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Datum: Kategorie(n): Präventionskampagnen · Unternehmen · Gesundheit · Sicherheit · Drucken

Gutes Betriebsklima für Sicherheit und Gesundheit

Eines der Handlungsfelder der Präventionskampagne kommmitmensch ist die Verbesserung des Betriebsklimas in den Mitgliedsunternehmen. Auf dem Weg zu einer verbesserten Präventionskultur in den Unternehmen ist das Betriebsklima nicht nur ein Indikator, wie weit man mit der Kampagne vorangekommen ist, sondern, viel wichtiger: Ein gutes Klima verringert auch die Arbeitsunfähigkeiten und Unfallzahlen im Betrieb.

Jede Arbeit hat ihr eigenes Muster an Belastungen, die sich aus der Aufgabe, der Arbeitsumgebung oder den sozialen Beziehungen am Arbeitsplatz ergeben. Ob aus der Belastung eine Beanspruchung mit all ihren negativen Folgen wird, entscheidet letztlich die persönliche Situation des Arbeitnehmers: Je besser qualifiziert, gesünder und widerstandsfähiger jemand ist, desto eher wird er/sie auch hohe Belastungen ohne Folgen meistern. Besonders wichtig ist hierbei, wie stark eine soziale Unterstützung durch Vorgesetzte sowie Kolleginnen und Kollegen – aber auch durch Freunde und Verwandte – wahrgenommen wird. Das Betriebsklima beschreibt letztendlich, wie gut es dem Betrieb gelingt, dieses Netz einer sozialen Unterstützung zu knüpfen und damit zur Arbeitszufriedenheit beizutragen.

Auswirkungen von positivem und negativem Betriebsklima

Ein positives Betriebsklima bedeutet in der Regel, dass Arbeit gerne geleistet wird, sich die Beschäftigten unterstützt fühlen, dass ein gutes persönliches Verhältnis zu Vorgesetzten sowie Kolleginnen und Kollegen besteht und angst- und konkurrenzfrei gearbeitet wird. Soziale Unterstützung fördert direkt ein physisches und psychisches Wohlbefinden, steigert das Selbstwertgefühl und begünstigt gesundheitsförderliche Verhaltensweisen. Es wirkt so als Puffer gegen die negativen Aspekte von Belastungen und hilft mit, Probleme zu bewältigen. Ein gutes Betriebsklima hat somit eine stimulierende Wirkung und begünstigt einen hohen „Output“.

Gut erforscht sind die Auswirkungen eines negativen Betriebsklimas. Hier kommt es häufig zu Spannungen oder Konflikten unter den Beschäftigten – teilweise aufgrund des Gefühls, dass einzelne Beschäftigte bevorzugt werden oder man selbst benachteiligt wird.

In einem feindseligen Klima gedeihen Konflikte zwischen Kollegen leicht – bis hin zum Mobbing. Ein negatives Betriebsklima und die dadurch erzeugte psychische Beanspruchung kann vielfältige körperliche und psychosomatische Probleme wie Schlafstörungen, Herz-Kreislauf- oder Magen-Darm-Beschwerden, Atemwegs oder Hauterkrankungen, Übelkeit, Appetitlosigkeit oder Kopfschmerzen hervorrufen. Dauern diese Folgen länger an, kann es zu einer spürbaren Abnahme der Arbeitszufriedenheit und Leistungsbereitschaft kommen, die dann langfristig zu einer höheren Fluktuation, vermehrten Fehlzeiten und zur sogenannten „inneren Kündigung“ führen können. Das beeinträchtigt die Wirtschaftlichkeit des gesamten Betriebs: Durch eine geringere Arbeitsproduktivität und -qualität sinkt die Wettbewerbsfähigkeit.

Eher unbekannt ist der Zusammenhang zwischen negativem Betriebsklima und dem Unfallrisiko im Betrieb. Ein negatives Betriebsklima ist meist gekoppelt mit der Angst vor nicht kontrollierbaren Veränderungen und mit Spannungen im Team. Beide erfordern eine hohe Aufmerksamkeit und Konzentration, sodass die Betroffenen von ihrer eigentlichen Aufgabe abgelenkt sind. Vermehrte Fehlhandlungen sind die Folgen, die dann zu mehr Unfällen führen können. Es verwundert daher nicht, dass wissenschaftlich belegt wurde, dass soziale Konflikte am Arbeitsplatz, niedrige Arbeitszufriedenheit und eine hohe emotionale Beanspruchung das Unfallrisiko deutlich erhöhen.

Beschäftigte im Bau-Gewerbe, die ihr Betriebsklima negativ bewerteten, wiesen ein doppelt so hohes Unfallrisiko auf wie diejenigen, die das Klima positiv bewerteten. Hohe soziale Unterstützung von Vorgesetzten und Kollegium führte zu einem niedrigeren Unfallgeschehen.

Der geschilderte Zusammenhang zwischen Betriebsklima und Unfällen gilt auch für die Teilnahme am Straßenverkehr. Dies verwundert nicht, führt doch der sogenannte „Ärger im Bauch“ über Vorgesetzte oder unter Kollegen zu Unkonzentriertheit im Straßenverkehr und zu mehr Unfällen. Umgekehrt hängen ein positives Arbeitsklima und gute zwischenmenschliche Kommunikation deutlich mit einer niedrigeren Unfallbelastung zusammen – sowohl in Betrieben als auch in Bildungseinrichtungen.

Förderung des Betriebsklimas

Soziale Unterstützung hilft

Beschäftigte und Führungskräfte sollten somit gleichermaßen daran interessiert sein, das Betriebsklima positiv zu beeinflussen. Geeignete Mittel hierbei sind der Aufbau sozialer Unterstützung, ein kooperativer Führungsstil und eine gute Partizipation der Mitarbeiter.

