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Datum: Kategorie(n): Sicherheit · Gesundheit · Mitgliedschaft UKH · Drucken

Forstamt Burgwald: Perfekte Symbiose von Mensch und Natur

„Die Waldbewirtschaftung soll die biologische Vielfalt und die damit verbundenen Werte, die Wasserressourcen, die Böden sowie die einzigartigen und empfindlichen Ökosysteme und Landschaften erhalten und dadurch die ökologischen Funktionen und die Unversehrtheit des Waldes gewährleisten“ (aus der Nachhaltigkeitszertifizierung). Wie diese hehre Theorie tagtäglich in der Praxis umgesetzt wird, zeigen wir am Beispiel des Forstamts Burgwald und der Forstwirte der ihm unterstellten Revierförsterei Roda.

Sie sind bei Wind und Wetter draußen im Wald, die Männer vom Forstamt Burgwald und der elf zugehörigen Revierförstereien. Sie sind gut zu erkennen in ihrer Arbeitsschutzkleidung, die sie als Beschäftigte von HessenForst ausweist und deren Tragen im Wald lebensrettend sein kann. Die PSA – Helm, Gehörschutz, Schutzbrille, Sicherheitsschuhe, Handschuhe und Schnittschutzhose, dazu reflektierende Oberbekleidung – stellt hier niemand in Frage. Der Wald birgt Gefahren, die auch für die Fachleute manchmal unvorhergesehen und unberechenbar sind. Trotz aller präventiven und vorausschauenden Maßnahmen „passieren“ Unfälle, die der Mensch trotz aller Vorsicht nicht hätte verhindern können, zuletzt 2013, als ein Forstwirt trotz korrekten Fällens eines Baums zu Tode kam. Das Bewusstsein für solche Gefahren schweißt die Arbeiter noch mehr zusammen: Im Wald muss man sich hundertprozentig aufeinander verlassen können. Das sorgsame Achtgeben auf den Kollegen und die ihn umgebende Natur kann Unfälle verhüten und im Ernstfall Leben retten.

Die Menschen, die bei HessenForst und hier beispielhaft beim Forstamt Burgwald und den Revierförstereien arbeiten, sind eine ganz besondere Spezies: Oft waren schon Großvater, Vater und/oder Onkel leidenschaftliche Waldarbeiter und die Söhne führen die Tradition fort. Sie würden, trotz aller wetterbedingten Widrigkeiten, keinen Büroarbeitsplatz dagegen eintauschen …

Das Forstamt Burgwald

Das Forstamt ist ein Teilbetrieb des Landesbetriebs HessenForst. Es ist für ca. 20.000 ha Waldfläche zuständig zwischen Frankenberg (Eder) im Norden und dem Oberzentrum Marburg im Süden. Auch wenn viele Privatleute und auch Städte und Gemeinden ihren Wald durch das Forstamt Burgwald betreuen lassen, dominiert der Staatswald mit einem Flächenanteil von 70 Prozent.

Am Standort Bottendorf arbeiten zwölf, auf den Revieren 37 Menschen. Elf Beschäftigte haben ein forstliches Hochschulstudium abgeschlossen. Außerdem sind acht Forstwirtschaftsmeister und 18 Forstwirte im Einsatz. Dazu kommen zwei Auszubildende.

Historie

Nach den enormen Waldverwüstungen des Mittelalters und der frühen Neuzeit wurde der Burgwald seit Ende des 18. Jahrhunderts planmäßig wieder aufgeforstet. Durch die geologischen Gegebenheiten des Sandsteinmassivs verfügt der Wald über nährstoffarme Böden, ein Mangel, der teilweise durch gute Wasserspeicherkapazität kompensiert wird. Daraus erklärt sich der Umstand, dass die Waldkiefer auch heute noch die häufigste Baumart hier ist. Der Burgwald besteht zu einem Drittel aus Laub- und zu zwei Dritteln aus Nadelbäumen.

