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Datum: Kategorie(n): Sicherheit · Gesundheit · Kita · Drucken

Ergonomisches Arbeiten in der Kita fördert Rückengesundheit

Um den Arbeitstag in einer Kita gesundheitserhaltend zu meistern, braucht es pfiffige Ideen. Bodensitzstühle, Stehwickeltische oder Kindertische auf Podesten gehören mittlerweile zu den unverzichtbaren Helfern und sind Arbeitserleichterungen im Alltag einer Kita. Alle haben zum Ziel, unnötige Belastungen für Erzieherinnen und Erzieher zu verhindern sowie krank machende Zwangshaltungen und insbesondere Rückenschmerzen durch die Arbeit möglichst zu vermeiden.

Ein Blick in den Kita-Alltag

Wir Aufsichtspersonen der Unfallkasse Hessen stellen immer wieder fest, dass Kindertageseinrichtungen weder die ergonomischen Mindeststandards für ihre Mitarbeiter*innen erfüllen, noch einzelne Tätigkeiten im Tagesablauf überdacht oder ergonomisch optimiert sind. Die Schwierigkeit liegt vielleicht darin, dass Arbeitsabläufe häufig lieber nach Gewohnheit abgearbeitet werden. „Das haben wir schon immer so gemacht!“, ist ein oft zu hörendes „Argument“. Genau diese Gewohnheiten gilt es aufzubrechen, um durch Offenheit für Neues eine Verbesserung der eigenen Gesundheit zu erreichen.

Alltägliche Zwangshaltungen

  • Warum werden etwa kurzgriffige Kehrbleche in Kitas verwendet, die verlangen, dass man beim Saubermachen in die Hocke gehen oder niederknien muss? Es gibt doch Staubsauger oder Kehrbleche, die im Stehen bedient werden können!
  • Warum stehen Spülmaschinen auf dem Fußboden und nicht in ergonomischer Höhe?
  • Weshalb werden Kinder immer noch in gebückter Haltung oder in der Hocke angezogen?
  • Warum müssen Kinder immer nur im Liegen gewickelt werden?

Diese Liste an Fragen lässt sich beliebig fortführen. Fängt man an, diese alltäglichen Bewegungen zu hinterfragen und nach Optimierung und Vereinfachung zu streben, wird man schnell fündig. Es ist nicht nur sinnvoll, die Arbeit so leicht wie möglich zu gestalten, es wird sogar vom Gesetzgeber gefordert: Nach dem Arbeitsschutzgesetz und den Unfallverhütungsvorschriften sind arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren durch eine Gefährdungsbeurteilung zu ermitteln und – wenn möglich – abzustellen. Zu den Gefährdungen gehört auch jede Art von Zwangshaltung, zum Beispiel unbequeme Sitzhaltungen, Knien und unnötiges Bücken.

Krank durch ungesunde Bewegungen

Muskel-Skelett-Belastungen werden von Erzieher*innen selbst häufig unterschätzt und teilweise belächelt: „Es ist doch bloß ein kurzer Augenblick!“ oder: „Nur mal schnell eben …“ oder: „Wir sind doch noch jung!“ Auch die Annahme: „Das gehört doch zu unserem Beruf dazu!“ ist eine Fehleinschätzung, die die Gesundheit kosten kann. Wer sich 40 Jahre lang nur mal „kurz eben“ bückt, den Rumpf neigt, niederkniet oder den Rücken verdreht, muss mit starken Verschleißerscheinungen, chronischen Schmerzen oder gar Bandscheibenvorfällen rechnen. Wussten Sie, dass eine Rumpfneigung ab 20 Grad bereits nicht mehr gesundheitsförderlich ist und ab 60 Grad als ungesund eingestuft wird? Wer ahnt schon, dass eine Rumpfseitneigung oder eine Verdrehung der Wirbelsäule bereits ab einer Auslenkung von 20 Grad als krank machend erachtet wird?