Gegenseitige soziale Unterstützung im Kollegium und durch Vorgesetzte hilft bei der Bewältigung von Belastungen und Herausforderungen und kann auf vier Ebenen angeboten werden:

  • Instrumentelle Unterstützung (konkrete Hilfeleistungen bei Aufgaben)
  • Informationale Unterstützung (Orientierungshilfe bei Problemen, Tipps)
  • Emotionale Unterstützung (Verständnis, Anteilnahme, Trost)
  • Bewertungsbezogene Unterstützung (Bestätigung, Wertschätzung und Akzeptanz)

Soziale Unterstützung sollte so gewährt werden, dass sie den Empfänger nicht bloßstellt oder in ihm ein Verpflichtungsgefühl erzeugt. Wird sie als solche etwa gar nicht bewusst registriert, kann sie im Umgang mit Stresssituationen besonders hilfreich sein. Unterstützung von Vorgesetzten erweist sich als besonders wirksam.

Gute Führung – gute Laune!

Arbeitspsychologisch versteht man unter Führungsstil ein langfristiges, relativ stabiles Verhaltensmuster von Führungskräften, um ein bestimmtes, auf das Unternehmensziel gerichtetes Arbeitsverhalten der Beschäftigten zu erreichen. Dabei geben die Einstellungen und das Verhalten der Vorgesetzten gegenüber den Beschäftigten die Klimabedingungen vor, die sich in der Belegschaft widerspiegeln.

Zur Förderung eines positiven Betriebsklimas eignet sich meist ein kooperativer Führungsstil, der davon ausgeht, dass Mitarbeiter grundsätzlich bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Daher beinhaltet er sowohl Delegation als auch Verantwortungsübernahme und gewährt Raum für eigenverantwortliches Handeln. Außerdem ermöglicht er die Zunahme von Handlungs- und Entscheidungsspielräumen; die Arbeit wird weniger angeordnet als vielmehr durch Vereinbarungen koordiniert. Im kooperativen Führungsstil haben die Beschäftigten ein Mitspracherecht und Anteil an Entscheidungen. Gemeinsame Zielvereinbarungen erhöhen die Motivation, fördern die Selbstständigkeit und Eigeninitiative sowie die Identifikation mit der Arbeit und die Übernahme von Verantwortung. Der kooperative Führungsstil ist geprägt durch eine flache Hierarchie, fördert ein Klima offener Kommunikation, erleichtert die Ansprechbarkeit von Vorgesetzten, lässt sowohl Ideen als auch Kritik zu und fördert eine Kultur des gegenseitigen Respekts.

Und jetzt weiter so!

Das Betriebsklima kann durch die regelmäßige Thematisierung auf Betriebsversammlungen und in Besprechungen von Abteilungen oder Arbeitsgruppen weiter verbessert werden. Wichtig ist es, die Führungskräfte zu qualifizieren und ihnen dabei die Vorteile eines demokratischen Führungsstils zu verdeutlichen. Dies hat das Ziel, die Kommunikation und Information ständig zu verbessern, die Handlungs- und Entscheidungsspielräume der Beschäftigten zu erweitern und zugleich die Zuständigkeiten klar zu regeln. Des Weiteren ist es zweckmäßig, den Umgang mit Konflikten in Schulungen zu behandeln und gegebenenfalls Verfahren zur Konfliktbewältigung, wie Mediation und Supervision, einzuführen.

Teamgeist statt Konkurrenz

Ein effizienter Arbeits- und Gesundheitsschutz reduziert zudem die Belastungen des Arbeitsplatzes (z. B. Lärm, schlechte ergonomische Ausstattung) als negative Einflussfaktoren auf das Betriebsklima. Durch die Förderung der zwischenmenschlichen Beziehungen, des Teamgeistes und der gegenseitigen Unterstützung wird dem individuellen Konkurrenzdenken als weiterem (negativem) Faktor entgegengewirkt. Angemessene Bezahlung, Anerkennung und das Anbieten von Weiterentwicklungsmöglichkeiten tragen hingegen zu betrieblicher Gerechtigkeit bei und fördern die Arbeitszufriedenheit.

Es gibt viele Möglichkeiten, das Betriebsklima zu verbessern und sowohl psychische Belastungen der Beschäftigten und Unfallrisiken zu reduzieren als auch die Produktivität des Unternehmens zu verbessern.

Neben guter Führung, ausreichender Kommunikation und Partizipation und einer angemessenen Fehlerkultur gehört auch die Einbindung von Sicherheit und Gesundheit in alle Handlungen dazu.

Wenn die Kampagne es schafft, Beschäftigte, Führungskräfte und andere Funktionsträger hinsichtlich des Stellenwerts eines guten Betriebsklimas zu sensibilisieren, wäre die Grundlage für echte Verbesserungen am Arbeitsplatz gelegt.

 

inform Ausgabe 4/2018

Aktivitäten und Indikatoren zur Verbesserung des Betriebsklimas:

Die Präventionskampagne kommmitmensch der Unfallkassen und Berufsgenossenschaften hat das Ziel Betriebe, öffentliche Einrichtungen und Bildungseinrichtungen dafür zu begeistern, sich für Sicherheit und Gesundheit zu engagieren.

Auch die Fraport AG bekennt sich zur Kampagne: eine Szene aus dem neuen kommmitmensch-Film

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Autor/Interviewer: Dr. Torsten Kunz, E-Mail: t.kunz@ukh.de