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Datum: Kategorie(n): Sicherheit · Gesundheit · Landesbetriebe · Drucken

Arbeitssicherheit bei Hessen Mobil

Hessen Mobil ist eine Verwaltung des Landes Hessen, die sich um die Mobilität auf den Straßen und Autobahnen in Hessen kümmert. Insgesamt 3.500 Beschäftigte verteilen sich hessenweit auf mehr als 80 Standorte. Eine solch große und hessenweit aufgestellte Behörde benötigt einen Plan – auch in Sachen Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit.

Wegen der vielfältigen Gefährdungen, insbesondere bei den Arbeiten im fließenden Verkehr, wurde der Schutz der Beschäftigten bei Hessen Mobil schon immer sehr ernst genommen. Aber erst 2008 wurde Arbeits- und Gesundheitsschutz direkt zur „Chefsache“. Was sich dadurch konkret verändert hat und mit welchen positiven Auswirkungen diese Entscheidung einherging, zeigen Interviews mit Klaus Avemaria, der die Implementierung von Arbeitssicherheit in die Organisation seit 2008 maßgeblich mitgestaltete. Klaus Avemaria ist Teamleiter „Team Arbeitsschutz“ im Dezernat „Personal, Arbeitsschutz und Innere Dienste“ und seit 2008 als Koordinator für das Arbeitsschutzmanagement bei Hessen Mobil tätig. Mit dabei war auch Willi Donath, Vorsitzender des Gesamtpersonalrats von Hessen Mobil und Mitglied der Selbstverwaltung der UKH.

Herr Avemaria, wie war Hessen Mobil bis 2008 in Sachen Arbeits- und Gesundheitsschutz organisiert und was hat sich dann konkret geändert?

Vor 2008 war Arbeitsschutz überwiegend dezentral in den zwölf Ämtern für Straßen- und Verkehrswesen organisiert. Entsprechend groß waren die regionalen Unterschiede. Es gab so gut wie keine einheitlichen internen Regelungen oder Standards; Arbeitsschutz wurde den Fachaufgaben untergeordnet.

Im Jahr 2008 wurde damit begonnen, ein Arbeitsschutzmanagement (ASM) aufzubauen und einzuführen. Federführend war dabei die Stabsstelle „Veränderungsmanagement“, die direkt dem Präsidenten von Hessen Mobil unterstellt wurde. Zeitgleich wurde das erste „Handbuch für Arbeitsschutz“ erstellt und veröffentlicht. Dieses Handbuch beinhaltet sämtliche Regelungen des ASM. Es wird im Rahmen eines „kontinuierlichen Verbesserungsprozesses (KVP)“ ständig fortgeschrieben und bei Bedarf auch inhaltlich mit der UKH abgestimmt.

2010 wurde es in das „Zentrale Handbuch“ von Hessen Mobil integriert. Es ist im Intranet verfügbar und für alle Beschäftigten verbindlich.

Gab es eine konkrete Pflichtenübertragung auf Vorgesetzte?

Seit 2008 wurden Pflichten explizit auf Führungskräfte übertragen. Damals gab es noch die Ämter für Straßen- und Verkehrswesen (ASV) und das Hessische Landesamt für Baustoff- und Bodenprüfung. Die Verantwortung für den Arbeitsschutz lag bei den jeweiligen Amtsleitern. Nach der Verwaltungsreform zum 1.1.2012 wurde Hessen Mobil zu einer Dienststelle (mit Außenstellen) und die Gesamtverantwortung für den Arbeitsschutz liegt seitdem direkt beim Präsidenten. Hessen Mobil hat weitere Pflichten konkretisiert und auf nachgeordnete Führungskräfte delegiert. Die Führungskräfte wurden und werden alle ihrem Verantwortungsbereich entsprechend und in enger Zusammenarbeit mit der UKH geschult.

Wie haben Sie die Gefährdungsbeurteilung organisiert?

Die erste flächendeckend einheitliche Gefährdungsbeurteilung (GFB) wurde im Jahr 2006 von einer Arbeitsgruppe erarbeitet und berücksichtigte damals insbesondere den Straßenbetriebsdienst mit seinen vielfältigen Gefährdungen. Winterdienst, Grün- und Gehölzpflege, Arbeiten mit der Motorsäge, verschiedene Fahrzeuge und Geräte, Tunnelunterhaltung, Werkstätten – um die wichtigsten Beispiele zu nennen. Seitdem wurden verschiedene weitere Vorlagen für alle Bereiche von Hessen Mobil erarbeitet. Weitere Beispiele sind Außendienst allgemein, Bauüberwachung, Landespflege, Vermessung, Bauwerksprüfung, außergewöhnliche Ereignisse, Büroarbeitsplätze usw.

Sämtliche GFB werden ständig fortgeschrieben und weiterentwickelt. Es finden regelmäßig Arbeitssicherheitsaudits statt, in denen die Arbeitsschutzdokumente stichprobenartig überprüft werden, u. a. auch die Gefährdungsbeurteilung.

