Twitter Facebook Instagram Youtube Xing RSS Snapchat LinkedIn
inform ukh
Datum: Kategorie(n): Versicherungsschutz · Leistungen UKH · Mitgliedschaft UKH · Gesundheitsdienst · Drucken

Geänderter Unfallschutz für Pflegepersonen

Menschen, die sich unentgeltlich um eine pflegebedürftige Person kümmern, sind in vielen Fällen gesetzlich unfallversichert. Mit dem PSG II, das zum 1. Januar 2017 in Kraft getreten ist, hat der Gesetzgeber den Unfallschutz stärker vom Pflegebedarf und der Einsatzzeit der Pflegeperson abhängig gemacht.

Durch das neue Gesetz haben sich die Bedingungen für den Versicherungsschutz der Pflegepersonen, die erstmals nach Inkrafttreten des Gesetzes (1.1.2017) eine Pflegetätigkeit aufnehmen, verändert.

Wer ist versichert?

Grundsätzlich gilt wie bisher: Es sind nur solche Pflegepersonen versichert, die sich nicht erwerbsmäßig in häuslicher Umgebung um Pflegebedürftige kümmern. Darüber hinaus haben sich mit der neuen Rechtslage einige Voraussetzungen verändert oder müssen zusätzlich erfüllt sein, damit eine Pflegeperson bei ihrer Pflegetätigkeit unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung steht:

  • Für die pflegebedürftige Person muss mindestens Pflegegrad 2 oder höher festgestellt sein.
  • Die Festsetzung des Pflegegrades nimmt die Pflegekasse vor.
  • Die Pflegeperson muss wöchentlich mindestens zehn Stunden pflegen. Diese wöchentliche Pflegezeit muss regelmäßig auf mindestens zwei Tage pro Woche verteilt sein.

Welche Tätigkeiten sind versichert?

Für alle Pflegetätigkeiten ab 1.1.2017 gilt: Unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung stehen nur solche Tätigkeiten, für die im Gutachten der Pflegeversicherung ein Bedarf für die zu pflegende Person festgestellt wurde. Das Gesetz beschreibt die Pflegetätigkeiten in insgesamt sechs pflegerelevanten Bereichen – von Mobilität und Selbstversorgung bis zur Gestaltung sozialer Kontakte. Außerdem sind die Hilfen bei der Haushaltsführung in den Versicherungsschutz einbezogen (s. Infobox rechts: „Das ist versichert“).

Unter Pflegetätigkeiten fallen zum Beispiel: Hilfe beim Ins-Bett-Bringen, beim Waschen, Duschen und Essen, Begleitung bei Arztbesuchen, Unterstützung der kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten, aber auch Schutz vor selbstschädigendem Verhalten.

Aktivitäten außer Haus – zum Beispiel Spaziergänge – fallen nicht unter den Versicherungsschutz der gesetzlichen Unfallversicherung, es sei denn, sie sind Teil der vom Gesetz beschriebenen pflegerelevanten Bereiche. Das wäre zum Beispiel bei einem Arztbesuch der Fall. Dieser ist dem Pflegebereich „Bewältigung von krankheitsbedingten Anforderungen und Belastungen“ zuzurechnen.

Bestandsschutz

Für Personen, die vor dem 1.1.2017 nur einmalig oder kurzfristig gepflegt haben und nach altem Recht unter Versicherungsschutz standen, besteht dieser Schutz auch bei jetzt veränderter Rechtslage fort. Allerdings greift dieser Bestandsschutz nur, wenn es sich weiterhin um dieselbe pflegebedürftige Person handelt.

Und wenn etwas passiert?

