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Datum: Kategorie(n): Sicherheit · Gesundheit · Kita · Drucken

Heißer Sommer in der Kita: Baulicher Sonnenschutz hilft gegen Hitze

Wenn im Frühjahr und Sommer die Sonne vom wolkenlosen blauen Himmel scheint, bringt dies nicht alle gleichermaßen zum Strahlen. Denn die durch die Fenster einfallende Sonne trägt in Gebäuden erheblich zu deren Erwärmung bei. Wir skizzieren in dieser und der nächsten inform-Ausgabe Möglichkeiten, wie man der sommerlichen Hitze mit technischen und organisatorischen Maßnahmen begegnen kann – ohne dabei große Einschränkungen in Kauf nehmen zu müssen.

Vor dem Hintergrund des außerordentlich heißen Sommers im letzten Jahr erinnern sich in den Kitas viele daran, dass die erhoffte und ersehnte Abkühlung nicht einmal in den Abend- und Nachtstunden eintrat. Das Wohlbefinden der Kinder und Beschäftigten wurde auf eine harte Probe gestellt.

Schattenspiele

Bei intensiver Sonnenstrahlung ist ein Aufenthalt im Freien insbesondere wegen der Gefahr von Hautkrebs immer nur unter besonderen Vorkehrungen möglich. Mit Auftragen von Sonnenschutzmitteln kann der Verbleib in der Sonne zwar vertreten werden. Doch insbesondere zur Mittagszeit, wenn die Sonne am höchsten steht, sollte der Aufenthalt im Schatten angestrebt werden. Und wenn schattenspendende Bereiche im Außengelände nicht ausreichend vorhanden sind, muss der geschützte Innenbereich aufgesucht werden. Auf der Suche nach schattenspendender Kühle findet man aber unter Umständen stark aufgewärmte Räume vor, weil die Sonne ungehindert einstrahlen konnte.

Der Sonnenschutz für Groß und Klein beginnt nicht erst mit Sonnenschirm und Sonnencreme. Gerade vor dem Hintergrund, dass Hitzeereignisse nun häufiger beobachtet werden, sind neben den eher personenbezogenen Vorkehrungen vor allem auch, zum Teil umfangreiche, technische Maßnahmen zu ergreifen.

Unter der Sonne sind alle gleich

Besonders in den Kitas konnten im vergangenen Sommer über einen längeren Zeitraum Temperaturen gemessen werden, die sowohl den Kindern als auch den Beschäftigten zu schaffen machten. Erwachsene können dieser Belastung physiologisch eher etwas entgegensetzten als kleine Kinder: Bis zur Pubertät schwitzen Kinder weniger als Erwachsene. Dies führt zu einer geringeren Wärmeabgabe, da weniger Schweiß verdunstet. Insbesondere während körperlicher Aktivität erzeugen Kinder aber mehr Stoffwechselwärme als Erwachsene. Bei extremer Hitze, hoher Luftfeuchtigkeit, wenig Luftbewegung und übermäßiger Anstrengung gelingt es dem kindlichen Körper dann oft nicht mehr, seine Temperatur genügend herabzusetzen. Ab 27 Grad sollten sich Kinder nicht mehr anstrengen, da sonst Hitzekrämpfe, Hitzeerschöpfung oder sogar Hitzschlag drohen.

Besonders Krippenkinder sind zusätzlich beeinträchtigt, wenn sie in überhitzten Schlafräumen keinen für ihr Wohlbefinden notwendigen Schlaf finden. Die Trägerverantwortlichen sind durch das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG), die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) und die Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR) verpflichtet, für die Beschäftigten physikalische Beeinträchtigungen, wie hohe Temperaturen, durch geeignete Maßnahmen möglichst gering zu halten. So weist die ASR A3.5 darauf hin, dass Raumtemperaturen über 26 °C zu einer Gesundheitsgefährdung führen können, insbesondere „bei gesundheitlich Vorbelasteten und besonders schutzbedürftigen Beschäftigten (z. B. Jugendliche, Ältere, Schwangere, stillende Mütter)“. Um eine Kindeswohlgefährdung auszuschließen, sollten daher auch Kita-Kinder wie Beschäftigte im Sinne des Arbeitsschutzgesetzes behandelt werden.

