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Datum: Kategorie(n): Sicherheit · Gesundheit · Drucken

Wie zuhören helfen kann, sicher und gesund zu arbeiten

Um für die Sicherheit von etwa 81.000 Beschäftigten und fast 70 Millionen Fluggästen des Flughafens Frankfurt zu sorgen, leisten unterschiedliche Unternehmensbereiche des Flughafenbetreibers Fraport, die zuständigen Behörden und die am Flughafen ansässigen Firmen einen hohen Beitrag zur Bewältigung dieser komplexen Aufgabe.

Dabei müssen sowohl die betriebliche Sicherheit als auch die Abwehr von äußeren Gefahren gewährleistet werden. Eine große Aufgabe auch für Peter Dudenhöfer, Bereichsleiter Zentrale Bodenverkehrsdienst- Infrastruktur bei Fraport AG und zuständig für rund 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Zu den Bodenverkehrsdienstleistungen gehören die Gepäck-, Fracht- und Flugzeugabfertigung, der Passagier-, Gepäckund Frachttransport sowie das Check-in. Peter Dudenhöfer, studierter Maschinenbauingenieur und schon immer leidenschaftlich am Fliegen und an Flugzeugen interessiert, erinnert sich: „Ich habe Tante und Onkel, die in den USA leben, und wenn sie uns früher besuchten (und ich noch nicht am Flughafen arbeitete), wollte keiner mit mir nach Frankfurt fahren, um sie abzuholen … Ich war nämlich immer schon fünf Stunden vor der Ankunft des Fluges auf der Besucherterrasse, um mir das Treiben auf dem Vorfeld anzuschauen.“

Wer nicht vom Fliegen träumt, dem wachsen keine Flügel …

Und wer keine Ziele hat, auch in punkto Verbesserung der Arbeitssicherheit, der fängt gar nicht erst an, etwas zu verändern. Die Effektivität der Arbeitssicherheitsmaßnahmen misst Fraport unter anderem anhand der Anzahl der Arbeitsunfälle. Ziel ist es, die Gesamtzahl der Arbeitsunfälle pro Jahr stetig zu senken und bis zum Jahr 2020 im Konzern eine „1.000-Mann-Quote“ (Zahl der meldepflichtigen Arbeitsunfälle im Verhältnis zu 1.000 Beschäftigten) mit einem Wert unter 25 zu erreichen. Ein sportlicher Plan. Peter Dudenhöfer: „Ein konstruktives Miteinander führt zum Erfolg, nicht der erhobene Zeigefinger. Wichtig ist auch, nicht locker zu lassen und natürlich das Vorleben. Früher bekam ich zeitweise böse Mails von Mitarbeiter*innen und der Grund war häufig, dass sie das Gefühl hatten, bei einzelnen Führungskräften mit Verbesserungsvorschlägen nicht auf offene Ohren zu stoßen. Heute haben wir u. a. die SiBe-Runden mit der Gruppe der Sicherheitsbeauftragten. Das sind interessierte und engagierte Mitarbeiter*innen, sie kommen von der Basis und bringen Erkenntnisse mit zu Themen wie Unfall- und Arbeitsschutz. Einmal im Monat gibt es Begehungen in unserem Bereich, und die Aufmerksamkeit aller für Verbesserungsvorschläge ist dadurch sicherlich auch größer geworden“.

Mitarbeitergespräche – die zählen!

Kommunikation findet auf vielen Ebenen statt. Manchmal eine Herausforderung für Peter Dudenhöfer, für den Menschen aus fast 90 Nationen arbeiten. Alle sind gehalten, Deutsch zu sprechen, sonst gäbe es keine Grundlage für eine sichere Abfertigung. Das sagt das Gesetz für Bodenverkehrsdienstleister bereits aus. Peter Dudenhöfer: „Bei uns gibt es Dienstund Gruppengespräche, die ich wöchentlich besuche. Die dauern etwa 45 Minuten. Das sind keine Power-Point-Präsentationen, sondern richtige Dialoge. Irgendetwas gibt es immer und die Mitarbeiter*innen fragen dann auch nach. Diese Feedbackschleifen sind mir wichtig.“ Wie wichtig es ist, das Gefühl zu haben, ernst genommen und mit dem Anliegen gehört zu werden, ist offensichtlich auch dem Vorstand bewusst. So ist im Intranet eine Rubrik installiert „Vorstand gefragt“. Dort können alle Beschäftigten Fragen stellen, die auch öffentlich beantwortet werden.

Gefahr erkannt – Gefahr gebannt …

Oder: Problem erkannt – Lösung genannt. So war zum Beispiel die weiterentwickelte Anstoßkappe für viele Mitarbeiter*innen der Instandhaltung der Gepäckförderanlage eine schnell akzeptierte Verbesserung. Wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gebückt durch enge Gänge gehen müssen, hatte vorher der lange Schild der bisherigen Kappe den sicheren Blick nach oben verwehrt. Dann wurde der Schild verkürzt und so verändert, dass die Sicht in alle Richtungen verbessert wurde – eine kleine Veränderung mit großer Wirkung. Das neue, genehmigte Produkt sorgt dafür, dass die Zahl schwerer Kopfverletzungen von 5-6 pro Jahr auf null in 2018 sank.

