Twitter Facebook Instagram Youtube Xing RSS Snapchat LinkedIn
inform ukh
Datum: Kategorie(n): Präventionskampagnen · Gesundheit · Sicherheit · Drucken

Mitarbeiterführung: Vertrauen und Respekt sind Erfolgsfaktoren

In der letzten inform Ausgabe informierten wir über den Start und die Inhalte der bundesweiten Präventionskampagne kommmitmensch im Oktober in Düsseldorf. Die präventiven Angebote der Kampagne orientieren sich an sechs sogenannten Handlungsfeldern. Die gute und gesunde Führung ist dabei einer der wichtigsten Schwerpunkte. Gute Führung ist eine der wichtigsten Ressourcen, um die Gesundheit und Produktivität der Beschäftigten zu erhalten. Eine destruktive Führung hingegen kann zu hohen psychischen Belastungen führen.

Vielseitige Erwartungen an die Führungskräfte

Möchte man die Rolle einer Führungskraft beschreiben, sollte man zunächst überlegen, was diese bewirkt und wie die Zusammenarbeit mit ihren Mitarbeitern aussehen soll. Insbesondere die Gesundheit am Arbeitsplatz und das Ausmaß der subjektiv wahrgenommenen psychischen Belastungen hängen eng mit der erfolgreichen Erledigung der Aufgaben zusammen.

Weil mangelnde Kommunikation und Partizipation psychisch belastend sind, werden auch diese beiden Faktoren zu Handlungsfeldern der Kampagne kommmitmensch. Für die Beschäftigten ist ein selbst wahrgenommener Mangel an eigener Kompetenz und Fachwissen ebenso belastend wie ungünstige Umgebungsfaktoren (z. B. Lärm, räumliche Enge, unangenehme Gerüche, Hitze oder Kälte). Gelingt es Führungskräften nicht, zwischen den widerstreitenden Interessen verschiedener Beschäftigter zu vermitteln, als fair empfundene Lösungen zu finden und insbesondere schwächere Beschäftigte und Außenseiter zu schützen, können Mobbing und Konflikte zwischen Gruppen gedeihen. Es geht hierbei nicht darum, alle Beschäftigten gegenseitig zu Freunden zu machen. Vielmehr soll die Trennung von dienstlicher Zusammenarbeit und privater Beziehung am Arbeitsplatz und die Durchsetzung von Mindeststandards im respektvollen und wertschätzenden Umgang miteinander durch alle Beschäftigten sichergestellt werden.

Für viele Beschäftigte wird die Möglichkeit, Beruf und Privatleben zu verbinden, immer wichtiger. Auch Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sehen die Vorteile flexibler Arbeitszeiten und -orte. Berufs- und Privatleben vermischen sich daher zunehmend. Ein Symbol dafür ist die viel zitierte ständige Erreichbarkeit. Von den Führungskräften wird nun erwartet, die Arbeitszeitregelungen so zu gestalten, dass sich deren Vorteile (aber auch die Nachteile) gerecht auf Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sowie Beschäftigte verteilen.

Schließlich sind Führungskräfte auch eine wichtige Institution bei der Karrieregestaltung: Sie sollen realistische Rückmeldungen geben, Kritik sachlich äußern, Fortbildungsbedarf erkennen und den Beschäftigten realistische Arbeitsaufgaben zuweisen.

Rolle des Führungsstils

Mit welchem persönlichen Stil die Führungskraft die genannten Erwartungen erfüllt, hängt von ihr selbst und natürlich von der Arbeitsaufgabe und den Beschäftigten ab. Für die Erfüllung militärischer Aufgaben ist ein anderer Führungsstil erforderlich als für die Durchführung eines wissenschaftlichen oder künstlerischen Projekts. Beide, mitarbeiterorientierte und eher aufgabenorientierte Führung, haben ihre Berechtigung und sind nicht per se positiv oder negativ zu bewerten.

