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Datum: Kategorie(n): Sicherheit · Gesundheit · Kita · Drucken

So vermeiden Sie Stromunfälle in der Kita

Kleine Kinder können die Gefahren, die von Strom ausgehen, noch nicht einschätzen. Darum müssen Gefährdungen durch Strom insbesondere in Kindertageseinrichtungen komplett ausgeschlossen werden, indem alle elektrischen Geräte – von der Heißklebepistole über den Wasserkocher bis hin zu den Steckdosen – in einem sicheren Zustand sind. Dabei muss unabhängig vom Baujahr der Kita der Kinderschutz dem aktuell geltenden Stand der Technik entsprechen.

Sicherer Umgang mit Strom

Selbst für viele Erwachsene ist es schwierig, das komplizierte Thema Elektrizität zu verstehen. Wie kann man dann Kindern das Thema so erklären, dass sie es begreifen? Gerade Steckdosen üben eine besondere Anziehungskraft auf Kinder aus: laden doch die kleinen Öffnungen geradezu dazu ein, etwas hineinzustecken, oder gar zu versuchen, mit den kleinen Fingern hineinzubohren. Der Schutz durch technische Vorkehrungen hat daher in jedem Fall Vorrang vor der Vermittlung von Verhaltensregeln. „Nicht in die Steckdose greifen!“ ist eine Ermahnung, die im schlimmsten Fall zum Gegenteil verleitet.

In einer Kindertagesstätte lassen sich etliche Beispiele für elektrische Betriebsmittel finden, die nach diversen Kriterien unterschieden werden: der Wasserkocher im Pausenraum der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die Heißklebepistolen für Bastelaktivitäten oder der CD-Spieler, dem die Kinder bei spannenden Geschichten lauschen. Damit diese Geräte sicher bleiben, müssen sie durch die Betreiber einer Kita regelmäßig nach gesetzlich vorgegebenen Prüffristen geprüft werden (siehe Tabelle 1).

Individuelle Prüffristen dank Gefährdungsbeurteilung

Die Träger stellen in der Kita elektrische Betriebsmittel bereit, die durch das Personal und die Kinder genutzt werden. Hierbei müssen sie dafür sorgen, dass elektrische Gefährdungen ausgeschlossen oder zumindest hinreichend begrenzt sind. Mittels vorgeschriebener Prüffristen, die bei normalen Betriebs- und Umgebungsbedingungen gelten, lassen sich Gefahren minimieren. Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung sind vorab Art, Umfang und Fristen der erforderlichen Prüfungen zu ermitteln (siehe Infokasten: Verantwortung der Kita-Träger).

Je nach Ausstattung der elektrischen Anlage kann die Prüfung sowohl einen personellen als auch finanziellen Aufwand bedeuten – insbesondere dann, wenn ein Träger mehrere Einrichtungen betreibt. Das Prüfgeschehen kann jedoch überschaubar gemacht und gegebenenfalls gestrafft werden. Mit der Gefährdungsbeurteilung besteht auch die Möglichkeit, in eigener Verantwortung und begründet individuell von den Prüffristen abzuweichen. Voraussetzung hierfür sind die betrieblichen Gegebenheiten und vorhandene Erfahrungen.

Kindersichere Elektroinstallationen

Nicht nur Neubauten müssen dem aktuellen Stand der Technik, den die vorgeschriebenen Normen wiedergeben, entsprechen. Demzufolge müssen beispielsweise Steckdosen in Kitas einen erhöhten, integrierten Berührungsschutz (Kindersicherung) aufweisen (DIN VDE 0620-1). Diese Steckdosen sind an den Verblendungen unmittelbar hinter den Steckeröffnungen zu erkennen. Bereits seit Juni 2007 wird der Einsatz von Fehlerstromschutzeinrichtungen (Bemessungsdifferenzstrom nicht größer als 30mA) für Steckdosenstromkreise (mit einem Bemessungsstrom bis 20 Ampere), die durch Laien genutzt werden und zur allgemeinen Verwendung bestimmt sind, gefordert (DIN VDE 0100 Teil 410). Diese Anforderung gilt auch bei Endstromkreisen für im Außenbereich verwendete tragbare Betriebsmittel (mit einem Bemessungsstrom bis einschließlich 32 Ampere), was verdeutlicht, dass der Einsatz von Fehlerstromschutzeinrichtungen auch in Kitas zwingend vorgeschrieben ist.

Kein Bestandsschutz bei älteren Bauten

Nicht jede Kindertagesstätte entspricht allerdings dem aktuellen Stand der Technik. Manche Einrichtung, die bereits mehrere Jahrzehnte betrieben wird, verfügt über Elektroinstallationen, die als „historisch“ zu bezeichnen sind. Es stellt sich die Frage, ob jede Normenänderung eine Nachrüstung nach sich ziehen muss oder ob bei bereits in die Jahre gekommenen Einrichtungen der Bestandsschutz geltend gemacht werden kann.

Der Begriff Bestandsschutz wird durch die Betriebssicherheitsverordnung (Betr-SichV) stark eingeschränkt. Demnach müssen ältere Arbeitsmittel – und dazu zählen auch Steckdosen – über die damaligen Beschaffenheitsanforderungen hinaus mindestens den in Anhang Nr. 1 und 2 aufgeführten Anforderungen entsprechen (BetrSichV § 7). Für die Beschäftigten muss darüber hinaus bei allen Einstellungsarbeiten ein sicherer Zugang zu allen notwendigen Stellen vorhanden sein (Ziffer 2.15 Anhang 1) und Arbeitsmittel sind mit einem Schutz gegen direktes oder indirektes Berühren spannungsführender Teile auszulegen (Ziffer 2.18 Anhang 1).