Unpraktische Kita-Möbel

Die meisten Erzieher*innen gehen davon aus, dass Möbel, die sie vom Fachhandel beziehen, praktikabel und ergonomisch sind und den gesetzlichen Anforderungen an einen Arbeitsplatz entsprechen. Sie vertrauen auf Hersteller und Menschen, die es wissen sollten. Bedauerlicherweise zeigt die Praxis immer wieder, dass dem nicht so ist. Aussehen und ein gefälliges Gesamtbild stehen bei der Auswahl eher im Vordergrund als die Funktionalität.

Als ein Beispiel seien hier Wickeltische mit ausziehbarer Treppe genannt. In den meisten Fällen weisen diese Wickeltische schräge und zu tiefe Treppenwangen bzw. Seitenteile auf. Ein Heraus- und Hineinschieben ist nur durch zweimaliges Bücken möglich. Oftmals sind Verriegelungen zur Sicherung der Treppe ebenfalls nur in gebückter Haltung erreichbar. Diese unpraktische Handhabung wird anhand eines „Fachkatalogs“ nicht deutlich und ist darüber hinaus auch mit dem Arbeitsschutzgesetz unvereinbar. Wer zehnmal am Tag wickelt, könnte schon alleine durch eine gut durchdachte, ausziehbare Treppe 20 Zwangshaltungen einsparen. Pro Woche sind dies immerhin 100 eingesparte ungünstige Bewegungen!

Optimierung der Arbeit mit Hilfe einer Gefärdungsbeurteilung 

Zur Grundausstattung einer Kita gehören erwachsenengerechte Tische und Stühle, wirksame Akustikdecken und ergonomische Wickeltische. Auch wenn diese Dinge schon mal ein guter Anfang sind, ist der Arbeitgeber verpflichtet, mehr für die Gesundheit seiner Beschäftigten zu tun.

Kluge Arbeitgeber schätzen ihr pädagogisches Personal wert und erarbeiten eine Gefährdungsbeurteilung, die jede Arbeitssituation genau unter die Lupe nimmt und dadurch verbessert. Erstens werden degenerative Erkrankungen dadurch von vornherein unwahrscheinlicher. Zweitens kommen schonendere Arbeitsweisen gerade auch älteren Arbeitnehmer*innen entgegen. Drittens verringern diese Maßnahmen sogar Fehl- und Ausfallzeiten.

Die Anziehhilfe in der Kita

Gute Beispiele aus dem Arbeitsalltag einer Kita, die sich aus Sicht der UKH aber noch nicht etabliert haben, sind Möbel, die das Anziehen von Kindern vereinfachen. Es gibt sie in mannigfaltigen Ausführungen und sie verhindern das Knien oder Bücken des Personals. Nebenbei sind diese Helfer zeitersparend und verkürzen auch die Wartezeit der Kinder, die bereits angezogen sind, erheblich. Lesen Sie hierzu auch das UKH Merkblatt "Die Arbeit in Kinderkrippen ergonomisch gestalten."

Die UKH hat unter Mithilfe von Erzieher*innen und in Zusammenarbeit mit einer kleinen Möbelfirma Erfahrungen mit solch einem Möbelstück gesammelt. Die Ergebnisse flossen in ein ergonomisches Anziehpodest ein, das dank einfacher Handhabung praktisch, leicht transportabel, ergonomisch und sicher ist.

 

inform Ausgabe 2/2020

Rückenschonendes Arbeiten dank Anziehhilfe

Anziehhilfen, Bodensitzstühle oder Stehwickeltische sind unverzichtbare Helfer und ermöglichen einen gesunden Arbeitsalltag in der Kita.

Rückenschmerzen können durch ergonomisches Arbeiten vermieden werden. Bild: ©Adobe Stock, Krakenimages.com

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Autor/Interviewer: Dirk Jonischkeit, E-Mail: d.jonischkeit@ukh.de