Im Intranet steht Führungskräften und Beschäftigten eine große Anzahl an verschiedenen Vorlagen zur Erfüllung ihrer Aufgaben im Arbeitsschutz zur Verfügung. Dazu gehören u. a. diverse Unterweisungsvorlagen (Präsentationen), Betriebsanweisungen (über 100 verschiedene), tätigkeitsbezogene Gefährdungsbeurteilungen, eine Prüfmatrix für sämtliche bei Hessen Mobil vorkommenden Arbeitsmittel, Maschinen und Geräte, ein PSA-Leitfaden und -Katalog, Brand- und Explosionsschutz-Dokumente.

Was verbirgt sich hinter Ihrem Nachsorgekonzept?

Zum Hintergrund: Es gab aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens, insbesondere im Rhein-Main-Gebiet, und tragischen Unfällen hessenweit mit direkter oder indirekter Beteiligung von Beschäftigten von Hessen Mobil akuten Handlungsbedarf. Dazu kamen die psychisch belastenden Arbeitsbedingungen (insbesondere im Straßenunterhaltungsdienst). Darum wurde 2012 im Rahmen einer Dienstvereinbarung für Krisensituationen und für psychisch stark belastete oder traumatisierte Beschäftigte das sogenannte „Nachsorgekonzept“ eingeführt.

Das Konzept dient Vorgesetzten als Leitfaden für das Vorgehen nach einem schweren Unfall, ist darüber hinaus aber auch der Rahmen für eine qualifizierte Unterstützung von direkt oder indirekt Betroffenen. Das Konzept wurde gemeinsam mit der Personalvertretung und in enger Zusammenarbeit mit der UKH sowie speziell ausgebildeten Psychologen entwickelt und hat sich in der Praxis bereits mehrfach bewährt. Speziell geschulte Mitarbeiter und Führungskräfte fungieren dabei als sogenannte „Erstversorger“ und unterstützen sowohl die Betroffenen selbst als auch den Betriebsbereich, in dem der Unfall passiert ist.

Wie ist die Beschaffung der Persönlichen Schutzausrüstung (PSA) geregelt?

PSA nimmt bei uns generell einen hohen Stellenwert ein. Bei Arbeiten an Straßen ist eine vielfältige und auffällige Ausstattung sehr wichtig. Einen zentralen Ausschuss für die Auswahl und Beschaffung von PSA gab es bei Hessen Mobil daher schon lange. Dessen Aufgaben sind seit 2015 aufgeteilt in einen „Bekleidungsausschuss“ und einen „Bemusterungsausschuss“. Sämtliche Abteilungen von Hessen Mobil sowie Personalvertreter, Fachkraft für Arbeitssicherheit und die Arbeitsmedizin sind hier vertreten. Im Bekleidungsausschuss wird festgelegt, was für wen beschafft werden soll. Im Bemusterungsausschuss werden die Muster der Angebote von Beschäftigten, die die PSA auch in der Praxis selbst tragen, bewertet und ausgewählt. Diese Vorgehensweise hat sich bewährt.

Gemeinsam mit der Personalvertretung wurde außerdem ein PSA-Leitfaden für die Beschaffung und Unterhaltung von PSA entwickelt. Der Leitfaden benennt sämtliche PSA-Artikel für alle Berufsgruppen von Hessen Mobil. Festgelegt werden darin die Anzahl der jeweiligen PSA-Artikel je Beschäftigtem und die Tragedauer. Bei Hessen Mobil gibt es derzeit über 40 verschiedene PSA-Artikel! Gleichzeitig wurde ein Katalog aufgelegt, der mit Bildern im Einzelnen darüber Auskunft gibt, welche PSA verfügbar ist. Außerdem wurde eine Informationsinitiative durchgeführt. Hessenweit wurden Mitarbeiter* innen hinsichtlich der bei Hessen Mobil vorhandenen PSA geschult.

All diese Maßnahmen haben dazu geführt, dass Beschwerden und Fragen zur PSA wesentlich abgenommen und die Zufriedenheit der Beschäftigten sowie die Akzeptanz der PSA in gleichem Maße zugenommen haben.

Hessen Mobil hat nun eine neue Struktur – was sind die Vorteile?

Im Jahr 2014 wurden die Aufgaben des Arbeitsschutzes der Stabsstelle und des Dezernats Personal und Innere Dienste zusammengeführt im Dezernat Personal, Arbeitsschutz und Innere Dienste. Vorteil ist u. a., dass sämtliche Aufgaben jetzt in einer Organisationseinheit vereint sind, wodurch sich die interne Kommunikation und Zusammenarbeit aller im Arbeitsschutz Tätigen nochmals verbessert hat und sich verschiedene Synergien ergeben haben. Innerhalb des Dezernats gibt es im Fachbereich Arbeitsschutz und Innere Dienste nunmehr ein Team „Arbeitsschutz“ mit zwei Mitarbeiter*innen. In der Organisationsstruktur von Hessen Mobil ist die Leiterin des Dezernats dem Präsidenten direkt zugeordnet.

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Willi Donath ist Vorsitzender des Gesamtpersonalrats von Hessen Mobil und als Arbeitnehmervertreter Mitglied der Selbstverwaltung der UKH.

