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Datum: Kategorie(n): Sicherheit · Gesundheit · Versicherungsschutz · Drucken

So vermeiden Sie Unfälle bei der Abfallsammlung

Laut Deutscher Gesetzlicher Unfallversicherung (DGUV) üben Mitarbeiter*innen in der Abfallbranche einen gefährlichen Beruf aus. Aber nicht nur die Beschäftigten selbst sind gefährdet: Auch auf Menschen, die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind, müssen die Mitarbeiter der Müllabfuhr aufpassen. Die Unfallkasse Hessen hat daher in Zusammenarbeit mit der Unfallkasse NRW und mit maßgeblicher Unterstützung des Betriebshofs Bad Homburg erste Schulungsvideos gedreht, die helfen sollen, Unfälle bei der Abfallsammlung zu vermeiden. Weitere sind bereits in Planung.

Bereits 2005–2006 hatte der Fachbereich „Entsorgung“ der Prävention der UKH eine Gruppe von Sicherheitsexperten aus kommunalen Abfallwirtschaftsbetrieben in Hessen für ein gemeinsames Projekt gewinnen können. Damals ging es um Unfälle beim Ein- und Aussteigen aus Fahrzeugen der Abfallsammlung, seinerzeit ein echter Unfallschwerpunkt. Das dabei entstandene Video „Sicherheit beim LKW-Ausstieg“ ist noch heute auf dem YouTube-Kanal der UKH präsent und wird in vielen Betrieben regelmäßig bei Unterweisungen eingesetzt.

Nun gibt es – auf Anregung der Unfallkasse NRW – ein neues Projekt, welches sich mit der Sicherheit bei der Abfallsammlung beschäftigt. Wie 2005 wurde dazu ein Expertenteam aus hessischen Abfallwirtschaftsbetrieben zusammengestellt und gemeinsam überlegt, welche Tätigkeitsschwerpunkte man am sinnvollsten für eine gelungene Unterweisung aufbereiten könnte. Dabei galt es zu bedenken, dass die meisten Unterweisungen bei der Abfallsammlung früh am Morgen vor Beginn einer Tour durchgeführt werden. Die Aufmerksamkeit ist zu dieser Zeit vielleicht noch etwas eingeschränkt …

Ein filmischer „Interessewecker“ als Einstieg ins Thema, nur ein bis maximal zwei Themen pro Unterweisung – knackig und effektiv sollte es werden, da waren sich die Expert*innen beim ersten Treffen schnell einig. Dann wurden die Themen ausgearbeitet und der Betriebshof Bad Homburg für die Umsetzung gewonnen – und dann kam Corona, sodass die für Mai geplanten Dreharbeiten auf September verschoben werden mussten. Am 11.9. war es aber so weit, die Dreharbeiten konnten beginnen.

Eindrücke vom Drehtag

Seit sechs Uhr morgens war in der Bad Homburger Innenstadt die Kreuzung Ottilienstraße/Carolinenstraße für den Verkehr gesperrt. Zwei Abfallsammelfahrzeuge und ein Team des Betriebshofs der Stadt Bad Homburg standen als Hauptdarsteller vor der Kamera. Als Themen waren gesetzt: „Rückwärtsfahrt mit dem Abfallsammelfahrzeug“ und „Arbeiten an der Schüttung“. Klingt erst einmal übersichtlich, aber die Dreharbeiten – ergänzt durch ein Fotoshooting – begannen um acht und endeten gegen 18 Uhr. Erst dann waren alle Bilder und Szenen im Kasten. Unterschiedliche Einstellungen – es kam auch eine private Drohne zum Einsatz-, Wiederholungen, Umbaumaßnahmen: alles kostet seine Zeit. Aber insgesamt hatten wir großes Glück: Unsere „Schauspieler“ – alles Mitarbeiter des Bad Homburger Betriebshofs – waren von der ersten bis zur letzten Minute hochmotiviert und ein wirklich gutes Team, mit dem die Zusammenarbeit sehr großen Spaß gemacht hat. Und somit wurde der Drehtag bei echtem Kaiserwetter einfach nur erfolgreich.

Alle Einstellungen sind im Kasten und die nächsten Arbeitsschritte – nämlich aus dem Material ein ansprechendes Schulungskonzept zu basteln – können in Angriff genommen werden.

Im nächsten Jahr werden weitere Schulungsfilme gedreht, dann federführend durch die Unfallkasse NRW koordiniert, durchgeführt bei und mit einem kommunalen Abfallwirtschaftsbetrieb in NRW. Auch diese Filme werden wir den entsprechenden Betrieben in Hessen zur Verfügung stellen.

Klaus Mennecke, Mitglied im Projektteam, Fachkraft für Arbeitssicherheit am Betriebshof Bad Homburg und Organisator vor Ort, äußert sich sehr zufrieden:

„Unser Betrieb ist gut aufgestellt und das Projekt sowie alle Maßnahmen der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes werden durch die Betriebsleitung engagiert und verantwortlich mitgetragen. Das ist letztlich auch der Grund dafür, weshalb wir die UKH bei Schulungsmaterialien so gut unterstützen können und die UKH uns auch gerne um Unterstützung anfragt.“

Thomas Rhiel, Aufsichtsperson bei der UKH, ergänzt:

„Die Abfallsammlung ist nicht nur ein anstrengender, sondern auch ein gefährlicher Job,was die bundesweite Unfallstatistik belegt. Mit den Filmen und Fotos soll die Unterweisung lebhafter und interessanter gestaltet werden. Bei einem Frontalvortrag morgens um fünf Uhr vor der Schicht sind die meisten Mitarbeiter noch nicht so konzentrationsfähig. Deshalb erproben wir ein neues Format, das interaktiver ist, das wach macht und das man sich gerne anschaut. Die Videos, die gedreht wurden, sind Teil einer ganzen Reihe, die entstehen soll.

Die ersten beiden Module beschäftigen sich mit den besonders gefährlichen Tätigkeiten: dem richtigen Verhalten der Müllwerker an der Schüttung und dem Einweisen des Abfallsammelfahrzeugs beim Rückwärtsfahren. Unsere Filme zeigen praxisnah, wie es richtig geht und wie sich die Vorgaben auch im realen Alltag gut umsetzen lassen. Wir wollen, dass bei der Unterweisung über das Schulungsmaterial diskutiert wird, dass aber auch individuelle Lösungen gefunden werden können, die trotzdem die Sicherheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter garantieren.“

inform Ausgabe 4/2020

Hintergrund

Beschäftigte in deutschen Unternehmen haben grundsätzlich das Recht, wenigstens einmal im Jahr in puncto Arbeitssicherheit „unterwiesen“ zu werden. Das bedeutet, dass sie über die Risiken ihres Jobs sprechen und Maßnahmen erfahren, die nötig sind, damit die Arbeit sicher und ohne Schaden für die Gesundheit durchgeführt werden kann.

In Coronazeiten bilden sie ein festes Team und tragen deshalb keine MNB – die Darsteller vom Betriebshof Bad Homburg mit Klaus Mennecke am Steuer: Thomas Kilb, Viktor Meier, Daniel Gärtner, Theo Kibekidis und Mail Swolinski (v.l.n.r.)

Auf Sichtkontakt wird geachtet.

Der Fahrer hat die Ladearbeiten immer im Blick.

Beim Rückwärtsfahren sind richtige Handzeichen wichtig.

Behälter von 1,1 m³ werden nur zu zweit bewegt.

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Autor/Interviewer: Thomas Rhiel, E-Mail: t.rhiel@ukh.de