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Datum: Kategorie(n): Sicherheit · Gesundheit · Präventionskampagnen · Wegeunfälle · Mitgliedschaft UKH · Leistungen UKH · Unternehmen · Kommunale Betriebe · Landesbetriebe · Drucken

Prävention lohnt sich – wirklich!

Die Gremien der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) beschlossen Anfang Juni das Motto der nächsten gemeinsamen Präventionskampagne, welche die Kampagne "Denk an mich. Dein Rücken" ab 2017 ablösen wird. Unter dem Arbeitstitel "Präventionskultur" wurde zunächst ein Fachkonzept erstellt, das den Nutzen von Prävention für Unternehmer, Betriebe und Versicherte verdeutlicht.

Der Schutz von Beschäftigten vor den Gefahren des Arbeitslebens hat eine lange Geschichte: Bereits im Alten Testament wird die Anbringung von Geländern gefordert, um Absturzunfälle zu vermeiden … Lange Zeit lag der Schwerpunkt der präventiven Maßnahmen auf der Technik: Mit relativ einfachen Mitteln, z. B. der Anbringung eines Geländers oder der Abschirmung beweglicher Maschinenteile, konnte schnell und sicher eine Vielzahl an Unfällen verhütet werden. Der Erfolg einer einzelnen Maßnahme war transparent und sofort nachvollziehbar – und führte so zu einer hohen Akzeptanz.

Die Unfallquote in den deutschen Betrieben sank konsequent. Leider wird Sicherheit am Arbeitsplatz heute von vielen Menschen als etwas Selbstverständliches wahrgenommen, für das sich weitere Investitionen eigentlich nicht mehr lohnen. Diese Auffassung gilt es zu modifizieren – schließlich ist jeder Unfall einer zu viel und niemand möchte doch mit zum Teil lebenslangen, schmerzhaften Folgen leben.

Nachhaltiger Schutz der Beschäftigten

Ziel der neuen Kampagne ist eine Integration von Sicherheit und Gesundheit in den Aufbau, die Organisation und die Arbeitsabläufe von Unternehmen, um so einen nachhaltigen Schutz der Beschäftigten zu erreichen.

Die Arbeitswelt ändert sich drastisch
In den letzten Jahren veränderten sich die meisten Arbeitsplätze deutlich: Feste Arbeitszeiten und -orte, aber auch Arbeitsabläufe und -verfahren wurden durch zunehmende Flexibilität abgelöst. An die Stelle körperlich schwerer Arbeit treten oft Stress und psychische Belastungen. Anstatt starrer Hierarchien und sicherer Arbeitsstrukturen prägt der ständige Wandel das Arbeitsleben. Diese Entwicklungen führen nur in geringem Umfang zu mehr Unfällen, sie belasten aber die Gesundheit der Beschäftigten deutlich. Im Gegensatz zu den technischen Verbesserungen gibt es hier keine einfach erkennbaren Lösungen: Da sich die verschiedenen baulich-technischen, organisatorischen und psychologischen Aspekte des Arbeitsplatzes und auch Belastungen aus dem Privatleben gegenseitig beeinflussen, müssen sie alle bei der Prävention mit bedacht werden. Dies erfordert einen vergleichsweise komplexen und systematischen Ansatz und die Bereitschaft sowohl von Unternehmen als auch von Beschäftigten, die Themen Sicherheit und Gesundheit bei allen Handlungen "mitzudenken".

Motivation ist alles

Schon immer gab es für Betriebe und auch Beschäftigte zwei Wege, mit dem Thema Prävention von Unfällen und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren umzugehen: passiv durch die (maximal) buchstabengetreue Erfüllung gesetzlicher Anforderungen und aktiv durch die Integration des Themas und seiner Ziele in das gesamte Handeln der Verantwortlichen und Beschäftigten.

Welches der Vorgehen vom Unternehmer oder Beschäftigten gewählt wird, entscheidet deren subjektive Einschätzung vom Nutzen der Prävention. Erscheinen die Anforderungen nur als bürokratische Pflichtübungen, die mit dem betrieblichen Alltag nichts zu tun haben, wird mit Sicherheit der passive Weg gewählt. Sind hingegen entweder die Risiken unübersehbar, das Schadensrisiko und auch die Schadenswahrscheinlichkeit hoch oder aber präventive Maßnahmen auch für die Erfüllung anderer Ziele nützlich, sind dies gute Voraussetzungen, die betrieblichen Akteure zu motivieren, den aktiven Weg zu wählen.