Herr Donath, wie gestaltet sich die Zusammenarbeit zwischen Hessen Mobil und der UKH aus Ihrer Sicht?

Die Zusammenarbeit ist sehr gut. Dies betrifft sowohl den fachlichen Austausch als auch die persönlichen Kontakte, welche von Respekt und Wertschätzung geprägt sind.

Gibt es auch „Highlights“?

Hier möchte ich auf zwei Schwerpunkte verweisen, welche mir spontan einfallen: Da ist zum einen die Erfassung und Auswertung der Arbeitsunfälle. Bei Hessen Mobil wurde mit Unterstützung der UKH vor vielen Jahren bereits eine entsprechende Datenbank eingeführt. Die Auswertungen werden in den Arbeitsschutzund Arbeitssicherheitsausschüssen diskutiert und unterstützen meines Erachtens auch die Weiterentwicklung der UKH Präventionsarbeit.

Ein weiteres Highlight ist, nicht nur aus meiner Sicht, der Risiko Parcours. Aufbauend auf Erkenntnissen aus Nordrhein- Westfalen und Bayern wurde mit fachlicher, tatkräftiger und finanzieller Unterstützung der UKH der Risiko Parcours für den Betriebsdienst der Straßen- und Autobahnmeistereien entwickelt. Inhalt und Ziel der Risiko Parcours ist es, die Beschäftigten für die Risiken ihres Arbeitsplatzes Straße zu sensibilisieren, tägliche Situationen zu beurteilen und somit das persönliche Verhalten auf die jeweilige Situation anzupassen. Das Schulungskonzept kommt sehr gut an!

Das freut uns zu hören. Gibt es auch Kritik an der UKH?

In den Jahren meiner Tätigkeit habe ich wenig bis keine Kritik in der Zusammenarbeit mit der UKH gehört. Einzig ein Fall ist mir persönlich bekannt, wo es sich um die fehlende Anerkennung eines Zeckenstiches als Ein Arbeitsunfall ist ein zeitlich begrenztes, von außen auf den Körper einwirkendes Ereignis, das zu einem Gesundheitsschaden oder zum Tod führt.
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Arbeitsunfall
handelte.

Haben Sie in den letzten Jahren Verbesserungen wahrgenommen?

Arbeitsschutz ist ein laufender Prozess, und mir fallen dementsprechend einige Themen ein, welche seitens der UKH beraten und bei Hessen Mobil umgesetzt wurden. Beispielhaft will ich hier nennen: die stetige Weiterentwicklung der Warnund Schutzkleidung, die Vorgaben zur Alleinarbeit (z. B. im Winterdienst), die modulare Ausbildung zur Arbeit mit der Motorsäge und, wie schon ausgeführt, die Einführung des Risiko Parcours.

Welche Herausforderungen stehen bei Hessen Mobil an, bei denen die UKH Sie unterstützen kann?

Hessen Mobil braucht bei der UKH auch weiterhin Ansprechpartner*innen und „Gesichter“. Die Kooperation ist mit den bisherigen persönlichen UKH Kontakten gut gelungen, und wir setzen auf diese gute Zusammenarbeit.

Grundsätzlich steht Hessen Mobil aktuell vor zwei großen Herausforderungen. Das ist zum einen die Abgabe der Aufgaben und deren Wahrnehmung für das Autobahnnetz an eine Infrastrukturgesellschaft. Und weiterhin die Weiterentwicklung von Hessen Mobil für das verbleibende hessische Netz der Bundes-, Landes- und Kreisstraßen.

Für mich als Vorsitzender des Gesamtpersonalrats ist es wichtig, dass die Beschäftigten, unter welcher „Regie“ auch immer, bei Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit gut begleitet, beraten und unterstützt werden: dass sie einfach gut aufgehoben sind!

In der Vertreterversammlung der UKH gibt es bei den Haushaltsplanungen naturgemäß auch Diskussionen über das Verhältnis der Einnahmen der UKH (Mitgliederbeiträge) und den Ausgaben (hier: Anteil Prävention). Ich teile die Einschätzung der Versichertenvertreter, dass ein jeder Euro für die Prävention gut angelegtes Geld ist, weil er Arbeitsunfällen vorbeugt und somit höhere Folgekosten ausschließt.

Herr Avemaria und Herr Donath, wir bedanken uns für das Gespräch!

 

inform Ausgabe 4/2018

Bei Arbeiten auf der Straße oder auf der Autobahn ist viel Umsicht nötig: Die Gefahren sind hier vielfältig!

Klaus Avemaria, Arbeitsschutzmanagement bei Hessen Mobil: "Die Gefährdungsbeurteilung wird ständig fortgeschrieben und weiterentwickelt."

Willi Donath, Vorsitzender des Gesamtpersonalrats von Hessen Mobil und Mitglied der Selbstverwaltung der UKH

Seit 2010 ist eine erhebliche Reduzierung der Unfallzahlen bei Hessen Mobil dokumentiert.

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Autor/Interviewer: Thomas Rhiel, E-Mail: t.rhiel@ukh.de