Das mehrfach ausgezeichnete betriebliche Gesundheitsmanagement der Fraport AG initiiert vielfältige gesundheitsfördernde Aktionen und Maßnahmen mit verschiedenen Schwerpunkten. Eine weitere technische Maßnahme unterstützt die Beschäftigten, die mit dem Be- und Entladen zu tun haben: die Vakuumhebehilfe. Ein Schlauch „saugt“ die Gepäckstücke an und erleichtert so den dort arbeitenden Menschen das Entladen, da sie zwar die Hebehilfe bewegen, nicht aber die Gepäckstücke mit ihrem ganzen Gewicht heben müssen. Eine rückenschonende Entwicklung.

Es genügt nicht, fliegen zu wollen, man muss auch die Landung mit einplanen!

Übersetzt auf die Präventionskultur bedeutet das: Auch die besten Ideen fruchten nicht, wenn sie nicht zu Ende gedacht und nachhaltig umgesetzt werden. Gute Präventionskultur bedeutet, dass neben dem Gesundheitsmanagement auch der Arbeitsschutz systematisch in die Prozesse und Strukturen des Unternehmens integriert ist. Unfallvermeidung hat nicht nur das Ziel der persönlichen Unversehrtheit, sondern ist auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten von großer Bedeutung. Die Stärkung der Eigenverantwortung aller Mitarbeiter*innen sowie im Besonderen der Führungskräfte hat oberste Priorität. So bietet die Fraport AG einen Sportbus an, der zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf das Vorfeld kommt und Trainingseinheiten von 30–60 Minuten im Bus anbietet, die so in der Arbeitszeit absolviert werden können. Eine Herausforderung für Peter Dudenhöfer: „Das Rückentraining ist sinnvoll, aber freiwillig. So versuchen wir z. B. über die Gepäckmeister als Multiplikatoren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu erreichen. Es arbeiten rund 200 Gepäckmeister bei uns und jeder führt wieder bis zu acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“

„Gute Reise! Wir sorgen dafür“ …

heißt die Botschaft, der sich der Flughafenbetreiber in seinem Leitbild verpflichtet hat. Bei allen Dienstleistungen und Services stehen Kundin und Kunde im Fokus. Doch nicht nur sie sollen gut „versorgt“ werden, sondern auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Airport-City Frankfurt ist mit annähernd 81.000 Beschäftigten in etwa 450 Unternehmen die größte lokale Arbeitsstätte in Deutschland. Die Gesundheit, Leistungsfähigkeit und damit die Produktivität der Beschäftigten langfristig zu erhalten, steht seit jeher im Fokus des betrieblichen Gesundheitsmanagements des Fraport-Konzerns. Mit seinem präventiven Charakter trägt Fraport zum Erhalt der Leistungsfähigkeit der Beschäftigten bei und beugt arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren vor.

Arbeitsschutzkultur verbessern

Für Mitarbeiter*innen mit fahrerischen Tätigkeiten werden zum Beispiel Fahrsicherheitstrainings angeboten. Für Führungskräfte gibt es spezielle Arbeitsschutzseminare, beispielsweise zur Übertragung von Unternehmerpflichten. Gezielte und zeitlich befristete Aktionen und Projekte sollen vor allem die Beschäftigten in den operativen Bereichen für sicheres Verhalten sensibilisieren.

Doch Peter Dudenhöfer weiß: „Das macht man nicht alleine, da haben wir auch viel Unterstützung von kompetenten Leuten bei der Unfallkasse Hessen. Aber eigentlich werden bis zu 90 % unserer Erwartungen erfüllt, was Arbeitssicherheit und Unfallschutz angeht, da sparen wir auch nicht mit Lob. Aber ganz ohne Überprüfung geht es natürlich nicht und wenn unsere Sicherheitsvorschriften nicht eingehalten werden, dann braucht es schon mal korrigierende Maßnahmen. Und wenn ich jemand auf einem Flurförderfahrzeug mit dem Handy am Ohr sehe, dann springe ich auch selber auf und schnappe ihn mir für ein klärendes Gespräch.“

 

inform-Ausgabe 2/2019

Peter Dudenhöfer: „Ein konstruktives Miteinander führt zum Erfolg, nicht der erhobene Zeigefinger."

Die Effektivität der Arbeitssicherheitsmaßnahmen misst Fraport unter anderem anhand der Anzahl der Arbeitsunfälle. Bilder: © Kampagne kommmitmensch

Datum: Kategorie(n): Sicherheit · Gesundheit · Drucken
Autor/Interviewer: Interview: Kampagne kommmitmensch,