Strategische Ziele der Kampagne

Die neue Präventionskampagne soll zu dieser Motivation beitragen. Ihre Kernbotschaft lautet daher: "Sicherheit und Gesundheit sind elementare Werte aller Menschen, jeder Organisation und der Gesellschaft. Sie sollen Gegenstand allen verantwortlichen Handelns werden. Präventives Handeln ist lohnend und sinnstiftend."

Die Kampagne soll u. a. Unternehmer, Bürgermeister, Landräte, Leiter öffentlicher Einrichtungen, Führungskräfte und Versicherte und natürlich Beschäftigte davon überzeugen, dass zur Erfüllung ihrer Aufgaben kein Weg an einer konsequenten Ausrichtung ihrer Organisation an Sicherheit und Gesundheit vorbeiführt. Die Handlungsfelder der Kampagne Präventionskampagnen sollen konkrete Botschaften vermitteln, die von Betrieben und Beschäftigten praktisch umgesetzt werden können. Darum wurden sechs Handlungsfelder mit detaillierten Empfehlungen ausgearbeitet:

  • Prävention als integrierter Bestandteil aller Aufgaben
    Sicherheit und Gesundheit werden nur dann angemessen berücksichtigt, wenn sie ein Unternehmensziel sind und in den Unternehmensleitlinien und -managementsystemen verankert werden.
  • Führung
    Gute Führung verbessert die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten deutlich, schlechte Führung kann stark demotivierend wirken. Gute Führung ist erlernbar, benötigt aber Rahmenbedingungen.
  • Kommunikation
    Ein interner effektiver, reibungsloser Informationsfluss fördert das Betriebsklima, regt zu Verbesserungsvorschlägen an und hilft, Missverständnisse und Konflikte zu vermeiden. Darüber hinaus gewährleistet er, dass sicherheits- und gesundheitsrelevante Informationen weitergeben werden.
  • Beteiligung
    Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennen die Gefahren und Belastungen an ihren Arbeitsplätzen besonders gut. Sie sind daher auf der operativen Ebene die besten Experten für den Zusammenhang zwischen Arbeit, Organisation und Gesundheit. Zudem wird eigene Einflussnahme von den Beschäftigten als wertschätzend erlebt. Beides sind gute Argumente für eine Beteiligung der Beschäftigten für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz.
  • Fehlerkultur
    Die Fehlerkultur eines Betriebes beschreibt, in welcher Art und Weise dort mit Fehlern, Fehlerrisiken und Fehlerfolgen umgegangen und welcher Stellenwert dem Fehler in Arbeits- und Lernprozessen zugeschrieben wird. Eine gute Fehlerkultur fördert das Wissen über Gefährdungen und verbessert so die Sicherheit.
  • Soziales Klima/Betriebsklima
    Das soziale Klima einer Organisation bestimmt sowohl ihre Leistungsfähigkeit und Gesundheit als auch die ihrer Mitglieder und gibt Hinweise auf den Zusammenhang zwischen Betriebsklima und Unfallbelastung.

Alle Handlungsfelder sind voneinander abhängig und interagieren wechselseitig. Verbesserungen in einem Handlungsfeld beeinflussen so auch die anderen positiv.

Laufzeit der Kampagne

Das Thema der neuen Präventionskampagne ist anspruchsvoll, aber auf Basis der praktischen Handlungsfelder durchaus auch in kleinen und mittleren Betrieben umsetzbar.

Die Kampagne ist auf mindestens vier Jahre angesetzt. Kann man die betrieblichen Akteure in diesem Zeitraum davon überzeugt, dass sich Prävention wirklich lohnt, dann ist mit einer besonderen Nachhaltigkeit zu rechnen.



inform Ausgabe 3/2015

Sinkende Unfallzahlen

Von 1960 bis 2013 sank die Zahl der meldepflichtigen Arbeitsunfälle von 110 pro 1.000 Vollarbeiter auf unter 24 ab. Die Zahl der neuen Unfallrenten ging von vier pro 1.000 Vollarbeiter auf 0,42 zurück und die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle reduzierte sich von über 5.000 auf 606. Einen vergleichbaren Rückgang gab es auch bei den Rentenfällen und tödlichen Unfällen in der Schüler-Unfallversicherung seit den 1970er Jahren.

AU-Renten je 1.000 Vollarbeiter zwischen 1910 und 2010

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Autor/Interviewer: Dr. Torsten Kunz (069 29972-200), E-Mail: t.kunz@ukh.de