Twitter Facebook Instagram Youtube Xing RSS Snapchat LinkedIn
inform ukh
Datum: Kategorie(n): Sicherheit · Gesundheit · Drucken

Kinderfitness statt Pommesbude: Gemeinsam für ein gesundes Leben in Frankfurt

Das Präventionsgesetz, die Landesrahmenvereinbarung und die Bedeutung der eigenen Gesundheit sowie ein individuelles Verständnis für ein gesundes und glückliches Aufwachsen in einem Frankfurter Stadtteil: Mit diesen Punkten beschäftigt sich das Projekt „GUT GEHT’S – Gemeinsam für ein gutes und gesundes Leben in Frankfurt“. Wie kann man Gesundheit für Kinder in der Stadt wirkungsvoll gestalten? Am besten fragt man die Kinder!

Alle ziehen an einem Strang

Was will das Präventionsgesetz (PrävG) erreichen?

Das Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und Prävention trat am 25. Juli 2015 in Kraft. In diesem Zusammenhang wurde von allen Landesregierungen gefordert, Landesrahmenvereinbarungen zu erarbeiten. Im April 2016 unterzeichnete Hessen diese als erstes Bundesland. Die Unterzeichner – neben dem Land Hessen zahlreiche Träger der gesetzlichen Kranken-, Renten- und Unfallversicherung – richten ihre Aktivitäten aus auf die in den Bundesrahmenempfehlungen festgelegten Ziele und Handlungsfelder, entsprechend ihrem jeweiligen gesetzlichen Auftrag. So sollen der Gesundheitsförderung in Hessen Impulse gegeben und Handlungsbedarfe in der Prävention identifiziert werden.

Die Förderung einer zielgerichteten Zusammenarbeit und Kooperation der gesundheitsbezogenen Akteure in der Prävention ist ein weiterer Baustein, um der Separation von Lebenswelten im Gesundheitswesen entgegenzuwirken. Auf dieser Grundlage gilt es, Strukturen vor Ort in den jeweiligen Kommunen aufzubauen.

Frankfurt legt los

Prävention und Gesundheitsmanagement sollen in der Stadt kooperativ umgesetzt werden. Zu Erhalt, Verbesserung und Förderung von Gesundheit und zur Verhütung von Krankheiten der Frankfurter Bürgerinnen und Bürger wurde daher das im Juli 2017 gestartete Projekt „GUT GEHT’S – Gemeinsam für ein gutes und gesundes Leben in Frankfurt“ ins Leben gerufen. Die neu geschaffenen Strukturen für die Umsetzung des Projekts „GUT GEHT’S“ umfassen Beteiligte verschiedener Lebenswelten und externe Akteure, politische Netzwerke, innerstädtische Akteure, das Gesundheitsamt und als Gesamtverantwortliche die Stadt Frankfurt und somit den Magistrat. Die in der steuernden Lenkungsrunde vertretenden Kooperationspartner (u. a. die Techniker Krankenkasse) unterstützen die thematische Schwerpunktsetzung des Projekts und priorisieren die Handlungsempfehlungen und vorgeschlagene Maßnahmen.

Stadtgesundheitskonferenzen

Die Umsetzung des Präventionsgesetzes und die Ausgestaltung der Landesrahmenvereinbarung sind im Rahmen dieses Projekts durch die Einrichtung einer kommunalen Gesundheitskonferenz angegangen worden. Ein Mal im Jahr sind Stadtgesundheitskonferenzen geplant, zu denen neben den Dezernaten, politischen Gremien und städtischen Ämtern auch folgende Partner*innen eingeladen werden, sich aktiv zu beteiligen:

  • Sozialversicherungsträger (z. B. Unfallkasse und Träger der gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherung)
  • Wohlfahrtsverbände
  • Krankenhäuser
  • landesbezogene Einrichtungen (z. B. Ärztekammer, staatliches Schulamt, Polizei usw.)
  • Organisationen der Zivilgesellschaft (z. B. Vereine, Stadtelternbeirat, Schüler*innenrat, Ehrenamtliche etc.)

„Gesund aufwachsen“

Auf der Stadtgesundheitskonferenz 2018 an der Frankfurt University of Applied Sciences zum Thema „Gesund aufwachsen“ hat sich das interdisziplinäre Präventionsprojekt „GUT GEHT’S“ vor zwei Jahren vorgestellt. Die Workshops waren auf vier Lebenswelten ausgerichtet: Familie, Krippe/Kita, Schule und Quartier/Wohnumfeld. Ihre Inhalte bezogen sich dabei meist auf Projekte in Quartieren unter Berücksichtigung der dortigen Lebenswelten. Die Komplexität des Themas sowie die Vielzahl der Beteiligten und der zu Beteiligenden wurde in den einzelnen Impulsvorträgen dargestellt. Immer wieder wurde auf die Wichtigkeit von nachhaltigen und niedrigschwelligen Angeboten für die Umsetzung in den Quartieren hingewiesen und auf bekannte Projekte Bezug genommen.

Die gesundheitliche Chancengleichheit soll weiter auf- und ausgebaut werden, damit Gesundheit und Lebensqualität der Frankfurter Bürger*innen für spezifische Settings in Stadtteilen gefördert werden.

