Twitter Facebook Instagram Youtube Xing RSS Snapchat LinkedIn
inform ukh
Datum: Kategorie(n): Sicherheit · Versicherungsschutz · Versicherungsschutz · Gesundheit · Drucken

Leiterunfälle sind vermeidbar!

Laut Arbeitsunfallstatistik der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) e. V. gab es 2016 bei der Nutzung von Leitern 23.700 meldepflichtige Arbeitsunfälle. Fast jeder 15. dieser Unfälle hatte schwere bis tödliche Verletzungen zur Folge. Bei der Unfallkasse Hessen liegen die durchschnittlichen Kosten von mehr als 4.200 Euro pro Leiter-Unfall bei mehr als dem Sechsfachen der durchschnittlichen Kosten eines Unfalls von Beschäftigten auf dem Bauhof.

Viele der Leiterunfälle sind vermeidbar, wenn Unternehmer und Vorgesetzte, aber auch Nutzerinnen und Nutzer von Leitern einige wesentlichen Dinge beachten.

Unternehmerpflichten

Bevor Unternehmer Tätigkeiten auf einer Leiter ausführen lassen, müssen sie im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung ermitteln, ob nicht ein anderes Arbeitsmittel für diese Tätigkeit sicherer ist.

Die Benutzung einer Leiter ist auf Umstände zu beschränken, unter denen die Benutzung anderer, sichererer Arbeitsmittel wegen

  • geringer Gefährdung und
  • geringer Dauer der Benutzung oder
  • vorhandenen baulichen Gegebenheiten

nicht gerechtfertigt ist.

Für Tätigkeiten, die mit einer höheren Gefährdung verbunden oder von längerer Dauer sind, müssen dagegen sichere Arbeitsmittel, wie Gerüste oder Hubarbeitsbühnen, verwendet werden. Dies ist beispielsweise bei der Baumpflege oder dem Anbringen von Weihnachtsdekoration im öffentlichen Verkehrsbereich der Fall.

Darüber hinaus müssen Unternehmer sicherstellen, dass Leitern dauerhaft in einem sicheren Zustand sind. Aufgabe der Leitung ist es daher, dafür zu sorgen, dass Leitern und Tritte in einer wiederkehrenden Prüfung durch eine befähigte Person auf ihren sicheren Zustand geprüft werden. Diese Prüfung kann von einem Mitarbeiter des Bauhofs ausgeführt und dokumentiert werden (§ 14, Absatz 2 BetrSichV).

Die Zeitabstände für die Prüfungen richten sich nach

  • den Betriebsverhältnissen, insbesondere nach der Nutzungshäufigkeit,
  • der Beanspruchung bei der Benutzung sowie
  • der Häufigkeit und Schwere festgestellter Mängel bei vorangegangenen Prüfungen.

Die wiederkehrende Prüfung von Leitern und Tritten lässt sich zum Beispiel mithilfe einer Checkliste der DGUV Information 208-016 „Handlungsanleitung für den Umgang mit Leitern und Tritten“ durchführen.

Da die Sicherheit stark vom Wissen des Nutzers über die sichere Verwendung von Leitern abhängt, hat der Unternehmer für eine Unterweisung der Nutzer zu sorgen. Die Unterweisung soll auf Grundlage der Gefährdungsbeurteilung und der DGUV Information 208-016 erfolgen. Sie muss mindestens einmal jährlich, aber auch bei besonderen Anlässen erfolgen und dokumentiert werden.

Situationsbezogene Auswahl von Leitern und Zubehör

Die Wahl der Leiter hängt von Aufgabe und Einsatzbedingungen ab (siehe Infobox rechts). Eine Rollleiter ist beispielsweise für ein Lager mit hohen Regalen geeignet, weil diese kippsicher mit dem Regal verbunden ist. Sie kann seitlich verschoben und in die richtige Position gebracht werden. Für die Baumpflege ist dagegen eine transportable Stehleiter mit einer Traverse ideal, weil diese ein seitliches Kippen verhindert.

Von der Arbeitsaufgabe und den Arbeitsbedingungen hängt es ab, ob für die sichere Benutzung von Leitern geeignetes Zubehör benötigt wird. Dazu zählt zum Beispiel eine Holmverlängerung, um Höhenunterschiede des Bodens auf Treppen auszugleichen. Eine Traverse am unteren Ende der Leiter verbreitert die Ausstellfläche und verhindert ein seitliches Kippen, wenn Arbeiten seitlich neben der Leiter ausgeführt werden.