In dem Projekt „Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt“ der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin wurde unter anderem der Einfluss des Führungsstils auf die psychische Belastung der Beschäftigten erhoben. Destruktives Führungsverhalten, wie autokratische, verantwortungslose, autoritäre und bestrafende Führung, aggressive oder psychopathische Verhaltensweisen sowie unangemessene Kritik, wies einen deutlichen Zusammenhang mit einem Anstieg affektiver Symptome, Burnout, Stress und Gesundheitsbeschwerden, aber auch eine Reduktion des Wohlbefindens und der psychischen Funktionsfähigkeit auf. Bei den übrigen Führungsstilen hingegen konnte kein eindeutiger Zusammenhang mit Belastungsfolgen festgestellt werden.

Optimal ist es natürlich, wenn eine Führungskraft sowohl mitarbeiter- als auch aufgabenorientiert agieren kann. In der Praxis dürfte eine solch ausgewogene Person selten zu finden sein. Daher bietet sich der Einsatz von Führungsteams, in denen Repräsentanten beider Führungsstile vereint sind, an.

Gesundes Führen

Gesundheitsförderliches Führen reduziert die Risikofaktoren am Arbeitsplatz und fördert die Ressourcen der Beschäftigten. Sie trägt damit wesentlich zur Erhaltung der Gesundheit der Beschäftigten bei. Zur gesundheitsförderlichen Führung gehört zunächst die Gestaltung der Arbeitsbedingungen. Diese beinhaltet mehr als die „Basics“, also die Reduktion von Lärm, Hitze und Kälte sowie Gefahrstoffen am Arbeits- und Ausbildungsplatz, die Sicherstellung von genügend Raum für die Arbeit, eine ausreichende ergonomische Ausstattung und eine als fair empfundene Arbeitszeitregelung.

Für die Gesundheit der Beschäftigten förderlich sind auch günstig gestaltete psychosoziale Arbeitsbedingungen. Dazu gehört zunächst eine klare Festlegung der beruflichen Rollen oder realistischer quantitativer und qualitativer Anforderungen an die Beschäftigten. Psychologisch wichtig ist weiterhin, dass die Arbeit möglichst viele Handlungsspielräume für die Beschäftigten bietet, diese über die wichtigsten Entwicklungen im Zusammenhang mit ihrer Arbeit informiert werden und so an Veränderungen partizipieren können. Dies ist auch im Interesse der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, da niemand die einzelnen Arbeitsplätze so gut kennt wie die dort Beschäftigten. Ein weiterer Aspekt gesunden Führens ist es, sich frühzeitig Gedanken über Konflikte im Team zu machen und vorsorgliche Regelungen zum Schutz vor Mobbing oder aber zum Umgang mit suchtkranken Beschäftigten zu treffen. Häufig werden zu diesen Themen Betriebsvereinbarungen mit präventiven Maßnahmen abgeschlossen.

All diese Faktoren sind wichtige Voraussetzungen für eine gute und gesundheitsförderliche Führung. Diese umfasst aber noch mehr: Führungskräfte müssen ein echtes Interesse am Wohlergehen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entwickeln. Dazu gehört beispielsweise, frühzeitig Überlastungssymptome zu erkennen, um zu verhindern, dass sich diese zu einer manifesten Störung entwickeln. Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist wichtig. Ein gutes Privatleben ist eine wichtige Ressource, um kurzfristige Belastungen folgenlos zu meistern. Vorgesetzte müssen von den Beschäftigten als vertrauenswürdige Personen wahrgenommen werden, denen gegenüber man auch psychische Probleme ansprechen kann, ohne mit negativen Folgen rechnen zu müssen. Gleiches gilt auch für gemachte Fehler (Fehlerkultur) und Beinahunfälle.

Gestaltungsempfehlungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Als positiv erwies sich:

  • eine mitarbeiter- bzw. gesundheitsorientierte Führung (die rein aufgabenorientierte Führung hat hingegen keine maximal positive Wirkung auf die Mitarbeitergesundheit)
  • eine transparente und respektvolle Kommunikation zwischen Führungskräften und Geführten
  • eine klare Vermittlung der für die einzelnen Mitarbeiter relevanten Informationen bzw. Regelungen
  • ein ermunternder, Kreativität fördernder Führungsstil
  • der Vorrang eines partizipativen, auf Dialog und Handlungsspielraum basierenden Führungsstils vor einem autoritären, auf Befehl und Gehorsam ausgerichteten Führungsstil
  • die Berücksichtigung der Gerechtigkeitserwartungen der Geführten
  • die Berücksichtigung sozial-emotionaler Bedürfnisse der Organisationsmitglieder wie Anerkennung, Selbstwirksamkeit und Lebenszufriedenheit und die strikte Vermeidung bzw. Sanktionierung sämtlicher Formen destruktiver Führung

Denken Sie auch an die Gesundheit Ihrer Führungskräfte!

