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Datum: Kategorie(n): Sicherheit · Gesundheit · Sicherheitsbeauftragte unterstützen Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Vorgesetzte bei der Unfallverhütung und beim Gesundheitsschutz.
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Sicherheitsbeauftragte
· Psychische Belastungen · Kommunale Betriebe · Landesbetriebe ·
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Sicherheitsbeauftragter der forensische Psychiatrie der Vitos Klinik Hadamar

Der Sicherheitsbeauftragte unterstützen Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Vorgesetzte bei der Unfallverhütung und beim Gesundheitsschutz.
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Sicherheitsbeauftragte
(SiBe) Dirk Asbeck arbeitet mit Menschen, die im Rahmen ihrer Suchterkrankung eine Straftat begangen haben und ihre Freiheitsstrafe nun mit begleitender Therapie in Hadamar ableisten. Als gelernter Elektroinstallateur, der gerne mit Menschen arbeitet, war das Angebot, eine Umschulung zum Arbeitstherapeuten für den Bereich Elektro zu absolvieren, nach eigener Aussage "wie ein Sechser im Lotto" für ihn.

inform: Herr Asbeck, die Vitos Klinik in Hadamar ist ja kein Krankenhaus im eigentlichen Sinne: Wie arbeiten Sie denn mit den Patientinnen und Patienten?

Dirk Asbeck: Wir arbeiten hier mit süchtigen Menschen, die im Rahmen ihrer Sucht straffällig geworden sind. Je nach Prognose gibt es für einige Häftlinge die Möglichkeit, neben ihrem Entzug einen Teil der Strafe arbeitstherapheutisch zu begleichen. Die Maßnahmen der Arbeitstherapie verteilen sich auf unterschiedliche Bereiche. Im Bereich Ergotherapie bin ich in der Elektrowerkstatt als dortiger Leiter beschäftigt. In meinem Gewerk und in denen der Kollegen und Kolleginnen arbeiten wir mit je acht bis zwölf Patienten. Die Arbeit in den Gewerken ist Teil der Therapie und wird entlohnt. Das verdiente Geld können sich die Häftlinge für die Zeit nach der Entlassung beiseitelegen.

Die Position als Arbeitstherapeut für meinen Lehrberuf begleite ich seit 2002, davor hatte ich bereits als Elektroinstallateur bei den Vitos-Kliniken gearbeitet. Momentan betreuen wir 96 männliche und fünf weibliche Patient/-innen im Alter von 18 bis 63 Jahren. Wir bieten ihnen die Mitarbeit in den Gewerken Schreinerei, Schlosserei, Elektronik, Industrielle Fertigung – also Verpackungsarbeiten – und Lederverarbeitung an. Sie können sich auf einen freien Platz in einem dieser Bereiche bewerben.

inform: Die handwerkliche Arbeit ist bestimmt eine willkommene Abwechslung für den Patienten- bzw. Haftalltag?

Dirk Asbeck: Die Arbeitstherapie ist für uns Leiterinnen und Leiter ein sehr dankbarer Job, denn ausnahmslos alle Patient/-innen freuen sich darauf, mit uns zu arbeiten: Sie fertigen nützliche Produkte, die Zeit vergeht schneller, ein bestimmter Tagesablauf hilft ihnen, sich zu strukturieren, und zusätzlich gibt es ein kleines Entgelt.

inform: Wie hoch ist die Quote der Rückkehrer/-innen bzw. wie viele schaffen den Entzug und bleiben in Freiheit?

Dirk Asbeck: Zirka 90 Prozent werden rückfällig; die meisten brauchen vier bis fünf Anläufe, um den Entzug endgültig zu schaffen. Trotzdem geben wir bei jedem Patienten und jeder Patientin immer alles. In unseren Gewerken können sie eine Berufsausbildung beginnen und wir setzen uns dafür ein, dass die Lehrlinge unserer Werkstätten nach ihrer Entlassung von Betrieben der freien Wirtschaft übernommen werden. Es gibt einige Betriebe, die unsere Lehrlinge sehr gerne nehmen, weil sie wissen, dass sie von uns eine gute Basis an Grundqualifikationen erhalten. Die Patienten bekommen von uns Zertifikate über ihre Arbeit, die sie bei der IHK vorlegen, wenn Sie nach der Haftentlassung eine Berufsausbildung beginnen möchten. Generell besteht auch die Möglichkeit, sich hier auf Schulabschlüsse vorzubereiten.

