Twitter Facebook Instagram Youtube Xing RSS Snapchat LinkedIn
inform ukh
Datum: Kategorie(n): Leistungen UKH · Versicherungsschutz · Sicherheit · Gesundheit · Psychische Belastungen · Drucken

Zu Hause pflegen ohne gesundheitliches Risiko

Angehörige zu Hause zu pflegen, kann psychisch stark belastend sein: Oft gelingt es nur mühsam, die Ansprüche der Pflegebedürftigen, der eigenen Familie und des eigenen Berufs zeitlich gut zu koordinieren. Umso wichtiger ist es, selbst körperlich gesund zu bleiben und nicht wegen Krankheit oder Unfall auszufallen. Gerade bei der Ausstattung der Wohnung, beim Bewegen der Pflegebedürftigen und beim Umgang mit Medikamenten und Desinfektionsmitteln gibt es einiges zu beachten, um die eigene Gesundheit zu bewahren.

Häusliche Pflege spielt sich meist in der Wohnung der Pflegebedürftigen oder des pflegenden Angehörigen ab, die dem „normalen“ Standard des Wohnungsbaus entspricht. Erst bei längerer Pflege werden hilfreiche stationäre Einbauten vorgenommen. Es gilt somit, die Wohnung durch einfache Maßnahmen sicherer zu machen, ohne sie komplett zu verändern: Gerade für Pflegebedürftige ist es wichtig, sich in ihrer Umgebung vertraut zu fühlen.

Stürzen und stolpern – so sind Sie sicher!

Sturz- und Stolperunfälle sind die häufigsten Ursachen von Verletzungen pflegender Angehöriger. Sie müssen im Notfall schnell in der Wohnung unterwegs sein oder müssen beim Gehen die Pflegebedürftigen stützen und vor Stürzen bewahren. Daher kommt es auf eine gute Standsicherheit an. Diese ist gegeben, wenn der Bodenbelag griffig, eben und frei von Hindernissen (wie Kabeln) ist. Teppiche können leicht wegrutschen, wenn sie nicht durch untergelegte Gummimatten fixiert sind. Daher sollten im Gehbereich keine Teppiche liegen. Unterschätzt wird die Bedeutung einer guten Beleuchtung, die Stolperstellen leichter erkennbar macht. So sollte die Beleuchtungsstärke mindestens 300 Lux (lx) betragen.

Die Lichtschalter sind an gut erreichbaren Stellen zu platzieren und sollten auch im Dunkeln erkennbar sein. Auch Nachtlichter erleichtern die Orientierung im Raum und reduzieren die Sturzgefahr.

Ein besonderes Problem stellen glatte Fliesen in Bädern dar. Hier ist nicht nur für den Pflegebedürftigen eine besondere Rutschgefahr gegeben – auch die pflegenden Angehörigen sind oft nicht in der Lage, Stürze zu vermeiden. Kann man die Bodenfliesen nicht gegen rutschhemmende Beläge ersetzen, reduzieren rutschhemmende Putzmittel, Gummimatten mit Saugnäpfen sowie rutschhemmende Klebestreifen die Gefahr. Wichtig ist es zudem, dass kein Wasser und kein Pflegemittel auf dem Boden verbleibt!

Verletzungen durch Anstoßen

Die meisten Wohnungen sind nicht auf die häusliche Pflege ausgerichtet und somit selten barrierefrei. Es fehlt oft an Bewegungsraum rund um das Pflegebett; die Türen sind zu schmal für Rollstühle wie auch für die Passage der Pflegebedürftigen gemeinsam mit den Pflegenden. Es ist somit immer möglich, sich zu stoßen oder sich zwischen Rollstuhl und Wand einzuklemmen. Abhilfe kann hier nur das Entfernen von Möbeln aus den Zimmern schaffen. Möglich, aber aufwändig ist außerdem das Verbreitern von Türen auf eine Breite von mindestens 90 Zentimeter. Bei der Neuanschaffung von Möbeln sollte man auf abgerundete Ecken und Kanten achten, durch die die Folgen eines Anstoßens reduziert werden können.

Anstoßen ist aber auch durch Pflegebedürftige möglich: Kommen diese ins Straucheln, klammern sie sich reflexartig an Möbeln, aber auch an den pflegenden Angehörigen fest, die durch die ruckartige Belastung ihrerseits ins Stolpern kommen oder an Einrichtungsgegenstände stoßen. Daher sollten pflegende Angehörige bei der Pflege auch keinen Schmuck tragen und ihre Haare zusammenbinden: Pflegebedürftige könnten beim Festhalten daran ziehen und die pflegende Person dabei verletzen.