Unfälle und Berufskrankheiten sind Krankheiten, die sich ein Arbeitnehmer durch seine berufliche Tätigkeit zuzieht und die entweder in der Berufskrankheiten-Verordnung verzeichnet oder die nach neuen medizinischen Erkenntnissen durch den Beruf verursacht sind.
[mehr +]
Berufskrankheiten
sind binnen drei Tagen dem Unfallversicherungsträger anzuzeigen. Falls die pflegebedürftige Person selbst nicht in der Lage ist, die Anzeige zu erstatten, kann die erforderliche Meldung auch von Familienangehörigen oder vom Pflegepersonal abgegeben werden. Teilen Sie bitte auch dem behandelnden Arzt (auch Zahnärzten!) mit, dass es sich um einen Unfall bei der Ausübung einer häuslichen Pflegetätigkeit handelt. Ihre Krankenversicherungskarte bzw. Angaben zu Ihrer privaten Krankenversicherung sind nicht erforderlich, denn die Ärzte und Krankenhäuser rechnen direkt mit dem Unfallversicherungsträger ab.

Quelle: DGUV

 

inform Ausgabe 2/2017

Nicht erwerbsmäßige Pflege …

ist unentgeltlich. Unentgeltlich bedeutet hier, dass keine oder nur geringe finanzielle Zuwendungen gezahlt werden. Bei nahen Familienangehörigen wird angenommen, dass die Pflege nicht erwerbsmäßig erfolgt. Wird die Pflege im Rahmen eines Beschäftigungsverhältnisses erbracht, besteht ebenfalls Versicherungsschutz, für den jedoch Beiträge abgeführt werden müssen.

Pflege in häuslicher Umgebung …

wird im Haushalt (auch in einer eigenen Wohnung in einem Seniorenheim) der pflegebedürftigen Person, im eigenen oder in dem Haushalt einer dritten Person erbracht. Die Pflege in einer stationären Pflegeeinrichtung (z. B. Pflegeheim) steht dagegen nicht unter dem hier beschriebenen Unfallversicherungsschutz.

Das ist versichert:

Versichert sind Hilfen bei der Haushaltsführung und alle pflegerischen Maßnahmen, die bei der Feststellung der Pflegebedürftigkeit berücksichtigt wurden, im Bereich der

  • Mobilität z. B. Unterstützung beim Ins-Bett-Bringen der pflegebedürftigen Person, beim Laufen oder beim Halten oder Korrigieren einer Sitz-/Liegeposition innerhalb des Wohnbereichs
  • kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten z. B. Sie sind gesetzlich unfallversichert, wenn Sie bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not Hilfe leisten oder einen anderen aus erheblicher gegenwärtiger Gefahr für seine Gesundheit retten bzw. zu retten versuchen, z.B. bei einem Verkehrsunfall.
    [mehr +]
    Hilfeleistung
    beim Lesen der Uhrzeit oder des Datums, bei Lernspielen, Puzzles oder Gedächtnisspielen
  • Verarbeitung von psychischen Problemlagen z. B. Schutz der pflegebedürftigen Personen vor selbstschädigendem Verhalten, Beruhigung bei Angstzuständen, Sinnestäuschungen oder Wahnvorstellungen
  • Selbstversorgung z. B. Unterstützung während des Waschens, Duschens oder Badens der pflegebedürftigen Person, bei der mundgerechten Zubereitung der Nahrung, beim Essen und Trinken, bei dem An- und Auskleiden der pflegebedürftigen Person, bei der Benutzung einer Toilette oder eines Toilettenstuhls, bei der Benutzung eines Katheters/Urostoma
  • Bewältigung von krankheits- und therapiebedingten Anforderungen und Belastungen sowie Förderung des selbstständigen Umgangs damit z. B. Begleitung zu Arzt- oder Therapie, Hilfen beim Katheterwechsel, Entleerung des Stomas oder beim Anlegen einer Prothese
  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte z. B. Planung des Tagesablaufs, Hilfe bei der Interaktion mit anderen Personen, Organisation von sozialen Kontakten wie Schreiben von Briefen, E-Mails
  • Hilfen bei der Haushaltsführung z. B. auf den Wegen zu Behörden und Banken oder während der Hausarbeiten
Datum: Kategorie(n): Versicherungsschutz · Leistungen UKH · Mitgliedschaft UKH · Gesundheitsdienst · Drucken
Autor/Interviewer: Thiemo Gartz, E-Mail: t.gartz@ukh.de