Baulicher Sonnenschutz ist notwendig

Idealerweise kann der Überhitzung von Gebäuden vorgebeugt werden, indem die Sonne möglichst „draußen“ bleibt und – überspitzt formuliert – auf Fenster als Einfallmöglichkeit verzichtet wird. Natürlich gilt es, nicht von einem Extrem (helle, aber überhitzte Räumlichkeiten) zu einem anderen (dunkle, angenehm temperierte Räume) zu fallen. Letzteres ist sicherlich bei Lagerräumen vorstellbar, nicht aber in Kitas.

In den letzten Jahrzehnten hat sich das Erscheinungsbild von Kitas deutlich verändert. Zwar gab es durchaus eher als bei anderen Bauaufgaben das Postulat eines möglichst licht- und damit auch sonnendurchfluteten Entwurfs. Nach und nach sind an die Stelle massiver Bauweise mit Lochfassaden und schwerem Innenausbau luftige Gebäude mit einem hohen Glasflächenanteil und einem häufig leichten Innenausbau getreten. Diese „Offenheit“ bewirkt allerdings, dass entsprechende Maßnahmen ergriffen werden müssen, um – vereinfacht ausgedrückt – im Winter zu heizen und im Sommer zu kühlen.

Zusätzlich sind auch die Anforderungen an Gebäude stark gestiegen. Moderne, energieeffiziente Gebäude setzen eine umfassende und auch nachhaltige Planung voraus, um für eine Minimierung des Energieeinsatzes zu sorgen. Bei dem zu berücksichtigenden Anforderungskatalog mutet dies unter Umständen dem Versuch der Quadratur des Kreises an. Die Verantwortlichen sind mit der Herausforderung konfrontiert, beim Betrieb von Kitas im Winter die nötige Wärmeleistung und im Sommer die erforderliche Kühlung sicherzustellen.

Kennzeichen einer optimalen Kita-Gebäudeform

  • Sie nutzt das Tageslicht und ermöglicht eine natürliche Lüftung, gleichzeitig bietet sie eine größtmögliche Flexibilität für die Nutzungsvarianten.
  • Sie verfügt über einen ausreichend großen Glasflächenanteil, um die solaren Wärmeeinträge im Winter zu nutzen, und dieser ist gleichzeitig klein genug, um das Gebäude im Sommer nicht in ein Treibhaus zu verwandeln.
  • Sie bietet trotz räumlicher Flexibilität genügend thermische Masse, um die täglichen Temperaturschwankungen auszugleichen.

Der Fassadenplanung und besonders dem Sonnenschutz kommt eine entscheidende Rolle zu. Ein gut geplantes Sonnenschutzsystem kann wirksam auch größere Glasflächen vor Sonneneinstrahlung abschirmen, sodass sowohl ein übermäßiger Wärmeeintrag in das Gebäude als auch die Blendung am Arbeitsplatz vermieden werden. Die Sonnenschutzfunktion darf jedoch nicht auf Kosten der Tageslichtversorgung gehen oder gar den wichtigen Kontakt zur Außenwelt permanent verhindern.

Gebräuchliche Sonnenschutzsysteme

Je nach Lage und Bedienbarkeit lassen sich Sonnenschutzsysteme grob in außen und innen liegende Systeme unterscheiden. Die Lage des Sonnenschutzsystems beeinflusst die Sonnenschutzwirkung allerdings wesentlich.

Außen liegende Sonnenschutzsysteme

Sie haben eine mittlere bis hohe Sonnenschutzwirkung und sind außerhalb der Glasflächen bzw. beim Einbau in die Fenster außerhalb der Isolierglasschicht angebracht. Sie schützen wirkungsvoller vor Wärmeeinstrahlung als zwischen- oder innenliegende Sonnenschutzvorrichtungen. Beim Öffnen der Fenster bleibt der Schutz vor Blendung gewährleistet. Wird das Sonnenschutzsystem motorisch betrieben, besteht die Möglichkeit einer zentralen Steuerung über Wind-, Sonnen- und Regenwächter.