Körperliche Be- und Überlastung

Pflegebedürftige brauchen Unterstützung in vielen alltäglichen Situationen, wie beim Waschen und Baden, dem Toilettenbesuch oder auch beim Verlassen des Betts oder beim Aufrichten im Bett. Die Hilfe bei diesen Tätigkeiten ist oft körperlich schwer und belastend. Zudem ist eine Unterstützung meist nur in gebeugter oder verdrehter Körperhaltung möglich. Ist die Möblierung der Wohnung nicht an die Anforderungen angepasst (z. B. Bett oder Badewanne zu niedrig), erhöhen sich die notwendigen Kräfte noch einmal deutlich. Es sollte angestrebt werden, die körperliche Belastung der pflegenden Person durch den Austausch des Betts, des WCs und der Badewanne bzw. Dusche etc. zu reduzieren. Geeignet sind höhenverstellbare Betten, bodengleiche Duschen, Sitzgelegenheiten in der Dusche, verkleinerte Badewannen und höhenangepasste Toiletten.

Ist dies nicht möglich, kann die pflegende Person spezielle belastungsreduzierende Bewegungstechniken (z. B. Kinästhetik) erlernen und einsetzen sowie kleine Hilfsmittel verwenden. Dazu zählen z. B. Haltegriffe, Einstiegshilfen in Badewannen, Badewannenlifter oder Wannensitze. Hilfsmittel wie Waschlappen mit Teleskopstiel oder Fußbürsten erlauben es dem Pflegebedürftigen, sich ohne Hilfe selbst zu waschen. Auch dies reduziert die körperliche Belastung der Pflegenden.

Eine höhere Standsicherheit ist auch durch die Auswahl geeigneter und bequemer Schuhe gewährleistet. Diese sollten vorne und hinten geschlossen sein und über eine stoßdämpfende und rutschhemmende Sohle mit einem niedrigen eingearbeiteten Absatz verfügen.

Infektionen und Hauterkrankungen

In vielen Fällen müssen pflegende Personen auch die Körperhygiene des Pflegebedürftigen übernehmen und kommen so mit Urin, Kot und anderen Köperflüssigkeiten in Berührung, die potenziell infektiös sein können. Diese Gefahr ist bei der Unterstützung der Mundhygiene, beim Wechseln verschmutzter Wäsche, beim Wechsel von Verbänden und der Behandlung von Druckgeschwüren sowie beim Wechseln von Urin- und Stuhlbeuteln am größten.

Die handelsüblichen dünnwandigen und flüssigkeitsdichten medizinischen Einmalhandschuhe und/oder eine Plastikschürze schützen vor der Übertragung von Krankheiten. Hierbei ist auf Allergien zu achten: Sollten beim Tragen von Gummioder Latexhandschuhen Hautreizungen oder Atemprobleme auftreten, sollte auf Handschuhe aus PVC, Nitrilkautschuk oder Vinyl ausgewichen werden.

Keime können aber auch an den Oberflächen der Möbel haften bleiben. Daher ist darauf zu achten, dass diese aus einem gut abwaschbaren Material bestehen. Textile Materialien sollten einen desinfizierbaren oder kochbaren Überwurf besitzen. Wie bei öffentlichen Sanitäreinrichtungen üblich, sollte Stückseife gegen Flüssigseife bzw. Waschlotion aus einem Spender ausgetauscht werden.

Keime bleiben auch am Fußboden haften und werden mit den Schuhen in andere Bereiche der Wohnung verschleppt. Daher ist neben der Reinigung des Fußbodens auch darauf zu achten, dass die Schuhe der pflegenden Angehörigen waschbar sind. Gegen Keime in der Luft hilft häufiges Lüften.

Reinigungs- und insbesondere Infektionsmittel sind aggressiv und können zu Reaktionen der Haut führen. Sie sollten nur mit geschützten Händen (Haushaltshandschuhe mit langen Stulpen) verwendet werden.

Zusätzliche Informationen

Werden die genannten notwendigen Schutzmaßnahmen getroffen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, als pflegender Angehöriger keine körperlichen Folgen davonzutragen. Es bleibt aber die psychische Belastung, über die inform in einer der nächsten Ausgaben berichten wird.

Im Portal „Sicheres Pflegen zu Hause“ wurden viele Tipps und Hinweise für pflegende Angehörige zusammengetragen. Insbesondere sind dort graphisch gut gestaltete Informationen, die bundesweit gültig sind, zu den unterschiedlichen Räumen einer Wohnung zu finden.

 

inform Ausgabe 4/2019

Weiterführende Informationen

Unfallgefahr: Stolperfallen unbedingt beseitigen und vor allem: geeignete, geschlossene Schuhe tragen! Bild: ©Adobe Stock, Antonioguillem

Dünnwandige und flüssigkeitsdichte medizinische Einmalhandschuhe schützen Sie vor der Übertragung von Krankheiten. Bild: ©Adobe Stock, Nastya Tepikina

Datum: Kategorie(n): Leistungen UKH · Versicherungsschutz · Sicherheit · Gesundheit · Psychische Belastungen · Drucken
Autor/Interviewer: Dr. Torsten Kunz, E-Mail: t.kunz@ukh.de