Bei bereits in Betrieb genommenen Arbeitsmitteln kann der Träger einer Kita von den vorstehenden Anforderungen abweichen, wenn

  • er eine andere, ebenso wirksame Maßnahme trifft, oder
  • die Einhaltung der grundlegenden Anforderungen im Einzelfall zu einer unverhältnismäßigen Härte führen würde und die Abweichung mit dem Schutz der Beschäftigten vereinbar ist.

Hinsichtlich der sicheren Steckdose steht wohl außer Frage, dass der Schutz der Beschäftigten und Kinder keine unverhältnismäßige Härte darstellen. Vielmehr ist zu klären, was unter „andere, ebenso wirksame Maßnahmen“ zu verstehen ist.

Kinderschutz beim nachträglichen Einbau

Der Markt hat allerlei Lösungen für eine Nachrüstung parat, die den erforderlichen Sicherheitsstandard zu garantieren scheinen. Sehr verbreitet sind Plastikscheiben, die passgenau in die Steckdose eingesetzt werden und mit einem Klebestreifen fixiert sind. Höherwertige Modelle können mit dem Steckdosengehäuse verschraubt werden. Mit einer Drehung durch den Stecker werden die Einstecköffnungen freigegeben und der Stecker kann in die Steckdose eingesteckt werden. Durch das Herausziehen des Steckers verschließen sich die Öffnungen wieder automatisch. Zu diesen nachträglich einzubauenden Kindersicherungen nimmt der Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) wie folgt Stellung: „Bei der Kombination aus Stecker, Steckdose und Kindersicherung sind die in den Normblättern vorgegebenen Maße und Abstände nicht mehr eingehalten, womit die Vorgaben des VDE nicht eingehalten sind.“

Eine CE-Produktkennzeichnung auf Kindersicherungen ist generell nicht zulässig, da es sich um kein elektrisches Betriebsmittel im Sinne der Richtlinie 2014/35/EU handelt.

Ebenfalls erhältlich sind Nachrüstsätze in Form von Steckdoseneinsätzen mit integriertem Fehlerstromschutzschalter, die in vorhandene Anschlussdosen eingebaut werden können. Sie schützen jedoch nur die nachgeschalteten Verbraucher und stellen lediglich eine Erhöhung des Schutzpegels dar! Solche Steckdosennachrüstlösungen mit mobilen oder fest installierten FI-Schutzschaltern können kurzfristig erforderlich sein, wenn Strom mit Wasser in Kontakt kommen kann, zum Beispiel im Bad und in anderen Feuchträumen, bei Pumpen von Aquarien oder in Gartenteichen.

Konsequenzen für die Praxis

Die Vermeidung der Gefährdungen durch Strom darf insbesondere in Kindertageseinrichtungen nicht vernachlässigt werden. Elektrische Anlagen – ob ortsfest oder ortsveränderlich – sind Arbeitsmittel, die regelmäßig geprüft werden müssen. Die teilweise individuell festgelegten Prüffristen müssen den betrieblichen Gegebenheiten entsprechen und sind in der Gefährdungsbeurteilung dokumentiert. Unabhängig vom Entstehungsjahr der Kindertagesstätte muss der Kinderschutz dem aktuell geltenden Stand der Technik entsprechen. Nachrüstungen durch entsprechende Einbauten (Fehlerstromschutzschalter-RCD und berührungssichere Steckdosen) sind dann erforderlich.

 

inform Ausgabe 2/2020

Verantwortung der Kita-Träger

Betreiber einer Kita sind verpflichtet, elektrische Anlagen und Betriebsmittel sicher zu betreiben. Gegenstand der Prüfungen sind:

  • stationäre Anlagen
  • nicht stationäre Anlagen
  • ortsfeste elektrische Betriebsmittel
  • ortsveränderlich

Orientierungshilfe zur Festlegung von Prüffristen

  • Technische Regel für Betriebssicherheit „Prüfungen von Arbeitsmitteln und überwachungsbedürftigen Anlagen“ (TRBS 1201), Abschnitt 3.5.2
  • Unfallverhütungsvorschrift „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ (DGUV Vorschrift 4), Empfehlungen zur Durchführungsanweisung, Paragraf 5

Die Tabellen 1 und 2 geben die jeweiligen Prüfintervalle wieder, die gesetzlich vorgeschrieben sind.

Steckdosen mit innerer Sicherung (schwarze Punkte) sind heute Standard in Kitas.

Üblich ist heute der Einsatz eines 30-mA-Fehlerstromschutzschalters, da hier ein weitgehender Schutz auch bei direktem Berühren sichergestellt ist. Die Funktionsfähigkeit von RCD-Schaltern sollten alle sechs Monate durch den Benutzer geprüft werden.

Kleine Kinder können die Gefahren, die von Strom ausgehen, noch nicht einschätzen. Bild: ©Adobe Stock, sabdiz

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Autor/Interviewer: Michael Protsch, E-Mail: m.protsch@ukh.de