Außen liegende Sonnenschutzvorrichtungen sind jedoch windanfälliger als diejenigen, die zwischen Fensterscheiben angebracht sind, und als innen liegende Systeme. Bei Steuerung über Windwächter besteht im ungünstigen Fall bei starkem Wind und gleichzeitiger Sonnenstrahlung kein Sonnenschutz. Ihre Montage ist aufwendiger und verursacht dadurch höhere Kosten.

Innen liegende Sonnenschutzsysteme

Diese befinden sich raumseitig unmittelbar an den Glasflächen und können unterschiedlich gestaltet sein. Am häufigsten sind Jalousien mit horizontalen oder vertikalen Lamellen sowie Rollos oder Plissees mit Behängen aus Textilien oder Folien. Im Vergleich zu außen liegenden Systemen haben sie eine geringere Sonnenschutzwirkung. Eine nachträgliche Montage ist verhältnismäßig unkompliziert. Bei geöffneten Fenstern besteht jedoch teilweise kein Blendschutz. Als Wärmeschutz eignen sich innenliegende Sonnenschutzvorrichtungen nur bedingt. Bereits in den Raum eingedrungene Solarstrahlung wird nur zum Teil wieder nach außen reflektiert. Viele Stoffe und Metallfolien sind zudem leicht entflammbar, wodurch der Einsatz nicht überall möglich ist. Einige Sachversicherer verlangen den Einsatz von schwer entflammbaren Materialien.

Neben dieser grundsätzlichen Differenzierung kann man weitere Unterscheidungen vornehmen. Wie sich dynamische, statische und permanente Systeme auswirken, erfahren Sie in der nächsten inform-Ausgabe.

Die Qual der Wahl

Die Auswahl des Sonnenschutzsystems bestimmt maßgeblich das spätere Energieverhalten des Gebäudes. Das aus ästhetischen Gründen häufig bevorzugte Sonnenschutzglas führt zum Beispiel zu einer markanten Steigerung des Energiebedarfs. Architektonisch interessante feststehende Elemente dagegen gewährleisten nur einen ungenügenden Blendschutz. Innen liegende Systeme haben zwar gute Blendschutzeigenschaften, bieten jedoch nur geringe Sonnenschutzwirkung, und bewegliche außen liegende Sonnenschutzsysteme sind nicht immer mit der zu erwartenden Windlast kompatibel.

Hat man sich erst einmal auf ein bestimmtes technisches Schutzsystemkonzept festgelegt, lässt sich dieses später gar nicht bzw. nur mit viel Aufwand ändern. Werden dagegen bereits in der Planungsphase individuelle Anforderungen berücksichtigt und die tatsächlichen Nutzer mit einbezogen, trägt dies dazu bei, etwaigen Unzufriedenheiten in der Nutzungsphase vorzubeugen.

 

inform-Ausgabe 1/2019

Auszug ASR A3.5 „Raumtemperatur“

Führt die Sonneneinstrahlung durch Fenster, Oberlichter und Glaswände zu einer Erhöhung der Raumtemperatur über +26 °C, so sind diese Bauteile mit geeigneten Sonnenschutzsystemen auszurüsten. Störende direkte Sonneneinstrahlung auf den Arbeitsplatz ist zu vermeiden.

Durchdachter Sonnenschutz ist in der Kita obligatorisch, sowohl draußen als auch drinnen – im Sommer wie im Winter! Bild: ©Adobe Stock, Jean Kobben

Außen liegende Sonnenschutzsysteme an den Fensterflächen. Bild: ©Adobe Stock, U. J. Alexander

Innen liegende Sonnenschutzsysteme Bild: ©Adobe Stock, navintar

Die DGUV stellt Mitgliedsbetrieben zwei interessante Publikationen zum Thema Sonnenschutz und Raumklima zur Verfügung.

Die Anbringung spezieller Sonnensegel mit UV-Schutz-Funktion machen auch den Spielplatz im Außenbereich zum sicheren Areal. Sonnencreme sollte unbedingt zusätzlich genutzt werden! Auch die von außen angebrachten Sonnenschutzsysteme an den Fenstern sind hier gut sichtbar. Bild: Kita Neuhof ©W. Eberhardt

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Autor/Interviewer: Michael Protsch, E-Mail: m.protsch@ukh.de