Aufgaben

Das Forstpersonal plant sämtliche forstbetrieblich erforderlichen Maßnahmen wie Pflanzungen, Jungwuchsund Jungbestandspflege, Durchforstungen, Waldschutz vor Insekten und Mäusen, Schutz gegen Wildschäden, Wegeunterhaltung und Naturschutz.

Die Pläne werden im Rahmen der durch die Eigentümer genehmigten Budgets von den Beschäftigten des Forstamts und der Reviere umgesetzt, auch mit Unterstützung von Fremdfirmen. Diese erhalten vor Aufnahme der geplanten Tätigkeiten strenge schriftliche Zielvereinbarungen mit besonderem Blick auf die Einhaltung der Arbeitsschutzvorschriften. Die Einhaltung dieser Vorschriften wird genauestens kontrolliert.

Forstamtsleiter Eberhard Leicht ist verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Söhnen. Er leitet das Forstamt seit 1990. Auch seine Hobbys spielen sich in der Natur ab: Er engagiert sich ehrenamtlich in der Deutschen Gesellschaft für Gehölzkunde sowie im Naturschutz und erzieht zurzeit Hektor, seinen jungen Jagdhund, der ihn bereits jetzt in den Wald begleitet.

Thomas Figge, 55, verheiratet, zwei Söhne, leitet seit 2012 die Revierförsterei Roda. Er engagiert sich auch privat für den Naturschutz, ist Jäger und u. a. Ausbilder für Jagdscheine.

Eberhard Leicht und Thomas Figge berichten über eines der Nachhaltigkeitsprojekte in Sachen Klimaschutz, die Burgwaldmoore, und über die Notwendigkeit, den Wildbestand so zu regulieren, dass Wildschäden auf einem erträglichen Niveau bleiben und das Vermögen des Landes nicht gefährden.

Naturschutz für den Wald der Zukunft

Der Burgwald bietet eine einzigartige, für hessische Verhältnisse große, sehr vitale und wachsende Moorfläche. Die Moore im Burgwald sind durch Quell- und Hangwasser entstanden. Sie sind zum Teil sehr alt: Das älteste bekannte Burgwaldmoor ist ca. 4.000 Jahre alt. Es entstand in dem Zeitraum, in dem die Buche in die mitteleuropäischen Eichenmischwälder einwanderte. Berechnungen zufolge sind derzeit in den Burgwaldmooren ca. 20.000 t Kohlenstoff gespeichert. Die Moore dürfen nicht austrocknen, damit das CO2 nicht in die Atmosphäre entweicht. Viele hochgradig spezialisierte Pflanzen sind an die nährstoffarmen und sauren Bedingungen der Moore angepasst. Die Torfmooskörper wirken ausgleichend auf den lokalen Wasserhaushalt und sind auch deshalb sehr wertvoll. Der Ausbau und Erhalt der Moore ist eine der wichtigsten Zukunftsinvestitionen des Forstamts Burgwald. Zugleich bemüht man sich im Burgwald um die Förderung von Bio-Diversität: die Anpflanzung klimarobuster und seltener Baum- und Straucharten, die Renaturierung von Sonderstandorten in artenreiche Waldränder, die Durchgängigkeit von Waldfließgewässern und Entwicklungsmaßnahmen. Das alles hat zum Ziel, den Wald als Lebensgrundlage für Pflanzen und Tiere sowie als Rohstoffquelle zu erhalten und als Ort der Inspiration und Erholung.

Arbeitsschutz-Managementsystem

Helmut Ruckert, 60, verheiratet, Vater von zwei Töchtern und Opa von Zwillings-Enkeln, ist seit 1973, also seit mehr als 45 Jahren, beim Forstamt Burgwald beschäftigt. Als Forstwirtschaftsmeister leitete er u. a. die Ausbildung der Forstwirte, er ist ASA-Mitglied und stellvertretender Vorsitzender des Gesamtpersonalrats. Er engagiert sich seit drei Wahlperioden in der Vertreterversammlung und in Ausschüssen der UKH und hat sich auch mit diesem Hintergrund stets aktiv für nachhaltigen Arbeitsschutz eingesetzt. Helmut Ruckert singt in seiner Freizeit leidenschaftlich im Chor und widmet sich ebenso leidenschaftlich seinen Enkelkindern.