Bei der Wahl der Leitergröße sollte beachtet werden, dass Leitern nicht bis zur obersten Sprosse bestiegen werden dürfen. Ebenso dürfen nicht zusätzlich gesicherte Anlegeleitern nur bis zur viertobersten Sprosse bestiegen werden, da sonst die Gefahr des Wegrutschens besteht. Beidseitig besteigbare Stehleitern dürfen nur bis zur drittobersten Sprosse bestiegen werden, damit ausreichender Halt möglich ist.

Die Größe von Podestleitern oder Stehleitern mit Plattform muss so gewählt werden, dass Beschäftigte die Arbeitshöhe bequem von der Plattform aus erreichen können. Die Länge von Anlegeleitern zum Übersteigen auf höhergelegene Arbeitsplätze muss so gewählt werden, dass sie die Anlegestelle um mindestens einen Meter überragt, wenn keine anderen geeigneten Festhaltemöglichkeiten vorhanden sind.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Vor der Benutzung sind Leitern und Tritte auf ihren ordnungsgemäßen Zustand zu überprüfen. Mängel sind dem Vorgesetzten zu melden. Mit Mängeln behaftete Leitern und Tritte dürfen nicht benutzt werden.
  • Bei Arbeiten von Leitern aus muss ein sicheres Festhalten und Stehen möglich sein.
  • Die sichere Benutzung von Leitern und Tritten sollte durch den Transport von Arbeitsmitteln und Materialien nicht wesentlich eingeschränkt werden. Zum Transport von Arbeitsmitteln haben sich umhängbare Werkzeugtaschen, -gürtel oder -schürzen bewährt.
  • Es sollten keine Stoffe und Geräte benutzt werden, von denen zusätzliche Gefahren ausgehen.
  • Leitern und Tritte sind nur mit max. 150 kg zu belasten.
  • Steigschenkel von Leitern und Tritten sind nur von einer Person zu betreten.
  • Beim Arbeiten auf der Leiter sollen sich Benutzer nicht hinauslehnen. Seitliches Hinauslehnen kann zum Umkippen der Leiter führen und ist häufig die Ursache für Unfälle mit schweren Verletzungen.
  • Leitern und Tritte sind auf ebenem und tragfähigem Untergrund aufzustellen. Anlege-, Schiebe- und Mehrzweckleitern
  • nur an sichere Flächen anlegen. Unsichere Anlegestellen sind zum Beispiel Glasscheiben, Spanndrähte, Masten, Stangen, unverschlossene Türen.
  • unter einem Winkel von 65 ° bis 75 ° zur Waagerechten anlegen. Zu flaches Anlegen kann zum Wegrutschen, zu steiles Anlegen zum Umkippen führen. Der einfachen Bestimmung des richtigen Anlegewinkels dient die sogenannte Ellenbogenmethode.
  • sind zum Übersteigen geeignet, wenn sie mindestens einen Meter überstehen oder bauseits Festhaltemöglichkeiten vorhanden sind. Um das Verrutschen zu vermeiden, sollten Einhakvorrichtungen verwendet werden.
  • Bei Anlege- und Schiebeleitern die obersten drei Stufen bzw. Sprossen nicht betreten, weil beim Betreten nicht nur die Haltemöglichkeit fehlt. Es besteht auch die erhöhte Gefahr des Wegrutschens.
  • Bei Stehleitern mit aufgesetzter Schiebeleiter dürfen die oberen vier Sprossen des Schiebeleiterteils nicht bestiegen werden, weil Kippgefahr besteht. Der obere Teil des Leiterschenkels dient nur dem Festhalten.

 

inform Ausgabe 3/2018

Kriterien zur Auswahl von Leitern:

  • Arbeitsaufgabe
  • Arbeitshöhe
  • ergonomische Bedingungen (z. B. Überkopfarbeiten)
  • Benutzungsdauer
  • Bodenbeschaffenheit (z. B. glatt, uneben)

Die Traverse verhindert ein seitliches Kippen. Bild: ©Adobe Stock

Leitern dürfen nicht bis zur obersten Sprosse bestiegen werden. Bild: ©Adobe Stock

Handlungsanleitung der DGUV

links: Reichhöhe (m) bei Stufenstehleitern mit Plattform; rechts: Bestimmung des Anlegewinkels (zum Vergrößern klicken)

Datum: Kategorie(n): Sicherheit · Versicherungsschutz · Versicherungsschutz · Gesundheit · Drucken
Autor/Interviewer: Wolfgang Rothe, E-Mail: w.rothe@ukh.de