Spender körpereigener Organe und Gewebe beitragsfrei. Die Kosten übernehmen Länder, Gemeinden und Gemeindeverbände. Versichert sind die Spender bei demjenigen Unfallversicherungsträger, der für das Unternehmen zuständig ist, bei dem gespendet wurde (siehe Infobox auf der rechten Seite).

Wobei sind Sie versichert?

Versichert ist sowohl das Spenden für ein gemeinnütziges als auch für ein gewerbliches Unternehmen. Für die gesetzliche Unfallversicherung ist es unerheblich, ob der Blut- oder Organspender für seine Spende entlohnt wird oder nicht. Grundsätzlich ist jeder gesetzlich unfallversichert, der für medizinische Zwecke einschließlich der Forschung Organe, Blut oder Körpergewebe spendet.

Der Versicherungsschutz umfasst beispielsweise:

  • Schäden infolge von Komplikationen bei der Spende (z. B. Infektionen)
  • Wege zum und vom Ort der Spende
  • vorbereitende Untersuchungen und Maßnahmen für die spätere Blut- und Organspende

Nicht versichert sind:

  • die Blut- oder Organentnahme selbst (z. B. Einstichwunde beim Blutspender)
  • Spenden von "Eigenblut", wenn die Blutspende ausschließlich für den Spender selbst bestimmt ist

Änderungen ab 2012

Im August 2012 wurde im Rahmen der Novellierung des Transplantationsrechts mit der Schaffung des § 12a SGB VII ein eigener Versicherungsfall "Gesundheitsschaden im Zusammenhang mit der Spende von Blut oder körpereigenen Organen, Organteilen oder Gewebe" in das Recht der gesetzlichen Unfallversicherung eingeführt. Der Gesetzgeber erreicht damit eine Verbesserung der Rechtsposition der Lebendspender. Die wichtigste Neuerung in diesem Zusammenhang ist eine Art Beweislastumkehr zu Gunsten der betroffenen Spender. Treten nach einer Blut-, Organ- oder Gewebespende beim Spender behandlungsbedürftige Gesundheitsschäden auf, die keine regelmäßige Beeinträchtigung der Entnahme selbst sind (s. o.), wird vermutet, dass diese durch die Spende verursacht worden sind. Die gleiche Vermutungswirkung gilt auch für Spätschäden, die als Aus- oder Nachwirkung der Spende oder des aus der Spende resultierenden erhöhten Gesundheitsrisikos anzusehen sind. Nur wenn offenkundig ist, dass der Gesundheitsschaden nicht im ursächlichen Zusammenhang mit der Spende steht, greift die Vermutungsregelung nicht. Die gesetzlichen Neuerungen erfassen rückwirkend auch die Sachverhalte, in denen der spendenbedingte Gesundheitsschaden bereits in der Zeit ab dem 1.12.1997, also ab dem Inkrafttreten des Transplantationsgesetzes (TPG), eingetreten ist.

Die Leistungen im Fall der Fälle

Wer bei einer Blutspende oder Spende von körpereigenem Gewebe einen Unfall erleidet, ist über die gesetzliche Unfallversicherung umfassend abgesichert.

Ist ein Unfall eingetreten, übernehmen wir die Kosten der Rehabilitation und erbringen (Geld-)Leistungen:

  • Behandlung beim Arzt, im Krankenhaus oder in der Rehabilitationsklinik einschließlich der notwendigen Fahrt- und Transportkosten
  • Arznei- , Verband- und Heilmittel, Therapien
  • die Pflege zu Hause und in Heimen
  • die soziale und berufliche Rehabilitation (z. B. Umschulung, Wohnungshilfe)

Außerdem zahlen wir z. B.:

Die Beispiele zeigen, dass Betroffene nach einem Unfall bestmöglich versorgt sind.

Und wenn etwas passiert?

Spender müssen dem behandelnden Arzt – auch Zahnärzten! – mitteilen, wie und wodurch sich der Unfall ereignet hat. Die Krankenversicherungskarte bzw. Angaben zur privaten Krankenversicherung sind nicht erforderlich, denn Ärzte und Krankenhäuser rechnen direkt mit uns ab. Die Einrichtung, in der gespendet wurde, sollte auch informiert werden, denn diese muß die Unfallanzeige dem zuständigen Unfallversicherungsträger zuleiten.



inform Ausgabe 3/2015

Welcher Unfallversicherungsträger ist zuständig?

Versichert sind die Spender bei demjenigen Unfallversicherungsträger, der für das Unternehmen zuständig ist, bei dem gespendet wurde:

  • für Krankenhäuser in staatlicher oder kommunaler Trägerschaft (z. B. Unikliniken, Stadtkrankenhäuser) in Hessen: UKH
  • für Krankenhäuser in privater oder kirchlicher Trägerschaft: Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW)
  • für private Blutspendedienste (Blutbanken): BGW
  • Blutspendeaktionen des Deutschen Roten Kreuzes: Unfallkasse des Bundes
  • Spenden für Pharmaunternehmen zur kommerziellen Nutzung: Fach-BG des Unternehmens (im Einzelfall zu erfragen)
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Autor/Interviewer: Thiemo Gartz (069 29972-302), E-Mail: t.gartz@ukh.de