Helmut Ruckert: „HessenForst hat ein hervorragendes Arbeitsschutz-System. Bei uns haben allerdings auch alle Mitarbeiter die Aufgabe, sich um die eigene Sicherheit und die ihrer Kollegen zu kümmern und sie stetig zu verbessern. Alle müssen sich der permanenten Gefahren bewusst sein und einer Alltagsgewöhnung aktiv entgegentreten.

Ich begleite die Entwicklung des Arbeitsschutzsystems jetzt seit Jahrzehnten, sie ist rasant und hervorragend und beispielhaft auch für angrenzende Bundesländer. Viele von uns arbeiten daran, das System zu optimieren, auch mithilfe der UKH. Wir haben zwölf Arbeitsschutzberater, die analysieren und beraten. Wir stellen einheitliche PSA von höchstem Standard zur Verfügung. Wir achten auf unsere Vorbildfunktion und die Unfälle, besonders die schweren, gehen kontinuierlich zurück. Arbeitsschutz ist gleichzeitig Chefsache und wichtiger Teil unserer Ausbildung. Jede Situation muss fachmännisch gelernt werden, wir halten eigenverantwortliches Verhalten für überlebenswichtig. Unser Arbeitsschutz-Handbuch steht jedem Beschäftigten im Intranet zur Verfügung. Schulungen und Unterweisungen sind obligatorisch. Unsere Maßnahmen werden evaluiert.

Die Zusammenarbeit mit den Präventionsexperten der UKH könnte nicht besser sein und wird bei uns sehr geschätzt. Zusammen sorgen wir für sichere und gesunde Arbeit im Wald.

Für die Zukunft wünsche ich mir Gesundheitsangebote im Sinne eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements für die Leute vor Ort. Beim Arbeitsschutz sind wir weit vorn, bei der Gesundheitsförderung haben wir ganz klar Nachholbedarf. Dafür setze ich mich als Personalrat mit Priorität ein.“

 

inform-Ausgabe 1/2019

Flora und Fauna

Die große Besonderheit in der Vogelwelt des Burgwaldes sind die Eulen: Man trifft hier auf die kleinste und die größte mitteleuropäische Eulenart, nämlich den Sperlingskauz und den Uhu. Wald- und Raufußkauz sowie die Waldohreule vervollständigen die Eulenfamilie, die sich mit Schwarzstörchen, Milanen und Wespenbussarden den Luftraum über dem Burgwald teilt. Aber auch Tiere mit mehr Bodenhaftung wie Hirsche, Wildschweine und Rehe und sogar der Luchs ziehen hier ihre Fährte.

Arbeiten am Schlechtwetter-Arbeitsplatz

Forstamtsleiter Eberhard Leicht

linkes Bild: Viele Bäume müssen wegen des Heißsommers und der Borkenkäferplage jetzt gefällt werden: für Norbert Ruckert (links) und Frank Wasmutheine Routinearbeit. rechtes Bild: Frank Wasmuth befreit den gefällten Baum sorgfältig von Ästen und Blattwerk.

linkes Bild oben: Am Schlechtwetter-Arbeitsplatz sind die Forstwirte bei ihren Tätigkeiten vor Kälte, Nässe und Sonneneinstrahlung geschützt. linkes Bild unten: Die aus vorgefertigten Bauteilen zusammengefügten Sitz-Drück-Hocker werden für den Transport verladen. rechtes Bild: der fertige Sitz-Drück-Hocker

Die Fachmänner erläutern die obligatorischen Sicherheitsvorkehrungen, die die Forstwirte beim Fällen eines Baumes beachten müssen. Nur so ist gewährleistet, dass sie von Unfällen verschont bleiben. Fotos: Jürgen Kornaker für Unfallkasse Hessen

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Autor/Interviewer: Sabine Longerich, E-Mail: s.longerich@ukh.de