Die Glaubwürdigkeit vieler Maßnahmen hängt auch von der Vorbildfunktion der Führungskräfte ab – etwa vom eigenen Umgang mit Gesundheit und stressauslösenden Faktoren. So wirken beispielsweise Aussagen zur Delegation von Aufgaben, Pausengestaltung oder Erreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeiten wenig glaubhaft, wenn die Führungskraft diese selbst anders vorlebt. Daher ist auch auf die Gesundheit der Führungskräfte zu achten: Führungskräfte sind keine Übermenschen, sondern selbst auch Beschäftigte. Interne Regelungen zum Schutz der Gesundheit der Beschäftigten müssen daher auch uneingeschränkt für sie gelten.

Gerade Führungskräfte der mittleren Ebene befinden sich in einer aufreibenden „Sandwichposition“ zwischen starkem Erfolgs- und Zeitdruck vonseiten der nächsten Hierarchieebene und gleichzeitig bestehenden Wünschen der Beschäftigten (z. B. nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie), die das zeitgerechte Erfüllen der Arbeitsaufgabe erschweren können. Die Balance zwischen diesen beiden Polen kann daher für die Führungskraft eine starke psychische Belastung darstellen. Es verwundert nicht, dass es in einigen Branchen inzwischen schwer ist, Interessenten für Führungspositionen zu finden.

Die psychischen Belastungen ihrer Führungskräfte zu minimieren, ist auch eine Aufgabe der Beschäftigten: Die unter Kollegen oft unbewusst geltenden Regeln des respektvollen und wertschätzenden Umgangs miteinander müssen natürlich auch für den Umgang mit der Führungskraft gelten. Eine Führungskraft kann nur so gut sein, wie das Team dies zulässt.

Optimierung der Führung als Basis

Gerade bei der Auswahl der Führungskräfte ist darauf zu achten, dass diese in der Lage sind, gut und gesund zu führen und sich selbst auch danach verhalten. Viele der Kompetenzen sind zudem durch Fortbildungen, Coaching oder andere Qualifizierungen erwerbbar. Erfolgreiche Teams sind immer ein Produkt einer guten Führung – und umgekehrt. Möchte man die Kultur der Prävention und damit auch Sicherheit und Gesundheit im Betrieb verbessern, ist eine Optimierung der Führung der erste notwendige Schritt. Die Investitionen in eine gute und gesunde Führung zahlen sich erfahrungsgemäß mehrfach aus und stellen einen echten Erfolgsfaktor für Unternehmen dar.

Die Angebote der UKH zur Kampagne finden Sie in Kürze auf www.ukh.de.  

 

inform Ausgabe 1/2018

Primäre Aufgaben der Führungskräfte im heutigen Arbeitsalltag:

  • den Beschäftigten Ziel und Sinn für ihre Arbeit bieten
  • sie befähigen und motivieren,
  • ihre Arbeit optimal zu erledigen
  • gewährleisten, dass die Beschäftigten angstfrei neue Lösungen erproben können
  • das Zusammenspiel unterschiedlicher Vorstellungen moderieren
  • die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben ermöglichen
  • Sicherheit und Gesundheit sicherstellen

"Gesundes Führen reduziert die Risikofaktoren am Arbeitsplatz und fördert die Ressourcen der Beschäftigten." Dr. Torsten Kunz, Präventionsleiter Unfallkasse Hessen

Ob auf dem Bau oder in der Stadtverwaltung: gute Führung beinhaltet auch zuhören zu können und sein Team in Prozesse und Entscheidungen einzubeziehen.

Bilder: ©DGUV

Datum: Kategorie(n): Präventionskampagnen · Gesundheit · Sicherheit · Drucken
Autor/Interviewer: Dr. Torsten Kunz, E-Mail: t.kunz@ukh.de