Abgeleitet aus der Stadtgesundheitskonferenz folgte am 27. September 2019 eine Kinder- und Stadtteilkonferenz. Für das Gesundheitsziel „Gesund aufwachsen“ wurde 2018–2020 der Pilotstadtteil Höchst mit Anbindung an Unterliederbach ausgewählt. Die Stadtteilauswahl erfolgte auf breiter Datenbasis der Gesundheits- und Sozialberichterstattung, um zielgenau ungleiche Gesundheitschancen abzubauen, quartiersbezogene Gesundheits- und Präventionsangebote für vulnerable Zielgruppen zu erschaffen und gesundheitliche Chancengleichheit zu fördern.

Die Förderung von Kooperation und die Verbesserung von Kommunikation im Rahmen der gemeinsamen Handlungsstrategie wurden nach Ansicht des Verfassers durch die einfache und, wie sich herausstellte, mutige Anmerkung auf der Einladung zur Kinder- und Stadtteilkonferenz realisiert:

Das interaktive Veranstaltungsformat hatte seinen besonderen Charme in der gemeinsamen Umsetzung mit Schüler*- innen aus Höchst und Unterliederbach. Die Diskussion der Leitfragen („Welche Ideen für Maßnahmen haben Sie/habt ihr, damit man in Frankfurt noch besser gesund aufwachsen kann?“ und: „Was sollte zuerst angegangen werden?“) erfolgte in Kleingruppen und mündete in der Vorstellung von Ergebnisplakaten der priorisierten Handlungsansätze im Plenum.

Die erste Ideensammlung zeigte die Vielfalt, aber auch die Herausforderung in der Umsetzung.

Die umfangreiche Ideensammlung:

  • bessere Vernetzung von Kita, Schule und Erziehungsberatung
  • Schulgesundheitsfachkräfte an allen Schulen
  • ergonomische Möbel und Bewegungsräume in Schulen
  • kostenlose Nutzung des ÖPNV für alle Kinder
  • sicherere, besser ausgeleuchtete Schulwege Die Beantwortung der zweiten Frage („Was sollte zuerst angegangen werden?“) führte dann zu folgenden ausgewählten Schwerpunkten:
  • Familie: Einrichtung von Orten für Familien zum Austausch und Dialog
  • Kita: Schaffung von Bewegungsangeboten im Sozialraum
  • Schule: Stärkung des psychischen Wohlbefindens
  • Quartier: Schaffung von Treffpunkten für gemeinsame Nutzung

Vor allem Prävention und Gesundheitsförderung kann bei der Nivellierung von ungleich verteilten Gesundheitschancen und somit der Umsetzung des Präventionsgesetzes sowie der Landesrahmenvereinbarung kompensierend agieren.

Einmütiges Fazit:

Mit der dadurch gebotenen und eingeforderten sektorübergreifenden Zusammenarbeit war insbesondere der direkte Dialog mit den Kindern absolut gewinnbringend.

Der Prozess wurde dadurch anspruchsvoller und es wird spannend, wie die Ideen der Kinder- und Stadtteilkonferenz in „GUT GEHT’S“ eingebracht werden.

Die Erweiterung des bereits guten Angebots in Höchst umfasste dann viele Vorschläge:

  • einen Spaziergangstreff im Park initiieren
  • mehr Bewegungsförderung an Schulen anbieten
  • eine „Kinderfitnessbude“ mit einem Bewegungsparcours gestalten
  • die Gesundheitskompetenzen der Eltern stärken
  • Radwege ausbauen
  • Wartehäuser von Straßenbahnen und Bahnen begrünen
  • „Hilfeinseln“ einrichten (das sind Läden, in denen Kinder um Hilfe bitten können)

Gemeinsam zu gestalten, auch wenn die Menge an Ideen in der Umsetzung nicht immer exakt mit der Verabschiedung des PrävG zu tun hatten, ist eine lohnenswerte Investition für mehr Gesundheit.

Ein Blick auf die Homepage von „GUT GEHT’S“ lohnt sich: Hier kann jede Kommune Anregungen zur eigenen Umsetzung finden.

In Zeiten von Corona

Die Themen des Präventionsgesetzes, der Landesrahmenvereinbarung und der operativen Umsetzung passen auch zur aktuellen Entwicklung: die Gesundheitskompetenz der Familien erhöhen und den sozialen Zusammenhalt trotz körperlicher Distanz stärken. Seit einigen Monaten haben das eigene Wohnumfeld und die nahe Umgebung, also die Lebenswelt, eine ganz andere Bedeutung als noch zu Beginn des Jahres.

Gerade jetzt gilt das ausgerufene Motto in Frankfurt: „Gemeinsam für ein gutes und gesundes Leben in Frankfurt – auch während der Corona-Pandemie!“

inform Ausgabe 4/2020

Kinder- und Stadtteilkonferenz „Gesund aufwachsen in Höchst und Liederbach“

Workshop in Form eines World Cafés zur Ideensammlung

Die Ergebnisse der Ideensammlung beim World Cafè

Datum: Kategorie(n): Sicherheit · Gesundheit · Drucken
Autor/Interviewer: Oliver Mai, E-Mail: o.mai@ukh.de