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Datum: Kategorie(n): Sicherheit · Gesundheit · Ehrenamt · Drucken

Systemrelevante Berufe in Zeiten von Corona

Viele Beschäftigte in den Mitgliedsunternehmen der Unfallkasse Hessen üben sogenannte systemrelevante Berufe aus. Das heißt, sie arbeiten auch während den Corona-Einschränkungen weiter vor Ort und sorgen dafür, dass lebenswichtige Produkte und Dienstleistungen für die Bevölkerung uneingeschränkt zur Verfügung stehen. Beispielhaft stellen wir Ihnen Abwassermeisterin Heike Dippel aus Melsungen und Hospizhelferin und freiberufliche Gerontologin Sabine Schröder-Kunz aus Darmstadt vor und berichten von Arbeitsalltagen in der Corona-Krise, die alles andere als normal sind.

Interview mit Heidi Dippel

Abwassermeisterin Heidi Dippel ist Leiterin des Klärwerks der Stadtwerke Melsungen. Sie sorgt u. a. für den ordnungsgemäßen Betrieb und die Funktion der Kläranlagen Melsungen und Günsterode sowie der Kanalisation mit 25 Sonderbauwerken.

inform: Sind Sie zurzeit täglich vor Ort im Betrieb?

Heidi Dippel: Wir arbeiten in Teams, die sich wöchentlich abwechseln. In der Freistellungswoche arbeite ich von zu Hause aus, stehe aber in engem Kontakt mit dem Personal vor Ort.

Warum ist Ihre Arbeit systemrelevant? Was würde passieren, wenn Sie nicht vor Ort im Einsatz wären?

Die Notwendigkeit ergibt sich aus der geltenden Gesetzgebung: Abwassersammlung, -ableitung und -reinigung müssen ordnungsgemäß sichergestellt sein. Ich bin persönlich auch eher skeptisch gegenüber der „absoluten bedienbaren Fernwirktechnik“ in Abwasser- und Versorgungsanlagen … Ich fühle mich besser, wenn ich vor Ort bin.

Wie geht es Ihnen damit – haben Sie Angst vor Ansteckung?

Schutzmaßnahmen sind kein ungewohntes Thema bei uns, wir gehen täglich mit biologischen Arbeitsstoffen der Risikostufen 1 und 2 um. Neu ist aber die Einstufung des aktuellen Virus in die Risikogruppe 3 nach Biostoffverordnung. Angst habe ich persönlich keine und meines Wissens auch die Kolleg*innen nicht. Wenn ich mir das Ausmaß der Pandemie aber in Ruhe betrachte, bleibt natürlich ein ungutes Gefühl nicht aus. Ich habe höchsten Respekt vor den Gefahren, die von diesem Virus ausgehen.

Die Situation hat mich dazu angeregt, mich wieder intensiver mit dem Thema „Hygiene und Schutzmaßnahmen“ zu beschäftigen. Im normalen Arbeitsalltag mit dem gut ausgebildeten Personal passiert nicht viel, man könnte darum leichtsinnig oder unvorsichtig werden. Also denke ich zurzeit vermehrt über Schutzmaßnahmen nach.


Interview mit Sabine Schröder-Kunz

Als freiberufliche Gerontologin bietet Sabine Schröder-Kunz psychosoziale Beratungen, Schulungen und Vorträge zu den Themen Älterwerden, Generationen sowie generationen- und altersgerechtem Arbeiten an. Ihre Kunden kommen aus dem Privat- und dem Berufsleben, aus der Industrie, aus dem öffentlichen Dienst sowie aus klein- und mittelständischen Unternehmen.

inform: Was hat sich für Sie geändert seit Corona?

Sabine Schröder-Kunz: Meine Veranstaltungen sind aufgrund von Corona verschoben worden. Präsenzschulungen und -vorträge sind nur noch eingeschränkt möglich. Daher biete ich nun meine Arbeit online an. Die Zuhörer sitzen vor ihrem PC, Tablet oder Handy und können ortsungebunden teilnehmen – in Echtzeit und auf Wunsch auch interaktiv. Auch Führungskräften, die durch Corona in ihrem Arbeitsalltag neu gefordert sind, biete ich Beratungen und Hilfen zur Stärkung ihres Teams an. In der aktuellen Krise sind Themen wie Resilienz und Stressmanagement, Führen auf Distanz, die Zeit nach Corona usw. gefragt.

Welche neuen Aufgaben übernehmen Sie?

Gleich zu Anfang, als beschlossen wurde, dass Ältere nur noch im Notfall die Wohnung verlassen, nicht mehr einkaufen gehen und Kontakte meiden sollen, habe ich meine kostenlose telefonische Sprechzeit eingerichtet. Das Telefon ist jetzt sehr wichtig, vor allem in meinen Beratungen für Ältere. Mich rufen aber auch Angehörige, Kolleg*innen und Freunde an, die helfen möchten. Ich höre zu und frage nach. 

Zwei zentrale, für unsere Gesellschaft relevante Aspekte werden dabei oftmals deutlich: der Umgang mit dem Alter und die Endlichkeit des Lebens. Die diffuse Angst vor dem Virus und damit verbunden die Angst vor dem Sterben und dem Tod resultiert daraus, dass solche Fragen immer noch tabuisiert werden. Als Hospizhelferin bin ich auch Ansprechpartnerin für diese schweren Themen.

Was würde passieren, wenn Sie nicht im Einsatz wären?

Menschen benötigen als soziale Wesen das Gespräch. Und: Jeder braucht mal Hilfe, ganz besonders in Krisenzeiten. Gemeinsam mit den Anrufern suche ich nach Lösungen für das individuelle Problem. Manche sind froh, einfach mal mit jemandem über Ängste und Sorgen gesprochen zu haben. Solche niedrigschwelligen Angebote sind wichtig: ganz einfach zum Telefonhörer greifen und anrufen zu können. Vielleicht auch anonym. Viele Menschen sind jetzt nicht nur sehr allein mit ihrem Problem, sondern auch sehr tapfer. Sie möchten anderen mit ihren Sorgen und Gedanken nicht zur Last fallen. Da braucht es Angebote, an die sie sich ganz frei und unkompliziert wenden können.

 

inform Ausgabe 2/2020

Sie sorgen u. a. für sauberes Abwasser: Fachkraft für Abwassertechnik Anna-Lena Senf (links) und Abwassermeisterin Heidi Dippel. Mit ihr kam 2009 erstmals eine Frau an die Spitze der Kläranlagennachbarschaft.

Heidi Dippel (rechts im Bild): "Ich habe höchsten Respekt vor den Gefahren, die von diesem Virus ausgehen."

Sabine Schröder-Kunz bietet eine kostenlose Corona-Sprechstunde per Telefon oder Video-Chat an.

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Autor/Interviewer: Sabine Longerich und Yvonne Kloepping,