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Krasser als „Tatort“ – hinter den Kulissen des HLKA

Wenn Lorenz Grebner sonntags Tatort schaut, muss er innerlich grinsen: „So geht es bei uns nicht zu!“ Seine Tätigkeit als zentraler Arbeits- und Brandschutzkoordinator (ASBS) beim Hessischen Landeskriminalamt (HLKA) in Wiesbaden empfindet er aber als nicht minder spannend und dazu breit gefächert. Seine langjährigen Erfahrungen als freiwilliger Feuerwehrmann prädestinieren ihn für diesen Job.

inform: Herr Grebner, gibt es beim HLKA nicht weitaus spannendere Tätigkeiten, als sich dem Arbeitsschutz zu verschreiben?

Lorenz Grebner: Die Stelle des ASBS ist höchst spannend! Ich kenne alle Bereiche und alle Ecken dieser Behörde und weiß, welcher logistische Aufwand nötig ist, um den Apparat am Laufen zu halten. Ich habe zuvor als Sachgebietsleiter im Bereich Beschaffung bzw. Materiallogistik gearbeitet. Dabei habe ich mich immer für den konkreten Einsatz der bestellten Geräte interessiert. Was macht beispielsweise ein Gas-Chromatograph? Diese Neugier hat mir einen breiten Überblick über alle Abteilungen ermöglicht, der mir bei meiner Tätigkeit jetzt sehr zugutekommt.

inform: Was sind die größten Gefährdungen?

Lorenz Grebner: Es sind meistens nicht die Büroarbeitsplätze, die das größte Gesundheitsrisiko bergen, sondern natürlich die Tätigkeiten unserer Kolleg*innen im Außendienst. Ich bin nun seit 2005 zentraler ASBS. In der freien Wirtschaft sind Arbeitsschutzmaßnahmen sicherlich schon lange gut etabliert, aber in der Verwaltung war die Umsetzung der Arbeitsschutzvorschriften etwas Neues und für einige Kolleg*innen auch Ungewohntes. Mittlerweile wird Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit von allen Kolleg*innen – egal ob im Innen- oder Außendienst – hoch bewertet. Die Gefahrenquellen ändern sich ja stetig: Jedes neue Gerät und jede neue Chemikalie im Labor birgt potenziell neue Gefahren, auch wenn wir schon viele Gefahrenquellen beseitigen konnten.

inform: Können Sie ein Beispiel nennen für die Gefahren im Innen- und Außendienst?

Lorenz Grebner: In der Daktyloskopie beispielsweise können Asservate auf einem modernen Absaug-Leichentisch präpariert werden – nicht so wie beim Tatort im Fernsehen. Unser Leichentisch bildet eine Luftströmung von der Decke bis zur Liegefläche, wo sie abgesaugt wird. Durch diesen „Luftvorhang“ streckt man seine Hände zum Asservat aus. Das hat den Vorteil, dass die Kolleg*innen im Labor nicht Gefahr laufen, reizende Substanzen einzuatmen, die von den Asservaten oder den Chemikalien ausgehen können. Wir haben hier im HLKA über 130 Labore mit entsprechend vielen Chemikalien und Geräten und Maschinen. Die potenziellen Gefahrenquellen sind hier sehr vielseitig.

Zum Außendienst darf ich Ihnen aus Datenschutz- und Geheimhaltungsgründen nur wenig Auskunft geben. Vielleicht nur so viel: Es gibt Kollege*innen, die sich einen Notfallrucksack zusammengestellt haben, wenn es im Einsatz zum Äußersten kommt. Das Mobile Einsatzkommando (MEK) sowie auch andere Einheiten nehmen diese Rucksäcke zu allen Einsätzen mit. Zukünftig werden wir die Ausstattung des Rucksacks wohl um Defibrillatoren erweitern. Das war der Wunsch der Kolleg*innen. So arbeiten wir Hand in Hand für ein sicheres und gesundes Arbeitsumfeld.

inform: Wie erfahren Sie von den immer neuen Gefährdungen im Außendienst, wenn Sie selbst nicht mit auf Einsätze gehen?

Lorenz Grebner: Zum einen lese ich mir jede Unfallanzeige sehr genau durch. Zum anderen ist es bei meiner Tätigkeit sehr hilfreich, wenn man ein kommunikativer Typ ist und immer ein offenes Ohr für die Kolleg*innen und deren Arbeit hat, dann bekommt man auch viel mit. Ich frage nach und mir wird viel erzählt, daraus kann ich mir Strategien und Maßnahmen ableiten. Die Unfälle passieren ja nicht nur bei Einsätzen, auch beim Sport kann es zu Verletzungen kommen. Wenn mir auffiele, dass es bei einer bestimmten Sportübung oder bei einem bestimmten Trainer gehäuft zu Unfällen käme, würde ich natürlich der Ursache auf den Grund gehen. Dabei muss die Verhältnismäßigkeit der Mittel immer beachtet werden. Schneiden sich jetzt beispielsweise häufig Kolleg*innen am Druckerpapier, werde ich trotzdem keine Kettenhandschuhe verteilen …

inform: Wie sind Sie vorgegangen, als Sie 2005 mit dem Arbeitsschutz betraut wurden?