Ob die Rückfallquote hoch oder niedrig ist, darüber denke ich nicht nach. Dazu macht mir die Arbeit mit den Patienten und Kollegen zu viel Spaß. Hier hilft jeder jedem – es ist ein tolles Team!

inform: Was passiert mit den Produkten, die während der Arbeitstherapie entstehen?

Dirk Asbeck: Einiges produzieren die Patient/-innen für sich selbst oder stellen es auf Bestellung für Verwandte her; es werden dann nur die reinen Materialkosten berechnet. Der Dauerbrenner sind Feuertonnen und Grille in der Schlosserei, aber wir haben auch schon maßgefertigte Betten hergestellt. Die Patient/-innen in der Lederverarbeitung produzieren tolle Taschen und Gürtel, die auf dem Oster- und Weihnachtsmarkt in Hadamar an unserem Stand verkauft werden. In der Industriellen Fertigung wickeln wir gerade einen Verpackungsauftrag für ein großes deutsches Unternehmen ab, aber auch ortsansässige Global Player arbeiten mit uns zusammen.

inform: Weshalb sind Sie Sicherheitsbeauftagter geworden?

Dirk Asbeck: Auch wenn ein solches Ehrenamt immer ein Mehr an Arbeit bedeutet, kümmere ich mich sehr gerne darum, dass alles in Ordnung ist und nichts passiert – den Titel "Sicherheitsbeauftragter" bräuchte ich dazu nicht. Meine Kollegen und Kolleginnen geben mir die Rückmeldung, dass ich meine Verantwortung als SiBe sehr ernst nehme und diesen Posten gewissenhaft begleite, das motiviert mich zusätzlich. Aus diesen Gründen wurde ich vor vier Jahren gefragt, ob ich das Ehrenamt übernehmen möchte. Vier Jahre sind zwar keine lange Zeit, aber trotzdem werde ich mein Wissen im Bezug Arbeitssicherheit in einem Seminar der Unfallkasse Hessen auffrischen, um immer auf dem neusten Stand zu bleiben …

inform: Welche Gefährdungen gibt es konkret in Ihrem Arbeitsbereich, auf die Sie ein besonderes Augenmerk legen?

Dirk Asbeck: Gefährdungen können Defekte jeglicher Art oder kaputtes Material sein oder auch Rutsch-, Stolper- und Sturzgefahren bei Treppenaufgängen, in Fluchtwegen oder ähnlichen Engpasssituationen.

Da "meine" Patient/-innen während der Arbeitstherapie auch an Maschinen arbeiten, achte ich natürlich sehr darauf, dass die persönliche Schutzausrüstung vollständig ist, und weise dann gegebenenfalls darauf hin.

inform: Gab es bereits Verbesserungspotenzial, auf das Sie als Sicherheitsbeauftragter hinweisen konnten und woraufhin Maßnahmen ergriffen wurden?

Dirk Asbeck: Gemeinsam mit der zuständigen Aufsichtsperson Gernot Krämer von der UKH konnten wir in der Schlossereiwerkstatt die Installation einer Absauganlage für Metallspäne durchsetzen. Es hilft dabei sehr, wenn man eine Autorität wie die Unfallkasse an seiner Seite hat. Das Gutachten von Gernot Krämer half als Argumentation, um sinnvolle Neuerungen durchzusetzen. Wobei ich hier anbringen muss, dass die Zusammenarbeit mit unseren Vorgesetzten und dem Vorstand sehr gut funktioniert und alles, was im Zusammenhang mit unserer Arbeitssicherheit und der unserer Patienten notwendig wird, zügig umgesetzt bzw. angeschafft wird.

Wenn man sorgfältig auf die Einhaltung der Arbeitsschutzvorschriften achtet und aufmerksam ist, dann hält sich das Gefährdungspotenzial im überschaubaren Rahmen. Die meisten Unfälle sind kleinere Schnittverletzungen oder leichte Quetschungen. Diese geringe Anzahl liegt aber auch an der guten Zusammenarbeit mit den Pfleger/-innen auf den Stationen: Hat einer unserer Patienten eine Medikamentengabe bekommen, darf er oder sie natürlich nicht mit oder an einer Maschine arbeiten. Bereichsübergreifende Kommunikation und Teamwork sind hierbei alles!



inform Ausgabe 3/2015

Der gelernte Elektroinstallateur und SiBe aus Leidenschaft sorgt sich gern um die Sicherheit von Mitarbeiter/-innen und Kollegen/-innen.

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Autor/Interviewer: Cordula Kraft (069 29972-606), E-Mail: c.kraft@ukh.de