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Datum: Kategorie(n): Sicherheit · Gesundheit · Kita · Drucken

Waldtage in der Kita sicher gestalten

Der Aufenthalt im Wald ist bei vielen Kindertagesstätten ein fester Bestandteil des pädagogischen Konzepts geworden. Die organisatorische Bandbreite reicht dabei von Waldausflügen über Waldwochen bis hin zu regelmäßigen Waldtagen mit einem festen Standort. Dabei sollten die Erzieher*innen einige Punkte beachten, um den Aufenthalt im Wald für ihre Gruppe so sicher wie möglich zu gestalten.

Waldtage haben für die pädagogische Arbeit viele Vorteile: mit ihnen können Naturverständnis und Umweltbewusstsein geweckt sowie Grundwissen über den eigenen Körper vermittelt und soziale Kompetenz und kognitive Fähigkeiten der Kinder entfaltet werden. Darüber hinaus hält der Wald eine Fülle von Angeboten im Bereich der Wahrnehmungsschulung und Bewegungsförderung bereit, die den Erfordernissen der kindlichen Entwicklung entsprechen.

Ein Wald birgt auch Gefahren

Gleichzeitig muss den besonderen Umgebungsbedingungen in einem Wald Rechnung getragen werden. Bei ihrem täglichen Aufenthalt sollen Kinder unter Berücksichtigung ihrer Fähigkeiten und Fertigkeiten auch in die Lage versetzt werden, verantwortungsvoll mit risikobehafteten Situationen umzugehen, denn das Eingehen von Risiken ist Bestandteil der kindlichen Entwicklung und somit auch Teil der pädagogischen Arbeit. In diesem Zusammenhang können Kinder im Wald Chancen und Grenzen ihrer körperlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten auf die unterschiedlichste Art erleben.

Kletterbäume

Klettern entspricht einem Grundbedürfnis von Kindern. Im Wald suchen und finden sie jede Möglichkeit dazu. Hier sollte, auch in Absprache mit dem zuständigen Forstamt bzw. dem Waldbesitzer, eine geeignete Auswahl der Kletterbäume getroffen werden. Dabei ist u. a. der Gesundheitszustand der Bäume ein wichtiges Kriterium. Ein niedriger Astansatz erleichtert den Einstieg und vor allem auch das Herunterklettern. Die Kletterhöhe ist nach den Umgebungsbedingungen sowie den Fertigkeiten der Kinder auszurichten. Darüber hinaus ist sie entsprechend der Regelung für Spielplatzgeräte zum Beispiel durch eine Kennzeichnung auf maximal drei Meter zu beschränken. V-förmige Öffnungen von Astgabelungen können zu Strangulationen des Halses oder Einklemmen von Gliedmaßen führen. Sie sollten daher an zum Klettern ausgewiesenen Bäumen entfernt oder geschlossen werden.

Für einen ausreichenden Fallschutz empfiehlt sich im Wald zum Beispiel das Aufbringen von Rindenmulch oder Holzhackschnitzeln unter den jeweiligen Kletterbäumen.

Umgang mit Stöcken

Der Aufenthalt im Wald lädt Kinder in besonderem Maße dazu ein, mit Stöcken und Ästen zu spielen und diese zu Schwertern o. Ä. umzufunktionieren. Hierbei besteht die Gefahr, dass Kinder getroffen werden. Das pädagogische Personal sollte mit den Kindern in Abhängigkeit von Alter und individuellen Voraussetzungen Regeln über das Spiel mit Stöcken vereinbaren, zum Beispiel, dass Stöcke nicht in Gesichtshöhe gehalten werden dürfen und nicht mit einem Stock in der Hand gerannt werden darf.

Forstarbeiten

Im Rahmen von Forstarbeiten werden Waldflächen für die Öffentlichkeit gesperrt. Es ist daher erforderlich, sich beim zuständigen Forstamt oder Waldbesitzer über anstehende Forstarbeiten und die sich daraus ergebende Zuweisung von Aufenthaltsbereichen zu informieren. Den Kindern sollten die Warnschilder bekannt sein, die das Forstarbeitsgebiet eingrenzen. Es ist sicherzustellen, dass sich keine Personen in diesen Gebieten aufhalten.

Nach Forstarbeiten werden in Wäldern häufig Holzstapel, sogenannte Holzpolter, angelegt. Diese dienen ausschließlich der Lagerung von Schnittholz und sind nicht als Spielgeräte geeignet, da die Holzstämme unter Umständen nicht ausreichend gegen ein Wegrollen gesichert sind. Holzstapel dürfen daher von Kindern nicht betreten werden.

Freiliegende Einzelstämme, die durch Vergabelungen sicher im Erdreich verankert sind, können jedoch zum Balancieren oder Sitzen genutzt werden.

Insektenstiche oder -bisse

Den Kindern sollte bekannt sein, dass sie nicht nach Insekten schlagen und vor allem in den Sommermonaten auf den Verzehr von süßen Nahrungsmitteln verzichten sollen. Bei Trinkflaschen ist darauf zu achten, dass diese verschlossen zu halten sind und mit einem Strohhalm getrunken wird.

Zecken

Zecken können zwei Infektionskrankheiten übertragen, nämlich die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) und die Lyme-Borreliose.

Die Kinder sollten daher Kleidung tragen, die den Körper vollständig bedeckt. Nach dem Waldaufenthalt sind die Kinder sorgfältig nach Zecken abzusuchen (helle Kleidung erleichtert deren Auffinden).