Lorenz Grebner: Zunächst habe ich eine Bestandsaufnahme gemacht: Wie sind die baulichen Gegebenheiten? Wie sind die Arbeitsplätze ausgestattet? Welche Handlungshilfen für Führungskräfte fehlen? Dann habe ich mir Expert*innen zur Unterstützung gerufen, die mit mir zusammen den Ist-Zustand beurteilt haben. Und ich kann allen, die neu starten, nur raten, überall nachzufragen. Bei der Unfallkasse habe ich zum Beispiel durch die Aufsichtspersonen immer Hilfe erhalten.

Als freiwilliger Feuerwehrmann und mittlerweile auch stellvertretender Stadtbrandinspektor für die Stadt Wiesbaden kannte ich mich im vorbeugenden Brandschutz und in Evakuierungsmaßnahmen bereits gut aus. Hierauf habe ich ein ganz besonderes Augenmerk und konnte auch bereits einiges an Verbesserungen anstoßen. Ein weiterer Vorteil: Alle Brandschutz- und Evakuierungshelfer werden von mir im Haus ausgebildet. Unterstützt werde ich bei meiner Arbeit maßgeblich durch unsere Fachkraft für Arbeitssicherheit und den zuständigen Betriebsarzt. Um alle Gefahren der unterschiedlichsten Disziplinen so gering wie möglich zu halten, ist ein gutes Team sehr wichtig.

inform: Setzen Sie sich strategische Schwerpunkte, um diese breiten Tätigkeitsfelder abzudecken?

Lorenz Grebner: Den Fokus, den wir jedes Jahr setzen möchten, besprechen wir im Team. Im vergangenen Jahr wurde schwerpunktmäßig eine individuelle Ergonomie-Beratung am Arbeitsplatz durchgeführt. Allein die Begehungen nahmen viel Zeit in Anspruch. Dank der Regelungen durch die DGUV Vorschrift 2 kann mich die Fachkraft für Arbeitssicherheit an drei Tagen in der Woche unterstützen. Auch Gefährdungsbeurteilungen waren im letzten Jahr ein großes Thema. Jede Führungskraft händigt mir diese Beurteilungen aus, die ich auf Optimierungsmöglichkeiten checke und mit einem detaillierten Feedback zurückgebe.

Man kommt nicht weit, wenn man bloß Paragrafen zitiert. Die Handlungsanleitungen und -hilfen müssen praxisorientiert sein. Wenn ich Unterweisungen oder Schulungen gebe, dann suche ich mir ausschließlich Anschauungsbeispiele aus der jeweiligen Arbeitspraxis. So wird das, was ich vermitteln möchte, viel eher angenommen …

inform: Was würden Sie als den größten Erfolg Ihrer bisherigen Arbeit bezeichnen?

Lorenz Grebner: Die Gesundheit jedes einzelnen Mitarbeiters zu erhalten, ist mein größtes Ziel, deshalb sind die individuellen Erfolge für mich die wichtigsten. Sei es der Kollege, der Ausschläge an den Händen bekam bei seiner daktyloskopischen Arbeit und wir fast detektivisch herausgefunden haben, dass er gegen einen bestimmten Fettstift und Druckerschwärze gleichzeitig allergisch reagierte, oder sei es die Kollegin, die auf ein bestimmtes Lösungsmittel im Rückbau der Wand allergisch reagierte. Im letzten Fall haben wir sogar die Wand entfernen lassen, dabei hat uns die Vizepräsidentin des HLKA auch maßgeblich unterstützt. Mein strukturiertes Vorgehen hilft mir dabei. Ich ordne jede eingehende Unfallanzeige einer Unfallkategorie zu, um so den Überblick zu behalten, welchen Bereich im HLKA ich mir als nächstes schwerpunktmäßig anschaue.

An dieser Stelle möchte ich betonen, dass der Arbeitsschutz mit dem Verhalten der jeweiligen Führungskraft steht und fällt. Aber wenn man mit allen auf kollegialer Augenhöhe spricht und immer ein offenes Ohr, aber auch viel Geduld und Beharrlichkeit mitbringt, dann bin ich mir sicher, dass jede*r einen erfolgreichen Arbeitsschutz umsetzen kann. Geduld ist dabei die oberste Tugend, denn Veränderungsprozesse finden nicht von heute auf morgen statt, das kennen wir von uns selbst.

 

inform Ausgabe 1/2018

Lorenz Grebner, Arbeits- und Brandschutzkoordinator beim Hessischen Landeskriminalamt in Wiesbaden.

Statt Rußpulver und Pinsel: chemische Spurensicherung auf den Asservaten

Wer sicherheitsrelevante Hilfsmittel oder Informationen sucht, findet sie in den Erste-Hilfe-Ecken.

Nach einem Schusswechsel wird die Kleidung Verdächtiger auf Schmauchspuren untersucht. Fotos: Cordula Kraft

Autor/Interviewer: Cordula Kraft, E-Mail: c.kraft@ukh.de