Das pädagogische Personal der Kindertageseinrichtung darf Zecken entfernen, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass eine Einwilligung der Erziehungsberechtigten vorliegt. Es empfiehlt sich, bei Ausflügen eine Zeckenkarte oder -zange mitzunehmen. Weitere Informationen finden sich in der Zecken-App der UKH, die kostenlos für IOS und Android-Geräte erhältlich ist.

Die Anwendung von Öl, Nagellack oder Klebstoff zum Entfernen der Zecke ist nicht geeignet, da sich durch die vermehrte Speichelbildung bei den Zecken als Folge der Anwendung das Infektionsrisiko erhöht.

Bei vorhandener Disposition können Insektengifte bei Kindern unter Umständen zu lebensbedrohlichen allergischen Reaktionen führen. Vereinbarungen über die eventuell erforderliche Gabe von Medikamenten sollten zwischen den Eltern der betroffenen Kinder und der Kita-Leitung bzw. dem Träger der Einrichtung schriftlich festgelegt werden. Für solche Fälle muss ein Notfall-Set mitgeführt werden. Weitere Informationen können der Broschüre „Medikamentengabe in Kindertageseinrichtungen“ (DGUV Information 202-092) entnommen werden. Lesen Sie hierzu auch unsere inform Artikel "Notfälle und Medikamentengabe in Kindertageseinrichtungen".

Vergiftungen

Die Gefahr, durch den Verzehr von Waldfrüchten (Beeren, Pilzen u. Ä.) eine Vergiftung zu erleiden, hängt von den individuellen Voraussetzungen des betroffenen Kindes und der Art der Pflanze bzw. des Pflanzenteils ab. Entscheidend ist auch die Wirkstoffmenge, die beim Verzehr oder Kontakt aufgenommen wird. Symptome einer Vergiftung können Benommenheit, Übelkeit, Brechreiz, Schweißausbrüche, Durchfall o. Ä. sein. Dem pädagogischen Personal wird empfohlen, sich vor der Auswahl von Aufenthaltsbereichen im Wald in Absprache mit dem Forstamt bzw. dem Waldbesitzer über den Bewuchs mit Giftpflanzen zu informieren. Im Einzelfall kann es ratsam sein, bestimmte Pflanzen (zum Beispiel Bärenklau oder den extrem giftigen Knollenblätterpilz) zu entfernen. Die Kinder sollten neben der Regel, dass keine Waldfrüchte gegessen werden dürfen, auch die von Giftpflanzen und -pilzen ausgehenden Gefahren kennen. Ein Bestimmungsbuch kann dafür nützlich sein.

Die Telefonnummer der nächsten Giftnotrufzentrale sollte mitgeführt werden. Besteht der Verdacht einer Vergiftung, ist sofort eine Ärztin oder ein Arzt aufzusuchen. Pflanzen, die möglicherweise eine Vergiftung verursacht haben, sollten zur eindeutigen Bestimmung mitgenommen werden.

Sicherheit durch Qualifizierung

Die Unfallkasse Hessen bietet in Kooperation mit Hessen-Forst zweitägige Fortbildungen mit dem Titel „Erlebnis Wald: Mit der Kindertagesstätte Waldtage sicher gestalten“ an. Die Termine und Veranstaltungsorte entnehmen Sie bitte dem Seminarprogramm der UKH. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, sich zur Waldpädagogin/zum Waldpädagogen ausbilden zu lassen. Entsprechende Zertifikatslehrgänge werden beispielsweise von Hessen-Forst angeboten.

 

inform Ausgabe 2/2018

Verhaltensregeln im Wald

Die folgenden Regeln bitte je nach den örtlichen Gegebenheiten sinnvoll ergänzen:

  • Die Kinder bleiben in Sicht- bzw. Hörweite. Vereinbarte Aufenthaltsbereiche dürfen ohne Rücksprache mit den Erzieherinnen und Erziehern nicht verlassen werden.
  • Es dürfen grundsätzlich keine Waldfrüchte (Beeren, Gräser, Pilze u. Ä.) in den Mund gesteckt bzw. gegessen werden.
  • Es wird kein Wasser aus stehenden oder fließenden Gewässern getrunken.
  • „Zahme“ Wildtiere, Kadaver und Kot dürfen nicht angefasst werden.
  • Sitzen oder balancieren ist nur auf sicher aufliegenden Baumstämmen erlaubt. Gestapeltes Holz darf nicht betreten werden. Auf feuchten oder bemoosten Baumstämmen wird nicht balanciert.
  • Stöcke nicht in Gesichtshöhe halten. Nicht rennen mit einem Stock in der Hand und keine Stoßbewegungen in Richtung anderer Kinder!
  • Nur auf Bäume klettern, die dafür von den Erzieherinnen und Erziehern ausgewählt wurden.
  • Der Aufenthalt im gekennzeichneten Bereich von Waldarbeiten ist verboten.

Vorschriften, Regeln und Informationen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung:

Geeignete Kletterbäume sollten bewusst ausgewählt werden.

Vorsicht und Finger weg: Der Pilz kann giftig sein!

Das Spielen im Wald macht den Kindern viel Freude!

Stöcke sind ein beliebtes Spielzeug im Wald, aber bitte nicht mit einem Stock in der Hand rennen!

Bilder: ©Adobe Stock

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Autor/Interviewer: Matthias Lange, E-Mail: m.lange@ukh.de